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Der Israelit · 1931-02-19 · Heft 8 (19.2.1931) · page 20

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Journal
Der Israelit
Volume
72 (1931)
Issue
Heft 8 (19.2.1931)
Date
1931-02-19
Page
– (sequence 20)
Language
German
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Seite 6 Nr. 1 19. Februar 1931 Denn wer wäre fähig und würdig, cznxn na ’D omwy 122 iwx dn iVnn nns xi2'V die Gedanken und Beschlüsse nachzudenken, die der König aller Könige gefaßt und die der Vater der Menschheit den Verhältnissen angepaht und woh! gestaltet hat? Sind doch alle Geschehnisse der Zeiten nur Wiederholung der gleichen Ereignisse, die der Genius der Geschichte als Wallung der Gerechtigkeit und Güte des Lenkers der Geschicke in der Vergangenheit dankbar anerkannte. So prophezeit dieser selbe Geist der Geschichte mit rückwärts gewandtem Auge eine glücklichere Zukunft, 'i Ivxn 'Vx "ott. Die Not schmerzlicher Wehen der Zeit gebiert den Erlöser und sein Erlösungswerk.; Meine lieben Mitglieder unserer Verbandsgemeinden, meine Damen und Herren!; Es gab eine Zeit in Israel, da ein ganz' großer Geist, derselbe, der später seinen Irrtum^ eingestand, der uns ein Bild seines Irrens und. Werdens zur mahnenden Warnung für alle Zei-! ten in feinem Koheleth hinterlassen hat, da die-! ser große König Salomo eine ihm unbequeme einschränkende Vorschrift für die jüdischen Könige durchbrechen wollte. Für den jüdischen König heißt es nämlich: (V. 17, 16). Lröio P rar xV Er schaffe sich nicht viel Rosse an (17) m°v xVi D’ipj \b Er heirate nicht viel Frauen, na' xbi mV damit sein Herz nicht zur Sünde verleitet werde ixa ib mt xV 2N7i qv2i und Silber und Gold soll er nicht allzusehr vermehren Da wollte Salomo weiser sein, als der Allweise. und er wähnte den Verführungskünsten Trotz bieten zu können und achtete der Verbote nicht. Da — so meinen unsere Weisen im Bilde — habe das kleine ' von nah' xV sich vor den Thron des Höchsten niedergeworfen und habe also gefleht: Herr der Welt! Hast Du nicht gesprochen: Kein Buchstabe der Taurost darf übersehen, kein Verbot umKedeutet und verletzt werden? Sieh doch, Salomo hat sich erhoben und hat sich überhoben; hat mich gestrichen. So wird er hingehen, und wie er mich heute aus seinem Lebensgedanken entfernt hat, so wird er einen Buchstaben nach dem anderen auslöschen, bis die ganze Thora aufgehoben ist. Da habe der. Heilige, gepriesen sei sein Name, entgegnet: Salomo und Tausende seinesgleichen werden dahingehen und von dir lasse ich noch nicht den kleinsten Strich entwerten. Wenn ein Buchstabe der Thora entfällt, dann kehrt er an anderer Stelle in der Thora wieder. Unsere Stammutter Sarah hieß urspünglich nw- Da ihr Name in mfr verwandelt wurde, fiel das ■> von n® fort. (1 17, 15). Und es kehrt wieder im Namen des großen Führers Israels, Mosches Nachfolgers, dessen Namen p vwin das ■> vorgesetzt wurde, das von -rnz; genommen war: (iv 13, 16). smv ]2 ywinV nwa Kipi- Meine Damen und Herren! Das Leben des Menschen teilt sich in häusliches und öffentliches Wirken. Das Haus gehört und gehöre der Frau. In der Gemeinde und in der großen Volksgemeinde, da strebt und arbeitet der Mann. Aber nur dann wird sein Tun von Segen begleitet und von Erfolg gekrönt sein, wenn die Reinheit und Sitte einer Mutter, wie Sarah, sein Herz mit reinem jüdischem Gemür erfüllt hat. Nur eine jüdische Mutter, deren einziges, reines Verlangen es ist, Bausteine, zahlreich und rein, zum Vau ihres Volkes zu liefern, vermag Söhne zu erziehen, die ihr Volk und die Menschheit ins gelobte Land der Sehnsucht und des Hochzieles aller menschlichen Segnungen führen. In dem Opferwillen der