Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 71 (1930)
- Issue
- Heft 51 (18.12.1930)
- Date
- 1930-12-18
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Der Israelit Seite 12 Nr. 51 18. Dezember 1930 auch der Letzteren anrechnen muß, daß sie auch damit unter allen deutschen Ländern allein stand. Nach hem Kriege traten Demokraten in die Regierung ein und Lebermann erhoffte viel von ihrer Tätigkeit. Leider trat das Gegenteil ein. Er mußte es erleben, daß das, was er als sein Lebenswerk ansah. rückwärts revidiert wurde. Bei der gesetzlichen Regelung der Gehalts- und Pensionsbezüge der definitiv cmgeftell ten 'Religionslehrer wurden deren Rechte stark beschnitten und Neuanstellungen können überhaupt nicht mehr erfolgen. Vergebens kämpfte Lebermann mit dem Mute der Verzweiflung gegen diesen Rückschritt und gegen das begangene Unrecht; er mußte sich vor vollendeten Tatsachen beugen, so schwer es ihm auch fiel. Als im Jahre 1922 im „Unabhängigen Lehrerverein" der Antrag gestellt wurde, in Hessen die Gründung eines Gemeindeverbandes „nach bayerischem Muster" zu propagieren, trat Lebermann aufs lebhafteste dafür ein und wies in einer glänzenden Rede die Möglichkeit, Notwendigkeit und Nützlichkeit einer solchen Institution nach. Er bezeichnete sie als die letzte Chance für die Lehrer. Auch diese Bestrebungen verliefen nutzlos im Sande. Wir haben heute in dem kleinen Hessen zwei Gemeindeverbände, von denen der eine wenig, der andere nur Minimales für Gemeinden und Lehrer leisten kann. Damit ist nur der äußere Verlauf seiner gemeinnützigen Tätigkeit geschildert. Dabei sind kaum erwähnt die zahlreichen Anregungen und Hinweise, die er seinen Kollegen zur Benutzung staatlicher Einrichtungen — ich erinnere hier nur an die hessische Fürsorgekasse und die Vergütungen für den Katechatenunterricht, sowohl aus den Konferenzen als in besonderen Rundschreiben gegeben, Jede einzelne Aktion brachte ihm Mühe und Arbeit in Hülle und Fülle, aber er war unverdrossen und hilfsbereit und liest sich auch durch keinen Mißerfolg und keine Undankbarkeit — er hat auch diese erfahren — abschrecken. Höher noch als diese materiellen Forderungen ist das anzufchlagen, was er in ideeller Beziehung geleistet hat. Als der Bund gesetzestreuer jüdischer Lehrer, dessen eifrigstes Borstandsmitglied er bis zu seinem Tode blieb, gegründet wurde, da war er es, der mit großer Energie daraus drang, daß nicht nur in der Zielsetzung der neuen Gründung, sondern schon in ihrem Namen die vnnrr pim die Stärkung unseres heiligen Glaubens zum Ausdruck kam und inne^alb des Bundes die Gründung von Lernoereinen und ihre Unterstützung durch die Bundeskasse anregte. Und das letzte Referat, das er, schon schwer leidend, vor ca. 3 Jahren in dem Unabhängigen Lehreroerein über die Fortbildung des jüdischen Lehrers hielt, war ein glühendes Bekenntnis für mw ti»> Als er vor ca. 7 Jahren das Schriftführeramt aus Gesundheitsrücksichten niederlegte, da ehrten ihn feine Kollegen durch Verleihung der Würde eines Ehrenvorsitzenden und durch die Gründung einer Jakob Lebermann-Stiftung, deren Zinsen für die Unterstützung von Lehrerwitwen und -Waisen bestimmt sind; nicht was er erreicht, was er für sie erstrebt, schätzten sie an ihm. Nun ist er von uns hinweggenommen worden. Auch auf seinen Grabstein paßt die Inschrift: „Mache nicht viel Federlesens, schreib auf meinen Leichenstein: Dieser ist ein Mensch gewesen und das heißt ein Kämpfer sein." Ja, er war ein Kämpfer für alles, was gut und wahr und schön ist, für seine religiöse Ueberzeugung und für das Wohl seiner Brüder und Kollegen. Besonders die Letzteren werden sein Andenken in Ehren halten. S). Ehrmann-Friedberg. Aus