Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 71 (1930)
- Issue
- Heft 52 (24.12.1930)
- Date
- 1930-12-24
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 10 Nr. 52 Der Israelit 24. Dezember 1930 Ermunterung des Jungen angelegt zu sein schien., nach dem Befinden Rabbi Mauschles, des Ortsrabbiners von Burki, und seines Vaters. Von amerikanischen Juden. USA. ist ein recht ausgedehnter Komplex, undes ,Taiere Jiden!" sagte er, als wallte er G'tt danmag selbst für einen anerkannt.routinierten Beobachter, ken für so viele Prachtexemplare, mit denen er! der außerdem nicht ohne wissenschaftliche Schärfe und seine schöne Welt ausgestaltet hatte. „Und nun," i^akyeit an die Schilderung und Darstellung der Dinge fünf? er hinan mitfc irh fiir (Shmihi* f nrf-! herangeht, immerhin eine Leistung sein, im Rahmen fügte er ylNZU „mutz icy für eine «runae fort j eines jefjr unterhaltsamen Buches von knapp 200 Seigehen. Die Doktoren zwingen mich. Schade unkten die wesentlichsten Momente im Blickfeld sestzuhaldie kostbare Zeit. Israel in tausend Nöten. Alterten. Das Buch, das uns Arthur Holitscher unter schreiben an mich, alle kommen zu mir, und ich ,» W i ede r s e h n m i t A m e r i k a " (S. aebe i'vnneren Du kommst mit mir Bo- Verlag) vorlegt, ist wert, auch von rem-judischen geye spazieren . . . 2iu rommsr mn mir, -oo .Gesichtspunkten betrachtet und in einer jüdischen Zeichurl, und werden wir bald sehen, was Du. tung mit Achtung und Anerkennung genannt zu werden. kannst . Im Vorzimmer standen noch Wartende in vi elfache in Spalier. Der Rabbi blieb noch bei jedem eine Weile stehen, hörte jeden an, sagte dem einen ein Wort des Trostes, dem anderen Auskunft über eine halachifche Frage, bat den dritten, später wieder zu kommen, da fein Fall der ruhigen Ueberlegung bedürfe. Und endlich waren sie draußen. Der Sekretär, den der Rabbi R e b I a n k e l nannte, schob. Meikemeier, da er in Aufregung und Unwissenheit auf die falsche Seite zu stehen kam,- zur Linken des Rabbi. Er, Reb Jankel selbst, hielt sich rechts vom Rabbi, aber etwas abseits, wie um seinen Meister zu schützen und vor Zudringlichen zu bewahren. Meikemeier, an der Seite des großen Mannes, ganz allein ihm gehörend, auf der langen, lichten menschenbewegten Straße der großen schönen Stadt, stand unter Schauern an einem Wendepunkte seines Lebens. Die Menschen aus der Straße gingen zur Seite, Wagen verlangsamten ihr Fahrttempo, oder wichen aus. Viele blieben bei stummem Gruß einen Augenblick stehen, indem sie das Haupt tief neigten: „Guten Tog Rebbe!" Blank- und buntuniformierte Offiziere und Beamte standen stramm imb' grüßten ^militärisch. Aus, ein mal fuhr Meikemeier zu Tode erschrocken zusammen. Ein -kleiner Trupp marschierender Soldaten mit geschultertem Gewehr kam des Weges. Kaum waren sie des Rabbi ansichtig, schrie der Anführer ein schallendes Kommando, und die Saldaten blieben mit einem Rucke machten mit dem Gewehre eine Bewegung, als wollten sie auf die Menschen anlegen. Aus dem freundlich grüßenden Kopfnicken des Rabbi ersah erst Meikemeier zu seiner Beruhigung, daß die Geste der Soldaten nicht in feindlicher Absicht, sondern als Huldigung gedacht war. Ein heiliger Zauber halte ihn wie im Märchen an die Seite eines Königs gesetzt. Männer in kurzer Kleidung, bartlos, oder mit gekürztem Barte, grüßten, blieben stehen, wechselten mit dem Rabbi einige Worte und gingen weiter. Seiner, Meikemeiers, beachtete keiner. Es fiel wohl nicht auf, daß Rabbi Jizchok Elchonon junge. Kinder an seiner Seite hatte. Bettler, die sich herandrängen wollten, hielt Reb Jankel in Schach. Glückte es ihnen aber, nach vorne zu gelangen und in d>en Gesichtskreis des Rabbi, hatte schon dieser sein Ohr ihnen zugeneigt und die Hand in der Tasche. Ein Fuhrmann im blinkenden Blechzylinder stieg vom Bock, machte sich in seiner Pelerine schwerfällig wie ein Bär und bescheiden an den Rabbi heran: „Möchte nicht der Rebbe in meinem Wagen Platz nehmen. Kostet