Mütter ruht die Zukunft unseres Volkes. Meine Damen und Herren! Was wir heute unter traurigem, betrübendem Druck erleben, ist — wie ein Freund dieser Tage sagte — nichts anderes als das Fiasko des Materialismus. Jüdischer V olkssreund 'Vk 13T1 Wir empfinden ernst und schwer dieses strenge Urteil unseres höchsten Richters. Allein 'i mx iQX'i aus allem ünfyeil laßt uns die gütige Stimme des liebenden Vaters vernehmen und verstehen. Werden wir wieder reine Juden, ganze Juden, bescheidene Juden. Stellen wir uns um auf Anspruchslosigkeit im Leben, stellen wir uns um auf den Idealismus der Tauroh. Es sei uns ernst mit der Selbstanklage des 9. Aw: U'flipis Vd nDV nv amu? rnnVn mtp iw2L? Weil wir des Schabbos vergaßen in abtrünnigem Herzen, drum verwarf der Allmächtige auch all unser Wohltun. Adeln wir wieder unsere Familien, verschließen wir das Ohr leichten Verführungskünsten, die unsere Frauen verzweifeln lassen an der Kraft ihrer Mütterlichkeit, in Angst vor dem eigenen, höchsten Glück! Durch das Verdienst frommer Frauen wurden unsere Väter aus Aegypten befreit. Auch damals waren die Männer kleinmütig und fassungslos. Die Gattinnen ermunterten, die Müt ter waren hoffnungsfroh und pflichtbewußt, willensstark und zukunftssicher. Laßt das kleine ' der Mutter Sarah, das KrasLbewußtsein großer Söhne zieren. Dann ist die Zukunft des deutschen Judentums und mit ihm das der weiten Menschheit gerettet, "mi H mx 1281 'Vx Und aus der Stunde 'der Verzagtheit erhebt sich der starke Wille zur Erlösung. Die Rede des Vereinsrabbiners löste rauschenden Beifall bei den Teilnehmern der Versammlung aus und zeigte, wie er es versteht, aller Herzen für Tauroffeinu Hakdaufchoh zu entflammen. von früh aus muß die jüdische Schule das Judentum fektorenweise den Kindern übermitteln. Auch jüdische Volkshochschulen find zu schaffen und auszubauen. Diese Kurse müssen vielleicht als; gerrenlurfe in die kleinste Gemeinde gelangen. ' Die Stellung und gesell schaftlichs Geltung der Lehrer und Rabbiner muß gehoben werden. Wir brauchen jüdische Volksbüchereien, die einen kor- , retten Begriff vom Judentum geben und zu allen Fragen des öffentlichen und privaten Lebens! Stellung nehmen: sie müssen billig und weitver-! breitet [ein, so daß auch die Nichtjuden ein legii times Bild bekommen. Die Bibel muß durch volkstümliche Ueberfetzungen, die die gesamte! mündliche Lehre mitverwenden, uns wieder näher gebracht werden. Nur so kann sie wieder kZU'M Richtungsweiser werden. Es darf kein Ab-! schließen für uns als Juden geben. Unsere Lehre!hat einen dominierenden Platz in der Menschheitsgeschichte; wir müssen den Mut zum Bekennen auch im Alltage finden; denn das jüdische Gesetz gibt Auskunft zu allen Tagesfragen. Wir hätten zu allem, Kunst, Film, Theater, Radio etwas vom jüdisch legitimen Standpunkt aus zu sagen. Alles das gehört dazu, um die jüdische Aktivität zu wecken, denn es genügt nicht nur das Bekenntnis zum Judentum, und sinnlos ist ein jüdisches Leben, das losgelöst von der Geschichte gelebt wird. Die Jugend verlangt unbedingte Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit. Es gilt also, sich selbst stark im Glauben zu machen, und das eigene Beispiel den Kindern vorzuleben. Bedingungslose Brüderlichkeit muß hinzu kommen, um solche Kinder an sich zu erziehen, die die Zukunft des Judentums sicherstellen. Sodann ergriff der Hauptredner des Abends. Herr Ministerialrat Hans Goslar, das Wort zu feinem Thema: Die Zukunft des deutschen Judentums. In den etwa eineinhalbstündigen Ausfüllungen des Redners zeigte sich eine Fülle von Gedanken und Anregungen, so daß die hier gegebene kurze Inhaltsangabe nur den rohen Umriß nachzeichnen kann. Goslar