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Der Israelit · 1931-02-12 · Heft 7 (12.2.1931) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
72 (1931)
Issue
Heft 7 (12.2.1931)
Date
1931-02-12
Page
– (sequence 10)
Language
German
Belongs to
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Seite 10 Nr. 7 „Dann mußt Du es durch eine Tat beweisen." „Durch welche Tat?" „Durch Opfertat, welcher Art sie immer von Dir verlangt wird." „Ich verstehe Dich nicht ganz." „Dann bist Du für unsere Ideen noch nicht ganz reif. Meister Skobeljew hat meine an Dir begonnene Arbeit noch nicht bis zu Ende fortgesetzt." Das Angstgefühl des Jünglings steigerte sich noch mehr. Die Schatten an der Wand wuchsen. Zwischen den Dreien war inzwischen ein Streit über irgendeine Theorie oder eine Methode der „Propaganda der Tat" ausgebrochen. Sie wurden lauter und ließen die gebotene Vorsicht außer Acht. Nissim Beer streckte beruhigend und warnend beide Hände aus und gab, als die Hand übersehen wurde, einen Zischlaut wie ein Signal von sich. Sie sahen sich wie aufgerüttelt um und senkten die Stimme, aber die Aussprache behielt ihre Lebhaftigkeit. Einer der zwei Studenten klopfte mit der Faust auf den Tisch, daß Gläser umfielen und der heiße Tee sich in braunen, dünnen Rinnen auf den Boden ergoß. „Genossen," mahnte Nissim Beer, „seid vernünftig und vorsichtig!" Nunmehr war Nissim Beer wieder, an der Unterhaltung beteiligt und ganz von ihr in Anspruch genommen. Meikemeier war glücklich, jetzt weniger beachtet zu sein. Als er nach einiger Zeit leise verschwand, merkten es die anderen in der Hitze der Redeschlacht gar nicht. Draußen stolperte er beinahe über ein bespanntes Fuhrwerk, das am Ende des Schuppens in der dunkelsten Ecke der Nacht Bergung zu suchen schien. Ohne Licht, mit schnupperndem, kopflosem Gaul (er hatte vielleicht den Kopf im Futtersack stecken) bespannt, sah es wie ein Gespensterwagen aus. Meikemeier eilte, was ihn die Beine trugen, seinem Zimmer zu. Am Siw'scheu Warenhause kroch Petriow, in Pelz und langen, weißen Wollschuhen, wie ein Untier aus der Nacht. Er machte mit Stecken und Signalpfeife feine letzte Nachtrunde. „Gute Nacht, Herr Lehrer," grüßte er und rieb sich die in fingerlosen Riesenhandschuhen steckenden Hände. (Fortsetzung folgt.) (Spinozas Ahnen.) In Heft 24 der „Mitteilungen der Gesellschaft für jüdische Familienforschung" (Schriftleitung: Dr. Arthur Czellitzer, Berlin W. 9, Potsdamer Strafte 5) veröffentlicht Arturo Bab, Rivera, Mitteilungen über Spinozas Ahnen: „Baruch Spinoza wurde zwar in Amsterdam am 24. November 1632 geboren, war aber wie die große Mehrzahl der holländischen Israeliten spaniolischer Abstammung. Ein spanischer Gelehrter, Fernandez Alonsoe, berichtet in seinem Buche über die Juden von Orense, einer in der spanischen Provinz Galizia gelegenen Stadt, auch über die Vorfahren des großen Philosophen. Laut Alonsoe gab es im 16. Jahrhundert in Galizia eine angesehene jüdische Familie namens Espinosa, die teils in Orense, teils in ihrer ursprünglichen Heimat, dem Städtchen Espino (Departement Verin, Sprengel Viriferre) ansässig war. Der Orenser Zweig beugte sich zwangsweise unter den Kirchenkuppeln und verschwägerte sich unter andern mit dem Marquis Boveda de Limia, der den Beinamen Espinosa annahm. Der ursprüngliche Teil der Familie blieb aber trotz den Verfolgungen dem Judentum treu, und es gelang Miguel de Espionsa, nach Amsterdam zu flüchten, wo ihm sein Sohn Baruch geboren wurde. Espino ist der Weißdorn. Der Name bedeutet daher „aus der Weitzdornstadt". Die Aenderungen desselben in den Niederlanden lassen sich auf folgende Weise leicht erklären: Die Spanier können im Anlaut kein „sp" oder „st" aussprechen und sagen daher z. V. „Esparta" für Sparta und „Estrasburgo" für Straßburg. In Holland wurde daher wohl auch das „e" in Espinosa für überflüssig gehalten und gestrichen. Ferner ist ein weiches „s" in der kastilianischen Sprache unbekannt, sondern wird stets scharf, ähnlich dem deutschen „ss", ausgesprochen, so daß es in der Schrift