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Der Israelit · 1931-01-15 · Heft 3 (15.1.1931) · page 18

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Journal
Der Israelit
Volume
72 (1931)
Issue
Heft 3 (15.1.1931)
Date
1931-01-15
Page
– (sequence 18)
Language
German
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Seite 4 Nr. 2 Freunden vom Abeivd bis zum Morgen, wie einst dem Rabbi Elöfox den Asarjo, die Haare, bildlich gesprochen, grau wurden, als sie einen Weg suchten, für all die schönen, herzlichen und warmherzigen Empfindungen, die in ihnen lebendig waren und sind, eine Form zu finden, ihr Wollen im Rahmen der Gemeinschaft zur Verwirklichung zu bringen. 3. . Roch in einem Zweiten unterscheiden sich die „Alten" von den „Jugendlichen". Wir Alten sind gewohnt, unsere Gedanken möglichst zu „belegen"/ haben ein gewisses Bedürfnis, das, was wir zu sagen haben, in einer an den Talmud oder an ein Midraschwort sich anlehnenden Formulierung zu bringen. Wir fühlen uns gesicherter, wenn wir solcherart „Rückendeckung" haben. Die Jugendlichen lehnen dies bewußt ab; Homiletik, Drusch gehöre auf die Kanzel, sei aber für eine Tagung, die sich mit den Röten und Sorgen des Tages beschäftige, nicht die geeignete Sprache, hindere geradezu den Arbeitsfortgang. Wir möchten glauben,, daß es sich hierbei, nicht immer, aber doch zuweilen, um einen mehr als formalen Gegensatz handelt. Wir Alten wurden großgezogen in starkem, alle Gebiete des Lebens und Erlebens umfassenden Autoritätsglauben, haben uns daran gewöhnt, „den Vater zu fragen, von ihm Künde zu erhalten, den Großvater, von ihm das Wort"zu vernehmen." Und weil wir gut und sicher dabei fuhren, möchten wir das Gut, das wir empfingen, auch in der Form, in der es uns wurde,.weitergeben, in dieser Form aber auch das Reue, das wir vielleicht aus Eigenem hinzuzutun das Glück haben. Darum zitieren wir gern, d a r u m freuen wir uns, wenn wir in einem vor Jahrtausenden geprägten Wort des Midrasch wieder finden,. was den Menschen von heute beschäftigt und beschwert. Hinzu kommt, daß. wir in der Agudas Jisroel- I u g e n d o r g a n i f a t i o n großwurden. Ändere .freiere Formen der Zusammenfassung junger Menschen, die. Formen und Methoden moderner Jugendbewegung, blieben uns fern. Dis dort mit Bedacht gepflegte Formung der jugendlichen Persönlichkeit aus eigenem Erleben und Durchringen der Probleme blieb uns — ob es gut oder schlecht für uns war,, seit hier nicht untersucht — erspart, ist aber unseren Jugendlichen in Fleisch.und PW übergegangen.. Und auch hieraus mag sich ihre Kühle gegenüber der in das Kleid des Dxusch, d. h. in das Kleid des Ueberlteferten, gehüllten FormukiermH erklären. Daß ü'vsn miax hierdurch nicht. Mangel leiden muß, aber leiden kann, ist der Gesichtspunkt, weshalb wir bei dieser Beobachtung etwas verweilt haben. 