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Der Israelit · 1931-01-08 · Heft 2 (8.1.1931) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
72 (1931)
Issue
Heft 2 (8.1.1931)
Date
1931-01-08
Page
– (sequence 9)
Language
German
Belongs to
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8. Januar 1931 . Hilfe das Werk vollbrachtworden wäre. Damit habe die Stadt gleichsam das in• früheren Jghren an den ^Juden Lübecks begangene Girecht wieder gut machen wollen. Die sehr eindrucksvolle Rede gipfelte in der Ermahnung und in dem Wunsche, daß die altehrwürdige Gemeinde Lübecks, sich ihrer, Traditionen.stets bewußt und treu, bleibe. Herr Rechtsgnwalt Dr. L and a u dankte in kurzer, markiger Ansprache namens, des Gemeindevorstandes allen Spendern. Mit Chorgesang und Maariw-Gebet schloß die erhebende Feier. m Sprechsaal. Moderne Vermählungsanzeigen! Ueber dieses Thema hat Herr Rabbiner Dr. Winkler-Kopenhagen, bereits vor ungefähr Jahresfrist in diesem. Blatte eine Warnung veröffentlicht, die aber, wie es scheint, unbeachtet geblieben und doch nichts desto weniger von wichtiger Bedeutung ist. Herr Rabbiner Winkler wies nämlich darauf hin, wie unjüdisch es fei, wenn gleich nach der Ziviltrauung der Mädchennamen abgelegt und dafür der Familienname des Bräutigams angenommen wird, wenn man sich obenan in der Anzeige als „Vermählte" empfiehlt und unten halb versteckt anmerkt, daß nebenbei auch noch eine „Trauung" stattfinden werde! Er hob mit Recht hervor, daß durch solches Verfahren der Magd Ziviltrauung der Platz von der Königin/,Ehuppo" . eingeräumt werde. Die löbl. Redaktion des „Israelit" ' bemerkte damals zu dieser Notiz, daß die fragliche "Vermählungsanzeige wohl so aufzusassen sei, daß das Brautpaar sich eben mit Aussicht auf die bevorstehende Trauung als vermählt cmkündige. Wenn dem auch so wäre, was aber 'reiner Logik widerspricht, wäre die Anzeige in der fraglichen Form gleichfalls ,,unjüdisch", weil ein Mensch unmöglich bestimmen kann, was nach einigen-. Tagen geschehen wird. — Wie kann man also heute sich vermählt nennen, wenn erst nach mehreren Tagen die Trauung stattfinden soll?! — Nachdem diese unjüdische Mode eigentlich hauptsächlich in Deutschland eingesührt ist, bin ich aufs höchste erstaunt, daß die dortigen Herren Rabbinen nicht schon längst dagegen eingeschritten sind. Daß diese Mode außerdem noch sehr , ernste Folgen haben kann, möge folgendes Beispiel dartun: Als ich nämlich in einem engeren Bekanntenkreise davon sprach, wie es gegen den jüdischen Geist verstoße, auf Grund einer stattgehabten Ziviltrauung sich .der Oeffentlichkeitals vermählt zu präsentieren, rief eine streng religiöse Frau hinein: Sie sind doch aber verheiratet. — Diese Bemerkung aus dem Munde einer frommen Frau dürfte zu erwägen geben, zu welch großem Unheil die scheinbare Kleinigkeit mit der Zeit führen könne. Ich appelliere daher nochmals an . die Herren Rabbonim in Deutschland, dieser modernen Unsitte ihr Augenmerk zuzuwenden und sie von Grund aus zu beseitigen. E. W. ... Dir Kaschmthverhättrnsse in Karlsbad. Zu dem Artikel «unter dieser Ueherschrist im Sprechsaale der Nummer 46 unseres Blattes erhalten wir von Herrn Rabbiner Jakob H a l s z t u k, Ostrowiec- Kirleckr, eine Zuschrift, in der in wesentlichen folgendes gesagt wird: „Aus eigener Anschauung, da ich mich selber im Sommer vorigen Jahres in Karlsbad befand, kann ich zur Abwälzung eines schweren Verdachts von mir und anderen polnischen Rabbinern folgendes konstatieren: Die Restaurationen, in denen dort die Gesetzestreuen und auch die