durch „z" ersetzt wurde. Unter den Spaniern und Welschamerikanern ist die ursprüngliche Namenssorm noch heute nicht unselten. So hieß z. B. der vor einigen Jahren gestorbene Erzbischof Argentiniens Espinosa (und der jetzige spanische Botschafter in Berlin Dr. Fernando Espinosa de los Monteros)." Der Israelit Ainderecke. Zu Parschath Schekolim Als unser Lehner Mosche den- Ausspruch hörte: „Cm L-ösegeld für Eure Seelen soll es sein," da überfiel ihn großer Schrecken. „Wie kann man den Wert einer Seele bezahlen," dachte er, „die Seele ist doch mehr wert als alle Schätze der Erde. Unersetzlich ist sie und nicht zu vergleichen mit irgend -einem Ding und Gut der Welt. Alles werden die Menschen mit ihrer Kunst und Wissenschaft einmal selbst Herstellen können, dies werden sie nach 1000 Jahren erfinden und jenes nach nochmal 1000, aber das Wesen de-r Seele werden sie niemals ergründen. Unbezahlbar ist eine Seele." G'tt aber sah, was ürn Geiste Mosches vor sich ging, und beruhigte ihn-. Eine kleine feurige Münze nahm G'tt von der Pracht seines Thrones und zeigte sie Mosche. „Siehst du, nur dies sollen sie geben. Mehr verlange ich nicht von den Menschen. Soviel aber sollen sie immer opfern können, jeder Einzelne in Israel, in jedem Geschlecht." Von Mosche. Einsam stieg Mosche den Berg Sinai hinan. Eine Strecke weit hatten ihm noch Aharon und die 70 Aeltesten das Geleite gegeben, und dann durfte Jehofchua den geliebten Führer noch ein Stück Weges begleichen. Nun hatte er sich auch von diesem treuen Diener getrennt, und nur Fels und Nebel waren noch um ihn. Da erschien vor ihm eine feurige Wolke, die Weg und Steg verhüllte. Doch furchtlos trat Mosche näher. Da tat sich die Wolke.auf, wie in einen Wagen konnte Mosche in sie hineingehen, und sanft trug sie ihn nach oben. Vierzig Tage und vierzig Nächte weilte Mosche bei G'tt, um in der Thora zu l-ernen. Es kam kein Schlaf in seine Augen, und Speise und Tränk nahm er nicht zu sich, wie es die Art der heiligen Engelscharen um ihn war. So wie die Engel bei Abraham sich nach den Sitten der Menschen gerichtet hatten und aßen und tranken, so tat jetzt auch Mosche: weil er bei den Engeln war, die weder Trank noch Speise brauchen, da aß auch er nicht, da trank auch er nicht. Wie Stunden flogen ihm die Tage dahin, und er merkte kaum, wie sie verstrichen. Nur wenn die Sonne kam, um sich vor G'tt zu verneigen, wußte er, daß nun aus Erden die Nacht angebrochen sei, wenn die Sterne und der Mond erschienen und sich vor G'tt verbeugten, merkte er, daß für die Menschen der Morgen gekommen war. So lernte Mosche vierzig Tage und vierzig Nächte ohne Unterbrechung, und dann hatte -er alle Gesetze der Thora in sich ausgenommen. Und als nun G'tt ihn alle Erklärungen und Deutungen der Thora gelehrt hatte, da nahm der Ewige die wunderbaren Tafeln, die er in der letzten Stund-e der Schöpfung geschaffen hatte, und grub miteigner Hand die zehn Gebote daraus ein. Nun wollte G'tt sie Mosche übergeben. Als das die Engel seiner Umgebung sahen, stürzten sie zornig herbei und schrieen: „Herr der Welt, Dein kostbarstes Gut, Deinen Schatz, der älter ist als das ganze Menschengeschlecht, willst Du wirklich die-, sen törichten Menschen, schenken?" Da sprach G'tt m Mosche: „Gib Du ihnen Antwort!" Aber Mosche zitterte und wagte es nicht. G'tt sprach: „Halte dich fest am Throne Meiner Herrlichkeit und antworte -ihnen." Da tat Mosche, so und sprach zu ihnen.: „Ihr Engel, was steht denn in der Thora, die G'tt uns geben will? Ich bin der Ewige, dein G'tt, der dich aus Aegypten geführt hat, aus dem Haufe der Sklaven. Wart denn Ihr in Aegypten? Seid Ihr dem Pharao dienstbar gewesen? Was soll Euch denn diese Thora? Und weiter! Es steht: Du sollst keine 12. Februar 1931 fremden Götter haben — wohnt Ihr denn unter Völkern,. die 'den Götzen dienen? Du sollst den Namen G'ttes nicht zum Fälschen aussprechen — habt Ihr das je getan? Gedenke des Sabbat, um ihn zu heiligen — müßt Ihr denn ruhen von Eurem Werke? Weiter, es steht: Du sollst Vater und Mutter ehren! Habt Ihr denn Vater