Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 72 (1931)
- Issue
- Heft 9 (26.2.1931)
- Date
- 1931-02-26
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
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w “‘vy?? Ltz. Februar 1931 ' Die Landeskonferenz der Zeire Agudas Iisroel in Warschau. Die große Landeskonferenz der Ag-uda-Jugend hatte schon beinahe das Gepräge eines Kongresses. Es war eine kleine Kenessio mü aller freudigen Erregung, wie man sie bei einer solchen gewöhnt ist. Schon lange vor der Eröffnung war der große Handwerkerfaal bis auf den letzten Platz angefüllt. 300 Delegierte waren anwesend, dazu zahlreiche Gäste. Gegen 7 Uhr abends wird unter großer Spannung die Konferenz eröffnet. Ein gut einstudierter Chor singt ein „Boruch habo",und sofort erhebt sich am PräsidenLentisch, wo die Mitglieder der Exekutive der Zeirim, Vertreter des Rabbinates und der Aguda- Instanzen Platz genommen haben, der Vorsitzende, HerrIsrael Eifenberg, zu seiner Eröffnungsrede. Er gibt einen Ueberblick über die drei Arbeits- ' fahre der Zeittim-Organisation seit ihrer Begründung. Ihr Ziel war, mit aller Kraft den Idealen des jüdischen Volkes zum' Siege zu verhelfen. Die Organisation zählt 300 Gruppen, die Zehntausende organisierter Mitglieder umfassen. Der Redner streift die letzten Sejmwahlen, bei denen . .sich die Jugend in bewundernswerter Weise erv probt hat. Hat die erste Konferenz die Organisation begründet, so muß die zweite den- Weg zur geistigen Entwicklung bahnen. Der Hauptkampf gilt dem Amhaareztum. Die.Bewegung muß mit einem Inhalte erfüllt werden, und dieser heißt: „Thora und G'ttesfurcht!" Mit einem Gruß an die Delegierten, Mitglieder und Gäste eröffnet er die Konferenz. (Stürmischer Beifall.) Es folgen Begrüßungen. Für.das C. K. der Agudas Iisroel in Polen spricht Herr B. W. Hendeles und wünscht der Konferenz durchschlagenden Erfolg. RaftaN Z u p a k begrüßt für Poale A. I.> A. L e r n e r im Namen des „Religiösen akademHchen Verbandes". Er sagt, die Intelligenz in dem Akademischen Verband ist nach Umschau in der europäischen Kultur zur Ueberzeugung gelangt, daß den Lebensinhalt des Juden einzig und allein die Thora bilden kann. Es wird ferner ein Begrüßungsschreiben vom „Strilower Rebben" verlesen. Darauf begrüßt W. M e e renh olz für die Warschauer Zeirim. ' Im Namen der Agudath Harahbonim in Polen ruft Rabbi K ana l der Konferenz ein herzliches Boruch Habo zu. Nach weiteren Verlesungen erhält Alexander S. $ r t f ib m ann das Wort zu seinem Referate -'Mer!.„DH^ Kulturarbeit der Zeirei Agudas Ms- I:Jjroii!":-.•1 m .... : : : Der Referent beginnt, mit einem Gruß rm Namen der E h ln u ch- Z ent r a l e. Auf sein . ^.'MtzjsiaM.ergehMd^^rlaütext^or-Mesen und Zweck i' der JptzenWew^güng'.:HMptMfgabe der Jugesid - istidie- SelMveryosifommnung^ die Erziehung des eigenen Ich wie - derande't'en zu vollbewußton Juden und Agudisten. Bon der Flachheit, die die heutige Jugend im allgemeinen auszeichnet, sei . auch die jüdische Jugend nicht verschont geblieben. Um wirksam dagegen anzukämpfen, muß eine Parole ausgegebeü werden. 'Der Agudismus 'VM das täglich^ Leben' des jüdischen Menschen regulieren nach den Grundsätzen des Schulchan Aruch. Es genügt nicht, mit dem Herzen und in der Idee dabei zu sein, die Tat muß es zeigen. Agudismus heißt: „Nicht -auf ein Jota des Schulchan Aruch zu verzichten!" Aber es darf keine tote Tat sein, sie Muß vom Ideale durchdrungen■ und von Begeisterung getragen sein. Das kann erreicht werden durch Schiurim und Kurse und kleinere Arbeitsgemeinschaften. Im Westen hat die Jugend auf diesem Wege bereits vieles erreicht. Es muß strenge Disziplin, durchgeführt werden, Mitglieder, die die Abendkurse meiden, müßten aus der Organisation ausgeschlossen werden. Redner bespricht noch organisatorische Fragen und die Not der Erziehungsinstitute, wie der orthodoxen Literatur. Ratmann Ephraim R u d a begrüßt die Konferenz im Namen der Kehillaverwaltung. In- .S u?J,S r a elit __ . B:l a 1t e r__ -zwischen sind wieder viele Begrüßungen