Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 72 (1931)
- Issue
- Heft 9 (26.2.1931)
- Date
- 1931-02-26
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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26. Februar 1931 Frankfurt a. N!., den 9. War 5991 ^Der Israelit J) Ein Centralorgan für das orthodoxe Judentum Begründer von Dr. Lehmann in Mainz. Abonnement ab Juli 1829: Deutschland 1.30 Mark monatlich: Ausland: Bierteljahrpreise (entsprechend dem deutschen Inlandspreis zuzüglich Kosten des Streifband-Versandes) Deutsch-Lsterreich: Schilling 6.—; Amerika 1 Dollar; England 4 sh.; ab 1 Juli Frankreich 25 Fr.; Belgien ab 1.7.27. Belga 5.; Holland 2 fl.; Italien ab 1.1.38.18 Lire; Jugoslavien 55 Din.; Litauen 7L0 Lit.; Rumänien ab 1. 7. 27. 160 Lei; Polen 4 deutsche Toldmark zum Tageskurs oder 7 Zloty; Schweiz 6 Fr.; Tschecho-Slowakei 25 Kronen; Ungarn Pengö 5 ab 1. Juli 1927; Dänemark 3.60 Krön.; Norwegen3.50 Krön.; Schweden 3.50 Krön. Einzelnummer vierzig Goldpfennige. Der Israelit erscheint jeden Donnerstag. Inserate 50 Goldpf. für die stebengesp altene Nonvareille-Zeile. Abonnenten zahlen bei Stellengesuchen und Familienanzetgen nur ±0 Pf. Die 78 wm breite Skettnnreseile; letzte Te»tseitc 8.— ML. vorletzte Tertsette 350 Mk.; Ehiffregebühr' in Höhe eines dopp. Fernbrtesportos. Rabatt nach Tarif. Bet laufenden Jnserataufträgen tarifm. Preiserhöhung jederz Vorbehalt. Jnferatenannahme durch den Verlag des Israelit ®. m.b. tz., Frankfurt a. M, Rechneigrabenstratze 7. Tel. Hansa 21084 sow. durch sämtl. Annoncen-Erved. d. In» und Auslands. Alleinige Jnseratenann. für Franks. Geschäftsanz.: Jul. Schmidt, Hölderlinstratze 25 Tel. 45866. Platzvorfchr. ohne Berbindlichk. Zahlungen direkt an den Verlag auf Postscheckkonto Frankfurt (Main) Nr. 19812. — Aatzerdem an: Postsparkasse Wien Nr.79603. — Postsvarkassenamt Budapest Nr. 18434. —Postscheckkonto Warschau Nr^W757,-Postscheckamt Zürich Nr. 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Von jeher wurde die Purimfpende der jüdischen Gemeinden aus dem Crdennunde als Obolus .der Liebe und der Verbundenheit mit dem heiligen Boden der Vater nach Erez . Jisroel hingeleitet. Gewiß hat das seinen ersten Grund im Charakter des H a l b e n S che k e-l, der an jene heilige'Münze erinnert, die man einstens mit Adarbeginn ins heilige Haus getragen hat. Aber die jüdische Volkspsyche scheint doch mit dieser Pu-rimmünze für Erez Jisroel noch andere Vorstellungen verbunden zu haben. Man war sich gewiß, daß all die Verkettungen in der Esthergeschichte, einer alten Geschichte, die immer neu bleibt, nur im Glutofen des Golus geschmiedet werden konnten-. Freiheitssonne, die die Juden hoffähig macht, Assimilation bis zur Vermischung der Grenzen bei den königlichen Tafelsreuden, Rückschlag und Judenhaß bis zum hamanitifchen Vernichtungsedikt, Sammlung der Juden, Ernüchterung und Besinnung aus sich selbst, auf ihr Eigenstes und Heiligstes, und zuletzt kommt die g'ttliche Hilfe, und an der festen G'ttesburg zerschellen Gewalt und Bosheit. Eine Geschichte, die in den Golusjahrhunderten nach Zerstörung des zweiten Reiches sich alle paar Jahre vor unseren Augen in allen Grundzügen der alten Rolle wiederholt hat. Purim ist das Fest des Golus, das Wunder der Gegenwart. Und weil dies die jüdische Volksseele so tief empfindet, darum ihre Sehnsucht gerade an diesem Tage nach der heiligen Heimat, wo der Jude, unabhängig von Fürstenlaunen, von Gunst und Haß der Völker unberührt, sein eigenes jüdisches Leben in Reinheit und Heiligkeit führen kann. Mit der Münze, die vor dem Lesen der MegMa in den Teller rollt, erklingt das Gebet der Seele: Mag der Weg aus der schwarzen Erde mit seinen tausend Gefahren, denen nicht immer Me zur Zeit von Mordechai und Esther Heil und Hilfe folgen, in das Land der ewigen Sonne führen, „darauf das Auge G'ttes gerichtet ist vom Anbeginn, des Jahres bis zu seinem Ende." Das Wappen Mordechais hatte, nach einem Midraschwort, das Bild einer Königskrone auf der einen, das eines Sackes mit Asche darauf auf der andern Seite. Symbole für die zwei Prüfungen, denen Israel in der Golusfremde ausgefetzt ist. Lächelt ihm die Sonne der Kronenträger, dann ist Gefahr für Israels Seele vorhanden. Ist auf der andern Seite