4. Und weil wir Aeltsren vorsichtiger einerseits, vergangenheitsverknüpster andererseits sind, fehlt uns auch neben dem „Himmelhochjauchzenden" das „Zu-Tode-betrübte". Weder glauben wir an einen Sieg von heute auf morgen — selbst der Tüchtigste — der auf allen Gebieten Tüchtigste, — selbst die genialste Organisationsform kann ihn nur vorbereiten, noch ist u. E. Verzicht und Pessimismus am Plätze. Es wurde auf der Tagung zuviel von Krise, Auflösung, Verfall gesprochen, die Jugendlichen waren in dieser Hinsicht gar zu sehr von allem jugendlichen Elan verlassen. Es ist ein Widerspruch, aus der einen Seite wieder imb wieder den Abbau des Organisatorischen zu predigen, weil es jugendlicher Ärbeit wesensfremd sei, um auf der anderen Seite dann eine etwa vorhandene Desorganisation als Kenn Zeichen des Verfalls zu betrachten. Wahr ists, daß wir in einer schweren Zeit leben, nicht aber daß unsere Jugend an ihr verzweifle, sondern daß sie sich an ihr bewahre. „ Währ rits, dätz das Bekenntnis zu Agudas Jisroel Opfer fordert, denn Eiferer von rechts und -Eiferer von links - lästern auf dem Wege. Die Einen lehnen die Agüda ab, well sie ihre Menschen zu „Fanatikern" Mzieht, Me anderem ümgekeM deshalb, well sie „Kompromißler" züchtet. Den Einen ist sie zu „östlich", den cm- D e r I s r a e l i t B l ä t t e r 15. Januar 1931 deren zu „assimiliert", den, Einen zu „weWbge- ' wandt", den anderen zu „polMsieri", diesen Zu „bildungsfremd", jenen zu bildungsfreundlich". Nur in der Gegnerschaft sind sich alle ihre Gegner einig, nicht im Motiv. ,, Wahr rfts, daß viele von ihr abgefallen sind, jene zumal, die ein-aktuelles, auf den, Tag zugeschnlttenes Programm der zeitlos ewigen Forderung der Agudas Jisroel vorziehen, die vom äußeren Erfolg der anderen angezogen wurden, von ihrer größeren Geschäftigkeit, ihrer zugestandenermaßen uns überlegenen Propagandakunst. Wahr ists schließlich — und dies hat der Halberstädter Raw auf dem D. T. treffend ausgeführt — daß. bei uns vielerlei „Hemmungen" sind, a'vn und mrO' in d,eren Umschränkung zu leben. Nicht jedermanns Geschmack ist. 5. ' Daß aber alle diese Umstände und Zustände zu einer Krise, zu einem Verfall geführt haben, stimmt nicht. Von einer Krise könnte man nur sprechen, wenn der Gedanke der Agudas Jisroel an seinem Wahrheitsgehalt verloren, wenn er sich überlebt hätte, oder überflüssig geworden wäre. Es ist aber doch so, daß das agudistifche Bewußtsein — und wenn es auch nür im Herzen von Wenigen lebt — heute notwendiger denn je ist als ein Bollwerk, aufgerichtet gegen eine Welt, deren ganze Haltung und Gestaltung auf eine.Verwischung von Gegensätzen, die unüberbrückbarsind, hmdrängt. Von einer Krise könnte man vielleicht, auch baust sprechest, wenn die Idee keine Annehmer mehr hatte, wenn , sich keine Menschen mehr fänden, die bereit waren, der Agndardee zu leben und um ihretwillen auch zu entsagen, wirtschaftlichen Vorteilen und in vielen Fällen gemeindlichem Ansehen ustd Einfluß. Wenn aber — und das hat uns der D. T. gezeigt, wo viele edle junge Menschen zufämmenkamen — die Sorge um Agudas Jisroel im Herzen vieler lebt als eine tiefe und wahrhafte Sorge, dann bürgen gerade die> welche von einer Krise sprechen, dafür, daß diese Krise nicht eintritt. 6. Die neue Leitung übernnnrnt keine Organisation, die in den letzten Zügen liegt, wenngleich sie ein schweres Erbe in schwerer Stunde äntritt. Wir wünschen dem neuen Vorsitzenden, der auf Grund seines Berufes undseiner Ginstellung zwischen den „Alten" und „Jugendlichen" steht, daß seine Arbeit Erfolg habe. Wir wissen, daß auch er nicht den Himmel äuf Me Erde zaubern kann und kein vernünftiger, mit den äußeren und istneren Verhältnissen der deutschen Orthodoxie Vertrauter erwartet von ihm; daß es ihm gelingt, die mancherlei Gegensätze, die selbst zwischen der im.Grunde gleichgestimmten