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Der Israelit · 1931-04-23 · Heft 17 (23.4.1931) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
72 (1931)
Issue
Heft 17 (23.4.1931)
Date
1931-04-23
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Frankfurt a. M 23. April 1931 Jjar 5691 Oer Israeli Begründet von Dr. Lehmann in Mainz. Nr. 17 Ein Centralorgan liir das orthodoxe Judentum Abonnement ab Juli 1829: Deutschland 1.38 Mark monatlich; Ausland: Bterteljahrpreise (entsprechend dem deutschen Inlandspreis zuzüglich Kosten des Streifband-Versandes) Deutsch-Ssterreich: Schilling 8.—; Amerika 1 Dollar; England 4 sh.; ab 1 Juli Frankreich 23 Fr.; Belgien ab 1.7.87. Belga 9.; Lolland 8 fl.; Italien ab 1.1.38.18 Lire: Iugo» slavien 85 Din.; Litauen 7.50 Lit.; Rumänien ab 1. 7. 27. ISO Lei; Polen 4 deutsche Goldmark zum Tageskurs oder 7 Zloty; Schweiz ö Fr.; Tschecho-Slowakei 25 Kronen; Ungarn Pengö 5 ab 1. Juli 1927; Dänemark 3.50 Krön.; Norwegen 3.50 Krön.; Schweden 3.50 Krön. Einzelnummer vierzig Goldpfennige. Der Israelit erscheint jeden Donnerstag. Inserate 50 Goldpf. für die stebengesp altene Nonpareille-Zeile. Abonnenten zahlen bei Stellengesuchen und Familienanzeigen nur *0 Pf. Die 75 mm breite Reklamezeile: letzte Textseiti 2.— Mk., vorletzte Textseite 250 Mk.; Chiffregebühr in Höhe eines dopp. Fernbriefportos. Rabatt nach Tarif. Bet laufenden Jnferataufträgen tartfm. Preiserhöhung federt Vorbehalt. Inseratenannahme durch den Verlag des Israelit G. m. o. Frankfurt a. M , Rechneigrabenstratze 7, Del- Hansa 21084 sow. durch sämtl. Annoncen-Erped. d. In- und Auslands. Alleintge Inseratenann. für Franks. Geschäftsanz.: Jul. Schmidt, Hölderlinftratze 25 Tel. 45888. Platzvorschr. ohne Verbindlich!. ., __„_ ___ _ Auherdem an: Postsparkasse Wien Nr.79 685. —Postspar!. ... — - .. - —.- it Zürich Nr. VIII7254. — Inkasso-Bank Rotterdam — Postscheckamt Amsterdam Nr. 21869 - Postscheckamt Pcag^SN. Co.Jtt sparkassenzmt Budapest Nr. 18424.—Postscheckkonto _direkt an den Verlag auf Postscheckkonto Frankfurt ('Main) Nr. 19312. — Warschau Nr. 190757. - Postscheckamt Zürich Nr. VIII7254. - Inkasso-Bank Rotterdam —— - „ „ - - - - --- - ■ ~ Bukarest — Filiale des Wiener Bankvereins in Agram. — Der Gerichtsstand für alle aus Abonnements oder aus Inseraten stch ergebenden Zahlungsverpflichtungen ist Frankfurt a. M. Erneuern Sie sofort beim Postboten die Bestellung auf den „Israelit“ für den Monat Mai! Wird dies versäumt, so tritt eine Unterbrechung der Zusendung ein, ohne daß wir selbst Kenntnis davon erhalten. Für verspätete Bestellungen rechnet die Post einen Aufschlag von 20 Pfg. Verlag des Israelit G.m.b.H., Frankfurt a.M. Fünftagewoche und Kalenderreform. Zu den: beiden Problemen der Kalenderreform und der Fünftagewoche, die in ihrer Verbindung miteinander eine geradezu lebenbedrohende Gefahr für bas gesetzestreue Judentum darstellen, liegen eine Reihe von literarischen Aeuherungen vor, die wir regfiftrrerert möchten. Zunächst sei aus eine außerordentlich dankenswerte gründliche Arbeit über die Fünftagewoche und ihre Problematik hingewiesen, die im letzten Heft des „Jeschurun" Joseph Stern veröffentlicht. Man erkennt bei dem Studium dieser gründlichen Arbeit so recht, wie verwickelt die Problematik der Arbeitszeitregelung vom Gesichtspunkte der gesetzestreuen Interessen aus ist, und wie es tatsächlich nicht angeht, über diese Dinge ohne die eingehendsten Erwägungen der Verhältnisse in den verschiedenen Ländern und ohne allseitige Berücksichtigung der kulturellen, religiösen, sozialen und politischen Gesichtspunkte zu urteilen. Der Artikel gipfelt in der Darstellung des Unheils, das für uns die Kombination der Fünftagewoche — trotz ihrer an sich segensreichen Wirkungen — mit einer Kalenderreform, die auf Blankotagen beruht, bedeuten würde. Durch eine solche Kombination, die G'tt verhüten möge, wäre der gesetzestrsus Jude genötigt, 3 Tage in der Woche zu feiern, an dem eigentlichen Sabbat, sowie an den beiden offiziellen bürgerlichen Ruhetagen, dem Pseudo-Sabbat und Pseudo-Sonntag. Hoffen wir, daß es dahin nicht kommt. Zur Geschichte der Fünftagewoche selbst und der weiteren Entwicklung des Gedankens bringt die „Deutsche Graveur-Zeitung" in ihrer Nummer 7 dieses Jahrgangs einen interessanten