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Der Israelit · 1931-02-05 · Heft 6 (5.2.1931) · page 13

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Journal
Der Israelit
Volume
72 (1931)
Issue
Heft 6 (5.2.1931)
Date
1931-02-05
Page
– (sequence 13)
Language
German
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r> , lllerans arle F.D-C. « Vuber-Rosenzweig und der massorxtsiche Text. Von Joseph Larlebach in Mona. In unserer Pesprechuug der meisterhaften Jesajas-Ueb erfetzun g von Buber und Rosenzweig Haben mir mit Bedauern Abweichungen vom mMoretischen Text festgestellt. Herr Professor Martin Puster, schreibt uns dazu: „Ihre Besprechung unserer Jesaja-Uebersetzung im „Israelit" muß den Eindruck erwecken, sie wimmle von Kgnjektüren. In Wirklichkeit handelt essich nur um ganz wenige Stellen, an denen wir aus gesünderen Gründen zu emendieren gewagt haben. Ihre Auffassung kommt offenbar daher, daß Sie da Konjekturen erblicken, wo wir lediglich dem massoretischen Text den richtigen, in den Zusammenhang passenden Sinn abzugewinnen versuchen. So lesen wir an der von Ihnen als Beispiel angeführten ' Stelle IQ, 25 durchaus nicht (wie mehrere Handschriften und Drucke) r-n'toa sondern wir leiten von abdie Satzkonstruktion ist dieselbe-wie in >Vy Xant. 7, 11, und die wörtliche Bedeutung: „mein Zorn ist auf ihre Ausreibung" (gerichtet). Zn V. 27 liegt bei uns eben so wenig eine Konjektur vor, sondern wir verstehen das 'v in v-w als Einführung eines (Sprichwort)-Zitats; warum wir den Schlußteil des Verses als solches verstehen, habe ich in der „Monatsschrift" (in meinen „Bemerkungen zu Jesaja") dargelegt und darf wohl darauf Hinweisen; die Hauptgründe sind: -1. daß das Schwinden des Jochs ja schon, mitgeteilt ist; 2. daß das grotesk-übertriebene Bild sich im Mund Jesajas selber schlecht vorstellen läßt, wohl aber, wenn« es Spruchzitat ist. Daß wir in V. 30 ausnahmsweise den Pünktationen nicht folgen und mit der Pefchito 7?" vokalisieren, liegt daran, daß 1. die Voranstellung des Adjektivs ganz ungewöhnlich wäre; 2. der Parallelismus auch hier ein Verb erfordert; 3. das „antworte ihr" (natürlich: der o-m ) das Einan - d e r -Zurufen der aufgeschreckten Städte unvergleichlich malt; als „vernichtet" kann Anatot hier noch nicht behandelt werden, da lediglich vom Alarm die Rede ist — übrigens läßt nichts darauf schließen, daß Anatot vernichtet worden wäre» die Assyrer pflegten sich ohne strategische Veranlassung (die hier nicht vorliegen konnte) bei solchen Kleinigkeiten nicht aufzuhalten. Es geht hier — dies nur nebenbei — anscheinend überhaupt nur um Alarm; Sanheribs Heer ist ja anders gezogen." Wir freuen uns dieser Berichtigung und geben gern öffentlich von ihr Kenntnis. Wenn wir uns also an die drei von uns herausgegriffenen Beispiele halten-, so wollen wir ohne weiteres die Iritik der beiden ersten als mit dem Text verträgUcp atfieptkren. Die dritte Stelle aber bedeutet nach Wie vor chne Textänderung. Fragen wir uns bei aller Würdigung der von Buber angeführten Gründe und ohne Rücksicht auf die ungewöhnliche Form dieses Imperativs, ob jür sMlK HesgA'Me -NAtWAKigkM vvrliegt, so müssen Mr das verneinen. „Ärmes Anatot", gibt jedenfalls einen vollgültigen Sinn. Selbst wenn jetzt der HaxUMMUS Whchtzrochen ist, und das Städtchen Anatot mit dem bloßen Schrecken von gekommen wäre, so fügt sich dennoch die massoretische Lesart vollbefrledrgend in den Gesamtzüsammenhang ein; es liegt also kerne Rotrvendigkeit zur Textänderung vor. Buber bezeichnet uns gegenüber Standpunkt als „zwar kein theologisch-absolutes, wohl aber ein recht weitgehendes philologischrelatives Vertrauen zu den Texttradenten, das also ^.war nicht „Entweder, oder", aber immerhin „So sehr als möglich" sagt." Die „zwingende Notwendigkeit" fehle naturgemäß den so getroffenen Entscheidungen; „man ist eben der eigenen Einsicht und Verantwortung überlassen und darf nur das Vertrauen zum persönlichen Willen erbitten, jeweils so freu zu sein als man dieser Einsicht und Verantwortung nach vermag." Für uns ist und bleibt die Frage des massoretischen Textes eine grundsätzliche. Wir können keiner philologischen Kritik je das Recht zubilligen, eigene Vermutungen als gleichwertig mit biblischer Überlieferung hinzustellen. Alles Geschichtliche muß in seinem geschichtlichen Charakter respektiert werden, besonders alles, was auch in seinem Wortlaut Ausdruck höherer Geisteserleuchtung, der Intuition oder der Genialität ist. So jedes künstlerische Produkt, so vor allem die