dem Zeichenunterricht der Jsr. Volksschule zu FsankfprftM. Von G. Erlebacher. Die Feste bieten dem Zeichenunterricht in der jüdischen Schule so dankbare Stoffe, bäh es schade wäre, sie nicht ganz auszunutzen. Das Ehanuka-Fest soll uns zeigen, wie im Zeichenunterricht Arbeitsfreude und Gestaltungstrieb des Kindes geweckt werden kann. Der moderne Zeichenunterricht gibt uns Gelegenheit, aus den Kindern geradezu schöpferische Leistungen herauszuholen. Wir zeichnen nicht mehr, wie früher, den als Modell aufgestellten Leuchter, sondern die Kinder sollen versuchen, selbst einen Entwurf nach eigenen Ideen zu fertigen. Die Aufgabe lautet: „Zeichnet einen Ehanuka- Leuchter, so wie ihr euch einen arbeiten würdet, wenn ihr das Material dazu hättet und es verarbeiten könntet. Ihr sollt einen Entwurf zeichnen, nach dem der Leuchter angesertigt werden kann." Die Kinder zeichnen rasch eine Skizze. Diese unbeeinflußte Darstellung wird durch Hinweis auf die Werkform bereichert. Der Aufbau, die Zweck- und Funktionsformen des Gegenstandes werden geklärt.. (Betonung der Sachlichkeit!) Ohne daß unmittelbar abgezeichnet wird, entstehen in der Klasse die eigenen Entwürfe. Sie entspringen der Phantasie und hem Gestaltungstrfeb des Kindes.' Alächenhäftes Gestalten liegt den Kindern. Deshalb wird PerfpeftioischesvermiMen bzw. nicht verlangt. Die Schüler stellen so daft wie es ihrer Leistungsfähigkeit entspricht und die Leistung wird demgemäß bewertet. Zn deck unteren Jahrgängen rann noch das bildr.eri'che Gestalten in den Zeichenstoff ausgenommen werden. „Chanukah im Zimmer" u. a. werden gerne gezeichnet. Ein Teilergeoins von diesem Jahr zeigt uns die originellsten Entwürfe aus dem 4., 5., 7. und 8. Schuljahr. Zeit-, Platz- und Geldmangel erlauben es nicht, ein Klassenergebnis zu veröffentlichen-: doch steht zum Schuljahresende eine größere Ausstellung von Schülerzeichnungen unserer Schule in Aussicht. Da soll keine Auswahl, sondern Klassenleistung ausgestellt werden. ixuixfu ---«LA mm 1,3 Lehrer Zakob Lebermann- Darmsiadt Vst in memoriam. Wenn auch nicht ganz unvorbereitet so war doch die Todesnachricht eine überraschende und.erschütternde. Ich sehe den Verstorbenen noch vor mir, als er in jungen Jahren frisch und tatkräftig nach Darmstadt kam und in der dortigen Jsr. Religionsgesellschaft das Amt des Chasons und Lehrers antrat. Mit einer seltenen. Begeisterung bemühte er sich von Anfang an, beide Äemter „modern" im Sinne eines Samson Raphael Hirsch zu verwalten. Bon dem Wirken Jakob Lebermanns als. Lehrer soll hier vornehmlich gesprochen werden. E0 war bestrebt, den - Grundsatz 1217 w by ins» jon. wahr zu machen zu einer Zeit vor mehr als 40 Jahren, ba man von der individuellen Erziehung und einer psychoanalytischen Einstellung des Pädagogen kaum etwas wußte, noch weniger aber betätigte. Lebermann kannte - seine Schüler und Schülerinnen: er war wohl ein. strenger Lehrer, der es verstand sich in Respekt zu setzen und die früher oft übliche Despektierung des jüdischen Religionslehrers auszumerzen. So war es überhaupt sein Bestreben, die Stellung des jüdischen Religionslehrers und Kultusbeamten durch eigene Fortbildung, durch Gestaltung der Persönlichkeit und durch offene, ehrliche und sachlich .berechtigte Kritik der bestehenden Zustände in geistiger, sittlicher, sozialer und' wirtschaftlicher Beziehung zu heben. Und ist dies nicht richtig und nötig? Das köstliche Gut, die die religiöse Unterweisung, die Vermittlung jüdischen Wissens und Empfindens, das wert rollste Rüstzeug draußen im Leben und im Kampfe des Alltags der Jugend, der Zukunft weiterzugeüen, ist die hohe, heilige aber .auch nicht leichte Aufgabe