nichts. Der Weg zum Boulevard ist so kotig und holperig." „Danke, danke Reb Berl," wehrte der Rabbi freundlich ab, „der Doktor hat mir befohlen, zu Fuß zu gehen. Aber wie geht es Euch, Reb Berl? Habt Ihr heute genug verdient? Weib und Kind daheim gesund? Ihr seid mir wohl nachgekommen, daß ich mitfahre? Da muß ich Euch den Lohn bezahlen." „G'tt bewahre!" protestierte der Fuhrmann. „Der Rebbe hatte gute Worte und einen Segen für mich. Das ist mehr als Geld und Verdienst." (Fortsetzung folgt.) Unsre ersten Ausblicke richten sich naturgemäß auf die Teile eines derartigen Buches, die sich . mit den amerikanischen jüdischen Verhältnissen, insbesondere mit der Situation in Newyork, befassen. Newyork mit den rund zwei Millionen Juden, mit seinen jüdischen Stadtvierteln aller Färbung und Nuance und mit seiner assimilierenden Gewalt hat auch Holitscher veranlaßt, eine Anzahl lebhaft geschriebener Seiten dem Kapitel Juden in Amerika zu widmen. Die Juden machen zahlenmäßig rund 27 v. H. der Bevölkerung dieser Riesenstad aus. Vier bis fünf Ghetti scharen die jüdischen Massen um sich, das älteste im südlichen Manhattan. In politischer Beziehung bilden die Juden ein Element, mit dem man zu rechnen hat. Daher die auffallenden Avancen vor den Wahlen. Einen Antisemitismus im Sinne deutscher oder europäischer Observanz kennt man nicht, trotzdem sorgt ein stiller, fein ausgeklügelter, gesellschaftlicher Boykott dafür, daß die Bäume der absoluten Gleichberechtigung nicht in den Himmel amerikanischer Freiheit wachsen. Unserem Empfinden reichlich unverständlich und absurd muten das religiös-liberale Leben, die Formen des G'ttesdienstes, die propagandistischen Feldzüge zugunsten der Besuche von Andachtsstätten und Tempeln, der „Austausch" von Predigern zwischen dieser Spielart Judentum und den Methodisten und ähnlichen nichtjüdischen Sekten an. Man muß sich wohl an diese Fasson einer nivellierenden Religiosität erst etwas gewöhnen, um nicht darüber ins Staunen zu geraten, daß ja diese jüdischen Menschen zum weitaus größten Teil aus den durch und durch „frommen" Gassen des Ostens stammen. Der „Aufstieg" in USA. aber verwirrt. Zu den Bizarrerien Newyorks gehört denn auch die von Holitscher treffend irr ihrer inneren parodistischen Auswirkung geschilderten Negerjuden-Gemeinde von Haarlem, deren Oberkantor kürzlich einige europäische Städte mit dem unvermeidlichen Reklamedreh beglückt hat. Seltsam, wie dicht in USA. Grandiosität neben Kitsch wohnt. „Man dreht die Radiokurbel nach rechts," sagt Holitscher, „und man hört Orgeltöne und einen religiösen Hymnus . . . Dreht man nach links, — so trifft man Jazzmusik." Amerika ist trotz seines guten Rufs ein komisches Land. Und Holitscher, der in nicht ausgesprochen direkter Beziehung zum Judentum steht, hat das bei den USA.-Juden ebenfalls festgestellt. Sein Buch ist lesenswert. I. Raphael. Rabbinische Geschichten. Uebertragen aus dem Sammelbuche .meines Vaters ■n’wn pvb Von Jakob Lupolianski in Karlsruh:. Zu Rabbi Jak. Ornstein, dem Lemberger Rabbiner, kam einmal ein Jude mit einem Manuskripte eines selbstoerfaßten, aber sinnlosen und überflüssigen Werkes, das er R. Jakob Ornstein zur Begutachtung oorlegte. Rabbi Jakob Ornstein tat einen Blick in die vollbeschriebenen Blätter des Manuskriptes, dann fragte er den Verfasser, ob er schon einen Namen für das neue Werk gefunden habe. „Noch nicht," sagte der Gefragte. „Dann würde ich Euch raten, es v'xi-s 'rri"r> zu betiteln," sagte Rabbi Jakob: „denn erstens ist es schon ein Wunder, wenn aus Lumpen Papier hergestellt wird; aber gar Papier wieder in Lumpen zurückzuverwandeln, ist ein weiteres Wunder, das Ihr jetzt mit diesem Buche vollbringt, daher mi>s „Wunder der Wunder." Den Mitgliedern einer Gemeinde wurde eines Tages die Nachricht, daß ihr Raw; den sie vor einiger Zeit als Führer ihrer Gemeinde gewählt hatten, seine Stelle kündige und in eine andere Gemeinde übersiedle. „Aus welchem Grunde wollt Ihr von uns Weggehen?" fragten