Bibel, deren Sprache gerade Zeugnis der UeberwÄt ist. Solchem Sprachdenkmal gegenüber gilt unbedingt das Goethe'sche Wort: das Erforfchgenaue Wortübertragungen. Massoreth und Mikra kamen beide zu ihrem Recht. Nie fiel es dem Leser ein, aus dem Targum allein auf eins von beiden zu schließen. Wenn also in dem von Buber angeführten Beispiel die Peschita „antworte ihr Anatot" liest, so lag das an einer größeren Freiheit der alten Targumisten, die auch hier eben nur ihrem allgemeinen Prinzipe treu geblieben find. Anders sind Bibelübersetzungen heute zu beurteilen, anders ganz besonders die von Buber- Rofenzweig, die in jeder Beziehung die buchstabentreueste aller bisherigen Ueberfetzungsn ist. Sie gerät mit sich selbst i n Widerspruch, wenn sie d e n m a s s o r e t i s ch e n Text beiseite läßt. Ü, E. heißt es von jedem zuviel verlangt, wenn er das „Vertrauen zum persönlichen Willen' für sich erbittet. Um ein Beispiel anzuführen: Dm Abschiedsliede Mosches heißt es: Mein ist die Rache und die Vergeltung." Kautzsch konjiziert in seiner Bibelübersetzung: am Tage der Vergeltung und der Rache, er liest statt „li" „lejaum" in Parallelismus zu dem folgenden TO^>- Kautzsch hat gewiß nach seinem ehrlichen tiche zu erforschen und das Unerfvrschliche in Ehrphilologischen Gewissen gehandelt. Wir aber erfurcht zu verehren. Die letzten Jahrzehnte der theologischen Gelehrten-Arbeit sollten als warnendes Beispiel wirken; welch unglaubliche Willkür erlaubte sich die Universitätswissenschaft dem Bibelwort gegenüber, wo Männer, die keinen hebräischen Satz schreiben können, in einfach spielerischer Art am Text Herumkonjizierten! Das ist für alle Denkenden ein zu beleidigendes und trauriges Erlebnis gewesen, als daß wir es je vergessen könnten. Es ist wohl ein erfreuliches Symptom, daß nach dieser hochmütigen Zerstörungswut Buber-Rosenzweig wieder ein „recht weitgehendes Vertrauen" zu' den Texttradenten aussprechen. Aber die Massoreten verdienen mehr, sie verdienen a b - s o T u t e s Vertrauen. Die neueren Forschungen von E h r e n t r e u -München über die Massora, ferner die schönen Aufsätze von Joseph Cohn, die jetzt aus Anlaß seines 80. Geburtstages noch einmal in unser aller Gedächtnis zurückgekehrt sind, vor allem aber die grundlegenden Arbeiten Dr.' Chaim Hellers über die Targumim haben du geistige Leistung, die Kompetenz und Autorität der Massoreten so über allen Zweifel erhaben dargetan, daß wir uns selbst ohne jedes intellektuelle Opfer ihrem Votum beugen müssen und können, daß hier nur ein „Entweder—Oder" in Betracht kommen kann. Die Forschungen Hellers haben aber auch bewiesen, daß die Freiheiten der alten Targumim. estyg .HAMst.niD' Mf DbMnderuntzen beruhten, sondern 'ineMyS Ms ggadMen Uebexsieserungen. ' Alle alten Ueberschungen wollten lerne wWiche, sonderst freie Wiedergabe des MpMnM M ÄMsich0 kennen, daß im Unbewußten bei ihm seine christliche Einstellung maßgebend war, für die der Satz: „mein ist die Rache" ein Strich durch die Rechnung bedeutete, weil er alle unsere Thora verunglimpfenden Vorurteile über den Haufen wirft. Auch für Kautzschlag keine „zwingende Notwendigkeit" vor, sondern nur Momente der Wahrscheinlichkeit, die er gleichzeitig durch seine Auffassung über den Gesamtgeist des Buches, „das Zusammengehen aller Wandlungen in der Ruhe des Wortes" rechtfertigen konnte. Wir werden ihm aber alle diese Gründe nicht zubilligen. Ob der Parallelismus gewahrt ist oder nicht, ob in anderen Uebertragungen sonst stehen mag, was da will, für uns heißt das Wort des Liedes: mein ist die Rache und Vergeltung; und nie anders, weil und nur weil die Massoreten es uns so überliefert haben. So groß ist das jüdische Gesamtvertrauen zu diesen Tradenten, daß es selbst die Massora des Talmuds, die an mehreren Stellen von der üblichen abweicht, beiseite gelassen und sich überall auf die Seite unserer Massoreten gestellt hat. ..! Wir haben immer Buber und Rosenzweig als Männer verehrt, die aus dem Trümmerhaufen der Forschungsergebnisse moderner liberaler Theologen jüdischer und nichtjüdischer Kon- WiW Miehex saMMlnd und aufbauend „als Bauleute" dem Judentum gedient haben. Buber schreibt, daß er in seiner Auffassung mit Rosenzwesg völlig einig war. Stets feien sie bemüht gewssfep, etz bxi einer schwierigen Stelle nochmals nfit Mfr ÄMMpingüng des massoretischen Tortes statt einÄ Gmendation zu versuchen. Wie pst erlebt man es an sich selbst, daß eine noch i, 1 .1 j. -:r<?/■;> '};• -f-

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