Rabbinen essen, sind Restaurant Jonas Fackler, Chajim Fackler, Restaurant Alter DomMtz und Moses Samuel Herzog. Diese genannten Männer sind zuverlässig, religiös und genießen volles Vertrauen. Der SMchet ist der Sohn des vör zwei, Jahren nach 40jtzhriger Wirksamkeit. verstorbenen anerkannten Schochet. Er hat nach dem Tode , des Vaters die' Autorisation vom Krakauer Bes-Din erhalten. ' ' „ / Trotzdem waren wir, — u. a. Nabln Amiel-Antwerpen; Räbbi Hager, Rabbiner von Wifchäwa, Sohn des Wischnitzer Rebben; Rabbi. Eidelberg^ au^, Plö^k: Rabbiner Bcrruch Kunstadt aus Fulda und Schreiber dieses — uns darüber einig, daß das Kaschruthwesen in Karlsbad nicht ohne Oberaufsicht bleiben kann. So traten wir, etwa 50 Rabbiner und Rebbes an der Zahl, zu einer Beratung zusammen, wobei wir folgende Beschlüsse faßten: Die Gesetzestreuen in Karlsbad sind verpflichtet, noch einen orthodoxen Schochet anzustellen, damit zwei Schochtim die Angelegenheiten von n"ip besorgen. Es muß ein -anerkannter Dajan angestellt werden, der die Aussicht über Schechita und nwvo-Wesen ausübt. Wie die eigenen Verhältnisse in Böhmen liegen, mußten wir unsere Beschlüsse dem amtierenden liberalen Rabbiner, Dr. Ziegler, und dem Gemeindeborstand vorlegen. Letzterer ließ uns wissen, daß er mit unseren Beschlüssen g r u n d s ä tz l i ch einverstanden sei. Inzwischen fuhr jedervon uns nach Hause und die Sache blieb in -der Schwebe'." Der Einsender regt an, daß sich nunmehr der HW mbur g er Speis euer ein .mit der O r tho - doren Landeskanzlei ' in Preßburg in- Verbindung setzt/ und im Einvernehmen mit den rabbinifchen Autoritäten,--die in Karlsbadtagten, deren Beschlüsse zur Ausführung bringen, damit - die -Kafchrüthoerhältnisse inst diesem ' MeltbaU ' auf die nötige Höheikommenl'r« Der verehrte Einsender fordert auch die anderen Teilnehmer der Beratung aus, sich in dieser Sache zu «äußern. , ._ D e r I s.r a e t i t . Milchiges Roggenbrot. Im Artikel unter obigem Titel führen Sie u. a. aus, — „sich bei dem Genuß von Fleischspeisen vielmehr auf Weißbrot zu beschränken".^ Ihre Warnung vor dem Genuß von Roggenbrot zu Fleischspeisen ist voll und ganz berechtigt, es ist jedoch nur eine Vermutung, daß dem Brot Milch beigemengt ist. Dadurch aber, daß Sie den Lesern des „Israelit" empfehlen, Weißbrot von einem nichtjüdischen Bäcker zu kaufen, wenn kein jüdischer zur Verfügung steht, mache ich Sie darauf aufmerksam, daß Sie dem Leser einen richtigen iv'u empfehlen. Als Inhaber einer Bäckerei habe ich durch einige meiner Bäckexgesellen erfahren, daß in jeder Bäckerei, in welcher dieselben beschäftigt waren, > Fett zu aller Art Weißgebäck verwandt wird, und zwar zu je einem Liter Wasser 50 Gramm Fett- Ein, Bäckergeselle, welcher mir sein großes Geschäftsinteresse beweisen wollte, hat mir sogar empfohlen, das Fett im „Kaufhaus Hansa" zu kaufen, weil es dort am billigsten ist. U. a. hat er mir gesagt, daß sämtliche Bäckereien, bei welchen er beschäftigt war, ihr Fett im „Kaufhaus Hansa" kaufen. Außer dem Fett bekommt jedes Weißgebäck (auch W a s s e r w e ck) Milch beigemengt, um dem Gebäck ein helleres Aussehen zu geben. Datscher, welche fast nur von jüdischer Kundschaft gekauft wird, halten sich durch§ den Milchzusatz frischer. I. E. S. : Berichtigung In dem Bericht der nsim-Feier der Z. A. J.