Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 72 (1931)
- Issue
- Heft 9 (26.2.1931)
- Date
- 1931-02-26
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 14 Nr. 9 f f: h• i D er Is ra e l i t 26. Februar 1931 Ainderecke. Haman und Mordechai. Die Szene spielt in der Hauptstadt Susa, in Mordechai'-. Haus. Es ist noch früh morgens. Mordechai: War La; mal eine sonderbare Nacht! Da haben bestimmt viele Leute gewacht, Auch der König hat wohl keinen Schlaf gefunden Denn das Licht im Palaste brannt' viele Stunden Auch Haman schlief scheinbar heut nacht recht wenig Vor einigen Stunden schon lief er zum König Was das wohl wieder Schlimmes bedeut'? — ((£s klopft) Nanu, wer klopft so früh denn heut? Haman: Verzeih, dag so früh ich komme zu stören — Der König befahl, Dich besonders zu ehren Ich soll Dich mit seinen Gewändern bekleiden Und so sollst Du dann durch Susa reiten! Also bitte zieh' aus diesen schmutzigen Sack Uno schlüpf' in des Königs seidenen Frack, Den trug er, als man ihn gekrönt! Mordechai: Nun hast Du mich aber genügend verhöhnt — Was fällt Dir ein, mich so zu verspotten Du planst doch nur, uns auszurotten! Haman: Nein, Mordechai bei meiner Seel' Ich Hab' doch vom König selbst den Befehl! Mach' bitte keine Schwierigkeit Und zieh' schnell an dies vornehme Kleid! Mordechai: Sv rasch geht das nicht, ich bin doch voll Asche Da gehört sich's doch mindestens, daß man mich wasche Mich säubert von meinem Staub und Schmutz Bevor ich mich wie ein König putz! Haman: So will ich 'nen Bademeister holen. Mordechai: Da läufst Du vergebens ab Deine Sohlen Die sino jetzt beschäftigt in ihren Bädern — Da hilft Dir kein Seufzen und kein Zetern Hat es der König Dir aufgetragen So mutzt Du Dich schon selbst damit plagen, iSeufzend zieht Haman einen grotzen Kittel an, nimmt Handtuch, Schwamm und Seife und beginnt Mordechai zu waschen. Dann zieht er ihm die königlichen Gewänder an.) H a m. a n : Nun hast Du Dich aber schon mächtig verschönt Beug jetzt den Kopf, nun wirst Du gekrönt! M o r d e ch a i: Chatz wecholile, datz ich das täte- - Wie würden Dich schelten des Königs Räte Setzt Du die Krone auf mein Haar Bevor es sauber geschoren war! Wie kannst Du so etwas denken von mir? Haman: Nun wohl, da hol' ich Dir einen Barbier.' Mordechai: Das würde lang dauern, bis Du ihn gefunden, Die sind jetzt alle bei ihren Kunden. Doch meinetwegen kannst Du einenholen — Haman: Aber der König hat mir doch Eile befohlen! Mordechai: Dann wirst Du Dich am besten bequemen, Die Schere selbst zur Hand zu nehmen. Haman: (tut es und jammert schrecklich dabei.) Mordechai: Was jammerst Du denn so fürchterlich? Haman: Ach, über mein Schicksal beklage ich mich, Der König erhob mich vor allen Fürsten Und nun muh ich scheren, kämmen und bürsten! Mordechai: Gib Dich mal nur nicht so sehr um, Wer war denn früher Friseur in Karzum, Bevor.'Du beim König so avanciert? Dort hast Du schon manches Mal frisiert! (Haman tut es.) Haman: So, jetzt bist Du auch geschoren . ' Jetzt bekommst Du noch goldene Sporen Und nun steig schnell auf des Königs Pferd Damit man Dich auf der Stratze ehrt Und sich alle Leute vor Dir vemeigen. Mordechai: Ich kann ohne Hilfe das Pferd nicht besteigen) Noch nie Hab ich auf einem gesessen , Und nun Hab' ich drei Tage gar nichts gegessen, I Bor Schwäche zittern mir die Knie', Allein auf so ein Pferd komm ich nie! Haman: Ich würde ja gern einen Stallmeister holen, Aber der König hat Eile befohlen; Der Auftrag längst schon erfüllt sein mühte — Wenn ich mir nur zu Helsen wühle! ' Mordechai: Dann darfst Du dich nicht von der Arbeit drücken, Komm' beuge schnell mal Deinen Rücken, Was Du fo oft schon von mir hast begehrt Siehst Du, so steige ich gut auf das Pferd! Jetzt trete ich freudig den Ehrenritt an Und danke G'tt im Herzen still -— (Sie gehen fort uns man hört von drautzen Haman rufen) Haman: Höret! So geschieht dem Mann Den der König ehren will! Der Galgen. Wütend und verstört kam Haman vom Gastmahl bei der Königin nach Hause. Seine Frau und die Frepmde, die schon auf ihn gewartet hatten, waren höchst verwundert, datz er in so schlechter Stimmung zurückkehrte. „Bist Du bei