Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 72 (1931)
- Issue
- Heft 5 (29.1.1931)
- Date
- 1931-01-29
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 10 Nr. 5 Der I s r a e 1t t : . . : . 23. Januar.1931 Und sie zischten mit gemeinsamer Zungenkraft, als gälte es, hundert Lichter auszublasen oder ' eine ganze lärmende Armee zum Schweigen zu bringen. Und endlich war der Mensch mit Müh und Not zustande gebracht. „So, jetzt deklinieren wir: der Mensch." „Der Mensch, des Mensches." „Falsch: der Mensch, des Menschen . . ." „Wieso?" „Weil die Mehrzahl Menschen heißt.". „Nur des wegen?" „Ja, deswegen, ist Sprachgesetz." Und Meikemeier fügte sich unwillig, wie er in Slabodko die allzuweit abschweifende Diskussion abbrach, wenn es hieß: „Halacha durch Moses am Sinai!" Nichts zu machen! Er deklinierte weiter ganz folgerichtig. „Gut, weiter, die einzelnen Körperteile, von oben her." „Die Kopf." „Der Kopf!" schrie Herr Ammann schmerzvoll auf, als hätte er einen Kopfschuß erhalten. Nun hörte für Meikemeier doch all/es auf. Seit seinem kindlichen Gedenken tat „der Marne immer d i e Kopf" weh. Er hatte, so sagte man immer, „a gute Kopf". Lernen mußte man mit „a ruhige Kopf". Nun steht der Taitsch (er hielt ihn schon längst nicht mehr für einen Narren) da und schreit: „Der Kopf! Der Kopf!" Das wollte ihm nicht „in die Kopf". Aber er lenkte, da der Deutsche -in diesem Punkte nicht mit sich reden ließ, ein und deklinierte weiter vollkommen richtig. „Vortrefflich," wie Herr AmMann lobte. „Und weiter?" « „Die Oig". „D a s A u g e! " „Daß Oige". „Nein, da-as Auge!" „Das Oige". „Auge!" „Na ja, Oige!" „Nein „Au — A u! Angenommen, Du tätest Dir weh, wie sagtest Du dann?" „Oi!" „Wir schreien: „Au". Wollen mal üben: Mund auf, Oberlippe straff, Unterlippe bewegen, so. Au! Au! " Und Meikemeier brachte mit einiger Anstrengung einen Mitteklaut zwischen „Au" und. „Oi" heraus, mit dem sich Herr Ammann zunächst zufrieden geben mußte. „Wir deklinieren!" „Das Auge, des Augen". „Des Auge s," verbesserte Herr Ammann. „Es heißt doch aber in der Mehrzahl „die Augen", genau wie „Menschen", also muß es doch im zweiten Fall wie dort „des Augen" heißen?, suchte der Vachur zu handeln. Herr Ammann zuckte nur mit den Achseln. Eine schwere Kaschje, geradezu Klotzkaschje, dachte Meikemeier, die der Herr Lehrer offensichtlich nicht beantworten konnte ... „Weiter!" „Der Nos, des Nofes, dem Nose, den Nos —" Bei dem Lachkrampfe, von dem nun Herr Ammann geschüttelt wurde, konnte die Zurechtweisung nicht rechtzeitig einsetzen. Endlich brachte Ainderecke. Liebe Kinder! Wir sind gesonnen, Euch von nun an, mindestens^ alle 14 Tage, eine ganze „Kinderecke" mit buntem, schönem Inhalte zu bieten, und eine Tante, sagen wir lieber Freundin, die sehr* viel Liebe zu Kind und Kunst hat, wird über diesen Teil wachen, daß er Euch zur Freude gepflegt wird. Also, liebe Kinder, leset die Euch gewidmete Seite mit Interesse und werdet durch Lösung von Rätseln und Beantwortung von Fragen selber zu Mitarbeitern Cures Blattes. Seid Freunde des „Israelit" und werbet ihm neue Freunde bei den Erwachsenen, damit wir Euren Wünschen stets Nachkommen können. Die .Redaktion des „Israelit." Am Schilfmeer. Wieder waren die Kinder Israel einen ganzen langen Tag gewandert, undnun lagerten sie gegen Abend müde und erschöpft am User des