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Der Israelit · 1931-04-30 · Heft 18 (30.4.1931) · page 13

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Journal
Der Israelit
Volume
72 (1931)
Issue
Heft 18 (30.4.1931)
Date
1931-04-30
Page
– (sequence 13)
Language
German
Belongs to
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30. April 1931 Der Israelit Nr. 18 Seite 13 Eröffnung des Sommersemesters in der Frankfurter Jefchiwa. Frankfurt a. M., 27. April. Sonntag, den 2. Jjar (26. April), fand die Eröffnung des Sommersemesters ■ der Frankfurter Jeschiwa durch eine Ansprache des Rektors, Rabbiner Dr. Joseph Breuer, statt, in der er den neueintretenden Hörern die Ziele vergegenwärtigte, denen ihre Arbeit auf der Jeschiwa zu gelten habe, der unter den schwierigen Verhältnissen der Gegenwart neben der wissenschaftlichen Ertüchtigung ihrer Hörer vor allem die Aufgabe zufalle, starke jüdische Persönlichkeiten heranzubilden. Mit diesem Semester hat die Hörerzahl die Zahl 100 überschritten. Wenn auch die ziffernmäßige Liste nicht den Maßstab für die Blüte und Bedeutung einer Anstalt abgeben kann, so darf mit Befriedigung festgestellt werden, daß die Zusammensetzung der Hörer aus allen künftigen Berufsfchichten ein erfreuliches Zeichen für die Sehnsucht unserer Jugend nach jüdischer Lebensertüchtigung darstellt. Neben einer durch die Ungunst der wirtschaftlichen Verhältnisse verhältnismäßig begrenzten Zahl von wirklich tüchtigen Bachurim aus dem Ausland, sind es vor allem Bachurim aus Deutschland (ganz besonders mutz die große Zahl der Akademiker hervorgehoben werden), die der Jefchiwa ihr Gepräge geben. Daß die Gestaltung des Lehrplanes angesichts der differenzierten Vorbildung der Hörer an die Lehrtätigkeit des Dozentenkollegiums große Anforderungen stellt, versteht sich von selber. Der reichhaltige, vielfach abgestufte Lehrplan umfaßt neben den im Mittelpunkt der Gesamtarbeit stehenden, durch regelmäßige Prüfungen wirksam unterstützten, Talmudschiurim des Rektors und der Dozenten (Dr. Posen, Ehrentreu. Jakobowitz), Schiurim für außerordentliche Hörer (Jakobowitz), Vorlesungen und Uebungen in T'nach, Schulchan Aruch, hebräische Grammatik, für reife Bachurim. die auf der Jefchiwa ihre rabbinischeAusbildung finden wollen, wöchentliche Prüfungen in Jore Dea und damit im Zusammenhang stehenden talmudischen Partien (durch den Rektor), Ertüchtigung in Jore Dea (Dr. Posen), homiletische Uebungen (Rektor), praktische Halacha (Dr. Posen in enger Fühlung mit Herrn Rabbinatsassessor Posen). — Von weiteren SonderveranstaltUNgen seien die Vorlesungen und Arbeitsgemeinschaften erwähnt: Dr. Moses Breuer „Hebräische Grammatik", Dr. Jsaac Breuer „Thora im Derech Erez", Dr. S. Ehrmann „Strömungen in der zeitgenössischen Judenheit". Studienrat M. Munk „Sinn des Judentums",. Redakteur S. Schachnowltz „Jüdische Geschichte", Lyzealoberlehrer K. Ochsenmann „Methodik des Religionsunterrichtes". Einen besonderen Lehrplan benötigt die der Jefchiwa angegliederte S ch o ch t i m s ch u l e. Auch die „Schiurim für Schüler" (in' 10 Gruppen) weisen wieder eine erfreuliche Frequenz auf. Die reichhaltige Bibliothek der Jefchiwa hat ourch die dankenswerte Arbeit des Dozenten Ehrentreu eine den veränderten Verhältnissen angepaßte Neuordunng erhalten. Die Jeschiwa ist für weitere Zuwendungen dankbar. Mehr denn je muß und darf das verdienstvolle Kuratorium der Jeschiwa auf die verständnisvolle, opferfreudige Mitarbeit weite ft er Kreise rechnen, durch die es allein dieser Thorahochschule ermöglicht wird, ihre segensreiche Aufgabe im Dienste der Erstarkung des jüdischen Lebens in Deutschland nachzukommen. Die Woche. Ausspracheabend der Agudas Jisroel-Iugendgruppe E. V. Wir veranstalten im Sommersemester für unsere Mitglieder und Freunde Ausspracheabende, die in die Ideologie und die praktische Politik der Agudas Jisroel einführen sollen. Der erste Abend findet am Sonntag, den 3. Mai a. c. um 20.45 Uhr im Heim (Schwanenstr. 