das Volk G'ttes dem offenen Rachen der Wölfe ausgefetzt, wird es, außer Recht und Gesetz, als Freiwild durch das Lebengehetzt, dann trauert und zittert Israels Körper „in Sack und Asche". Wir bauen mit der Purimmünze an unserer Zukunft, an der Heimat für unsere Kinder, an der Heimat für Körper und Seele des jüdischen Volkes. Und auch darin bleibt die Purimgeschichte immer neu: Rot und Gefahr sind ein Memento zur Sammlung der Geister, die zusammengehören und auf sonnenbeschienener, ruhiger Ebene gesicherten Wohlergehens nicht zusammen kommen konnten. omm nn di:d* Und damit war der Befreiung erster Schritt getan. Wir erlebten und erleben es dieser Tage in und um Erez Jisroel wieder, in viel verheißender Weife. Wir veröffentlichen an anderer Stelle einen Aufruf, der es verdient, genauer gelesen und auf seine über den Sammelzweck hinaus tiefere Bedeutung angesehen zu werden. Wir finden hier vereinigt die Namen von Rabbi Josef Chaim Sonnenfeld, Chacham Jakob Meir, Rabbi Elijahu Klatzkin, Rabbi Jssar Salomon Melzer, Ehacham Mosche Kliers, Tiberias, Rabbi Awrohom Lejb Silbermann, Safed und Rabbi Shvul Moshe Silbermann, Tel-Awiw. Zu H u n d e r - t e n haben sich führende Männer aus allen Teilen Europas dem Aufruf angeschlossen. Es ergeht ein Appell an die Iudenheit in der Gola, die zwei Fonds, die die Orthodoxie für Erez Jisroel gegründet hat, K e r e n H a j i f ch u w und Keren Erez Jisroel, zu unterstützen. Die Adar- Aktion bietet den unmittelbaren Anlaß dafür. Wirsollten uns nicht eher zmn Freudenmahl des Purimfestes setzen, als bis wir der Aufforderung der Großen gefolgt und unsere Pflicht gegen Erez Jisroel erfüllt haben. Die paar Pfennige, die wir in den Sammelteller werfen, feien nur Symbol und Erinnerung. Die zurzeit unserer harrende Arbeit in Erez Jisroel verlangt mehr, verlangt ein gut Teil unserer Kraft. Gerade zu einer Zeit, wo die große Politik in Palästina Schiffbruch erlitten hat, wo eine rein erdgebundene Aufbauarbeit so furchtbare Schläge und Hemmungen erlitt, gerade jetzt wäre es an der Zeit, die g e i st i g e n P o f i t i o n e n in Palästina, die von keiner Kursänderung in London abhängig find, zu befestigen und auszubauen. Dazu ist der K e r e n H a j i f ch u w da. Daß eine gesetzestreue Kolonisation auf der Basis von „Thora und Arbeit" in den Anfängen stecken geblieben ist, ist nicht Schuld der Sache, des Systems oder eines verfehlten Programms. Es lag einzig und allein an den Menschen, die nicht kamen, am Werke mitzuarbeiten, am Bau mitzuhelfen, die Pläne durchzuführen, «was sich gerade heute, in einer Zeit allgemeiner Enttäuschung, bitter rächt. Aber ein Grundstock ist da, und er muß ausgebaut werden. Die vitale unaufschiebbare Notwendigkeit, an die Arbeit zu gehen, hat die genannten Männer zusammengeführt. Ihnen sind bereits über 400 Namen von Klang in allen Ländern Ost- und Westeuropas gefolgt. Alle müssen wir dem Rufe folgen, jeder in seiner Weise und nach stinen Kräften. Es gilt aber vor allem, den altenJischuw und seine segensreichen Institutionen, die ganz außerhalb der Obsorge der offiziellen Wirtschaftspolitik in Palästina stehen, zu erhalten und auszugeftalten. Es gilt, mit dem materiellen Aufbau einen geiftigen Aufbau in die Wege zu leiten, der Erez Jisroel bei allen wirtschaftlichen Gegebenheiten zu einem Lande der Schech i n a m a ch t. In noch höherem Maße erstrebt dieses Ziel Keren E r e z I i s r o e l, der mit der Devise: „Rettet das Kind für bmw' p» und Schulen erhält, diese auszubauen und neue zu errichten nach Maßgabe der Bedürfnisse im heiligen Lande sucht. Wir hätten nicht das mindeste Recht, gegen die areligiöfen, nicht- und antijüdischen Schulen in Palästina Sturm zu laufen, solange wir den Kindern nicht unsere Hallen wM öffnen können und sagen: Kommt zu uns! Hätten wir sie vor den Gistquellen der G'ttEsieugnung und vor den Fangarmen der Mission gerettet, so kämen sie auf die Straße. Und diese hat andere mannigfache Gefahren für die jungen Seelen, die nicht minder groß sind. Wir können aber mit den Mitteln, wie sie uns heute zur Verfügung stehen, der großen Zahl von Kindern, die uns zuftrömen würden, das tägliche geistige Brot als Ersatz für das ihnen an anderer Stelle genommene nicht reichen. Etwa 1500 Kinder um-