Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 72 (1931)
- Issue
- Heft 8 (19.2.1931)
- Date
- 1931-02-19
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Frankfurt a. M., den "rws AB]]] Ein Centralorgan für das orthodoxe Judentum [[(öI VjmSHV/// Begründet von Dr. Lehmann in Mainz. \\\ l Abonnement ab Juli 1828: Deutschland 1.30 Mart monatlich; Ausland: Bterteljahrpreise lentsprechenü dem deutschen Inlandspreis zuzüglich Kosten des Stretfband-Bersanves) Deutsch-Lsterreich: Schilling 8.—; Amerika 1 Dollar; England 4 sh.; ab 1 Juli Frankreich 85 Fr.; Belgien ab 1.7.27. Belga 5.; Holland 2 sl.; Italien ab 1.1.28. l8 Lire; 2ugoslavien 85 Din.; Litauen 7.30 LU.; Rumänien ab 1. 7. 27. 150 Set; Polen 4 beutfdje Told- _„ m Tageskurs oder 7 Zloty: Schweiz 3 Fr.; Tfchecho-Slowakei 28 Kronen; Ungarn Pengö 6 ab 1. Juli 1927; Dänemark 3.60 Krön.; Norwegen 3.50 Krön.; Schweden 3.60 Krön. 'Einzelnummer vierzig Goldpfennige. Nonparetlle-Zeile Abonnenten zahlen bei Stellengesuchen und Familienanzeigen nur *0 Pf. Die 78 mm breite yteklamezetle: letzte Tertseii; 3.— Mk.. vorletzte Tertsette 880 Ml.; Chiffregebühr in Höhe eines dopp. Fernbriefportos. Rabatt nach Tarif. Bei laufenden fow. durch_ _ _ Gefchäftsanz.: Jul. Schmidt, Hölderltnstraße .Alleinige Jnfe____ Tel. 46888. Platzoorfchr. ohne Berbindltchk. 8 direkt an den Berlag auf Postscheckkonto Frankfurt (Main) Nr. 19SJ2, — Aatzerdem an: Postsparkasse Wien Nr.79605. — Postsparkasse-ramt Budapest Nr 18424.—Postscheckkonto Warschau Nr. 190757. — Postscheckamt Zürich Nr. VIII 7264. — Inkasso-Bank Rotterdam — Postscheckamt Amsterdam Nr. 24889 — Postscheckamt Prag Nc. 79.060 — Banca Marmarosch Blank & Co. in Bukarest — Filiale des Wiener Bankvereins in Agram. — Der Gerichtsstand sür alle aus Abo inements oder aus Inseraten stch ergebenden Zahlungsverpflichtungen ist Frankfurt a. M. Erneuern Sie sofort beim Postboten die Bestellung auf den „Israelit“ für den Monat März! Wird dies versäumt, so tritt eine Unterbrechung der Zusendung ein, ohne daß wir selbst Kenntnis davon erhalten. Für verspätete Bestellungen , rechnet die Post einen Aufschlag von 20 Pfg. Verlag des Israelit G. m. b. H., Frankfurt a.M. Thora-Galukh im Thora-Land. ' ’ •; Bon ©ttlij Geis in Tel-Awiw. Es wäre Vermessenheit, -den, .Zustand ded jüdischen Palästina in festen, klaren' Strichen Hrm Meißen zu wollen. Der Versuch kann nnr!d;en <-aus Osteuropa stammenden Teil, der jüdMerl! -Bevölkerung betreffen, da dieser die Mehrlj-erk Äusm-acht, ' die Führung h>at unh dem jüdisMn Leben seinen Charakter aufprägt. Doch selbst diese Beschränkung muß auf ein Erfassen des Ganzen verzichten undsich mich nicht vollendeten -Konturen begnügen. _; Auch ö'i'2 Person des Urteilenden ist entscheidend. Nur -der, welcher im Denken und in Lebenspraxis fest mit den auf der Thora basierenden und von ihr beherrschten Traditionen der Väter, verbunden ist, hat die wichtigste Voraussetzung für die richtige Distanz erfüllt. ' Bestimmend ist ferner, ob ein von den Zufälligkeiten äußerer Eindrücke abhängiger vorübergehender Aufenthalt oder langjähriges, unter die Oberfläche schauendes Wohnen das Urteil gebildet haben. Selbstverständlich werden die Farben auch Heller oder dunkler je nachdem, ob ein Optimist oder ein Pessimist, ein Begeisterungsfähiger oder ein Nüchterner die Dinge sieht. ' Der erste Chan u k. k a - A b e n d am 'Wasserturm Tel-Awvws muß in dem Zuschauer eine Stimmung erwecken, die hoffnungsbereit in die Zukunft schaut. Alle Schulen ordnen sich dort angesichts der großen elektrischen Menorah auf dem Turm zum Marsch 'durch die Stadt. Eine Jugend von mehr als fünftausend Köpfen zieht — jede Klasse mit ihrer Fahne — unter Voranmarsch von Fackelträgern mit dem Chanukkah- Licht in der Hand freudig und stramm vorbei. All diese Großen und Kleinen, diese Jungen und Mädchen denken und sprechen die Laute der Thora. Purim ist ein Volksfest für Alt und Jung. Welche M ö g l i ch k e i t e n für die Thora - Aber, aber — die Thora ist in ihrem Lande heute im Galuth . . . Den Schülern und Schülerinnen der allgemeinen zionistischen Schulen wird Chanukkah nicht als Sieg des jüdischen Geistes über den griechischen Geist gelehrt, vielmehr als Sieg der Makkabäer über das mächtige Heer der Syrer, ungefähr wie der Sieg der Spartaner über die Perser am Engpaß von Thermopylae. Purim trägt die Narrenkappe -des europäischen Prinz Karneval. Den Jungen und Mädchen, die Bauleute an dem Ausbau vomErez-Jsrael werden sollen, wird mit Sport, Kunst itnb. Wissenschaft eine Anschauung beigebrqW! ijvje'l! Griiechentum enthält, deren positives-Mch bewußt aus Pätererbe auf- .bauendes Mdentum.aber schwach ist.;; V . Derartige ZiWänhe - sind wahrlich b^i der geistigen SLMktstr #er;, tonangebenden Kreise lim heutigen jüdischen Palästina nicht verwunderlich. Tonangebend sind die akademisch Gebildeten Ihre Zahl dürste gegen fünfhundert betragen. Darunter dürsten etwa zehn sein, die auf dem Boden der Thora stehen, sowie einige Minjanim, dve einer mMeren Linie zuzurechnen sind. Der große Rest setzt sich aber aus Verneinern der T h or a - V e r p f l i ch - tungzusammen. Man suche unter diesen Aerzten, Advokaten usw. nach Schabbath-Hetligung und Kaschruth: man wird über das seltene Antressen dieser beiden Zeichen positiven Judentums erstaunt sein. Auch in den Büros der Zionistischen Exekutive und ihrer Institutionen, im Rathaus und im Poltzeiamt der jüdischen Stadt Tel-Awiw, unter den Angestellten der Krankenhäuser der Hadassah usw. werden nur vereinzelt Beamte oder Beamtinnen anzutreffen sein, die thoratreu leben. Der Abend des Ti sch ah - b ' Aw liegt wie mit bleierner Schwere über Tel-Ätviw. Die elektrischen Lampen brennen nicht, die Läden sind geschlossen/nur hie und da leuchtet aus irgend einer Speisewirtschaft noch Licht. Aus den überfüllten Synagogen tönt klagend Jirmijahus „Eichah". Kol - Nidrei! Heilige Ruhe, andächtige Stimmung in allen Straßen der Stadt. Der Schabbath der Schabbathe regiert. Aber auch der Schabbath des siebenten Tages der Woche hemmt die Bewegung der rollenden Räder an Wagen und Maschinen, der schreibenden Federn, der Maße und der Gewichte. Im Amt, Büro, Werkstätte, Laden ruht die Arbeit. Wohl fährt dann und wann einmal ein Wagen oder ein Auto durch die Stadt, aber der Wagenführer ist in der Regel ein Araber aus dem angrenzenden Jaffa. In frühen Morgenstunden kann man auf einen Trupp des Jugend^ bundes der „Zofim", mit Tornister und Kochapparaten ausgerüstet, treffen oder einem MAchhändler auf einem Fahrrad begegnen. Fahrräder sind -auch später am Tage keine seltene Erscheinung. Vielleicht -erklingt auch durch ein geöffnetes Fenster -ein Klavier. Doch -dies sind Dinge, die auch, eine das Rathaus eines Tages beherrschende „Agudas Jisroel" höchstens zum Teil ändern könnte. Nirgends sonst in der Welt gibt es eine zweite Stadt, in der der Schabbath und die Jomim- Towim offiziellen Charakter tragen! Hier bedeutet es keine wirtschaftliche Schwierigkeit mehr, als Jude „al pi dm" zu leben. Darum ist es nicht verwunderlich, von orthodoxen Touristen über Tel-Awiws jüdischen Eindruck mitunter ein günstiges, sogar enthusiastisches Urteil zu hören. Wer aber tiefer blickt, sieht noch eine andere Wirkl-rchkest. In den Dutzenden von Barbierläden rasieren vom Morgen bis zum Abend j ü d i f cf? e Barbiere ihre jüdischen Kunden. Es gibt hunderte Schneider und Schneiderinnen. Sucht mit der Laterne die unter ihnen, die ihre Pflicht kennen, Juden keine „Vermischung von Wolle und Leinen" zu arbeiten, und erkundigt Euch, wieviele Kunden vermischungsfreie Verarbeitung ihrer Bekleidung verlangen! Fragt, wieviele Frauen die Ehegebote der Thora beachten und die Mikwoh aufsuchen! Wie zahlreich sind die Frauen, welche, wenn sie schon koscheres Fleisch kaufen, es nicht wässern und salzen! In d<en besseren Lebensmittelläden sind alle trefenen ausländischen Spezialitäten — wie. z. ' B. Schrvem-ewürstchen-,.'Corned Beef, Kaviar— in Dosen zu haben; auch der christliche deutsche Metzger in Jaffa hat. seine besten Kunden unter Tel- /