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Der Israelit · 1931-03-12 · Heft 11 (12.3.1931) · page 14

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Journal
Der Israelit
Volume
72 (1931)
Issue
Heft 11 (12.3.1931)
Date
1931-03-12
Page
– (sequence 14)
Language
German
Belongs to
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oeitc 14 9ir. 11 stellen. Schweiget gegen bei Lüge, aber redet von der Wahrheit . . . Und was der einzelne nicht vermag, schreien, wachrufen vermag er den Nachbar, den Bruder, den Gleichgesinnten, daß Gedanken und Kräfte sich einen, das zu bewirken, was der einzelne nicht kann. Weit über die Einsicht eines einzelnen hinaus liegt wahrlich die Ueberlegung, was heilsam, was nützlich, was recht sei, jetzt im Leben zu tun, auf daß die Tauroh erhalten werde im Leben, — warum gehen nicht Gleichgesinnte zusammen in jedem Dorf', in jeder Stadt, in jedem Lande, gemeinschaftlich zu beraten, was gemeinsam not ist? Schwieriger als je wird es dem gesetzestreuen jüdischen Vater, seine Söhne nicht nur jüdisch zu erziehen, sondern sie auch für den einstigen Broterwerb solche Wege zu führen, die nicht abführen vom Gesetz. Ueberall, als Kaufmann, als Handwerker, als Künstler, als Gelehrter, finden sie nur breitgetretene Spuren der Abweichung vom g'ttlichen Worte. Warum gehen nicht die gesetzestreuen Väter jedes Dorfes, jeder Stadt, jedes Landes zusammen, um gemeinsam über die Mittel zu beraten, ihre Kinder zu Brot, ohne Beeinträchtigung religiöser Pflichten, zu führen? Warum unter allen Vereinen zur Bildung jüdischer Handwerker usw. keinen zur Bildung jüdischer Handwerker usw.? . . . . . . doppelt, dreifach Anerkennung verdient wahrlich die Treue und Beständigkeit, mit der noch so viele Jünglinge und Jungfrauen, Männer und Frauen, Häuser und Familien aufrichtig dem Judentume mitten unter den Verirrungen sich zuwenden, — aber unsere Väter würden dennoch noch mehr getan haben. Mit doppeltem Ernst und mit doppelter Entschiedenheit hätten die in einer solchen Zeit wie die unsere ihre Treue gegen die Tauroh bewährt, und sie, die Gut und Blut für die Erhaltung und Verteidigung der Tauroh gegen äußere Feinde verspritzten, sie hätten gewiß zur Erhaltung und Verteidigung der Tauroh gegen die ihr feindlichen Bestrebungen im Innern sich um die Tauroh in Wissenschaft und Leben geschart." Es sind fast hundert Jahre vergangen, seitdem Samson Raphael Hirsch, damals noch öandesrabbiner von Oldenburg, diese Worte in einer Broschüre „Erste Mit- . teilungen aus Naphtali's Briefwechsel" der thoratreuen Judenheit zurief. Doch seine Mahnung klingt, als wäre sie von heute für heute. Vorher hatte er die Frage gestellt: „Sah es je schon so aus in Jrsroel?" Seine Antwort fand er in dem Büchlein hk -iso" des Rabbi py tjoi\ eines der Vertriebenen aus Spanien im Jahre 1492. Dieser zeigte die starke Assimilation der spanischen Juden trotz eines scheinbar regen jüdischen Geisteslebens. Die Ausgezeichneten der damaligen Gelehrten freuten sich, wenn einmal die Worte der Philosophie mit denen der Tauroh übereinstimmten," wenn sie „den Aristoteles in der Tauroh fanden". Die Tauroh darf aber nur aus sich heraus verstanden werden. „Nur durch die Sendung Mauschehs und durch die von G'tt stammende Tauroh sind wir Juden." Hineintragen fremder Gedanken in das Alltagsdenken der jüdischen Masse und in die bewußte Geistesarbeit der meisten über das Judentum Sinnenden/ Sprechenden und Schreibenden wurden damals wie jejtzt zum Verhängnis. Der Durchschnitt des Volkes und seiner Führer diente so fremden G'ttern, darum „brannte schwer der Zorn des Herrn wider uns, wir hofften auf Frieden, und es kam nichts Gutes, auf Heilung — und es kam nur Schrecken! — AberderHerrerwideri wieder: Weil ihr verlassen habt meine T e u r o h! " S. G. in T.