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Der Israelit · 1931-02-05 · Heft 6 (5.2.1931) · page 16

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Journal
Der Israelit
Volume
72 (1931)
Issue
Heft 6 (5.2.1931)
Date
1931-02-05
Page
– (sequence 16)
Language
German
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r -?. i?» * \i t, Seite 4 Nr. 6 vor allem begründet in seiner Gegnerschaft zur Kirche. Ucberdies sind die Juden mit ihrem zähen Festhalten an alten Glaubenslehren ein Hindernis in der Welt des Fortschritts, und ihr Sonderdasein ist ihm, dem Hauptanwalt für die Beseitigung aller nationalen und religiösen Gegensätze, ein Dorn im Auge. Immerhin dürste man behaupten, daß Voltaire gerechter in seinem Urteil gewesen wäre, wenn er eine bessere Kenntnis des jüdischen Schrifttums gehabt hätte. Von jüdischer Schrifterklärung, Philosophie und Sittenlehre kennt er fast nichts. Von Maimonides z. B. bringt er drei Angaben, von denen zwei falsch sind, eine belanglos ist. Wie so oft ist Unkenntnis schuld am Fehlurteil. Voltaire, der mit größtem Vorurteil ans Werk ging, war es um den Kampf gegen die Religion zu tun; an einer zweckbefreiten Erforschung des Judentums lag ihm nichts. S. Jttdaism as Lifes purpose by the late Rabbi Doctor Victor Schoenfeld r'XT edited by Solomon Schoenfeld. London. Selb st vertag. In einer Sammlung von Predigten, die alle Seiten des Lebens berühren, die Erziehung, das jüdische Haus, die moderne Jugend, den Juden in der Geschichte, unsere Stellung zu den Nationen usw. zeigt dieses Werk, herrlich ausgestattet, in elegantem, modernen Stile, wie diese Probleme im Lichte der Thora zu behandeln sind. Der Herausgeber, Solomon Schonfeld, Sohn des Verfassers V'xr kennzeichnet in gedrängter Kürze in der Einleitung die Tendepz dieser Schrift. Nicht wie in seinen Midrasch-Vorträgen hat hier Dr. Schonfeld eine Fülle wenig bekannter Talmudstellen erklär^ sondern er will uns zeigen, wie das Alltägliche im wahren jüdischen Sinne von einem modern gebildeten, auf der Höhe der Zeit Stehenden, aufgefaßt werden will. Dieses ist besonders für die Jugend Englands, die sich dem Einflüsse ihrer ostjüdischen Eltern zu entziehen droht, weil sie bei diesen dys kulturelle Element vermissen, von größter Wichtigkeit. Das Werk erinnert an den Geist des „Mesilas Jefchorim" in modernem Engfisch, der sagt: „Vicht will ich lehren, was Eych unbekannt, nein, die Wichtigkeit, die Größe, die Erhabenheit des Euch längst Bekannten spll demonstriert werden." Das Werk ist leicht verständlich, die einzelnen Aufsätze kurz, enthalten den erfrischenden Humor, der erleuchtet, ohne zu blenden. In .>.*• f-duc-i n“. Seite 41, findet der Wissenschaftler viel Interessantes. Der großen Welt wird das Buch die Schönheiten der jüdischen Ethik, die Bedeutung der Mizwaus, das reine Glück, das sie Denen spenden, die sich von ihnen leiten lassen, zeigen. Die Mitglieder der „Adaß Jisröel" wird das Bild von ihrem „Raw" und sein Wort wieder in die Zeit zurückversetzen, in der ihnen vergönnt war, seinen begeisternden Reden zu lauschen, den Adel und die Herzensgüte seines Wesens zu bewundern. Indisches Leben im TNitkelaller. Ein Beitrag zur Kulturgeschichte der deutschen Juden. Von Dr. I. M ü n z. Verlag M. W. Kaufmann, Leipzig. Münz hat sich bereits durch mehrere größere Arbeiten einen guten Namen als Historiker erworben. Wir nennen nur seine zwei Werke über Maimonides und Jüdische Aerzte im Mittelalter. Nun ist ein neues Buch von ihm erschienendas in 10 Abschnitten das Leben der deutschen Juden im Mittelalter behandelt. Besonderes Gewicht hat der- Verfasser auf eine übersichtliche Verteilung des reichhaltigen Stoffes und auf eine leichtfaßliche Form der Darstellung gelegt. Einige Punkte, die diese Schrift behandelt, seien hier genannt: Die sittlichen Grundlagen des Familienlebens, Sabbat und Festtage, Handel und Handwerk, Wohltätigkeit und Menschenliebe, Friedhöfe und Grabsteine. Das Buch ist vorzüglich ausgestattet und mit mehreren Illustrationen versehen. Die Lektüre dieses trefflichen Buches kann auf das Wärmste empfohlen werden. Besonders geeignet ist das Buch für Geschenk- und Prämienzwecke. Das Falfchmünzerfchiff. Ein Jugendroman. Von B e r - b i g. Verlag von Julius Beltz, Berlin- Leipzig. 