Jugend vorhanden sind, von heute auf morgen zu überbrücken. Keiner erwartet von ihrst, daß unter seiner Führung unsere jugendlichen Agudisten nun jene „Volljuden" werden, die ein herrliches Ideal, aber nur in wenigen Fällen erreichte Wirklichkeit sind. Keiner erwartet, daß er jene „Geistigkeit" herbeizaubere, deren Mangel man auf dem D. T., auch dies wiederum u. E. in übertriebener Weife, betont hat. Aber dies erhoffen und erwarten wir von ihm: daß er und seine Mitarbeiter jedem, der guten Willens ist, zu uns zu kommen, das Kommen erleichtern, daß sie Wege suchen, und finden werden, die agudistische Idee dem Bewußtsein des orthodoxen Nachwuchses wieder nahezubringen. In solchem Streben dürfen sie der ergebenen Mitarbeit der „Alten" wie der „Jugendlichen" sicher sein. —- W.S.J. Aas der Vewegung. Nürnberg. Äm Montag den i.0. November sprach in einer Veranstaltung der Agudas Israel-Orts- und Jugendgruppen Nürnberg, Herr Oberkantor Herrmann Lfteher/, im Saale .des Marieytorzwinger, über, sygagogale Musik. Der Redner unternahm es, . dieHerkpM der g'ttetzdrenstlichen Gesänge in wisfenschaftlich-müsikhistorischer Weise.zü-. untersuchen Md 'nachzuweisen. Die Line Quelledes, synagogalen Gesanges. .jst< dieTspnart, in wel- Dx. di^cheilist ^Schrift zur,, Vorlesung' gtst^Hi'efe TdMrhM.uralt W Mßt,Mch< lieferuntz auf die Niederschrift der heiligen Schrift selbst zurück. Die Neginaus bauen sich aus Äe sögenannten Ra° turlaute aus (Terz, Quinte) also die Laute,. die musikalisch mit einfachen Instrumenten wie die Flöte erzeugt /werde« können. Aus den Neginaus Entstammen bestimmte Gruppen des synagogalen Gesanges, wie z. B. die Zischtabach-Melo-i:n die Wa!ch.tl.i-Gruppe und andere.. Der Redner wies hierbei in aufschlußreicher Weise die oft unbeachteten Verwandtheiten von Schab hosmelo dien mit Jomim Rauroim Melodien und ähnliche Ueoereinstimmungen nach. Diese verschiedenen. Gesangsgruppen beruhen, alle auf Rythmus-Verschiebungen der Neginaus. Handelt as sich bei. den bisher behandelten Weisen um Urjüdische Herkunft. so zeigt der synagogale Gesang weite große Gebiete, die eine oft festgesteltte Ähnlichkeit mit alten christlichen Kirchengesängen haben. Der Redner lehnte die Theorie einer Uebernahme dieser Gesänge von der-Kirche ab, da eine Ungleichung an die christliche Kirche für den mittelalterlichen Inden schwer erträglich gewesen wäre, da von dieser Seite die heftigsten Unterdrückungen ausgingen. Richtiger und historisch tiefer gehe eine andere Theorie. Die in Betracht kommenden Kirchenmelodien lassen sich aus die altgriech/schesogenannte,,äolische Skala" zurück,ühren. Demgemäß ist es durchaus wahrscheinlich, daß die jüdischen Melodien als Quelle auf jene, altgriechischen. bezw. orientalischen Bestandteile zurückgehen. In die Kirche sind diese Melodien durch den Bischof Ambrosius von Mailand im Jahre 300 ausgenommen worden. Zum Schluß behandelte der Redner noch die neueren Komponisten der synagogalen Gesänge, wie Sulzer und Lervandowsky, die in ihren bekannten -Tonwerken sich vielfach an Schubert und Mendelsfohn-Bartholdy angelehnt haben, aber doch auf Grund feinsinnigen Eindringens in das Wesen des Gebetes echt Jüdisches getroffen, haben. Reicher Beifall der Anwesenden dankte dem Redner, der. seine klare und äußerst lehrreichen Ausführungen, durch tonliche Beispiele am Klavier