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Der Israelit · 1930-12-18 · Heft 51 (18.12.1930) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
71 (1930)
Issue
Heft 51 (18.12.1930)
Date
1930-12-18
Page
– (sequence 11)
Language
German
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|ufiq und Le() rziepamj .Osraelif” zum Organ -es Dun-es gesehestreuer Wischer Kehrer Deutschian-s ' Berantwortliche Schriftleitung: L. Kaufmann, Sprendlingen'l- ‘ (Kreis Offenbach). Bund gesetzeskreuer jüdischer Lehrer in Deutschland. Am nin^in 's j?'» any wurde unser Vorstandsmitglied Herr Jako- Le-ermann in Darmstadt zu Grabe getragen. Wir verlieren in dem DahingÄ gangenen einen treuen Freund, der, wie er ein be/- geisterter Anhänger des Thorajudentums war, so auch Mit glühendem Feuereifer für das Ziel, das unser Bund sich gesetzt, eintrat. Sein weiser Rat, seine mitreißende Begeisterung, sein bedächtiges Urteil zeigten uns stets den von uns einzuschlagenden Weg. Wir werden seiner immer in Liebe und Verehrung gedenken. N"aüun- Der Vorstand. Unabhängiger Verein isr. Lehrer im Freistaate Hessen. Vor wenigen Wochen entschlief unser Ehrenvorsitzender Herr Jakob Le-ermann in Darmstadt Seit Gründung des Vereins dem Vorstände angehörend, war er über sin Msrteljahrhundert an exponiertestes Stelle tätig. Alle seine reichen Geisteskräfte stellte! er in den Dienst des Vereines. Mit »ojn n->'v» arbeitete er Tag und Nacht an der Hebung und Förderung des jüdischen Lehrerstandes in Hessen und damit zum Segen des Judentums. Was er errungen und für uns erkämpft, ist mit unvergänglicher Schrift in die Annalen unseres Vereines eingetragen. Wir gedenken seines Wirkens und Wollens stets in unauslöschlicher Dankbarkeit. rraxjn- Der Vorstand: I. V. Kaufmann Lehrer Zakob Lebermanntxt. Je kleiner eine Gemeinschaft, desto..-fester ,klammert : sie sich, an ihre wenigen Führer., Das Hinscheiden Zeines Führers empfindet; sie als Einsturz emer der sie tragenden; Säulen: Dieses Gefühl iw "seiner traurigen ' Stärke empfanden wir, als am! Donnerstags Mittag die Trauernachricht wir hören Mtzten,,, daß - Herr Lehrer;. Jakob Leber mann nicht mehr unter uns weilt. Wer wollte es glauben? Sein Körper schon lange geschwächt, aber sein Geist lebendig, wie immer, und so hoffte und hoffte man, kein Anzeichen für das Hinscheiden war gegeben. In gewohnter Weise nahm er noch am selbigen Tage seinen Schiur in voller Frische und Freude.,Der man. schien auf ihn zu warten, er hat ja über den „lernenden" Jehudi keine Gewalt. Doch kaum der Schiur beendet, der Rabbi wari? gegangen, die trm lag noch auf dem Tisch — — — da geschah es. Aus dem Lernen heraus hat 'n ihn zu sich genommen. Man,.denkt mit Ergriffenheit, an die ähnliche Begebenheit von König Davids Tod. Nuv einem p'ix kann eine' nrv>» in dieser Art beschert sein. So hat sein nninnnpvn, seine Liebe zur Thora ihn his . zu seinen letzten Minutein begleitet und beschützt.,Und von diesem Geist durchweht war sein Unterricht den soviele seiner um ihn trauernden Schüler und Schülerinnen genossen und jetzt vermissen. Und wieder diese Liebe zur-Thora war es, die ihn — den mit einer sehr angenehmen Stimme begnadeten — befähigte, alsTnxrrb» fast vier Jahrzehnte seine Gemeinde zu erheben und als Vertreter ihre ni^sn dem Schöpfer zu reichen. Wie strahlte er — ein Schüler Friesländers Vxr — wenn von echtem, jüdischen Chasonus er hörte oder sprach. Seiner Liebe zur Thora reihte sich in vollem Maße seine Liebe zu Menschen an. Wie viele Wohltätigkeitsoeteine und ^Institute nennen-Herrn Lebermann b"*r ihren Wohltäter. Er konnte sich opfern für leidende Menschen, Kollegen, Witwen und Waisen, und er konnte wahrlich oft und viel helfen mit seinem klugen und durchschauenden Blick. Welche Innigkeit ihn mit seiner liebevollen Lebensgefährtin