240 Seiten. Mk. 2.85. Ein spannender, flott geschriebener Jugendroman, der nicht nur unterhält, sondern auch auf angenehme Weise belehrt. Im Mittelpunkte der Handlung steht die irische Freiheitsbewegung. Unter den Personen stellen sich auch zwei Juden als edle, charaktervolle Menschen vor und treten als opferbereite, selbstlose Zionisten würdig neben die irischen Helden. Das Judentum in seinen gesetzlichen Bindungen scheint ihnen fremd zu sein. E. Das Arbeiter- und Bauern-Kollektiv in Palästina. Von Dr. I e h o s ch u a Vierer. 56 Seiten. 1930. Wien I* W a l.l i s str auß e r' s ch e Buchhandlung. Die Arbeit trägt informativen Charakter. Es ist interessant, zu lesen, prie auf hery tlfimri Zexrain der jüdischen Ansiedlung in Palästina p}e verschiedenartigsten sozialen Systeme nebeneinander bestehen, und' wie stark das soziale Bewußtsein unter des jüdischen Bevölkerung ist. Leider ist hier den Besäst her ngch shWler KereM tigkeit .Strebenden tzish-p nicht bewußt aewprhen, hqß die einzig mögliche Md die eiyzjg ‘ wahrhaft gerechte Lösung der Mylest Fxggf nicht M den MMpqMM der Gegenwart, sondern m den Sinaigesetzen ihrer Vater, verkündet vor 3j4 Jahrtausenden, zu finden ist. Hin- 2er 3 s r o e I il sichtlich der Zurückführung zu den Traditionen, die allein die originale jüdische Volksseele bedeuten,- hat durch die Schuld ihrer Führer die zionistische Bewegung bis heute versagt. G. Eine Veröffentlichung aus den Memoiren der Glücket von Hameln vor 65 Zähren. Von Otto Reumann in V:r!in-Wilmsr-dorf. Vorstandsmitglied der Gesellschaft für jüdisch» Familienforschung. (Schluß.) Rätsel Ein Vogel fliegt vom Himmel auf die Erde, Gar schnellen Flugs und ohne alle Beschwerde, Und hat doch keine Flügelein!— Und setzt sich auf das Väumelein, Gar hübsch und gar sein, In einem Lustgärtlein.— Er wendet das Bäumlein hin und her, Man sieht den Vogel nimmermehr.— Er kräftigt das Bäumstin, bis es blüht die schönsten Blumen; Es zieht an sich die Kräfte all, die ,es nur kann bekummen. Doch unversehens dort das Bäumlein und wird ganz veriftet, Der Kogel fliegt hinweg von ihm und schwingt sich in die Lüfte. Hebt an zu singen und zu brumnren: Ei. Du betrübtes Bäumelein, wer hat Dir die Kräfte genommen? . Da Du sie gern gehabt hast, kannst Di sie nit bekummen, Du hast sie bekummen durch mich, CVerdorrest nun, was hilt es Dich?— Lösung: Der Vogel, der vom Himmel aus die Erde fliegt, ist die Seele des Menschen. Das Bäumlein ist der Körver. der einem Baum gleich aufwächst, in her Jugend gleich einem blühenden Garten. Der Vogel, die Seele, wendet und regiert den Baum und macht die Glieder beweglich. Aber keiner sieht den Vogel. Der Baum, der Mensch, will alles an sich ziehen, das Unrecht fließt das Rechte. Der Mensch stirbt und läßt alles hinter sich. Der Vogel, die Seele, schwingt sich in die Lüste und sagt: So lange Du gelebt hast, war alles nicht genung. Du hast nicht geruht noch geschlafen, bis ich Dir erjagt einen Reichtum. Jetzt verdorrst Du und läßt alles hinter Dir, Du stirbst, was hilt es Dich, oder mich! (Feilchenfeld bringt die Erzählung und das Rätsel nicht.) In Nr. 9 des „Israelit" (2 März 1864) bringt Tendlau die Glückelschen Darstellungen über die Ereignisse, die sich in Hamburg zur Zeit des Auftretens des Schabthai Zewr zuqetragen haben. (Feilchenfeld Seite 