12) statt. Einleitend referiert Herr Jacob Rosenheim über „Die Prinzipien der gegenwärtigen agudistischen Erez Jisroel-Politik". Gäste — Damen und Herren — willkommen. Der Doppelsijum im Verein Vlekor Chajim <£. V. Der Kartenverkauf für den am Rausch Chaudesch Siwan (Sonntag, den 17. Mai) stattfindenden Doppel- Sijum hat bereits lebhaft eingesetzt. Teilnehmerkarten zum Preise von Mk. 2.50 sind, soweit verfügbar, zu haben bei den Herren: Fritz Stern, Langestr. 18 (Telef. 23 424) und Joseph Rosenthal, Friedberger Anlage 8. Anmeldungen können mit Rücksicht auf die nur beschränkte Anzcchl der verfügbaren Plätze nur in der Reihenfolge des Einganges berücksichtigt werden und empfiehlt sich daher frühzeitige Bestellung. Die Vorbereitungen lassen erkennen, daß sich auch dieser Sijum wieder zu einem schönen K'hillofeft gestalten wird. Klarstellung. Unser Berichterstatter über die Sitzungen der Gemeindevertretung der Israelitischen Gemeinde schreibt uns: Wie ich zu meinem großen Bedauern erfahre, ist die im jüngsten Bericht enthaltene Bemerkung über das Fehlen des Nachrufs auf Jfaac Mainz f. A. mißverständlich aufgefaßt worden. Sie war der augenblickliche unwillkürliche Stimmungsausdruck einer gewissen inneren Schmerzempfindung und beabsichtigte, wie ich hiermit ausdrücklich vor aller Oeffentlichkeit erkläre, keineswegs irgendeinen persönlichen Vorwurf gegen das, was auch ich selbstverständlich nur als Ausfluß einer ungewollten Vergeßlichkeit erkannte. Verein zur Aussteuerung hiesiger israelitischer Bürgerslöchler <E. V. Der seit 1790 bestehende Verein zur Aussteuerung hiesiger israelitischer Bürgerstöchter hat am 21. d. M. seine diesjährige ordentliche Mitgliederversammlung abgehalten. Der Mitgliederbeitrag für 1931 wurde wieder auf Mk. 9/— festgesetzt. Bei der Verlosung der Aussteuer 1. Klasse aus 1930, die Mk. 4000 (im Vorjahre Mk. 3500) beträgt, wurde die Nummer 154 gezogen. Dem Mitglied, das diese Beteiligungsnummer besitzt, steht das Recht zu, den genannten Betrag als Mitgift einem Mädchen zuzuweisen, das den satzungsgemäßen Bedingungen entspricht. Ferner hat der Vorstand in seiner auch am 21. d. M. stattgefundenen Sitzung beschlossen, sechs Aussteuern 2. Klasse von je Mk. 400 am 23. Juni d. I. zur Vergebung zu bringen. Zur Bewerbung um diese Aussteuern 2. Klasse ist jedes jüdische Mädchen, das den Bedingungen der Satzung genügt, ohne irgend eine Zahlung zugelassen. Anmeldungen sind von den Bewerberinnen bezw. ihren Eltern oder Vormündern bis zum 22. Mai ds. Js. bei Herrn Wolfgang Auerbach, Gervinusstraße 10, vorm. 8—9 Uhr einzureichen. Der Verein lädt auch hiermit zur Erneuerung bezw. Erwerbung der Mitgliedschaft ein und bittet, ihm den Jahresbeitrag von Mk. 9.