Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 72 (1931)
- Issue
- Heft 4 (22.1.1931)
- Date
- 1931-01-22
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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—, ' 22. Januar 1931 Frankfurt a. M., den 4. SH-bat sesi Nr. 4 Ein Centraiorgan für das orthodoxe Judentum Begründet von Dr. Lehmann in Mainz. Abonnement ab Juli 1929: Deutschland 1.30 Mark monatlich; Ausland: Vierteljahrpreise (entsprechend dem deutschen Inlandspreis zuzüglich Kosten des Streifband-Versandes) Deutsch-Lsterreich: Schilling 6.—; Amerika. 1 Dollar; England 4 sh.; ab 1 Juli Frankreich 25 Fr.; Belgien ab 1.7.27. Belga 6.; Holland 2 fl.; Italien ab 1.1.28.18 Lire; Jugo - slavien 55 Din.; Litauen 7.50 Lit.; Rumänien ab 1. 7. 27. 150 Lei; Polen 4 deutsche Goldmark zum Tageskurs oder 7 Zloty: Schweiz 5 Fr.; Tschecho-Slowaket 25 Kronen; Ungarn , , Pengö 5 ab 4. Juli 1927; Dänemark 3.50 Krön.; Norwegen3.50 Krön.; Schweden 3.50 Krön. , i i' ' ‘ Einzelnummer vierzig Goldpfennige. Der Israelit erscheint jeden Donnerstag. Inserate 50 Goldpf. für die stebengesp altene Nonpareille-Zeile. Abonnenten zahlen bei Stellengesuchen und Familienanzeigen nur rOPf. Die 75 WM breite Reklamezeile: letzte Textseite 2.- Mk.. vorletzte Textsette 250 Mk.; Chiffregebühr in Höhe eines dopp. Fernbriefportos. Rabatt nach Tarif. Bet laufenden Jnferataufträgen tarifm. Preiserhöhung federe Vorbehalt. Jnseratenannahme durch den Verlag des Israelit G. m. b. H.. Fiaukfurt a. M. Rechnergrabenstratze 7, Tel- Hansa 21W4 saw. durch sämtb Annoncen-Erped. d. In- und Auslands. Alleinige Jnferalenann. für Franks. Geschäftsanz.: Jul. Schmidt, Hölderltnstratze 25 Tel. 45888. Platzvorschr. ohne Verbtndlichk. Postsparkasse Wien Nc.79805.—Postsparkassenamt Budapest Nr. 1842t.—Postscheckkonto — ■■ Nr. 21889 — Postscheckamt Prag Nr. 79.060 —Banca Marmarosch Blank & Co. ln Inseraten sich ergebenden Zahlungsverpflichtungen ist Frankfurt a. M. Die erste Frucht am «Baume des Lebens". Ein Wettfijum in Lublin. Es war vor sieben Jahren, da der „Sano- 1er", (der heute als „Lubliner Raw" allgemein bekannte Rabbi Meir Schapiro) von der Tribüne der Ersten Kenessio gedaulo die Anregung gab, durch die Einrichtung des Daf I o m i ein neues, ganz im Boden der Thora wurzelndes Einheits b a n d für K l a l l I s r o e l zu schaffen. Die Anregung hat sich, das da^f heute ausgesprochen werden, so glänzend bewährt, daß wir heute, nach sieben Jahren, auf den Das Jomi als auf einen der besten geistigen Stützpunkte der Agudcrs Jisroel blicken dürfen. Der Zionismus weist mit Stolz auf seine ersten Baseler Gründungen und seine späteren Institute hin-; Kolomalbank, Nationalfonds, Keren Hajesiod. Sie haben, all diese Institute, wie' es,hei der jKeMenzthestiMd^UnZulänglichkeit alles Menschliches l jNicht anWsmü glich war, den Aufbau vor inneren und aNßeren Krisen, politischen upd^ finanziellem Schwierigkeiten nicht bewahren kötzsien. -Die!o r t h o/d o x e Weltorganisation? nennt ihre ersten Gründungen — Boden, und zugleich Ausfluß ihres Wiener Programms --- „ K er e n Hat h o r a!" , „ B e s I a kob", D a f Jomi. Sie stehen, diese ewigen Tragbalken einer g e i st i gen Bewegung, über aller Not und Wandlung'der Zeit; sind keinem Gesetze den Konjunktur und des wechselnden Zeitgeistes unterworfen, Ihr Bestand, ihre Entwicklung, ihre Erfolge, bei aller Misere der Zeit, charakterisieren sie zum „Lus", zur ewigen unzerstörbaren Urzelle des Gebildes. Sie werden die Seele der Organisation bleiben, aus der die Lebensströme ausgehen und sich ergießen auf denganzen Körper bis zu seinen Fingerspitzem Diese g e i st i gen Stützpunkte, die sich die Aguda zu allernächst für ihren Weltbau, im Gegensätze zu den Geldinstituten von Basel, gesichert hat, geben der orthodoxen Organisation ihre eigentliche und tiefere/ sagen wir, ihre jüdische Bedeutung. Hier ist es der G e i st, der sich seine Form schafft, und ist es ein jüdischer Geist, so wird auch die Form jüdisch bleiben. Wo umgekehrt die Form — unter Form verstehen wir in diesem Zusammenhänge alles, was nur auf die materielle Sicherung und Befestigung einer Organisation angelegt ist — Selbstzweck und das Primäre ist, da kann sie sich den Geist nicht schaffen, sie kann darauf ausgehen, Geist e r f e tz e n z u w o t t e n, und ist