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Der Israelit · 1931-03-05 · Heft 10 (5.3.1931) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
72 (1931)
Issue
Heft 10 (5.3.1931)
Date
1931-03-05
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Crzie^unq und E*el? e zum r.D-G Organ des Kun-rs grfehrstrriirr B-isthrr Kehrer DenNÄM-s Nachdichtung von B. Wolff in Aurich.?n-iyyi nV>7 aalnn ür rrm 'y jrnan Ititeaa itVi Dy sin aa s'Vn rlyhra ü^n mya m rchia Kin ilalpaV y’ÄnV nna i^’n 221-11?"spjD nanta rnnon yvra ,'aa„?"?ppy mrz-in Dntfrj ^Va K'Vn ,'2^?//n’jy n$Va rngya dh^ö ^Va na* :"D'W' nViyn nyW iiv'p nw ,»ia» /Hay «a 'no^Tn nya,rra rra .'7;a Vapn a^ana D’yiiyyty' /HK’D ’72 V? 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Dabei ist allerdings Voraussetzung, daß der Lehrer die Heimat selbst kennt. Den Stoff hierzu findet man wohl kaum in einem „Lehrbuch" gesammelt. Die vorhandenen Heimatbücher sind immer für einen größeren Bezirk (Kreis usw.) zugeschnitten. Sie bieten dem Lehrer für seinen Ort nur wenig. Eine Heimatkunde in wirklichem Sinne muß sich der Lehrer erst schaffen. Mit Hammer und Spaten, mit Lupe und — klarem Blick muß er die ihn umgebende Heimat und Natur durchforschen. Aus diesen Gedanken heraus ist mein Heimatbuch entstanden. Ueber Heimatsagen, die heimatliche Flora und Fauna, über Boden- und Gesteinsarten belehren Sagen- und Heimatbücher und unterrichtliche Ausgänge. Letztere, von vielen Eltern als „Spaziergänge" betrachtet, halte ich für besonders wertvoll. Dort lernen unsre Kinder im Lesebuch des Lebens blättern und lesen; sie sind — richtig ausgeführt — Entdeckungsfahrten. Wie eine Mutter liebt, das sahen wir vor dem Schulhaus, wo unter dem Dach Schwalbenmütter für ihre Jungen sorqten und auf dem Hühnerhof, wo eine Henne ihre Küchlein verteidigte und unter ihre schützenden Flüael barg. Eiche und Buche im Walde wurden zur Gaststätte, wo Tiere und Vögel Nahrung und Wohnung fanden, der Apfelbaum an der Landstraße zum freundlichen Wirt. Und dehnten wir unsren Unterrichtsgang bis in die Gemarkung des nächsten Ortes aus, dann standen wir am „Steinmal", der uns Gerichts¬ und Ovferstätten der Chatten wurde. An „der alten Mauer" erstand vor unsrem Auge wieder das von einem tiefen Wassergraben umgebene Schloß derer v. Trümbach. denen einst unser Heimatort tribut- und zinspflichtig war. Eine für einfache Schulverhältnisse ausreichende Steinsammlunq haben wir bei den Ausgängen zusammengetraaen: Basalt und Schiefer. Kalk, Kies und Feldspat, Sandsteine verschiedener Färbung und Körnung, Ton und Lebm lernten die Kinder auf diese Weise kennen und unterscheiden. Und wertvolle Funde brachten wir mit heim, wenn wir altes Gerümpel auf einem Hausboden durchsuchen durften: eine alte Krämerwage, ein Spinnrad mit allem Zubehör, einen ledernen Hauseimer. eine Lichtputzschere, alte Laternen ufw. Das alles find Fenster, durch die unser Blick in die Vergangenheit schaut. — Schwerer wurde die Arbeit, als es um die Erforschung der Geschichte des Heimatortes, die ich gern in Form van Geschichten kleide, sich handelte. Woher ich da den Stoff erhielt? Ucberall habe ich gesucht — und auch überall etwas gefunden. Zunächst las ich die alten Akten der Orts- und auch der Sgnaoogengemeinde. Ueberall stieß ich auf wertvolle Aufzeichnungen, die mich z. T. fast 1/> Jahrhunderte zurückft'ibrten. Aus alten Rechnungen. Steuerkataster. Prozeßakten usw. konnte ich die Geschichte unsrer Scbule, der Synagoge und Lehrerwohnung bis 1782 verfolgen. Flurkarten, Flurbuch und Flurnamen zeigten, welche Beschäftigung die Bewohner des Heimatortes ehemals hatten, wo Wüstungen sich befinden. Auch über die Bodenarten lob Sumvf, Wald, Weide usw.) oeben sie Auskunft. Im „Jlleraarten" (iller-irden) wurden irdene Töpfe, Schüsseln, Krüae gebrannt, die Rerwiesen lRex — althochd. risc — Binsen) sind mit Binsen bestandene Sumpfwiesen und im Sinzig (althochd. sinidi — Viehweide), führte der Hirte sein Vieh zur Weide. An die Zeiten, wo in sedem Bauernhause noch ein Webstuhl stand, erinnert der Hehrberg, (Hehr oder her von haru — Lein) wo Lein (Flachs) gezogen wurde. Mit Erlaubnis des Pfarrers konnte ich die Kirchenakten durchstöbern. Da fand ich, daß bereit» 1762 dem Jud Affrom der Kirchenstand Nr. 61 und dem Jud Hertz Levi Stand Nr. 74 gehörte. Ueber die von den Juden zu leistenden Abgaben fanden sich viele Notizen. Unsre Lokalpresse (Hersselder und Fuldaer Zeitungen) bringt wöchentliche bezw. monatliche „Heimat"-blätter. Im Orte werden natürlich die verschiedensten Zeitungen gehalten. Die Kinder sammeln die heimatlichen Beilagen für die Schule. Viel Wertvolles für unser Heimatbuch fand sich darin. Ebenso gehören die in der engeren Heimat (Reg.-Vez.) erscheinenden Heimatkalendcr bei mir zu den Lehrmitteln. Geschichte und Sage, Schilderungen von kulturellem und kultuellem Leben, von Sitten, Gebräuchen, Sprichwörtern und Redensarten, Bauernregeln usw., aus Vergangenheit und Gegenwart finden sich darin und lassen sich für das Heimatbuch auswerten. Aus mündlichen Berichten der älteren Einwohner, aus alten Akten und privaten Aufzeichnungen bekamen wir den Stoff für folgende Aufsätze: Wie 1. Rhina Post, 2. Eisenbahn, 3. Wasserleitung, 4. elektrisches Licht erhielt, 5. wie Rhinas Gemarkung zusammengelegt (verkoppelt) wurde. Mit den Kindern der Oberklasse bin ich von Haus zu Haus im Ort gewandert, und wir haben alle Hausinschriften, die sich in großer Zahl fanden, ausgeschrieben. Eine hebräische Inschrift lautet: •p~ab rrypn naw nvzn Ueberhaupt haben sich meine Schüler als fleißige Mitarbeiter bewährt. In Bauern- (und auch Juden-) Häufern sammelten sie die hier bekannten Bauernregeln. Von manchen interessanten Volksbräuchen und Aberglauben wußten sie zu berichten, wenn sie zurückkamen: Beim Gewitter legen die Bauern Salz auf die Ecken des Tisches, die Juden legen ein Ehumesch auf den Tisch und schlagen Bereschis auf — dann schlägts nicht ein! Bei uns backen die Leute fast ausnahmslos ihr Brot selbst. Damit nun der Teig gut säuert, machen die Christen drei Kreuze auf den Teig, die Juden schreiben „Massel ubrocho" daraus. Kleinen Kindern macht man Wachs ins Haar, daß sie nicht.„berufen" werden. Bei den Juden nahm man Hawdolohwachs. Und die Kinder fanden überall freundliches Entgegenkommen und bereitwillige Hilfe. Aber die Kinder haben auch den größten Nutzen von ihrer Tätigkeit, da sie „Heimat" erleben und innerlich erfassen. Und nun noch ein Wort darüber, welche besonderen jüdische Stoffe in meinem Heimatbuch stehen. Abgesehen davon, daß es die Geschichte der jüdischen Gemeinde und der jüdischen Schule enthält, berichtet es ausführlich über die Beteiligung der Juden Rhinas am Weltkrieg. Es nennt alle Kriegsteilnehmer, zählt die Verwundeten, Gefallenen, in Kriegsgefangenschaft geratenen auf und berichtet über Auszeichnungen unserer Krieger (ein eisernes Kreuz 1. Klasse). Es berichtet über Spenden und Sammlungen in der jüdischen Gemeinde für die Frontsoldaten, fürs Rote Kreuz, für Ludendorff- und Hindenburgfpende usw. Es nennt die hier bekannten jüdischen Sprichwörter und Redensarten: Wa'j'chi schlacht mer die alten Küh; Es kratzt sich keiner umchinem, entweder hat er Dajes oder Kinem. Besondere Aufsätze behandeln folgende Themen: Wenn ein Kind geboren wurde Brismiloh Chaulgraisch Verlobung und G'lilemahl Hochzeit Tod und Begräbnis T'kufe. Den Stoff hierzu sammelten sich die Kinder bei den ganz Alten. Der Sammeleifer der Kinder übertrug sich allmählich auch aus die Alten. So brachte mir voriges Jahr Her^ N. N. ein Heftchen „Der Wink". Darin war das Bild des Frankfurter Malers Jakob Nußbaum, der am 8 Ja-

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