der Königin in Ungnade gefallen", - fragten sie erstaunt. „Oh nein" antwortete Haman, „ganz 'im Gegenteil, sie hat mich für morgen wieder eingeladen." „Und weshalb bist du dann so schlechter Laune, lieber Mann", rief Seresch ganz erregt. „Weil ich dem Juden Mordechai begegnet bin und er mich schon wieder nicht grüßte»! Solange ich ihn sehen muh,- freut mich auch die Gnade der Königin nicht." Als dies seine Freunden hörten, rieten sie ihm, den Mordechai doch töten zu lassen. „So einfach ist das nicht", sagte Seresch, „Ihr wißt doch, datz Mordechai vom Stamme der Juden ist, und denen ist nicht so leicht beizukommen. Durch das Feuer kannst du ihn nicht töten, sonst wird er vielleicht gerettet wiesein Vater Abraham aus dem brennenden Ofen; mit dem Schwert kannst. Du ihn nicht bestrafen, denn das verschonte seinen Ahnen Iizchak; Daniel kam heil aus der Löwengrube und aüs dem Wasser wurde Mosche gerettet! Aus dem Gefängnis entkam Joseph undgelangte sogar zur Herrschaft in Aegypten. Es ist also wirklich schwer, einen Juden zu vernichten. Aber eben fällt mir ein, noch nie habe, ich gehört, datz einer pon' ihnen vom Galgen gerettet wurde — lasse dir also einen Galgen bauen von 50 Ellen Höhe und hänge den Mordechai daran." Dieser Rat gefiel dem Haman ausgezeichnet und er suchte sich Holz für den Galgen. Aber die Bäume hatten inzwischen schon erfahrest, wer am Ende an den Galgen hängen sollte und be> rieten sich darüber, wer diesen Böselwicht > Haman tragen müsse. Der Weinstock sprach: „Ich bin zu klein und außerdem schickt sich's nicht für mich, da man doch von mir den Wein zum Trankopfer nahm." Der Feigenbaum sprach: „Ach, hängt ihn nicht an mich-, von mir stammen doch die Erstlingsfrüchte und ich gab auch den ersten Menschen ihre Kleidung!" Der Oelbaum rief: „Unmöglich kann der Böse an mir aufqehängt werden, denn ich liefere doch das Oel für den heiligen Leuchter!" Die Palme, die Myrthe und der Esrogbaum erschienen zusammen und erklärten, datz man auch an ihre Zweiqe den Haman keinesfalls hängen dürfe; sie wären sonst nicht mehr würdig, den Sukkosfeststrcmtz zu bilden. Die. Eiche bat: „Nicht an mir werde er aufgehängt, denn Deborah, die. Amme Rebekkas, liegt unter mir begraben." Der Granatapfelbaum sprach: „Ich kann nicht erlauben, daß er an mir hänge, denn die Frommen Israels sind mit mir verglichen worden." So kam ein Baum nach dem andern und keiner wollte zum Galgen dienen. Da war guter Rat teuer. Aber da erschien auch schon der Retter in der Not der Bäume: ein Riesenstamm vom Gopherbaum, aus dem einstens Noah die Arche verfertigt hatte. Der war wirklich genau 50 Ellen hoch und war auch .bereit, den bösen Haman zu tragen. So wurde aus ihm denn der Galgen errichtet. Die mißglückte Anklage. Schon seit langem suchte Soton eine gute Gelegenheit, die Kinder Israel bei G'tt, dem Herrn zu verklagen. Da kam er einmal an einem Crew Jaüm Kippur auf die Erde und sah, wie die Juden atzen und tranksn, soviel sie nur irgend konnten. „Aha", dachte Soton, „jetzt habe ich endlich etwas gefunden: G'tt rühmt doch immer, wie mäßig und bescheiden sein Volk im Essen und Trinken sei — nun will ich ihm aber melden, wie sie's heute treiben." Eilends begab er sich vor G'ttes Thron. „Herr der Welt", sprach er, „ich mutz Deine Kinder Israel verklagen: Du lobst sie doch immer, weil sie so ordentlich Matz halten in Essen und Trinken, nun, schau mal heute hinunter, wie sie schlemmen!" „Ja, das mag schon sein", sagte der Heilige (gelobt sei er) und lächelte heimlich, „wenn sie's morgen wieder tun, so sagst.du es mir, dann sollen sie ihre Strafe bekommen?" Befriedigt gina Soton von dannen; am nächsten Tag war er freilich sehr enttäuscht — niemanden sah er essen und trinken! Nun. wartete er Monat um Monat darauf, wieder einen solchen Fehltritt zu entdecken. Endlich kam der Tag. Es war Purim und die Juden atzen, und tranken nach Herzenslust, manch einer hatte dem Wein schon zu viel Ehre angetan und konnte kaum mehr aus seinen Füßen stehen. Schadenfroh eilte Soton zu G'ttes Thron und rief: „Hast Du gesehen, wie sich Dein Volk Israel, heute benimmt? Sie essen und trinken ja für zwei, diese s