einge-! -gangen. Ein Begrüßungsschreiben des Präsiden ten der Agudas Jisröel-Weltorganisation, Jücob Rosen h.e im in Frankfurt a. M., wird' xierlesen und löst lang anhaltenden Beifallssturm aus. Es folgt darauf ein längeres Referat von I. ß.lb rlean, das mit größtem Interesse angehört wurde. Nach einer Pause beginnt die Sitzung mit einer Begrüßung des inzwischen eingetroffenen Direktors des Keren Hathöxa, Dr. D e u t s ch l ä n d e r. Dr. Deutschländer etgreift gleich das Wort, um seine Freude auszudrücken, daß es ihm gegönnt fei, auf dem Wege nach Lublin der Konferenz beizuwohnen. Er referiert über die Verhandlungen der Agudas Iisroel mit der englischen Regierung und teilt mit, daß die Regierung vollstes Verständnis für die Postulats der Orthodoxie ge- - zeigt habe. Er bespricht auch die traurige Lage der Juden in Sowjetrußland und die umfassende Hilfsarbeit der Aguda. „Wir dürfen nicht zufrieden sein mit dem Geleisteten, sondern müssen werter arbeiten, bis das heilige Ziel erreicht ist." Mit Gesang wird die erste Sitzung geschlossen. Die zweite Sitzung fand Montag Vormittag statt. - Präsidium mnd Sekretariat werden gewählt und eine Tagesordnung aufgestellt. Zuerst erstattet A. M. Krott g r a d den Tätigkeitsbericht der Hauptleitung. Nach der ersten Konferenz litt die Organisation unter Mangel an Geld und Disziplin. In den drei Jahren gelang es aber der Exekutive, durch ausgiebige Propaganda die Zahl der Mitglieder und der Ortsgruppen zu verdoppeln. Bei Ausflügen und Zusammenkünften traten sich die Mitglieder menschlich näher, wobei der religiöse Gedanken wesentlich gestärkt werden konnte. Die Zeirim-Leitung half auch mit bei der Schaffung einer Handwerkers'chule in Kalisch und sorgt für ihre materielle Existenz. Bei allen Aktionen der Aguda waren die Zeiirim mit dabei. Bei der Besprechung der orthodoxen Pres.se wurde von der Versammlung dem „Jüdischen Togblatt" mit einer rauschenden Ovation Dank ausgedrückt. Redner bespricht ferner die Propagandaarbeit in der Provinz. Es ist noch nicht alles erreichte, was aber Erreicht wurde, geht schon beinahe über das Menschenmögliche. Nach der Wahl eines Permanenzausschusfes hält L. I. T a u b sein Referat über „Unsere Aufgabe zur Verbreitung des Thoralernens". Er ist mit dem derzeitigen Maß des Thorastudiums bei der Jugend nicht zufrieden. Es muß eine größere Aktion zur Förderung des Thoralernens einsetzen. Er machte eine Reihe von Vorschlägen, die der Kommission als Material überwiesen wer-- Mn. Damit wird die ,zweite Sitzung'tzeschlossens'. -Die Nachmittagssitzung fand bei überfülltem Haufe statt und begann mit der: G e n e r a l - d e b a t t e über den Bericht und die' Referate. Es wird Mch mancherlei Kritik laut! Alle Redner find vom Wunsche beseelt, daß noch mehr geleistet werde. Es wird angeregt: >die Schaffung eines Vorbereitungskursus für die Lubliner Jeschiwa, ebnso die Errichtung eines Erzieherseminars. Zum Schluß der Debatte wird ein Begrüßungstelegramm nach Lublin einstimmig beschlössen und abgeschickt. Der inzwischen eingetroffene und stürmisch begrüßte Rabbi Jizchok Meiir Lew in hält dann ein Referat über „Ziele und Aufgaben der Agudas Iisroel als Weltorganisation". In zweistündiger Rede bespricht er die Bewegung und die Organisation in ihren Grundlagen und Auswirkungen und beleuchtet ihre Aufgaben im allgemeinen und im einzelnen. Den Schluß der Sitzung bildet ein Referat von Ratmann A. B. E ck e r m a n n über „Bitdungs- und Erziehungsaufgaben der Zeiirei Agudas Iisroel". In der Schlußsitzung wurde mit Stimmeneinhelligkeit beschlossen, dafür zu arbeiten, daß in allen Häusern und jüdischen Lokalen Büchsen für den Keren Ha jischuw angebracht werden. Später wurde ein Zusatzantrag angenommen, .^aß.Mgp. sich hierüber mit. herHauptleitung derAgüdäins Benehmen setzen soll. ‘ Nr. 5 Sette 3 Beschlossen wurde noch die Schaffung von Kursen zur Ausbildung politischer Führer, Schaffung eines Seminars zur p.