und seiner Familie verband, das weiß nur. wer um ihn lebte. Innigkeit und Herzlichkeit vermögen nicht nach außen zu dringen. Von seiner Familie, von uns allen scheidet er, der Mensch, der jehudi, die Persönlichkeit. Ein Stück Darmstädter Geschichte haben wir in ihm, unter strömenden Regen am Freitag nachmittag ' r-mPw 's 'p na» any zu Grabe getragen. Und als der pi« aus der Wohnung getragen wurde, da war der Wagen nicht zur Stelle, man stellte — ungewollt und unabsichtlch — den p>irr auf einige Minuten ins Lehrhaus. Es schien, der p»ix wollte noch ein kleines Weilchen an der Thorastätte weilen. Nun ist er von uns gegangen. Wenn seine n»m, die vom Lernen aus in die Höhe stieg, gefragt wird, woher sie komme, sie weiß mit < Genugtuung die schönste Antwort zu geben. Möge sie für die Familie und für ganz Jisroel ein n»i'p'dv sein. —g. Zakob Lebermann zum Gedächtnis. Der Führer der orthodoxen Lehrer Hessens ist dahingeschieden, ein Mann von idealer Gesinnung und vortrefflichem Charakter, der uns allen Muster und.Vorbild war und die Dankbarkeit gebietet, ihm hier ein Denkmal zu fetzen, zu zeigen, was er für feine Kollegen getan, ihm zur wohlverdienten Ehre, den Jüngeren unter uns aber als Ansporn und zur Nacheiferung. Lebermann trat zum ersten Male öffentlich hervor, als die Frage des Anschlusses an den Verband der jüdischen Lehreroereine auch in Hessen akut wurde. Er zeigte sich als entschiedener Gegner dieses Anschlusses, so lange der D. I. G. B. Sitz und Stimme im Verband besaß. Als es darüber zum Bruch und zur Gründung des „Unabhängigen Lehrervereins" kam, da wäre er der prädestinierte Vorsitzende gewesen, aber er lehnte die Wahl aus einem sehr: ..idealen Grund: ab: es sollte auch nHt der Sch'e i n geweckt werden, als ob der neue Verein1 unter dern Einfluß einer' Separatgemeinde und ihres Rabbinccks stehe, und er begnügte sich mit dem arbeitsreichen Posten des Schriftführers; an ihn wandte sich jeder, der irgend ein Anliegen, hatte. Will man seinen Verdiensten ganz gerecht werden,;.so muß man wissen, daß er dazu verürteilt war,^ unter, den d e.n.kb«r uii günst i a'skk n WrhMnWn'.M!'wirken. .Das hessische-Oudengefetz von i871"ist nicht ganz so schlecht wie sein Ruf, aber es hat die Regelung der jüdischen Gemeindeverhältnisse Len Kreis Lm t e r n übertragen, die ihrerseits den jüngsten Assessor damit betrauten und da die jüdischen Gemeinden eine sehr weitgehende Autonomie besaßen, waren die . Lehrer der Willkür und den Lauchen der Vorstände preisgegeben. Man hat dafür dach'Wort geprägt: der Parnes in der kleinsten Gemeinde besitzt eine größere. Gewalt als der Großherzog als fummus Episcopus: Hessen galt als das Refugium der ungeprüften Lehrer, denn diese begnügten sich mit einem Einkommen, das noch unter dem Cxistenzminimum lag. Daß hier reichlich Stoff für Konflikte und auch für Hilfeleistungen seitens unserer Organisation lag, bedarf keiner Erläuterung. Und Lebermann nahm sich in musterhafter Weise aller Bedrängten an. Er war ihnen Stütze und Helfer und Berater. Er erkannte aber sehr bald, daß der Fehler am System lag und er versuchte, seinen Kollegen grundlegend zu helfen. Am Sitze der Regierung , amtierend war ihm das leichter als jedem Anderen und seine ganze Persönlichkeit, die Klarheit und Sachlichkeit.