— auf sein Postscheckkonto Nr. 503 38 zu Äerweisen. Jedes Mitglied erhält mit der Quittung über den Jahresbeitrag feine Beteiligungsnummer für die Verlosung der Aussteuer 1. Klasse aus 1931, die in der ordentlichen Mitgliederversammlung des nächsten Jahres erfolgen wird. Der Verein hofft, durch den Hinzutritt vieler neuer Mitglieder in den Stand gesetzt zu werden, die Beträge der Aussteuern noch weiter zu erhöhen. Immerhin bietet die Verlosung der Aussteuer 1. Klasse den Mitgliedern eine gang besondere Chance. Während nämlich bei jeder anderen Verlosung nur ein Teil der eingezahlten Beträge verlost wird, übersteigt der Betrag der Aussteuer 1. Klasse wesentlich die Summe der Mitgliederbeiträge, da der Verein einen bedeutenden Betrag aus den Zinsen seines Kapitalvermögens hinzufügt. Freilich erhält das gewinnende Mitglied nicht den Betrag der Aussteuer für sich selbst, sondern nur das Recht, ihn einem minderbemittelten Mädchen das aber mit ihm verwandt sein darf, als Mitgift zu überweisen. Den Vorstand bilden zurzeit die Herren Alfred Schwarzschild, Vorsitzender, Wolfgang Auerbach, Max David, Ludwig Groedel, Abraham Horovitz, Dr. Ernst Kirchheim und Max Stern. Exemplare der Satzung werden auf Ansordern (Anschrift Gervinusstraße 10) zugesandt. Israelitisches Männerheim in Bad Nauheim. Das seit langen Jahren bestehende Israelitische M ä n n e r h e i m Bad Nauheim eröffnet seinen vollen Kurbetrieb. Anmeldungen nimmt Herr M. P o l i a n, Frankfurt a. M., Grüneburgweg 12, entgegen. Bei der bekannten reichlichen, streng rituellen Verpflegung und guten Versorgung werden hoffentlich auch dieses Jahr dort Viele Erholung und Genesung finden. (Siehe Inserat.) Kinderhaus der weiblichen Fürsorge E. V. Von der Verwaltung des „Kinderhauses" wird uns geschrieben: Im verflossenen Jahr ist die Zahl unserer Pfleglinge zurückgegangen. Der Grund hierfür liegt in der überaus schwierigen Wirtschaftslage, welche den Eltern und Angehörigen von Kindern die Zahlung der Pflegekosten immer mehr erschwert. Die Zahl der Pfleglinge betrug 42 gegenüber im Vorjahre 51; die Zahl der Pflegetage 13 884 (i. V. 18000). Auch in unseren regelmäßigen Einnahmen wirkte sich die Ungunst der Zeiten sehr nachteilig aus: an Mitgliedsbeiträgen vereinnahmten wir Mk 2809 (i. V. Mk. 3142), an Spenden Mk: 3560 (i. V. Mft 7579). Wir richten deshalb an Alle, die die Fortsetzung unserer Aufgabe in vollem Umfange mit uns für notwendig erachten, die dringende Bitte, uns ihr Interests und ihre Unterstützung nach Kräften zu widmen. Wie bisher werden Knaben und Mädchen bis zu 6 Jahren, außerdem aber auch Mädchen von 6—10 Jahren gegen Entgelt als Pfleglinge ausgenommen. Anfragen an die Verwaltung erbeten. Vermißt! Vermißt wird Aron Korsnaeosky, geb. 1894 oder 1895 in Belgrad, Kursier Gouvernement (Rußland), von Beruf Uhrmacher; K. wurde 1915 von den Deutschen gefangen genommen und wahrscheinlich in ein Konzentrationslager nach Frankfurt oder Umgebung gebracht. Seit dieser Zeit haben seine Angehörigen keinerlei Nachrichten, von ihm erhalten. — Zweckdienliche Nachrichten über K. erbeten an den Israelitischen Hilfsverein, Frankfurt a. M., Langestr. 30. Personalien. Mühlheim a. 2lt., In selten geistiger und körperlicher Frische begeht am 1. Mai Herr David Stiesel dahier seinen 80. Geburtstag. Mit eine der festesten Stützen unserer kleinen Gemeinde, besucht er noch regelmäßig den G'ttesdienst. Möge er sich noch recht lange der besten Gesundheit erfreuen. Karlsruhe. 