Aufsatz, der u. a. eine merkwürdige Tatsache feststellt. Das erste praktische Beispiel für die Einführung der Fünftagewoche gab um das Jahr 1910 eine amerikanische Spinnerei, die überwiegend jüdische Arbeiter beschäftigte, so daß sie den Samstag arbeitsfrei halten muhte. Zum Ausgleich verteilte man die ausfallenden Arbeitsstunden gleichmäßig auf die übrigen Wochentage, wobei man im Laufe zweier Jahrzehnte die Beobachtung machte, daß die Arbeitsleistungen gegenüber der Sechstagewoche anderer Unternehmen in keiner Weife zurückstanden. Die Eroberungen, die die Fünftagewoche bis jetzt in Amerika gemacht hat, sind übrigens nicht sehr bedeutend. Nach Erhebungen des amerikanischen Jndustrieverbandes arbeiten in Amerika zur Zeit etwa 217 000 Industriearbeiter und rund 180 000 Bauarbeiter im Rahmen der Fünftagewoche, darunter gehören 175 000 den Ford-Werken an. die grundsätzlich keine Gewerkschaftsmitglieder beschäftigen. ,; In der K a l e n d e r r e f o r m-F rage verstärkt sich der Eindruck, daß die katholischen Kreise allmählich anfangen, die ungeheure religiöse Gefahr, die mit der Abschaffung der traditionellen Woche verknüpft ist, schärfer ins Auge zu fassen. Im „Berliner Tageblatt" veröffentlicht Dr. Gottfried B r ü ri n e r einen Artikel, der sowohl hinsichtlich der Festlegung des Ostertermins, als auch des Blankotages starke religiöse Bedenken geltend macht. Es heißt in dem Artikel, daß das christliche Osterfest an das jüdische Osterfest anknüpft und' daß auch nach der selbständigen Festlegung des Ostertermins das christliche Osterfest nicht unabhängig geworden sei von der mosaischen Anordnung. Die von dieser vorgesehene Bindung an den Frühling und an den Vollmond sei auch von der Kirche beibehalten worden. Daß die Festlegung des Ostertermins auf einen bestimmten Tag bezw. auf eine bestimmte Woche bei der Feststellung des liturgischen Jahres b e q u e m e r sei, .könne kein genügender Grund dafür sein, „von den von den Vätern a u f g e - stellten Bestimmungen abzugehen. die ihrerseits wieder auf g ' t t l i ch e n Anordnungen fuße n." Der Artikel schließt dann wie folgt: „Das stärkste Bedenken aber mühte gegen die Unterbrechung der Wochenordnung geltend gemacht werden. Rach einen; Resormvorschlag soll nämlich der letzte, bezw. in Schaltjahren zwei Tage des Jahres aus der Woche herausgenommen und anderswo im Jahre untergebracht werden, so daß eine Woche des Jahres acht Tage zählen würde und mit dem Jahresanfang auch eine neue Woche beginnen unb folglich alle Monatstage in allen Jahren immer auf denselben Wochentag fallen. Nun i st aber die siebentägige Woche eine g t t l i ch e Einrichtung, an der die Menschen nicht rütteln sollen. Zudem ist der Vorteil, den diese Regelung bringen soll, so gering, daß es sich schon mit Rücksicht auf das hohe Atter dieser Institution gar nicht empfehlen würde, von ihr abzugehen." . Hält man diese Aeußerung mit einer anderen jüngst von uns veröffentlichten aus kirchlichen Kreisen zusammen, so sollte man annehmen, daß das bisherige Schweigen der amtlichen Instanzen der katholischen Kirche jedenfalls noch keine Zustimmung zu den Plänen der Reformer lwd^^ ' ' '• —- Dagegen ist das „Deutsche Studien-! k o m i t e e", obgleich ihm Vertreter hex Reli- | gtonsgesellschaften — von jüdischer Seite nur ein Vertretet des Allgemeinen Rabbmerverbandes. Robb. Dr. Baeck — angehören, über die religiösen Bedenken stillschweigend zur Tagesordnung übergegangen und hat in seinem Berichte vom 16. März ds. Js. festgestellft daß „neun Zehntel der ihm angeschlossenen Organisationen" die Notwendigkeit der Reform und zwar'einer Reform mit Blankotagen anerkennen. Da diese „neun Zehntel" rein geschäftliche Interessen vertreten und für religiös-ideale Gesichtspunkte gar kein Verständnis haben, so ist das weiter nicht zu verwundern. Jedenfalls bleibt die Tatsache bestehen, baß es unverantwortlicher Leichtsinn wäre, vor der Größe d e r G e f a h r, die insbesondere in der Kombination mit der immer aktueller werdenden Fünftagewoche liegt, die Augen zu verschließen. Daß grade in diesem kritischen Augenblicke die Kraft und Einheit der jüdischen Abwehrbewegung durch die in der vorigen Woche besprochene Krise im Züricher Komitee schwer ge-

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