dankte zunächst für die herzliche Begrüßung. Zu seinem Thema führte er aus, daß Deutschland heute über 500 000 jüdische Menschen habe. Für das Judentum bedeutet sie, wie man sagen müsse, sehr wenig. Die Antisemiten behaupten das Gegenteil. Gewiß spielen sie eine gewisse Rolle in Theatern, Banken, Berlägen usw. Man glaubt aber, daß es Millionen seien, weil sie wie in einer bengalischen Beleuchtung oft gesehen werden. In Wirklichkeit besteht kein jüdischer Einfluß. Niemand hört auf uns, die Nachkommen der Propheten. Daran tragen wir selbst Schuld, weil wir persönlich versagen. Und dennoch ist dieses Judentum Opfer an Gut und Blut wert. Die Generation vor uns verlor den Zusammenhang mit der jüdischen Geistigkeit, alles andere erschien ihnen wichtiger. Das deutsche Judentum wird nur durch Lernen zu seinen Quellen zurückkommen. Es muß im Stahlbad der Gemoro feine Intelligenz retten. Mit diesem Geiste müssen wir über den Zeitgeist, eine selbstgefchafsene Phrase, hinwegkommen. Die Zahlen der Juden in den Großstädten gehen ständig zurück. An der jüdischen Aktivität, an unserer Selbstanspannung wird es liegen, das Fortbestehen zu garantieren. Ohne Kampf. wird das nicht möglich sein. Der Redner formulierte dann die Forderung dieser neuen jüdischen Aktivität. Wik brauchen die Synthese des gebildeten und gesetzestreuen Juden. Weil man dies im Osten nicht für möglich hielt und auch noch hält, nahm uns der Marxismus dort die besten Menschen, obwohl gerade das Judentum zum wahren, edlen Sozialismus führe. Die deutschen Juden brauchen die Kerntruppe jüdischer Menschen, die soviel Skepsis besitzen, daß sie das Judentum über die Wissenschaft stellen. Wir brauchen jüdische höhere und mittlere Schulen. Der alte Liberalismus bagatellisierte das Judentum, wenn er es nur als Konfession betrachtete. Das Judentum ist aber kein Lippendienst. Es verlangt die Tat, den ganzen Menschen; es ist ein gewaltiges harmonisches System, das erkämpft werden muß. Eine Stunde Religionsunterricht genügt nicht dazu, sondern Hoffentlich kommen wir später einmal in die Lage, unseren Lesern den ungekürzten Vortrag zu bieten. Der Redner fand eine außerordentlich begeisterte Aufnahme. Seine Rede war von Herzen gesprochen und trat zu Herzen. Mit einem Dank an den Redner schloß Herr Kahn die sehr anregendverlaufene Versammlung. G. Spendenliste. Carl Kaufmann, Lüxheim, 10, Max Berg, Lechenich 20, Josef Berg, Lechenich 5, Franken, Lechenich 5, Frau Breitenbach,. Köln 10, Dr. Hartog, Köln 40, Dr. Walther Heymann, Köln 30, Ferdinand Faber, Polch 20, Moritz Juhl, Zülpich 5, Frau Isidor Wolf, Köln 2, Victor Loeb, Köln 2, Ernst Loeb, Vallendar 3, Albert Meyer, Köln 5, Frau H. Wolf, Köln, 1, NN., Köln 1, Carl Vier, Köln 1, Frau Solo man, Köln 1, M. Kottek, Köln 3, Benno Hirsch, Köln 3, Levysohn 1, Dr. Winter 1, Dr. Kurzweil, Köln —.50, Leo Koppel, Bornheim 1, I. Eolöstein, Bornheim 1, Berg, Alstädten 3, Kauf 1, Heumann 1, Louis Metzger, Ahrweiler 1, Bär, Ahrweiler 1, Brünell, Brühl 1, S. Pfeiffer, Düsseldorf 3, G. A. 1, Simon, Köln 1, Jul. Hymanu, Köln 1, NN., Köln 1, Emanuel, Jülich 3, L. M. 1, NN. 1, NN. 1.65, NN. —.50, Moses Löwenthal, Ronsdorf 2, Fritz Löwenthal, Ronsdorf 1, NN. 1, Rafael und Leo Brenner, Köln 10, NN. 2, Weil, Köln 2, Fein, Boppard 2, Neumann, Vallendar 1, D. Rosenblatt, Köln 1, NN. 4, NN. i, Sally Cahn, Siegburg 2, Achad Hoam 1, Sch. 1. Markus Schmitz, Commern 1, A. Schulze, Siegburg 1, K. Stern, Siegburg 1, Ernst Wallerstein, Siegburg 1, Paul Wallerstein, Siegburg 1, Michael Lucas, Aachen 1, Jsaac Lucas, Aachen 5, Siegmund Rosenzweig, Köln 2, R. Zucker, Köln 1, Frau A. Ochs, Köln 1, RR. 1.

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