Vielfraße!" „Sollen sie ja auch," antwortete der Herr, „hast Du nicht gemerkt, daß sie gestern dafür gehungert haben? Wie sollte ich ihnen übelnehmen, wenn sie's heut wieder enholen wollen?" Beschämt schlick; /-sich der Soton hinweg. Seit deser Zeit aber sagt man jeden Abend die Worte: ' ir'mb» iü-9 ivni: „Entferne Soton vor uns und hinke r uns!" Scherzfrage Wie findet man in der Megilloh eine ganze Fußballmannschaft? Das ist sehr einfach. Der Torwart ist natürlich Mordechai, der doch ohnehin immer am Tore saß; die Torverteidiger sind selbstverständlich Bigson und Seresch, die ja „die Schwelle zu hüten" hatten. Die drei Läufer sind auch vorhanden, die „Rozim", die es so eilig hatten, die Botschaft Homons zu verbreiten. Müssen wir noch die fünf Stürmer suchen. Nun/das sind die Fürsten, die doch im Reiche auch vorne dran waren. Werdet Ähr sagen, das waren doch sieben. Stimmt auch, aber Memuchon, nach dessen Pseise ja selbst der König tanzte, war Schiedsrichter geworden und Admoso (aramäisch für Erde) konnte man absolut nicht brauchen, weil er dauernd auf der Erde lag. So sind die Elf in der Megilloh zu finden. Heini, der Bastler. Heini war doch ein rechter Bastler. Nichts im Hause war vor ihm sicher. Man mußte immer froh sein, wenn nach sienen Versuchen die Möbel hei! geblieben und nicht alle Sicherungen durchgebrannt waren. Am liebsten aber bastelte er am Radio herum, obwohl er das. eigentlich nicht tun durste. Der Vater hatte einen schönen neuen Apparat gekauft Und Heini sollte ihn nun bestimmt nicht kaputt machen. Und doch war Heini heute wieder verstohlen an den Radioapparat geschlichen. Heute wollte er einmal einen weit entfernten Sender aufspüren? und er arbeitete und probierte fieberhaft. Zuerst wollte es gar nicht glücken. Nur allerhand häßliche Geräusche waren zu hören. Aber jetzt! Horch! Ganz leise dringt eine fremde Stimme an sein Ohr. Das war ja Französisch, soviel verstand der Junge schon. Ganz aufgeregt lauscht Heini. Vom Eiffelturm bei Paris hört er und das ist doch so schrecklich weit von.hier! Das ist doch wirklich wie ein Wunder, denkt Heini. Am nächsten Tag in der Schule wird die Sidroh erzählt und von den Wundern gesprochen, die G'tt einst den Kindern Israel beim Auszug aus Aegypten getan. Nun sollen die Kinder andre Wunder nennen. „Das Manna war ein Wunder," ruft Smon. „Der brennende Dornbusch," meint Alfred,. „Das Wasser aus dem Felsen ist ein Wunder," sagt Ist. „Das Radio ist ein Wunder," ruft Heini, der nicht so ganz aufgepaßt hatte/ Alle Kinder lachen. Nur der Lehrer bleibt ernst und sagt: „Was gibts denn da zu lachen? Heini hat ganz recht, das Radio ist wirklich etwas Wunderbares. Freilich nennen wir meistens ein Wunder nur ein ganz seltenes und besonderes Ereignis, das G'tt zu.einem bestimmten Zweck geschehen ließ. Aber auch die viele täglichen Dinge, an die wir schon gewöhnt sind, hat G'tt Lanz wunderbar eingerichtet. Denkt nur mal darüber nach, dann werdet Ihr viele Wunder entdecken, die Euch an jedem Tage begegnen!" Briefkasten. Jakob H., Leipzig. Du willst wissen, warum man beim Brocho-Machen mit Datteln beginnen sollte. Man richtet sich nach dem Posuk prn mxm '«rojran non pnx »an i»v n’T fix und zieht die Frucht vor, die am nächsten bei dem Worte fix steht; das ist in unserem Falle die Dattel, denn sie steht an zweiter Stelle nach dem Worte fix (der Honig ist nämlich Dattelhonig). Rita Ginsberger, Berlin. Du sandtest uns ein Klagegedicht. aber weißt Du, jetzt in den heileren Monaten Adar und Nissan drucken wir lieber etwas Helleres ab. Kannst Du uns auch etwas Lustiges schicken? Gerhard Darnowsky, Berlin. Das Verwandlungsrätsel scheint uns etwas zu schwer für unsere jungest Leser. Daher wollen wir es lieber mit der Lösung abdrucken: Zaun ">i; Übermaß Pflanze Stillschweigen Die Lösung des Berwandlungsrätsels: DTK TM IM DtfX .'TM ntfx "PM ->sx n#n Die richtige Lösung sandte nur I. H. Tempelhof, Saarbrücken. Das Rätsel scheint den meisten von Euch zu schwer gewesen zu sein. Dafür gibt es das nächste Mal ein paar leichtere! Noch eine verspätete Lösung zum Rätsel aus Nr. 5 ging ein von T. Zilbermann, Profilen (Ostpreutzen). aymMLUugaB«