Meeres. Sie blickten träumend über das Wasser und dachten sehnsüchtig an das Land, in das sie G'tt jetzt bald führen wollte. Plötzlich erhob sich ein furchtbares Schreien am Ende des Lagers, so daß alles erschreckt aufhorchte. „Die Aegypter kommen!" Voll Angst und Entsetzen wandte sich das Volk um, und da sah man auch schon von ferne ein ganzes Heer heranstürmen mit Pferden und Wagen in großer Menge. Da fürchteten sich die Kinder Israel und jammerten und klagten: „Ach, wären wir nur in Aegypten geblieben! Nun müssen wir hier sterben — vor uns ist das Meer und hinter uns die. Feinde — da kann uns auch G'tt nicht mehr retten!" Mosche suchte sie zu beruhigen, aber sie hörten nicht auf ihn, und voll Verzweiflung liefen alle durcheinander und mehrten die Unruhe im Lager. Näher und näher kamen die Aegypter. Da tönte Mosches Stimme durch die Menge und rief: „Ihr sollt weiter ziehen! Sb hat G'tt es befohlen!" Weiterziehen? Ins Meer? Das Volk hört es und kann's nicht glauben; ratlos und verzagt stehen die Männer. Nur einer faßt sich Mut. Nur einer vertraut auf G'tt und wagt es: Nachschon, der Fürst Jehudas, springt ins Meer! In diesem Augenblick neigt sich der Stab Mosches über das Meer — ein gewaltiger Windstoß erhebt sich, ireibt die Wellen zur Seite — und auf dem Trockenen steht jubelnd Nachschon ben Aminodov. Wie Mauern türmen sich rechts und links von ihm die Wasser. „Auf, mir nach," ruft er begeistert, „das Meer sieht uns und flieht, und auf trockenem Wege ziehen wir hindurch!" Da folgten ihm die Kinder Israel durch das Schilfmeer. Im Himmel aber ward in dieser Nacht bestimmt, daß einst Jehudas Fürsten würdig fein sollten, die Führerschaft in Israel zu übernehmen und seine Königskrone zu tragen. der gegen Osten ganz vorn am Zäune stand; die kleinen/ Kirschenbäume im r Halbkreis um ihn waren die jungen Sänger.' Die' Schaufortöne^ blies ihnen der Wind, und ein leises Zittern ergriff alle Bäume im Garten, als sie die ersten Töne hörten. „Heute .wird es bestimmt," dachten sie, „wer von uns den Frühling und den Sommer erleben soll, und' wie es uns in den Stürmen des Herbstes ergehen wird.". Und andächtig beteten sie zu G'tt um ein gutes und fruchtbares Jahr; sie beteten um viel strahlenden Sonnenschein, aber auch um den Regen zur rechten Zeit. Sie baten, G'tt möge sie vor Hagel bewahren und vor Sturm und vor dem bösen Frost, der schon so oft ihre schönsten Blüten vernichtete. Und G'tt möge sie segnen mit dem Tau des Himmels und dem Fett der Erde und möge ihnen saftige Früchte schenken, , schön von Aussehen und gut zum Essen, die Menschenkinder damit zu erfreuen. So beteten sie die ganze Nacht hindurch. Als der Morgen kam, da fühlten sie neue Kraft in ihrem Innern; neue Säfte stiegen in ihren Adern auf. Es wurde ihnen warm ums Herz, sie warfen ihre weißen Gewänder ab und begrüßten fröhlich die liebe Sonne, die eben aufgegangen war. Auch die Vögel waren inzwischen erwacht und zwitscherten den Bäumen ihren Glückwunsch zu: „Schono tauwo, Ihr Bäume,. Schono tauwo umesuko!" Wer weiß es? Endlich war Chamischo Osor b'Schwat gekommen. Ein großer Obstkorb stand aus dem Tisch mit Aepfeln, Birnen. Bananen And Trauben, mit Feigen und Datteln und Mandeln und Nüssen, sogar ein paar Scheiben Kokosnuß lagen darauf. „Kokosnuß, meine allerliebste Frucht" rief das jüngste der Kinder und schon