^stler Darlegungen, machten bei den maßgebenden Referenten, stets den allerbesten Eindruck. Schon vor ihm hatte^ man das Ministerium angegangen, die Lage der Lehrer zu bessern und es zeigte sich dieser Forderung gegenüber durchaus wohlwollend, nur war es der Ansicht, .daß eine Neuregelung der jüdischen Gemeindeverhältnisse vorausgehen müsse und diese hinwiederum sei ohne eine Einigung der Orthodoxen und Liberalen unmöglich. Wie die Dinge in'Hessen nun einmal liegen, bedeutete diese Erklärung für uns die Vernichtung unserer Hoffnungen. Hier setzte Lebermanns Tätigkeit mit Erfolg ein, indem er nachwies, daß diese Auffassung der Regierung irrig sei und eine Hilfe für die jüdischen Religionslehrer sich auch auf dem Verordnungswege ermöglichen lasse. Und das Glück kam ihm dabei zu Hilfe. Oberlehrer Backes, der Obmann des hessischen Landeslehreroereins und ein warmer Freund der jüdischen Lehrer, kam in den Landtag und als Mitglied der damals allein maßgebenden nationalliberalen Partei verwandte er seinen Einfluß auf die Regierung, daß sie 1. die Bildung jüdischer Religionsschulsprengel verordnete, 2, eine neue, den modernen Anforderungen entsprechende Prüfungsordnung für ungeprüfte Lehrer herausgab, womit sie nur einer Bestimmung des alten Judeng-fetzes gerecht wurde und 3. den jüdischen Religionslehrern mit wöchentlich 20 Unterrichtsstunden die Rechte eines Volksschullehrers verlieh. Das Letztere war eine bedeutende, in Deutschland bisher noch ganz unbekannte Errungenschaft, auf die Lebermann sehr stolz sein konnte. Sie besaß freilich einen Schönheitsfehler: nur diejenigen Kollegen konnten definitive Anstellung erlangen, die entweder nie Schochtim waren, oder mit Einwilligung ihrer Gemeinden auf die Ausübung der Schechitoh verzichteten. Diese Voraussetzung traf aber nur bei einer verhältnismäßig kleinen Zahl, etwa 16—18, zu; die große Masse ging leer aus. Da bot sich eine neue Möglichkeit, um auch diesen zu helfen. Im Jahre 1906 legte die hessische Regierung den Landständen einen Gesetzentwurf, „die Verfassung und Verwaltung der israelitischen Religionsgemeinde betreffend", vor. Es war eine Zwangsorganisation und als solche für die orthodoxen Lehrer ebenso unannehmbar als für unsere Rabbiner, aber Lebermann hielt die glatte Verwerfung des ganzen Gesetzentwurfs für einen schweren Fehler. Derjenige Teil, der von der Regelung des jüdischen Religionsunterrichts und den Religionslehrern handelte, schien ihm, wenn auch in etwas abgeänderter Form, durchaus erhaltenswert. Darin war. nämlich nicht nur die Verleihung der Rechte -eines Volksschullehrers an jüdische: Religionslehrer gesetzlich verankert, sondern auch die Festsetzung ihrer Gehaltsbezüge, die Regelung Ihrer Pension und der Relikten-- versorgung usw. sollten „möglichst nach den für die Volksschullehrer geltenden Bestimmungen, nötigenfalls km. Verwaltungsstreitverfahren", erfolgen. Lebermann hatte die begründete Ueberzeugung, daß auch die Liberalen für eine vorläufige Regelung dieser Materie zu haben feien. Er drang mit seinen Ideen leider nicht durch. Das war die erste große Enttäuschung seines Lebens, aber sie vermochte nicht, seine Energie zu lähmen. Unter der Aexa des den jüdischen Lehrern sehr gewogenen Ministerialdirektors Eisenhut gelang ihm der Nachweis, daß sowohl in Bayern als auch in dem ehemaligen Kurhessen die jüdischen Volksschullehrer in ihrer großen Mehrheit die Schechita ausübten, ohne daß darunter, nach der Meinung ihrer Vorgesetzten, ihre Amtswürde und ihr Ansehen litt. Schon war die Regierung geneigt, bei der definitiven Anstellung jüdischer Religionslehrer die oben erwähnte hemmende Bestimmung fallen zu lassen, schon schien derWeg frei für die Beförderung einer ganzen Anzahl von Kollegen in den Landgemeinden, da erfolgte von liberaler Seite eine Eingabe im entgegengesetzten Sinne und sie hatte leider nur zu leichtes Spiel, denn in der Abteilung für das Erziehungswesen saß eine sehr einflußreiche Persönlichkeit. die an der Spitze der hessischen TierschutzveMne stand und als Schechitagegner galt! <^s war nur ein kleiner Trost bei diesem neuen Fehlschlag, daß es Lebermann gelang, für die jüdischen Religkonslehrer eine, wenn auch nur einmalige Kriegshilfe bei der Regierung durchzusetzen, so hoch man es

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