-A. Ainderecke. Zu parschath Hachodefch. trsnn swn mn Viinn so sprach G'tt zu Mosche und Aharon irn Lande Aegypten. An den Himmel deutete G'tt, wo eben der erste Silberstreif des zunehmenden Mondes sich Zeigte: „Das ist der Neumond, der für euch den Anfang eines Monats bilden soll!" Das bedeutet für uns, wie ihr ja schon alle wißt, daß wir uns in der Zählung der Tage nach dem Monde richten sollen. Wenn der Mond die Erde einmal umkreist hat, ist ein Monat verstrichen und nach zwölf solchen Umläufen ist ein Jahr vorbei. Wie lange dauert nun solch ein Jahr? 365 Tage natürlich, meint ihr! Dann wäre es freilich einfach mit dem Kalenderrechnen! Aber 365 Tage dauert es, bis das Jahr der Sonne vorüber ist, der Mond jedoch ist schon in ungefähr 354 Tagen mit seinem Umlauf fertig! Er hat also jedes Jahr einen Vorsprung von ca. 11 Tagen. Nun meint ihr vielleicht, das schadet doch Der Israelit nicht, wir müssen uns ja nur nach dem Monde richten und die Sonne geht uns nichts an. Wir müssen aber bedenken, daß die Jahreszeiten von der Sonne abhängig sind und wienn wir nun in jedem Jahr der Sonnenrechnung um 11 Tage mehr vorauseilen, so könnte es passieren, daß Pessach mal in den Frühling, mal in den Sommer und einmal gar in den Winter fällt! Das darf aber nicht sein, denn >d>i>e Thora sagt ausdrücklich, daß wir immer im Frühlingsmonat das Pesiachfest feiern sollen. Es muß also dafür gesorgt werden, daß Pessach alljährlich zwischen März und April fällt und nicht immer 11 Tage früher wie im Vorjahre. Wie das geschieht, habt ihr sicher inzwischen schon erraten: durch den Schaltmonat natürlich! Wenn man von Zeit zu Zeit, nämlich siebenmal in 19 Jahren, einen ganzen Monat emschaltet, dann hat das Sonnenjahr das Mondjahr eingeholt und alles ist eine Zeitlang hübsch.m Ordnung. So ist es auch in diesem Jahr, aber im nächsten brauchen wir einen Schaltmonat. Hoffentlich habt ihr bis dahin nicht vergessen, weshalb man ihn einschalten muß! Der Segen über dev Mond. (Nach einer alten Agadah.) Es war einmal vor vielen, vielen Jahren, da ging ein frommer Mann ganz allein am späten Abend von der Stadt nach Hause und trug viel Geld bei sich in einem Beutel. Plötzlich stürzte ein großer Mann von wildem Aussehen aus dem Gebüsche und wollte ihn töten. Da siel der fromme Wanderer dem Räuber zu Füßen und sprach: „Ich bin m deiner Hand und kann mich nicht wehren; aber eine Bitte habe ich noch an dich vor meinem Tode. Wir haben ein Gebot, den Neumond zu heiligen, sobald er wieder sichtbar wird und das wollte ich heute abend tun. Gib mir noch einige Minuten Zeit, damit ich dies Gebot erfüllen kann; dann werde ich in Frieden von dieser Welt scheiden." Der Räuber erfüllte seinen Wunsch. Da stellte sich der Fromme dem Monde entgegen und begann die Segnungen zu sprechen: „Gelobt seist Du, Ewiger, unser G'tt, König der Welt, der durch sein Wort den Himmel schuf!" Er betete in großer Andacht, denn er bereitete sich ja vor, sofort nach der Brochoh sein Leben beschließen zu müssen." „Gelobt sei dein