wollten alle fröhlich zu essen beginnen. „Halt", sagte der Vater, „so schnell geht das nicht, jetzt müssen wir uns überlegen, über welche Frucht wir zuerst Brochoh machen sollen!" Lange dachten die Kinder nach, dann fand der Größte die. rechte Anwort. Nun Ihr Kinder, was meint Ihr, womit sie begonnen hatten? Soll Herbert wiederkommen? Zu dieser, von Herrn H. Seckmch gestellten Frage, äußern sich mehrere Kinder. Alle sind sie der Meinung, daß Herbert wiederkommen kann und s o l l. wenn Leo sich ordentlich bei ihm entschuldigt. Dieser Meinung sind u. a.: Lore Königshofer, Plauen,' Henni Prager, Wenings; Olga Schachnowitz, Frankfurt und in einem sehr hübschen Brief an Herrn Seckbach, Bertha Erlanger, Luzern. Gottschalk Schlesinger in Wien schlägt vor, Leo solle am Rosch-ha-schono zu Herbert gehn und ihn um Verzeihung bitten. Es freut uns, gleich den E p t s chu l d i g u n g s b ri e f Leos an Herbert, den uns Theo Reiter aus Gerolzhofen übermittelt. abdrucken zu können. ' Er lautet: Lieber Herbert! Vor allem, möchte ich Dich bitten, mir die Beleidigung, die ich Dir leider zugefügt habe, nicht nachzutragen und mir zu verzeihen. Herzlich, bitte ich Dich, mich recht bald wieder zu besuchen und verspreche Dir, daß ich Dir kein Heid, mehr zufügen werde. Wir wollen immer recht gute Freunde sein! Herzliche Grüße auch an Deine lieben Eltern. Dein treuer Freund Leo: •n n \n Rätsel von Jehuda Halepi. er unter den abebbenden Lcrchwellen hervor: „Die, die, d i e Nase." „Warum die?" „Was auf „e" endet, ist weiblichen Geschlechtes." . _ _ So entstanden später „die Käse", „die Kaffe", „die Rabe" und „die Affe". Herr Ammann fuhr korrigierend dazwischen, aber erklären konnte er die Widersprüche nicht. Ganz anders wurde es, als Meikemeier die Lehr- und Lesebücher und all das „kindische Zeug" beiseite schob und sich auf richtige Literatur, Klassiker und wissenschaftliche Werke warf. Hier gab es Gedankenarbeit zu leisten, bei der der Schüler stets um eine Nasenlänge weiter war als der Lehrer. Dieser mußte überhaupt in vielem umlernen. (Fortsetzung folgt.) Rausch Haschono der Bäume. Es war an einem Abend im Winter. Still standen die Bäume im Garten mnd schauten zum Himmel hinauf, wo der runde Vollmond so freundlich erglänzte. Sie wollten sich gerade zum Schlafen bereiten, da hörten sie ein leises Rauschen des Windes in ihren Zweigen: „Denkt daran, Ihr Bäume, morgen ist der 15. Schwat! Morgen ist Rausch haschono!" Als dies die Bäume hörten, überkam sie ein ganz feierliches Gefühl. Niemand dachte in dieser Nacht mehr ans Schlafen. Die Schneeflocken kamen und hülltest die Bäume in ihre weißen Gewänder und setzten ihnen weiße Käppchen auf. Dann begannen sie zu beten. Der Chason war der alte Apfelbaum, rnmiro xxan to m&Tjna iTöfia miatzf Wochenkalender. o. 31. Jan. b. 7. Febr. 1931 f o. 13. — 20. Schebat 8691 Samstag 31 13 nv» ha» Sonntag Jan. 1 14 Montag 2 15 n»an Dienstag 3 . V2» 16 Mittwoch 4 17 Donnerstag Feb. 5 18 Freitag 6 19 Samstag 7 20 vim Verantwortlich für den allgemeinen Teil und das Feuill eto» S. Schachnowitz, Frankfurt a. M>; Inserate i. B.r S. Schach» nowitz, ebenda. — Dür die pädagogische Beilage: Lehrer 2. Kaufmann, in Sprendlingen (Kr. Offenbach). — Verlag des Israelit und Hermon G. m. b. H., Frankfurt a. M. — Drum Hermon-Druckerei, Frankfurt a. M.;^B3a5BSgaSgMssiSgcgggg