60—63). Tendlau ist hier ausführlicher, von dem sich anschließenden Bericht über die Pest in Hamburg, berichtet er aber nichts. Damals wurde Glückels drittes Kind, ihre Tochter Mate, geboren. Nach Feilchenfeld war Glücke! derzeit, ihren Anaaben gemäß, 25, nach Tendlau 21 Jahre. Beides scheint nicht richtig zu sein. Die Pest trat im Jahre 1664 auf. Glücke! war 1646 geboren. Allerdings sagt sie Einaangs der Memoiren: Es war, „meine ich" im Jahre 5407 (1646—47), daß mich meine fromme Mutter zur Welt brachte. Glücket hat mit 14 Jahren geheiratet, 1660. Dann wäre das dritte Kind im vierten Jahre der Ehe geboren, nach den obigen Angaben aber erst im siebten oder gar elften Jahre. Das letztere wird auf keinen Fall stimmen. Nach Mate find noch zehn. Kinder geboren. Der Gatte starb 1689. Soweit die Memoiren auf Glücket selbst oder ihre Familie Bezug Haben, schließen hiermit die Ausführungen Tendlaus. Er nimmt diese erst wieder auf in Nummer 33 und 34 des Jahres 1865 (16. und 23 August). Es ist dies die Wiedergabe der Glückelschen Erzählung von der Ermordung der beiden Geldwechsler, und hie Aufdeckung des Verbrechens durch die Frau des Wechslers Lipmann, Rebekka, eine Aftaire, die in Hamburg-Altona und besonders in der Gemeinde ungeheueres Aufsehen erregte. Der eine der Wechsler war Elias Cohen, der eine Tante Glückels zur Frau hattet der andere, der hier aber nicht genannt wird. Ahron ben Mofcheh. Von den Wechslern sagt Glücket: „Nun ist es Brauch, daß die Geldwechsler nebifch den ganzen Tag nach ihrer Nahrung einherlaufen, und wenn .es abends gegen Mmchah geht, kommt jeder heim und geht ..schulen" und' danngeht jeder zu seiner .Chebrgh zum Lernen? und von' da. cheim zu seinem ShstS. Sp ist es Nacht geworden." Eines Eages kehren vre beiden Wechsler, erst Elias.' änn Ahron nicht heinr und. bfeiben verschwunden. Lipmann erzählt seiner FraU, was an der Börse geredet würde. „Ich werde nst 'ruhen und nit rasten, bis es an den Tag kommt.? „Du bist meschugga",'anwörtet Ävmann, „wenn es auch jo wäre, was sollt maß tun? Cs ist Hamburg Mipmarm s wphiften in Altona) Kejnen Buchstaben (plh) darf Uran dazu' -saaeu? RebeM stber ruhtenichjmTld es' gelang Ihr MiktzW tatsächlich die TSter M entlarven. Hie Erfreute M wohl eines ausnehmend guten Mundwerks und dadurch setzte 5. Februar 1931 sie es durch, vo.n her Magd eines Schiffers, die bei der.. Sache eine Ralle spielte, ein Geständnis zu entlocken. | Die beiden Leichen würden gefunden, die eine.war in einer Kammer, die andere unter der Türfchrvelle eines Wirtsz Hauses verscharrt. Ganz Hamburg ist damals zusammengelausen. ’ Glstckel erzählt das Ereignis mit außerordentlicher Breite. (Feilchenfeld, Buch 5, Seite 210—225).. Vieles an dem Bericht ist aber derart phantastisch, daß man wohl manches davon mit Vorsicht aufnehmen muß. Wie das bei solchen Äffairen ist, es wird da vieles zusammen-, geredet. Das ist alles, was Tendlau von den Glückelschen Memoiren wiedergibt. Es ist in Bezug auf das Ganze nicht viel. Es sind nur Teile-des ersten, des zweiten und der. ersten Hälfte des dritten Buches, das m zwei Teile zerfällt, und schließlich der eben genannte Bericht aus dem ünjten Buche. Aber immerhin bleibt es interessant, daß Glückels Memoiren wenn auch nur zum Teil, bereits vor 65 Jahren ans Licht gezogen find. Es ist bisher wohl aus- Lnahmslos angenommen daß das erste durch die Feilchenfeldsche Ausgabe geschehen sei. . Man könnte jetzt noch erörtern, was war das für eine Handschrift, die Tendlau Vorgelegen hat? Er sagt, daß sie 193 Seiten umfasse und daß die Blätter 1—5 und il—22 gefehlt hätten. Der Schluß jener Niederschrift ist eingangs dieses in' der Glückelschen OriginalÄbsassung angegeben, und Chajin Home! bemerkt dazu, daß er die letzte Sorte von dem „andern Original" ergänzt habe. Ein