Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 72 (1931)
- Issue
- Heft 14 (1.4.1931)
- Date
- 1931-04-01
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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1. April 1931 Frankfurt a. M., den Nr. 14 iH Ein Centralorgan für das orthodoxe Judentum ((fJBB j IJ Begründet von Dr. Lehmann in Mainz. Ul 1 MM ' \\\ UNI M | Abonnement ab Juli 1929: Deutschland 1.39 Mark monatlich; Ausland: Bterteljahrpreise (entsprechend dem deutschen Inlandspreis zuzüglich Konen des Streifband-Berfandes) Deutsch-Österreich: Schilling 6.—; Amerika 1 Dollar; England 4 sb.; ab 1 Juli Frankreich 23 Fr.; Belgien ab 1.7.27. Belga 5.; Holland 3 fl.; Italien ab 1.1.28.18 Lire; Jugo» slavien 35 Din.; Litauen 7.50 Sit; Rumänien ab 1. 7. 37. 130 Lei; Polen 4 deutsche Goldmark zum Tageskurs oder 7 Zloty: Schweiz 5 Fr.; Tschecho-Slowakei 25 Kronen; Ungarn Pengo 3 ab 1. Juli 1927; Dänemark 3.59 Krön.; Norwegen 3.50 Krön.; Schweden 3.59 Krön. Einzelnummer vierzig Goldpfennige. Der Israelit erscheint jeden Donnerstag. Infrrate 69 Goldpf. für die fiebengesp altene Nonpareille-Zeile. Abonnenten zahlen bei Stellengesuchen und Familienanzeigen nur *0 Pf. Die 75 mm breite Reklamezeile: letzte Textseite 3.— Mk., vorletzte Textsette 359 Mk.; Chtffregebühr in Höhe eines dopp. Fernbrtefportos. Rabatt nach Tarif. Bet laufenden Jnferataufträgen tartfm. Preiserhöhung jederz Vorbehalt. Jnseratenannahme durch den Bkrlag des Israelit G. m. b. H., Frankfurt a. M , Rechneigrabenstratze 7, Tel. Hansa 21984 sow. durch sämtl. Annoncen-Exved. d. In- und Auslands. Alleinige Jnseratenann. für Franks. Geschäftsanz.: Jul. Schmidt, Hölderlinftrabe 25 Tel. 45388. Platzvorschr. ohne Berbindlichk. Zahlungen direkt an den Verlag aus Postscheckkonto Frankfurt (Main) Nr. 19312. — Algrcoem an: Plltlpirkasse Wien Nr.78rnis. —Poftlparkasfenamt Budapest Nr 18424.—Postscheckkonto Warschau Nr. 190757. — Postscheckamt Zürich Nr. 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Der erste und dritte sind für den Seder nicht charakteristisch, denn jedes Mahl des Sabbat und des Feiertags soll mit dem Becher Weines zum Kiddusch und dem zum Tischgebet ausgezeichnet fein. Charakteristisch für den Seder sind der zweite und vierte Becher, der erstere, der Becher des Dankes über die uns geschenkte Befreiung aus Aegypten, der letzte der Becher über die uns zugesicherte Erlösung durch den Messias. Durch den ersten Becher begrüßen und bejahen wir das Fest als solches und danken für die dem Tag erteilte W e i h e , mit dem dritten Becher danken wir für die mit dem Fest verbundene Freude, sein Glück und Wohlbehagen. Der zweite und letzte Becher verknüpft das Fest mit dem Anfang und Ende unserer Volksgeschichte. Die Gliederung des dritten Sederabs ch n i t t s fei, als die einfachere, vorweggenommen. Die mefsianische Erlösung zerfällt in Hwe: Teile: erst der Kamps mit den G'ttesfeinden, mit Gog und Magog, und die Leiden des Messias: dann erst folgt die Beseligung der G'ttesherrschaft aus Erden. Dementsprechend beginnt der SederHevssid mit „Schefauch chamoßcho el hagojim" dem kurzen Gebet um ein schnelles Ende der Leidenszert. Dann folgt der Teil des Hallel, der über das Kommen des G'ttesreiches und das Glück des Messias spricht, der die beiden messianischen Verse enthält: „Hau-du la-haschem, n tauw", wo alle Welt G'tt huldigt, weil Er gut ist und die Welt, nunmehr ohne Tranen und Leid, ihre Vollendung erlangt hat, und m „onno Haschern, hauschio no" die Menschheit bittet, des messianischen Heils teilhaftig zu werden. Daran schließt sich dann in allen Variationen der Dank und das Lob G'ttes über die Endgestaltung der Weltgeschichte, wo „Nischmas kol chai", alles Lebendige, G'tt anerkennt und der letzte endgültige Jifchtabach gesprochen wird. Den vierten Becher schenken wir erst ein, nachdem das Schefauch chamoßcho gesprochen ist, denn erst nach den messianischen Wehen beginnt das Glück der Geullah. Der erste Abschnitt, der Seder Mizrajim, hat eine etwas kompliziertere, aber dennoch wundervoll klare Disposition. Sie knüpft zunächst an den Sinn der Mazzoh an. Diese hat eine doppelte