Schöpfer!" „Gelobt sei dem Bildner!" So sprach er und hüpfte dem Monde entgegen. — „So wie ich dir entgegenspringe und dich doch nicht erreiche und dich nicht berühren kann, so sollen alle Feinde mich nicht zum Bösen berühren!" Währenddessen stand der Räuber auf der Seite und wunderte sich darüber, wie ruhig der Mann sein Gebet sprach; nicht so, als ob er in der nächsten Minute sterben müßte. Als aber der Fromme an die Worte kam, daß auch die Feinde ihn nicht berühren sollten, da packte den Räuber große Angst vor diesem mächtigen G'tt, dessen Diener so stark an seine Hilfe glauben. Ohne daß der Betende es merkte, verschwand^ der Räuber. Als der fromme Mann den Segen über den Mond beendet hatte und sich umwandte, war der Räuber nicht mehr zu sehen. Voll Dankbarkeit gegen G'tt. der ihn so wunderbar gerettet hatte, ging der Fromme nach Hause. Zerlinchens Traum. Von Hermann Seckbach in Frankfurt a. M. Zerlinchen liegt in ihrem Bette und schläft. Zwar ist es schon bald Zeit zum Aufstehen, doch ein klein bißchen will die Mutter ihr noch zugeben und läßt Zerlinchen nochmal ordentlich „kuscheln". Ihr kennt wohl, liebe Kinder, alle diesen Ausdruck und wißt auch, daß die paar Minuten vor dem Aufstehen sicher die schönsten sind. Der Abschied vom warmen Veilchen, in dem man. sich früh morgens so mollig 'ühlt, fällt halt schwer. Besonders, wenn es draußen kalt und unfreundlich ist, und der Wind an den Fenstern rüttelt und schüttelt. Da plötzlich sängt Zerlinchen laut an zu lachen — ein silberhelles Lachen, als wenn kleine Glöckchen die Tonleiter heruntsrpurzeln.- „Na, Zerlinchen", meinte glückselig die Mutter, „was hast du denn, du wachst ja so sehr vergnügt heute auf?" Zerlinchen rieb sich die Augen, „ach, Mutti, es war so 12. Sfläq 1931 schält und ich war so glücklich. War das ein herrlicher Traum, den ich hatte!" „Nun, liebes Zerlinchen, ziehe dich mal an und erzähle mir dabei, was du geträumt hast", sagte die Mutier. Schnell stand Zerlinchen auf, begoß am Waschbecken erst ihre beiden Händchen, wusch hurtig Gesicht und Körper, und beim Ankleiden hörte dann die Muttes dem Geplauder ihrer Kleinen zu. „Weißt du, liebes Muttchen, mir träumte, es war Schabbos. Wir waren in der Synagoge, da siel mir das Gespräch ein, das neulich der liebe Vater mit dem frommen Mann an unserem Tische führte. Vater erzählte doch, wie hart es ihm fiele, von Haus zu Haus, treppauf, treppab mit seinen schweren Paketen laufen zu müssen. Und dabei ginge das Geschäft so schlecht. Keiner wollte, mehr etwakaufen. „Machen Sie sich doch keine so großen Sorgen", sagte da unser Gast. „Der liebe G'tt wird gewiß helfen. Nach einer Erklärung sin) unsere Gebete kleine „Malochim", die vor G'ttes Thron kommen, dann wird alles zum Guten. Du, Mutti, fingst damals stille zu weinen an. das habe ich gesehen. Und während ich mich daran erinnerte, betete ich so recht innig und herzlich zum lieben G'tt. Da plötzlich wurde es ganz helle um um uns — so, als ob tausend Lichter brennen würden, und von der Decke des G'tteshaufes herab kamen Engelchen zu uns, die uns liebevoll umhüllten. Im Gebete versunken, sagte ich ihnen meine Wünsche für dich, liebes Muttchen, und für den lieben Papa. Da riesen sie mir zu:' „Weil du so andächtig gebetet hast und im E'tteshaus so brav warst, wird gewiß der Allgütige dein Gebet erhören. . . ." Und als ich froh und glücklich ihnen danken wollte, da wecktest du