ä d a gogischen Erziehung von „M el a m d i m" u. a. m. In die neue Exekutive wurden gewählt: M. Berliner, I. Eisenberg, Aron Krongard, Rawicz, David Szafran. A. Parczowicz, L. I. Taub, B. Kammer, W. Seidmann, I. Halekener, M. Schwarzmann, I. Berliner, A. Feldwebel und R. A. Kremer. Mit dem Absingen des Hymnus der „Zeirim" und mit chassidischen Tänzen schloß die Konferenz. Palästina-Centrale der Agudas-Iisroel. Wie in den Vorjahren, haben wir auch in diesem Jahre hübsch ausgeführte Geschenkkarten, die für . Schlachmonausablöfuttgen dann verwendet werden können, wenn dem g e s e tz l i ch g e -b o t e n e n S ch l a ch m o n a u s genügt ist. -! Die Schlachmonaus-Ablösunigskarten werden von der Palästina-Zentrale an aufgegebene Adressen so gesandt, daß sie rechtzeitig zu Purim im Besitze der Empfänger sind. Karten sind in dreifacher Ausführung zu Mk. 3.—, 5.— und 10.— in beliebiger Anzahl zu beziehen. Der Text lautet: Schlachmonaus-Ablöfung zu Purim. Im Aufträge von Herrn — Frau wird auf den Namen von Herrn — Frau zwei Wochen ein Kind in Erez Iisroel unterrichtet. Hespeist und gekleidet. Die Agudo-Agency-Verhaudlungeu. Von Kalman Kahän in Berlin. In der letzten Nummer der „Blätter" ist ein Aufsatz unter der Ueberschrift: „Die Verhandlungen zwischen Agudas Iisroel und Agency" erschienen, der das Kommunique, über die Besprechung, die zwischen den Vertretern der Agudo und der Jüdischen Agenz stattfand, kritisierte. Als ein junger Agudist aus Polen, der seit 2 Jahren in Deutschland weilt, glaube ich die Stellung der deutschen und polnischen ugudistischen Jugend zu kennen, und erlaub« mir einige Bemerkungen zum vorher genannten Aussatze zu machen. Wie ich aus persönlicher Rücksprache mit den Herren Dr. Pinchas Kohn und mit meinem verehrten '21 Dr. Moses Auerbach, schließen kann, wäre das Ergebnis der Besprechung geradezu ermutigend. Nur durch Verschleierung der Tatsachen kann ein anderer Eindruck erweckt ^werden. Die Tatsache, daß der Vf. des obenerwähnten Aufsatzes den letzten Absatz des Kommuniques in dem es? heißt: „Unter feer Voraussetzung, daß sich eine politische?!Mitarbeit bewahren wird, würde .ein Zusammengehen auf wirtschaftlichem, Gebiete als nicht zu schwierig angesehen werden" ,mit Stillschweigen ,,überging, zeigt ^deutlich die Absicht.. Ich weiß nicht, von wem der Aufsatz stammt und ob er feie Meinung des G. 2ü>pnefeergibt;> jüber wir wissen alle, daß die Kommission von der Kenessio zur Besprechung delegiert wurde und ihr Vertrauen besitzt. Die mehrmalige Betonung also — nachdem es bereits im Kommunique erwähnt wurde — daß die Empfehlungen der Kommission vom E. A. genehmigt werden müssen, ist überflüssig. Die Absicht dieser Bemerkung konnte bloß eine Verminderung des Wertes der Verhandlungen sein. Wenn wir jetzt auf die einzelnen Behauptungen des Aufsatzes eingehen, sehen wir diese Absicht "fast in jedem Satze. Bekanntlich war das Kommunique ein offizielles, von beiden Seiten, also auch von den Delegierten des G. A. gebilligtes, und daher ist der Brief Marburgs, der bloß eins Mitarbeit und keinen Eintritt empfiehlt, nicht maßgebend. Es scheint der Brief von W. noch von der Zeit zu stammen, in der man noch nicht von der Uebertragung des Schulwerkes auf den Jischuw sprach. Wie es auch fein mag, ist viel wichtiger der neue Gesichtspunkt durch welchen der Eintritt in die I. A. möglich ist, als eine Aeußerung Marburgs, der 'vkellekcht noch nicht wußte, daß wir mit dieser Lösung zum Teil befriedigt werdest können. 'Was die Durchführbarkeit dieses Planes anbeilangt. scheint er nicht so ganz utopisch zu sein; es befaßten sich mit ’ diesem mehrere Politiker und Kenner der Verhältnisse in Erez Iisroel, die es als notwendig und in der Praris durchführbar erachten; andererseits ist kaum zu glauben, daß unsere Vertreter, die zum großen Teil bei dem Beschluß der Kenessio wegen Eintritts in die I. A. mitgewirkt haben, über diesen hinweggehen sollten. Sicherlich wird die Uebertragung des Schulwerkes auf den Jischuw genügen und den Beschluß der Kenessio nicht verletzen^ jTsas Kommunique sprach sogar von einer wesentlichen Erleichterung, die sich vielleicht ergeben wird, § I 1 ß 1 'U w