Bedeutung, sie ist erstens Lechem auni, das Brot des Elends, das in Aegypten gegessen wurde, sie ist ferner das Brot des Auszugs, der Befreiung, (bedeutsam uns lehrend, daß das Brot des Elends sich ins Brot der Freiheit verwandelt.) Das Brot der Freiheit, das festtägliche Brot, bilden zwei ganze Mazzaus: das Brot des Elends ist nur ein Stück, ist die gebrochene Mazzoh. Der Anfang der Hagadah gilt noch der Erinnerung der Knechtschaft, dem Brot des Elends, daher das Brechen der Mazzo („jachaz") und feine Kennzeichnung als Brot des Elends in Ho-lachmo anjo. Weit dies vom Elend, von Galuth und Not kündet, spricht es in der Sprache des Galuth, dem Aramäischen. Es rechtfertigr sich deshalb auch, daß in diesem ersten Abschnitt das Moraur, das bittere Kraut, in der Form des in Salzwasier getauchten Karpaß vorweggenommen wird, wie man ja auch bei der Brocho über Karpaß bereits mit feinen Gedanken das spätere Bitterkraut miteinschließen soll. Erst jetzt wird der zweite Becher eingeschenkt, denn erst jetzt beginnt die Hagada der Erlösung. Mizwas Hagada soll nach dem Bibelwori zumeist an die Frage des Kindes anknüpfen. Die Fragen aber sollen durch die Symbole des Festes: Pessach, Mazzoh und Moraur erweckt werden. Die vierfache Frage des Ma nifchtano, wohl den vier Kindern entsprechend, erstreckt sich daher lediglich auf diese Symbole und die den Genuß des Moraur begleitende Zeremonie des Eintauchens in Charaufes. Heute, da kein Pessach mehr genossen wird, fragt sie statt nach ihm nach dem Sinn der Anlehnung beim Genuß der Mazzoh. Jetzt folgt die eigentliche Hagada. Die Thora kennt nun außer den mit den vier Kindern in Verbindung stehenden Antworten noch eine Hagada, die unabhängig ist von der Kinderfrage. Das rft die Hagada, die man kündet beim Darb r i n g e n d e r E r st l i n g e. (Anfang von '2 X2r> ). Auch da trat man vor den Priester mit dem Wort: higgadti hajaum. Diese letztgenannte Hagada mit ihrer Ausdeutung durch den Sifri, durch die Erklärung unserer tannaitischen Weisen, bildet den Hauptteil der Erzählung vom Auszug. Vorher wird nach einer ganz kurzen Hagada: Awodim hojinu zunächst die Pflicht des Erzählens, die Mizwas Haggodo selbst beleuchtet, daß sie für alle Zeiten gilt, daß die größten Männer selbst unter Not und Tod , wie bei der hadrianischen Verfolgung, die Lehrer in Bne Brak über dieser Pflicht alles vergaßen, daß sie eigentlich jeden Tag von neuem an uns herantritt, selbst in der Messiaszeit fortdauert, daß sie aber ganz besonders im Verhältnis von Eltern zu Kindern gilt, wie immer die Kinder geistig oder im Charakter geartet sein mögen, daß die spezielle Pflicht des Kündens um die Zeit der Befreiung, aber nicht im Monat der Befreiung und nicht am Tage der Befreiung, sondern in Anknüpfung an die Symbole des Pessachabends zu erfolgen habe. Nun beginnt die eigentliche Hagada, zurückgrelfend bis auf Terach, den heidnischen Vater Abrahams und bringt die Knechtschaft in Aegypten in Verbindung mit der Erwählung Abrahams, daß unsere hohe Aufgabe und unsere Auserwähltheit in der Welt nur durch die Leidensschule ermöglicht ward, die schon Abraham angekündigt war, also gewiß kein Zufall war. Diese Schule des Leides hat uns in unserer ganzen Geschichte beigestanden. Dann folgt mit den Worten: „Ze ulmad, gehe hin und lerne", die Hagada in der tannaitischen Beleuchtung, von Stammvater Jakobs Wanderung nach Aegypten an bis zur Befreiung. An den Bericht knüpft sich der Dank, beginnend mit den Worten: „wieviel Wohltaten hat uns doch G'tt erwiesen," nimmt auch die Pessachsymbole als Ausdruck dreifacher Dankeskundgebung gegen G'tt, da jeder sich selbst als erlöst zu betrachten habe. Mit dem ersten Teil des Halle!, dem Hallel Mizrajim, bekennen wir uns freudig als Diener G'ttes, und nicht mehr als Diener der Menschen, und schließen mit dem Segensspruch: goal jißroel, dem Dank an G'tt, der Israel erlöst hat. Das Mahl umfaßt natürlicherweise zunächst Mazzoh und Moraur.. Im Gedanken, daß wir das Pesfachlamm nicht mehr genießen können, dadurch eine Stimmung der Wehmut über uns kommt, genießen wir das Ei, das Mahl der Trauer, in Salzwasser getaucht, um am Schluß