Wort; daß er durch drei Strichelchen ersetzt hat, habe er aber nicht herausbringen können. Bei Feiichenftl) lautet dieser Schluß (Seite 305) wie folgt: Im Nissan 5479 (1719) ist eine Frau an der Mosel gestanden und haf Geräte gesäubert.. Ungefähr um 10 Uhr nachts ist es so hell geworden wie bei Tage, die Frau hat' in'den Simmel gesehen un'b eor Himmel ist offen Igewesen als wie ein — — — und Funken find davon gesprungen, und danach ist der Himmel wieder zugeangen, als wenn einer einen Vorhang zugezögen hätte, und es ist wieder ganz finster geworden. G-tt soll geben, daß es züm Guten sei! Amen!! Auch Feilchenfeld sagt, genau wie Chajim; „Hier ist ein Wort in der Handschrift unleserlich." Weiter sind in der Feilchenfeldschen Ausgabe am Rande die Seitenzahlen der Kauffmannschen Original- Ausgabe vermerkt. Die ersten Zahlen lauten; 1, 3, 17 ff. Es sind also Blatt oder Seitenzahlen übersprungen. Bezieht sich das nu nauf die fehlenden Blätter, von denen Tendlau spricht? Dann kann man mit Sicherheit annehmen daß es die Niederschrift des Moses Sorneln ist, die er vom Original wörtlich abgeschrieben hat und die den . neueren Ausgaben zugrunde liegt. Was aber ist das „andere Original" aus dem Chadie letzte Seite kopiert hat. Ist das die Originalschrift der Glücket? Sie war damals schon sehr zerfetzt und befleckt. Schließlich noch die Frage, wer war Chajim ben Joseph? Joseph war ein Sohn Glückels, das neunte Kind. Cr kann etwa 1680 geboren fernen. Chajim müßte i,n der Jofephfchen Ehe ein ziemlich spätes Kind fein, denn weNn man feine Geburt um 1725 oder 1730 annimmt, dann wäre er 1800, als er den Vermerk auf der Abschrift machte, 75 oder 80 Jahre gewesen. Er könnte aber auch der äachsten Generation angehören und vielleicht ein Enkel des Moses fein, auf den' die vom Großvater ausgefertigte Abschrift überlgegangen wäre. Da Chafim Arzt in Frankfurt war, ließe sich über ihn sicher- Clich Näheres feststellen. Ueber die Sprache der Glückelschen Memoiren ist schon manches geschrieben. Glücke!, die von hoher Intelligenz war, geschäftlich mit vielen Leuten verkehrte, sich, auch sonst in guten Kreisen bewegte, war zweifelsohne imstande, korrektes Deutsch zu sprechen, und doch schreibt sie die Memoiren jiddisch, d. h., das damals in Deutschland gebräuchliche Jiddisch. Es gibt in dieser .Beziehung einen ähnlichen Fall. Bücher, die die der Glücke!, gehören zu den größten Seltenheiten. Ich wüßte diesem nur ein einziges anderes entgegenzustellen. Das sind die Memoiren des Aron Isak. Aron Isak wurde in Trauenbitzen um die Zeit als Glstckel starb. Mit 20 Jahren geht er nach Bsttzow (Mecklenburg), heiratet dort und läßt sich daselbst als Petschierstecher nieder, betrett später auch den Sande! mit Schmuck und Juwelen. Mit 40 Jahren geht er nach'Stockholm und erhält dort als erster Jude das Niederlafsungsrecht. Ms Juwelier kommt er hiefr zu höchstem Ansehen und großem Vermögen/Der schwedische Adel verkehrt in fernem Geschäft, sogar der König selbst. Im schwedischrussischen Kriege wird er Armee-Lieferant und ist drei Jahre im Felde. Vom König" wird er lyft 'AN^erchnungen geehrt. ... .... . Jweffelsphne konnte dieser intelligente KWfMnn ein richtige^ Deutsch und' ebenso ein tüchtiges^" Mhwehrsch sprechen, und dennpch schreibt er mit 73 Jahren,'ganz ebenso wie Glückel. ftine Memoiren jüdisch. (Ausführliches über Aron Isak fjehe „Jüdische FanrilienförsiMNI"! M. 22 und 2$). ' •’ ' ’! Die Juden hatten eben, sie mgchtM yoch so pftl jjilt > der UmwM in BertzhMng'kWM.en, .Hxe '«g«is Mrache'. Ihr f^aus war jj,dmfch/Saran hielten^"sie starr fest. Däs währte'chrs in vre Zeit der Emanzipatton, und erst die Anfangs des vorigen Jahrhunderts aufwä'chfende Jugend WrstEvW W Wfln Mell M MW WM abtzrgchM.

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