eines jüdischen Religionslehrers. Träger einer solchen Aufgabe kann aber nur ein Mensch sein, der die Eigenschaften besitzt, welche diese Aufgabe erfüllen lassen, der die Qualitäten aufweist, die geeignet sind, Achtung und Verehrung ihm abzugewinnen. Würde der Persönlichkeit ist schließlich auch noch eine Voraussetzung, die nicht immer vorhanden erscheint, sei es aus Mangel solcher Eigenschaften', sei es auch aus Mangel der Verhältnisse überhaupt, die hindernd im Wege stehen. De-halb ist auch wirtschaftliche Sicherstellung nicht unwichtig, um den Lehrer frei von unmittelbaren materiellen Sorgen und frei von nicht ganz passenden Nebenverdiensten tatkräftig und würdevoll wirken zu lassen. So rerstand es Lebermann, Einfluß auf die Jugend zu gewinnen, die er nicht nur elementar und systematisch in das Wissen und Denken, in das Schrifttum und die Gesetzeslehre einführte, sondern auch mit dem Leben, das aus der Lehre fließen soll, vertraute; mit dem täglichen Leben, das mit der Religion Hand in Hand in Wahrheit und Menschlichkeit sich vollziehen muß. So wüßte der verklärte Jugendfreund das Verständnis für die Schönheiten der religiösen Vorschriften zu wecken, den Sinn des Sabbaths und der Feiertage zu erschließen und den Inhalt der Gebote nahezubringen, die Vorbereitungen und Unterweisungen waren von bleibendem Wert. Nicht die starre Form, sondern der lebendige, geistige Inhalt ist das Kriterium wirklicher Religion und Form und Inhalt glücklich zu verbinden, Seele und Körper harmonisch zu vereinen, feste Grundsätze des Glaubens unerschütterlich zu verankern,, neben zeitgemäßer Kultur und wissenschaftlicher Anschauung ist eine große Ausgabe des modernen jüdischen Lehrers. Lebermann hat für seinen Teil diese Kunst zu meistern gewußt — heute würder er noch freier und erfolgreicher diesen Gedankengängen Ausdruck und Ausführung verleihen können. Gelegentlich der akademischen Abschiedsfeier, die frühere Schüler und Schülerinnen vor etwa 5 Jahren dem verehrten Lehrer widmeten, zeigte sich so recht die Dankbarkeit und Wertschätzung, die unterschiedslos ihm gezollt wurden. Mögen auch gar manche seiner Schüler später andere Wege gegangen sein — die feste Grundlage jüdischen Wissens hat Jakob Lebermann allen gegeben und sie damit befähigt, jederzeit den alten Weg zurückzufinden. Wenn die dem Verstorbenen vorschwehenden Ziele, welche er selbst so eifrig verfolgte, immer mehr der Vollendung entgegenreifen, dann wäre die Dankesschuld am schönsten eingelöst. Wir aber, seine Schüler und'Schülerinnen werden das Andenken an Jakob Lebermann immerdar segnen? Dr. S. Lehmann, Frankfurt a. M. Hannover. Vrrkenstrahe, am 2. Nov. 1930. Liebe ehemaligen Kölner! Es ist unbedingt nötig, daß wir ein neues Milgliedsverzeichnis aufstellen. Ich bitte daher alle Ehemaligen, auch wenn sie schon Mitglied sind, auf beiliegender Karte ihre Mitgliedschaft zu bestätigen oder neu zu vollziehen, genaue Anschrift ist erforderlich. Dann muß unser Vereinsbuch vervollständigt werden. Nach einem Beschluß -er Kölner Tagung soll jedes Mitglied, wenn es noch nicht geschehen ist, seinen kurzen Lebenslauf auf einen Quartbogen 'schreiben, sein Bild oder Familienbild auf Heben und mir zum Eiybinden! zusenden. Ferner, kommen genug Kölner zur. Lehrertagung nach Berlin, daß wir uns dort in einer Nebenversgnrm-- lnng treffen können? Geht mfr bitte Nachricht- : Nun l. Freunde, es ist nur ein kleines Opfer, das ich von Euch verlange, habt mgl eine Wünhe fstr unsere Vereinigung übrig; andere gründen auch solches Noch in diese? Woche, dieWentze Mil schon Wg,: erfreut durch Erfüllung obiger Wünsche Euren Euch herzl. grüßenden A p t, jetzt Hannover, Birkenste. 21