die erstaunten Gemeindemitglieder ihren Raw. „Weil dies die erste ist, die hier seit meiner Ankunft an mich gestellt wird," war die Antwort des Rabbiners. Nachdem Rabbi Pinchas E l i j o h u von Wilna sein bekanntes Werk iman nso herausgegeben hatte, kam zu ihm ein herumfahrender Händler und kaufte ihm einige Dutzend seiner Exemplare ab, die er dann, unter Vorgabe, er sei selbst der Verfasser des nnan ibb, mit entsprechendem Gewinn abzusetzen suchte. Einmal kam dieser Händler aber in das Haus eines klugen und gelehrten Juden, der bald merkte, daß die Angabe des Händlers, er sei selbst der Verfasser des Buches, nicht stimme. Er begann mit dem Händler eine Unterhaltung über im rinan asb behandelte wissenschaftliche Fragen, und da konnte er feststellen, daß der angebliche Verfasser in seinem Buchte nicht ein und aus wußte. „So will es mir scheinen," sagte er daraufhin zum Händler, „daß Ihr der p-wo, nicht aber der miau byi 1 seid." - - (Die verschenkte Synagoge.) Vor kurzem brachten wir die Notiz, daß im Orte W a t t e n h e i m in der .Pfalz die verlassene Synag o g e der katholischen Gemeinde geschenkt wurde. Zu dieserunglaublichen Meldung wird nunmehr vom Vorstande der Verbandes Israelitischer Kultusgemeinden in der Pfalz" eine Erklärung gegeben, in der es u. a. heißt: „Zur Zeit sind in der Pfalz u. a. drei ehemaligen ansehnliche . Kultusgemeinden entweder vollständig oder nahezu verwaist: Edesheim (bei Landau)^ . Fußgönheim (bei Ludwigshafenn) und Wattenheim (bei Grünstadt). Eine ganze Reihe von pfälzischen israelitischen Friedhöfen muß bereits von dem Verbände pfälzischer israelitischer Gemeinden unter Aufwendung ansehnlicher Geldmittel unterhalten werden. Anders mit den verwaisten S y n a g.o g e n.Sollen sie nicht ganz dem baulichen Verfall anheimgegeben sein, so bleibt eben nichts anderes übrig, als sie zu veräußern. So wurde in den letzten Wochen die Synagoge zu Wattenheim, nachdem die letzte israelitische Familie dasselbe schon vor Jahren nach Lampertheim übersiedelte, vom Verbände der pfälzischen israelitischen Gemeinden der k a-, tholischen Kul tu s g e m ei n d e Wattenheim s ch e n tu ngsweise übertragen, nachdem der besagte Verband die Gewißheit hatte, daß das Wattenheimer Synagogengebäude auch in Zukunft nur ernsten, menschenfreundlichen -und wohltätigen Zwecken dienen wird. Nach Lage der Sache erschien eine öffentliche Versteigerung der Synagoge unratsamm, weil eben dann diese Gewißheit nicht gegeben war." Unklar genug bleibt immer noch die Sache. Man hat' in anderen ähnlichen Fällen Synagogen unter den Schutz von weltlichen und kirchlichen Behörden gestellt. Eine bedingungslose Verschenkung berechtigt aber die beschenkte Gemeinde, die Synagoge auch in eine Kirche umzuwandeln. Und das wäre doch auf alle Fälle etwas Ungeheuerliches! Ainderecke. Auflösung desSilben-Räksels in 7fr. 50. 1. Geber 2. Aron 3. Mirjam 4. > Sara 5. Oraun 6. Neder 7. Reuben 8. Abel 9. Pharao 10. Haga r 11. Abraham 12. Esther 13. Lublin 14. Haman 15. Jfak 16. Rahel 17. Salonton 18. Canaan 19. Hanna. Die Anfangsbuchstaben ergeben: Symson Raphael Hirsch. Richtige Lösungen sandten ein: Rebeka Diamant, Darmstadt; Hanna und Ruth Bastanski, Wiesbaden; Ludwig und Arthur Schwarzschild, Frankfurt a. M. Samstag 27 7 ' ewi Sonntag Dez. 28 8 Montag 29 rau 9 Dienstag 30 10 nava Mittwoch 31 11 Donnerstag 1 12 Freitag Jan. 2 13 Samstag 3 14 'N'l Wochenkalender. v. 27. Dez. 1930 6. 3. Jan. 1931 ' o. 7. - 14. Tobet 6691 ^ÜRO JULIUS SCHMIDT FRANKFURT AM MAIN LANGESTRASSE 7 TELEFON HANSA 25865 POSTSCH.-KONTO FRANKFURTMAIN 142 353 EINZIGE INSERATEN-AN- NAHME FÜR FRANKFURTER GESCHÄFTS- INSERATE DES »ISRAELIT« AUSSERDEM ANNAHME VON INSERATEN FöR SÄMTLICHE HIESIGE UND AUSWÄRTIGE TAGESZEITUNGEN. WOCHEN- UND FACHBLÄTTER ZU ÖRIGINALPREISEN4.ÄNNAHME VON DRUCKSACHEN (HANDEL, GESCHÄFTE, PRIVATE) FÜR DIE HERMON-DRUCKERE1 BEI BILLIGSTER BERECHNUNG UND KÜNSTLER. AUSFÜHRUNG IN SCHWARZ- UND BUNTDRUCK o * © z z 4 LAI TELE postj W