mich, liebe Mutti. Nun war alles mir ein Traum." — „Sag das nicht", meinte sichtlich gerührt die Mutter. Die Wege E't'e; sind wunderbar, und gewiß gibt er uns Kraft und Mut, Schweres zu überwinden, wenn wir ihm vertrauen. Aber weißt du, mein Liebling, wir wollen dem lieben G'tt danken, daß er dir so schöne Gedanken gegeben hat. Fast immer beobachten wir, daß kleine und große Kinder im G'tteshaus statt zu beten — plaudern. Wie gehen da die Plappermündchen um uns herum!" „Ja, Mutti, dasselbe sagte auch neulich unsere Lehrerin." „Na siehst du, Zerlinchen, wenn die Kinder im E'tteshaus brav und andächtig beten, dann ist ihnen der liebe G'tt immer nahe." „Ja, Muttchen, wenn sie aber plaudern?" „Dann halten die folgsamen und braven Kinder ein Fingerchen an den Mund — sie wissen ja alle, was dieses Zeichen bedeutet — und, wenn die anderen das sehen, werden sie gewiß gleich aufhören zu schwatzen." „Ach. liebe Mutti, wird das auch wahr sein, oder gehört dies auch noch zu meinem — Traum? . . ." Die Geschichte vom Mond. Am vierten Schöpfungstage wurden die beiden großen Lichter erfchafsen, damit sie die Erde erleuchten sollten und man Tag und Nacht, Monate und Jahre durch sie bestimmen könne. Und G'tt setzte die Sonne und den Mond an den Himmel und sie waren beide gleich groß, gleich hell und gleich mächtig. Damit war aber der Mond gar nicht zufrieden, und wollte den g'ttlichen Schöpfer verbessern. „Es ist nicht gut", sagte er zu G'tt, „wenn zwei Herrscher gleich mächtig sind! Können denn zwei Könige eine Krone tragen? Einer von ihnen muß geringer sein, sonst gibt es nur Zank und Streit!" — „Du hast recht,,, anwortete G'tt, „so sollst du von jetzt ab der Kleinere fern" und schon schrumpfte der Mond ein, bis er seine heutige Gestalt erreichte! Er wurde ganz blaß und weiß vor Scham und Aerger — (daher heißt er auch noch heute nio!», die Weiße) — und sagte traurig zu G'tt: „Herr der Welt, war es denn so schlimm, was ich getan habe? Es ist doch wahr und richtig, was ich gesprochen; warum soll ich d<ür bestraft werden?" — „Ich tat nur nach deinem Rate", antwortete G'tt, „und größer kann ich dich nicht wieder machen. Aber da.ur sollst du ron jetzt ab auch am Tage sichtbar sein!" „Ach, verzeihe, Herr, wenn mich das nicht trösten kann; aber am Tage wird mich die Sonne überstrahlen und niemand wird aus mich achten!" „So sollst da in der' Nacht ein Heer von Sternen zum Geleite bekommen", sprach G'tt, „bist du nun wieder zufrieden?" „Oh, Herr, zürne nicht, wenn ich noch einmal vor Dir rede", sagte der Mond, „aber wirst Du mich niemals wieder in meiner alten Größe und Helligkeit erstrahlen lassen?" — „Doch, lieber Mond, Ich will es tun! Aber Tausende von Jahren mußt du geduldig darauf warten; erst in fernen Zeiten kommt der Tag, an d^m Ich dich wieder so groß machen werde wie die ,Sonne!" So sprach der Herr. Wie es geschrieben steht beim Propheten Iesaia: .nvnn nir» 7m*>n t»k srm Es wird sein das Licht des Mondes gleich dem Lichte der Sonne! Lustige Rätselfragen. Ich kenne zwei „Häuser", die sind aus Leder.— Ich kenn einen „Priester", den braucht man beim Seder — Ich weiß einen „Kopf", der kann ohne Körper sein — Ich weiß eine.„Hand", die hat weder Fleisch noch Bein — Ich kenne drei „Füße", die können nicht springen, Aber uns viele Freude bringen! (Ihr müßt natürlich an die hebräische Bedeutung denken!)

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