Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 71 (1930)
- Issue
- Heft 49 (4.12.1930)
- Date
- 1930-12-04
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 14 Nr. 49 Der Israelit 4. Dezember 1930 die eine, den Tallisbeutel in die andere Hand', sagte seiner Lea Gittel „a guten Tag", küßte die Mesuso und ging hinaus. Erst draußen überlegte und entschloß er sich, ob er den Weg gen Osten, den Njemen hinauf, oder westlich, der Grenze zu, nehmen sollte. Im elfteren Falle bedeutete es eine Wanderung bis tief in Südrußland hinein, vielleicht bis zum Kaukasus. Der Rechtsweg, über die Grenze, konnte, je nachdem, melleicht erst in Nord- oder Südamerika enden. Plötzlich, wie er gegangen war, kehrte er eines Morgens, vielleicht nach einem Jahre, vielleicht erst nach zwei oder drei Jahren, wieder, ging direktomang mit Stecken und Talisbeutel ins Beshamidrafch, als wäre inzwischen nichts geschehen und fragte, nach Hause gekommen, Lea Gittel, wo sie seine Tabakdose hingetan habe, die er, bevor er weggnrg, aufs Fensterbrett gestellt hätte. Als wäre er erst gestern für einen Tag vom Haufe fortgegangen, fing er gleich wieder da an, wo er damals aufgehört hatte. * (Fortsetzung folgt.) Tobias. Ein jüdisches Idyll. Uebersetzt von Saly Geis in Tel-Awiw. (Fortsetzung.) 8. Der Engel vertreibt den bösen Geist, und Tobias bleibt am Leben. Nach der Mahlzeit führten sie den Jüngling zu seiner Braut. Tobias gedachte nun der Worte des Engels, nahm aus seinem Reisefack das Herz und die Leber und warf sie auf brennende Kohlen. Nefael aber ergriff den bösen Geist und bannte ihn in die ägyptische Wüste. Tobias sprach zu seiner Braut: „Erhebe dich doch Sarah, wir wollen zu G'tt drei Tage, Tag und Nacht, flehen, daß Er uns Erbarmen gewähre!" Und sie beteten zu G'tt, sie von jedem Unfall zu bewahren. Um Mitternacht rief Reneil feine Diener und hieß sie ein Grab graben, denn er sagte sich, vielleicht treffe das Geschick der sieben Männer auch Tobias. Nachdem sie das Grab geschaufelt hatten, kam er zu seiner Frau und sagte zu ihr: „Schicke doch deine Magd, daß sie nachschaue, ob Tobias gestorben ist. Wenn es so ist, werden wir ihn vor dem Aufsteigen der Morgenröte begraben." Die Magd fand beide lebend und gesund und brachte diese Botschaft Reneil und seiner Frau. Sie lobten G'tt: „Dank und Lob sei dir, G'tt, G'tt Israels, daß du nicht tatst, wie wir fürchteten. Du hast dich in deiner Liebe unser erbarmt, hast weggeschafft den Bedränger unserer Seele und hast dich über diese deine beiden Kinder erbarmt. Nun, G'tt, unser G'tt, gib ihnen ein vollkommenes Herz, deinen Namen zu fürchten und deiner Liebe zu danken, damit alle erkennen, daß du allein G'tt bist auf der ganzen Erde und niemand außer dir!" Reneil befahl seinen Dienern, das Grab, bevor der Tag leuchte, mit Erde anzufüllen. Seiner Frau aber gebot er, eine Mahlzeit und einen Festtag zu veranstalten und allen Bedarf für die Reise vorzubereiten. Er selber schlachtete von den besten Ochsen zwei und vier Schafe und lud alle Nachbarn and alle Freunde zu der Mahlzeit ein. Als nun die Tage der Festmahlzeiten zu Ende waren, beschwor Reneil seinen Schwiegersohn, noch zwei Wochen bei ihm zu bleiben. Reneil teilte seine Habe, gab die Hälfte Tobias und überreichte ihm ferner ein Schriftstück, daß ihm die andere Hälfte nach seinem Tode gehöre. 