besonders eindrucksvollgestaltete. Herr Lieber sah sich noch/zu einigen Gesangs-^. Zugaben, veranlaßt, dis wärmstens ausgenommen würden. Pablanih. Sonntag abend wurde in P äbi a n i tz.die Kreiskonfterenz der Beüöth Agudas Jisroel im Lodzer Bezirk mit über, hundert .Delegierten und Gästenaus 7,40 Städten eröffnet. . Mehrere Frauen von bekannten Rebbes und , Rabbinern,..charen dabei. AlN Präsidententisch sieht man auch die verdiente Frau Scheut e r e r. Schriftliche Begrüßungen werden verlesen von allen Instanzen der Äguda und vielen prominenten Persönlichkeiten - innerhalb- ..der . orthodoren . Weltorganisation. Der Saal ist, prächtig dekoriert, und , es herrscht Feststimmung. — Die Konferenz wird von. Fräulein T s ch e r n i a k mit einer kurzen Ansprache eröffnet. Darauf wird das Präsidium gewählt. Es Werden dann die Berichte der einzelnen Ortsgruppen erstattet. .Durch berondere eifrige Arbeit zeichneten sich die Ortsgruppen in den Städten Lodz,. Kalifch, Piemow ü. d. Lus. — Das erste Referat hält Herr Redakteur Friedensohn. Er stellt /fest, daß alle , früheren . Beschlüsse zur . Ausführung gelangtsind. Das frühere Monatjouxnal des BethJakob ist-in eine H a lbmon aft.sch r ift-umgewandelt. worden. Das Referat wird mit großen Ovationen ausgenommen. Das zweite große Referat halt, ebenfalls unter stürmischen .Beifall, Frau. Schenke rer. -In der.: zweiten Sitzung wird zunächst eine-lebhafte Diskussion über die Berichte und Referate, ^geführt. . Darauf , referiert .-Herr Orle an über „Jüdischkeit und jiddische Sprache." Redner tritt mit Eiser dafür ein, daß in den Kreisen der B. Ä. I, die jiddische Sprache mehr gepflegt Wird. Die Mitglieder .sollten unter sich, nur, in dieser. Volkssprache verkehren und eine Propagandafür dieselbe entfalten. An die Schlußsitzung schloß sich ein akademischer Akt an. der den harmonischen, Aasklang brächte. Engelhrrg (Schwei). Aus Anlaß der, Anwesenheit; des Herrn Oberraboiuer Carle hach aus Altona,/wurde am 'n-"> r-,pis,., im Aotel R e i s.l e r das Benschen versteigert. Der. Ertrag mehrere hundert Fränce. flöß zunl größeren Teil dem „K e;r e n H at h o.r a, zum kleineren Teile der Jeschiwah in Montreur zu. , ,/ . Reichsverbaud der Schomre Schabbos Skellenvermiltlungen. (Kostenlose Vermittlung von kaufmänn'schen, gewerblichen und hauswirtschastlichen Stellen.) Adresse: Berlin N 54, Gormannstraße 27, Tel. Weidendamm 7436 . Zweigstellen im Reiche: Frankfurt a. M.; Stellenvermittlung der Agudas Iisröel, Schwanenstr. 12. Fürth i. B.: Schomre Schabbos Stellenvermittlung, Marienstraße 4 (Dipl. - mathem. Hugo Hememann:) ( Hamburg: Israel. Stellenoermrttlungsverein, Hahn- , trapp 5. . - „ Hannover: Stellenvermittlung, der Agudas Jisroel, Kreuzkirchhof 3 (M. Kleins Karlsruhe i.. B.: StellenvermiMung Schomre Schabbos ,. Schützenstraße-86 M. Krotowstck) . Köln: Stellenvermittlung der Agudas Jisroel, Dassel? straße 1 (Heinrich Klein) ./ ,. Mannheim: Verein zur Wahrung; der Interessen./ des gesetzestreuen Judentums in Baden (Carl Oppen- . Wmer), F, Z/.13 a. .L ,.7..^ r *4^ > München: Stellenoermittlung Schomre Schabbos, Herrn- /. Maße 4& (Julius Nager)., ,/;; / Nürnberg; Stellenverntittlüntz des.Israelis Jügendbündes,. Mewpath Bachurim» Fürthersträße 9a (Alfred -üg. Vereinigung der Sabbatfreunde, Domer-

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