-Berlin muß es statt: „und wendet sich mit scharfen Worten gegen die ZeitströMungen, die den A g u d i s m u s bekämpfen: heißen: „die den Individualismus bekämpfen"! Generalversammlung des Ttletot Lhajim. Am Sonntag, den 4. Januar, fand die ordentliche Generalversammlung des Vereins Mekor Chajim e. V. statt, die dieses Jahr besonders zahlreichen Besuch aufzuweisen hatte. Der stellvertretende Vorsitzende, Herr S. H. Katzenstein, erösfnete die Sitzung und erteilte zunächst das Wort Herrn I. Rosenthal zur Verlesung des Jahresberichtes, der sich über die Entwicklung des Vereines im Berichtsjahr ausläßt; wir werden hierauf noch zurückkommen. Herr Fritz Stern erstattete hierauf den Kassenbericht, aus dem hervorging, daß trotz verminderter Einnahmen das Geschäftsjahr mit einem kleinen Ueberschuß abschließt. Für das durch das Ableben unseres Präsidenten Joseph Sänger W zu besetzende Amt wurde das Verwaltungsmitglied Fritz Stern zum Präsidenten unseres Vereins gewähl. In der anschließenden Vorstandswahl ^wurden die, turnusgemäß ausscheidenden Herren, Dr. M. Hirsch und I. Edinger, wieder und Herr Julius Lewin neu per Akklamation gewählt. Für die auf eigenen Wunsch ausscheidenden Herren I. Lange und Walter Strauß wurden die Herren Theo Ochsemann und Emil Lange als Jugenddelegierte gewählt. Nach einstündiger Dauer schloß Herr Katzenstein mit Dank an die Erschienenen die Generalversammlung. Zur Jahrzeit von S. R. Hirsch Die Rabbiner Hirsch-Gesellschaft, Frankfurt a. M., veranstaltet anläßlich der Fahrzeit von Rabbiner Hirsch Vst {27. Tewes) eine Gedenkfeier am 15., Jattuär 1931> abends 8.30 Uhr, im kleinen Saal des Saalbaues,. Junghofstraße 20. Herr Distriktsräbbiner Dr. Raphael Breuer wird über das Thema: „Was hat Rabbiner Hirsch unserer Zeit zu sägen?" referieren. Gäste, auch Dämdn^ styd höflichst ssingelädenst > Veranstaltungen für Erwerbslose in der Agudas Jisroel- Jugendgruppe L. D. Wir weisen unsere Freunde auf die täglich' von 9 bis 13 Uhr im Heim Schwanenstraße 12 unter Leitung von Herrn Herz Holpern gebotene Gelegenheit zum Lernen jeglicher Art hin. Wir beabsichtigen des weiteren, auch Nachmittagskurse unter geeigneter Leitung für diejenigen unserer Freunde einzurichten, die ohne Beschäftigung sind. Wir bitten Interessenten, uns umgehend ihre Adresse nach Schwanenstraße.12 zu melden oder im Büro am Sonntag zwischen 11 und 13 Uhr persönlich vorzusprechen. Die Stellenvermittlung der Agudas Jisroel-Jugendorganisation hält Sprechstunde: Schwanenstraße 12, Zimmer 3: Montag 20—21 Uhr; Mittwoch 11—13 Uhr. Weitere- Ankündigungen über die geplanten Veranstaltungen folgen in Kürze. , Eine Feierstunde in der «kehillo Gumperh". Draußen das pulsierende Leben mit seinen Sorgen Md Lasten, und hier eine Gemeinschaft jüdischer Menschen, die, krank, zum Teil gelähmt und hilflos, sich zu einer Gemeinde zufammengefunden haben. Und in dieser kleinen „Kehilloh Gumpertz", wie sie sich mit Stolz nennt, hielt Herr Redakteur Schach nowitzin seiner fesselnden, anregenden, und humorvollen Weise einen Vortrag über das Leben im Ghetto. Leid und Not der Jetztzeit verschwanden, und die ehrwürdigen Gestalten „aüs alten Gaffen" längst vergangener Jahr- Nr. , 2 Seite 9 Hunderte erstanden lebendig por den Zuhörern, und wie ein Fluidum„ing es von dem Vortragetzdxr^ hinüber zu der ergriffnen Gemeinde. Wer nach hettr Vortrag von Saal zu Saal, von Bett zu Bett ging, der konnte mit innerer Genugtuung feststellen, welchen nachhaltigen Eindruck die Ausführungen des verehrten Redners hinterlassen hatten, und welch große, reine Freude den Mitgliedern "dieser Kehilloh bereitet wurde. H. S—ch. Ein Fest für Erez Jisroel. Am 28. Februar 1931 (11. Adar 5691) wird die Palästina-Zentrale der Agudas Jisroel ein Fest feiern, für; das jetzt schon umfassende Vorbereitungen getroffen