oder Mutter? Und all die anderen Geböte — haben sie für Euch Bedeutung? Kennt Ihr den Neid, kennt Ihr Mord, kennt Ihr vielleicht den bösen Trieb? Seht Ihr nun ein, daß die Thora nicht für Euch gefchaf-. sen ist?" Da verstanden die Engel, warum die Thora nicht bei ihnen bleiben durste. Sie drängten sich um Mosche, und jeder wollte ihm etwas Liebes erweisen und lehrte ihn noch seine Weisheit. Dann legte G'tt die steinernen Tafeln in die Arme Mosches und Mosche stieg hinab vom Berge, dem Abhang zu, wo noch immer der treue Jehoschua seiner harrte. - Evas Vorpurimfreude. Schon seit einigen Tagen ging Eva in tiefen Sorgen umher. Sie hatte vor kurzem etwas sehr Trauriges erlebt: ihr lieber Großvater war gestorben. Aber nun war ihre Mutter schon seit einer Woche wieder bei ihnen, und noch immer hatte sie kein bißchen gelacht. Eva war ja auch sehr betrübt darüber, daß Großvater nicht mehr lebte, aber nun war er doch im Himmel, und das war doch auch schön für ihn. Trotzdem wollte Mutter gar nicht heiter werden. Eva gab sich die größte Mühe, brav zu sein, um Mutter nicht zu ärgern. Sie trank täglich ihre Milch schnell aus, auch wenn ein Häutchen darüber war, und die ganze Woche hatte 'sie beim Ausziehen ihre Sachen ganz ordentlich auf den Stuhl gelegt. Sie erzählte immer die komischsten Geschichten von der Schule, und Mutter hatte doch nicht gelacht. Was konnte man da nur machen? Am Abend lag Eva wach in ihrem Bett und dachte nach, wie sie dem abhelfen könnte. „An Purim wird man sie wohl ein bißchen erheitern können," dachte sie. „Aber das ist noch so lange hin! Doch bestimmt noch 14 Tage!" Eva überlegte. Der wievielte ist denn wohl morgen? Ach, morgen ist ja schon Rausch Chaudesch Adar! Plötzlich kommt Eva ein Gedanke. Wie hatte heute das Fräulein in der Schule gesagt: ojaptf» nmpfra pa-i.n. Ob Mutter wohl daran denkt? Ganz leise steigt Eva aus dem Bett und schleicht sich ins Schlafzimmer der Eltern. Einen kleinen Zettel legt sie auf Mutters Nachttisch, darauf steht, mit ein paar Fehlern freilich, der Satz, daß man mit dem Beginn des Monats Adar seine Freude vermehren solle. Dann geht Eva unbemerkt wieder in ihr Bett. Als später am Abend Evas Mutter sich zu Bett legen will, fällt ihr Blick aus das Stückchen Papier auf dem Nachttisch. Sie liest die Worte, die ihre kleine Tochter geschrieben hat. Tränen laufen ihr übers Gesicht, so gerührt ist sie von diesem lieben Einfall, sie wieder heiter zu stimmen. Nun will sie wirklich Eva zuliebe es versuchen. fröhlicher zu sein. Mit einem Lächeln begrüßt die Mutter Eva am nächsten Morgen am Kaffeetisch, und glücklich fällt ihr Eva um den Hals und küßt sie tausend Male. - Verwandlungsrätsel. Bei dieser Rätselart bekommt Ihr zwei Wörter genannt, z. B. vxv und ü?T. Nun müßt Ihr das erste Wort durch Verändern von immer nur einem Buchstaben in ein anderes verwandeln, bis das zweite Wort entsteht. Bei unserm Beispiel also: 1. ein Buchstabe verändert: M dann und schließlich 2. ipr. Habt Jhrs verstanden? Nun ratet mal, wie wird aus am schnellsten p^a Wie kommt man von d*;« zu nf»? und wie verwandelt man den ^ptf von der dieswöchentlichen nvns recht schnell in ->?$ von n^§? Ihr könnt Euch selbst Aufgaben bilden und mit ihren Lösungen einsenden; wenn sie gut sind, werden sie abgedruckt! Worüber machen wir zuerst Vrocho? Die Antwort auf die Frage in der Chamischo Osor- Geschichte lautet: Datteln. Richtige Lösungen sandten ein: Ernst Eisen-Wien und Gottschalk Schlesinger, Wien, der seine Antwort auch sehr fein begründete. Alle andern Kinder entschieden sich für Trauben. Es waren dies: Bertha Erlanger, Luzern; Elle Goodmann, London: Joseph Faust, Fürth; Oly Schachnowitz, Frankfurt a. M.; Herbert Emanuel, Hamburg; Miri Joelsohn, Hamburg. Auflösung des hebräischen Rätsels: Richtige Lösungen sandten ein: Joseph Faust, Fürth i. B.; A. Goldberg, Frankfurt a. M.; Max Straßfeld, Wittmund; M. Weinreb, Ludwigshafen; I. H. Tempelhof, Saarbrücken;! Ä. Dävidfohn, Rastenburg; Oskar! Landau, Kristianstad.

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