21. April. Am Sonntag, den 19. April, verschied nach kurzem, schwerem Krankenlager Frau Rabbiner Dr. Schiffer. Mit ihr wurde eine Frau von seltenen Geistesgaben und feinfühligem Empfinden zu Grabe getragen. Vier Jahrzehnte hindurch war sie an der Seite ihres Gatten >'xt, des unvergeßlichen Rabbiners der Israelitischen Religionsgesellschaft in Karlsruhe, Vorbild und Beispiel für die jüdischen Frauen, die mit Vertrauen und Hochschätzung zu ihr aufblickten. Sie war es, die ihrem Gatten mit Verständnis und Taktgefühl in allen Lagen des Lebens treu zur Seite stand. Als älteste Tochter des hochangesehenen Rabbi Chajim Herzmann hatte sie in sonniger Jugend den Keim gelegt zu der Gewissenhaftigkeit und Pflichttreue, die sie ihr ganzes Leben hindurch auszeichneten. Sie war ängstlich bedacht, nicht um Haaresbreite von der genauesten Erfüllung der G'ttesgebote abzuweichen. Ihre größte Freude war es, in geheimer Verschwiegenheit Wohltaten üben zu können, ihr einziger Stolz, daß auch ihre Töchter das Höchstmaß des Wissens mit dem Höchstmaß der G'ttessurcht vereinten. Sie betrachtete es als größtes Glück, gleichgesinnte Schwiegersöhne gefunden zu haben, die in G'ttessurcht und Wissenschaft in gleichem Maße hervorragen. Ihre Enkelchen wußten, daß sie den Großeltern eine Freude machten, wenn sie durch Erfüllung einer Mizwoh G'tt dienten. Das Streben, für G'tt und die Ihren zu wirken, erhielt die Entschlafene jung: alt wurde sie — als durch ein herbes Geschick ihr der Gatte entrissen wurde. Sie betrachtete es als fein teures Vermächtnis, die Erinnerung an ihn wach zu halten bei nah und fern. Der Schmerz und die Trauer unterwühlte ihre Kraft. Auf ihrem Krankenbette übertönte die Leiden die Besorgnis, kein Verbot übertteten zu müssen und die Betrübnis, ihren Lieben Mühe zu verursachen. Groß war das Gefolge, das ihr die letzte Ehre erwies. Herr Rabbiner Dr. Michalski schilderte im Anschluß an einen Vers des Wochenabschnittes das vorbildliche Leben der Verstorbenen; im Namen der Töchter, Schwiegersöhne und Enkel gab der Schwiegersohn, Herr Dr. Willi Weil, dem heißen Dank und der tiefen Wehmut in bewegten Worten Ausdruck und schloß mit dem Wunsche, daß ihr nw den Ihren und ihrer Gemeinde beistehen möge. v asm Alzenau (Ufr.), 25. April. Nach 37jähriger Wirksamkeit in seinem Heimatsorte Hörstein schied Herr Oberlehrer Israel Wähler von uns, um als Nachfolger seines allzufrüh in die Ewigkeit berufenen Bruders die Volksschullehrerstelle in Neustadt a. S. anzutreten. Wenn man solange Zeit an einem Platze wirkt, erhält dieser das Gepräge seines Amtsinhabers. So ist es dem unermüdlichen, kraftvollen Schaffen des Scheidenden zu verdanken, wenn in Hörstein heute noch alle jüdischen Institutionen in bester Verfassung sich befinden. Er bewirkte die Umwandlung der Religionsschule in eine Volksschule, sorgte für die Renovierung der Synagoge UNd Mlkwvh und suchte, begünstigt durch eine glänzende Rednergabe, durch allsabbatliche Vorträge die Religiosität in seiner Gemeinde zu heben. Sein pflichteifriges Wirken in der Schule war vorbildlich und wurde bei den Prüfungen auch von der Staatsbehörde anerkannt. Kein Wunder, daß Oberlehrer Wähler bei seinem Abschiede große Ehrungen zuteil wurden. Der Bezirkslehreroerein Alzenau hielt eine Abfchiedskonferonz in Hörstein, um ihm eine besondere Freude zu bereiten. Der Konferenzleiter, Herr Hauptlehrer Rosel v. Großwelzheim, hob in seiner Ansprache die großen Verdienste Wählers hervor, die er sich durch Vorträge im Vereine, feine Anregungen bei den Debatten und durch fleißigen Besuch der Konferenzen im großen bayrischen Lehrervereine erwarb. Der Gesangverein in Hörstein, dessen Gründer und Ehrenmitglied Wähler war, brachte ihm ein Ständchen, und die Kultusgemeinde sowie die christlichen Kollegen und andere Freunde ehrten den Scheidenden durch prächtige Geschenke. Möge Herrn Oberlehrer Wähler in seinem neuen Wirkungskreise gleiche Anerkennung und gleicher Erfolg beschieden sein. Die . besten Wünsche seiner zahlreichen Schüler und Freunde" b'egleMn ihn.

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