werden. .Näheres wird bekanntgegeben. Jüdischer Turnerbund E. V. Am 8. Januar 1931 haben unsere sämtlichen Turn- und Gymnastikkurse nach Ablauf der Ferien wieder programmgemäß ihren Fortgang genommen. Das aus-' führliche Programm ist an anderer Stelle dieser Zeitung veröffentlicht. Die nächste Wanderung wird am Sonntag, den 18. Januar in den Taunus gemacht. Treffpunkt: um 8.30 Uhr am Hauptportal des Hauptbahnhofes. Bei guten Schneeverhältniffen möglichst Rodel und Ski mitbringen. Gäste sind herzlich eingeladen. Das Werk des „Ehofez Lhajim". Der 90jährige Chofez Chajim hat seine Residenz in Radin, einem kleinen Städtchen im. polnischen Zentrallitauen, das durch ihn zu Weltruf gelangt ist. In diesem Städtchen ist eine Jeschiwa und ein Kolel, die über 300 Jünger und auch Meister der Thora um den Gaon sammeln. Aus diesem Zentrum gingen und gehen Thoragrößen hervor, die ihre Gemeinden im Geist des Chofez Chajim führen. .-,L , Radin, abgeschnürt von den Nachbarländern, und seit jüngster Zeit den amerikanischen Hilfsquellen entzogen, befindet sich zur Zeit in größter Not. Die Jeschiwa ist verschuldet, die Bachurim und Lehrer bekommen ihre Gehälter und Subventionen nicht ausgezahlt. Die Jünger der Thora hungern und dem großen Werk droht Untergang. Daß es soweit nicht komme, ist die glühende Hoffnung des greisen „Chofez Chajim". Er hat würdige Sendboten zu der Judenheit Westeuropas hinausgeschickt, und wir dürfen seine Hoffnung nicht enttäuschen. Zur Zeit befindet sich auch in unserer Stadt im Aufträge des Gaon Rabbi Leiserowski. Wir bitten alle Freunde der Thora in unserer Stadt, wie in Deutschland überhaupt, diesen Herrn und sein Anliegen mit dem Interesse aufzunehmen, wie es durch den Namen des „Chofez Chajim" und seines heiligen großen Werkes in Radin gerechtfertigt ist. Mekwesen. Im Verlage von Fr. Honsack u. Co., Frankfurt a. M., Buchdruckerei und Formularverlag, ist ein Merkchen „Die Mieten in Groß-Frankfurt und ihre Berechnung von 1924 bis heute", zusammengestellt und herausgegeben von Ph. Hollermann, erschienen. Die Schrift, welche von Mietern und Hausbesitzern als Wegweiser bestens begrüßt werden wird, ist in allen Frankfurter Buchhandlungen zum Preise von Mk. 1.— zu haben. Jedem Käufer wird lt. Seite 3 seine Miete einmal kostenlos berechnet. Die beiliegenden Mietberechnungsformen sind auch in Blocks zu 12 Stück a 50 Pfg. oder einzeln zu haben. Frankfurter Vereinskalender. Verein ZNekor Chajim. Sonntag morgens nach Schluß der Synagoge (ebenso Mittwoch) cns. "N' Herr Red. Schachnowitz — vormittag 8 Uhr (ebenso Sämstag eine Stunde vor Nacht), Gemoro Herr I. Soffer — vorytittäg 9^ (ebenso Montag abends 6lf2 Uhr) Gemoro, Herr R. A., Gerson Posen. Sonntag abends 6 Uhr, Borttag des Herrn S. Schachnowitz über „Aus der Korrespondenz des Chaffam Sofer" (Ein Lebensbild aus Berichten). Montag morgens nach Schluß der Synagoge (ebenso Donnerstag), Mischna Mitgliederlernen—abends 7 Uhr (ebenso Mittwoch), Gemoro, Herr Räbb. Dr. Jos. Breuer. Dienstag morgens nach Schluß der Synagoge (ebenso Freitag) Mischna, Herr Dr. E. Posen. Freitag abends nach Schul, im Hörsaal, Mikro, Herr Louis Kahn. Samstag morgens nach Schul, im Hörsaale, Dlnim, Herr Dr. Elieser Posen — nachmittag % Stunde vor Min» cho im Vereinslokale Melochim, Herr Dr. W. Hofmann — abends 1/29 Uhr, Rewiim, Herr Studr. Dr. Marcus Lange. Von Montag bis einfchl. Freitag morgens nach Schul, im Sitzungszimmer, Gemoro Herr Dr. S. Ehrmann, Jeden abend 8 Uhr, im Vereinslokal Schaßlernen, Herr H. Holpern.

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