schon Zusammenbruch-, bevor sich noch dieser in katastrophaler Weise im äußeren Gebilde bemerkbar gemacht hat. Wir wollen hier nicht polemisieren, wollen es nur, weniger mit Stolz auf unser Werk, als mit Dank gegen eine gütige Vorsehung, die stets die richtigen Männer an den richtigen Platz mit dem richtigen, erlösenden Worte im Munde stellt, aussprechen, daß die von „Sanoker" vor sieben Jahren in feierlicher Stunde verkündete Idee des Das Jomi kein verwehendes Wort, wie es manche damals fürchteten, geblieben ist: sie hat Fleisch und Blut angenommen und ist heute ein lebendiger F a k t o r i m jüdischen Geistesleben. In Jerusalem wie .in Newyork, in Wien wie in Wilna, in Landow und in Lemberg, in Riga wie in Hamburgs und Frankfurt, ja, selbst in versteckten Dachkammern von Moskau wird das „tägliche Blatt" gelernt. Nicht alle lernen es. Auch in der großen übernationalen Gemeinde der Lernenden, sind viele aus dem einen,,öder anderen Grunde am „Tageblatt" der Gmoro nicht aktiv beteiligt. Aber alle, die „Anteil.,an unserer Thora" haben, k e n n e n diese/Einrichtung und rechnenmit ihr, wie mit einem Regulator des Thoralernens. Neue Talmudtraktate verlassen die bekannten Druckereien des Ostens mit einer- Tabelle auf dem Vorderblatte, die die einzelnen Gemoroblütte r n a ch den Katendertagen fest - legen. Briefe gelangen in unsere Hände, die als Datum am Kopfe die Talmudstelle des betreffenden T a g e s p e n - sums angeben; genau so wie man in früheren Zeiten — und heute noch in jüdisch orientierten Kreisen — den Wochenabsch n i t t als Datum nahm. Die einende Kraft der Thora für Israel hat sich von der schriftlichen nunmehr auch in die mündliche Lehre übertragen. Ein Schmitoh ist seitdem vergangen. Sieben Jahre hatte Israel in seinen Besten an dem Baume gearbeitet, und am 15. S che w a t, dem Festtage der Bäume und Pflanzen, wird es das e r st e Erntefest m i t e i n e m S i j u m auf den g e s a m t e n T a l m u d feiern. Was wunder, daß aller Augen in Verehrung, Bewunderung und Dankbarkeit nach Lublin gerichtet sind-, wo jetzt -der F'ttbegnadete Mann, dem es zuerst gegeben war, das Wort vom Das Jomi auszuprechen, sich und uns eine Residenz der Thora geschaffen hat, wie man sie seit den babylonischen Schulen der Gaoniten und der Schule aus der Schöpfung des letzten Gaon in Wilna zu W o l o f ch i n nicht mehr gekannt hat. In Lublin, wo heute schon mehr als hundert Jünglinge aus der geistigen Elite unserer Jugend Tag und Nacht dem Thorastudium obliegen, in einem Prachtbau, der noch für weitere Hunderte Raum hat,' wird das historische Ereignis am S o n n t a g und Montag, den 15. Schewat, mit einem großen Feste begangen werden. Es ist das Fest -der Aguda s I i s r o e l-W e l t o r g a n i f a t i o n, es ist das Fest des l e r n e n d e n I sr a e l a u f demErdenrunde. Und überall, wo Agudagruppen die Seele der Organisation im Das Jomi hüten, sollte das Fest mitgefeiert werden. Wie einstmals die „jüdichen Stände" niivvv die Opferfeste ihrer Priester im Zentrum der G'ttesheiligkeit in der Heimat seelisch mitbegingen. Auf die Frage, ob er in der Aguda sei, gab Rabbi Meiir Schapira jüngsthin die treffende Antwort: „Nein, die A g u d"ck ist in mix! " So ist es! Die Aguda hat ihrb letzte Quelle in dem, was der „Sanoker" mit dem Daf Jomi und Lublin geschaffen hat, daß es seine Ausstrahlungen bis in die letzte jüdische Niederlassung hinaussendet. Eine Talmudstelle erzählt: Ein Schiff kämpfte auf hoher See mit den Wellen und ging unter. Man bangte um einen Passagier, der sich an Bord befand, es war kein Geringerer, als Rabbi Akiba. Indes man aber um ihn zitterte, ..trat er wohlbehalten ins Lehrhaus ein: h* bvi 'b n:a*tn «p „Ein Brett spielten mir die Wellen in die Hand", so schilderte er seine wundersame Errettung, „ich klammerte mich daran, und so oft eine wilde Woge über mich hinfuhr, senkte ich das Haupt, so wurde ich ans Ufer getragen." In dem wild wogenden Meere von Leid, Not und Drangsal reichte uns ein Begnadeter ein *p, ein *»ar» *p» ein „Rettungsbrett".-das um durch die wilde Sturmflut des Tages an ein sicheres Ufer zu retten vermag. Indem wir heute diesen Führer zu seinem ersten Erntefest beglückwünschen, beglückwünschen wir uns selbst, dazu, daß wir in einer Zeit der allgemeinen Mutlosigkeit, des Defätismus, die Kraft 1