9. Die Entsendung des Engels zu Goweil. Tobias rief den Engel, den er für einen Menschen hielt und bat ihn: „Mein Bruder Asarjah, höre doch auf meine Stimme! Deine Liebestaten mir gegenüber haben mich für immer dir verpflichtet und ich habe dir nicht vergolten, wie es sich gebührte. >2etze deine Liebe noch fort, indem du von den Knechten und den Kamelen nimmst und Goweil in Regosch in Medien sein Schriftstück bringst, das Silber von ihm nimmst und ihn zu dem Mahle einladest, das. ich bereiten werde. Ich weiß, daß mein Vater die Tage meines Verzögerns zählen wird und wenn ich die Zeit, die er mir gefetzt hat, überschreite, ich sein Leben verkürze. Du weißt, auch, daß mein Schwiegervater mich beschworen hat, noch einige Tage bei ihm m bleiben und ich ihn nicht zurückweisen konnte." ^er Engel nahm von den Dienern Reneils vier und zwei Kamele und ritt nach Regosch. Er fand Goweil, gab ihm sein Schriftstück zurück und nahm das Silber. Dann erzählte er ihm die Begegnisse Tobias', des Sohnes und lud ihn zu dem Mahle ein. Als nun beide in das Haus Reneils kamen, sah sie Tobias und eilte ihnen entgegen. Sie küßten einer den anderen, Goweil weinte ' am Halse Tobias', lobte G'tt und sagte: „Es segne Dich G'tt, der G'tt Israels, denn der Sohn eines geraden und makellosen Mannes bist du! Auch deine Frau sei G'tt gesegnet, und auch deine Eltern seien gesegnet! Es gebe auch G'tt, Kinder und Kindeskinder zu sehen, und auch das dritte, auch das vierte Geschlecht! Alle eure Nachkommen mögen von G'tt, dem G'tte Israels, dem Herrscher von Ewigkeit zu Ewigkeit, gesegnet werden!" Alle stimmten mit „Amen" ein. Dann setzten sie sich, zu essen und zu trinken, und ihre Freude vor G'tt war eine vollkommene. (Fortsetzung folgt.) Ainderecke. Das Mäuschen. Von Hermann Seckbach in Frankfurt a. M. Shirt sagt mal, liebe Kinder, ihr habt doch gewiß Angst, wenn ein Mäuslein plötzlich vor eueren Augen erscheint und dann flugs über Bant und Tisch klettert, um sein Versteck wieder aufzusuchen. Huh, was ist das ein Schreck! Wenn ihr nun glaubt, so waskönnte in euerer Schule gerade nicht Vorkommen, denn es seien gar keins Mäuse bei euch, dann irrt ihr euch. Vor einigen Tagen erst, war so ein Mäuschen — ein recht freundliches — bei mir und erzählte mir so manches von euch. Ganz verdutzt sah' ich erst das Mäuslein an und fragte es: „Ja, kennst du denn die Kinderchen alle, und haben sie dich gesehen?" „I wo," sagte es, „ich werde mich schön hüten, am Tage mich vor ihnen zu zeigen. Aber des Abends, da hüpfe ich aus meinem Schlupfwinkel heraus und schau mich mal ein bischen um, was im Schulhaus vorgeht." „Na, was geht denn abends in der Schule vor?" fragte ich erstaunt. „Ja", sagte das Mäuslein, „dq gibt's viel zu erzählten. Gerade dieser Tage, als ich abends uus meinem Mauseloch .herauskrabbelte und auf meinem Spaziergang in die Aula gelangte, fand ich diese hellerleuchtet vor, so '.daß ich armes Mäuslein mit der Angst zu tuen bekam, man könnte mich erblicken. Zum Glück war hinter dem Ofen eine geschützte Ecke, und von da aus beobachtete ich neugierig. was in dem Saal noch so spät sich ereignenstr würde." „Na, liebes Mäuslein, was hat sich denn nun ereignet?" Und weil ich das Mäuslein schön streichelte und recht zutraulich machte, Hub es an, mir zu erzählen: „Also, da war eine Elternversammlung, bei der alle Lehrer und Lehrerinnen, die ich von meinem .Versteck aus kenne, zugegen waren. Soviel ich ihren Worten entnehmen konnte, wurde über „Erziehungsfragen" gesprochen. Ach, du lieber Himmel, was mutzte ich da alles erfahren! Eine Mutter sprach lange und dringllch über all die lieben und manchmal ach nicht lieben Kinderchen, und gerade die letzteren machen doch, wie ich so hören konnte, den Ellern und den Lehrern viel Sorgen. Und die Mutter erzählte, daß sie, um diese Sorgenlast zu mindern, von Schule zu Schule gegangen sei, um zu hören und zu sehen, wie man mit den nicht braven Kindern am besten zurechtkommen könnte. Irgend eine Strafe ist doch wohl nötig! Er, ei, dachte ich, warum machen denn die Kinder auch solche Geschichten, daß abends so spät noch Eltern und Lehrer ihretwegen Zusammenkommen müssen! Ich habe doch als Mäuslein in viele Häuslichkeiten Einstatt 2uqaben:..Qual ist und bleibtder Beste! blick und sehe die Not der Zeit in den Häusern dev Armen und sehe aber auch die Sorgen und Lasten, die oftmals vorhanden sind, wo schöne, prächtige Räume zur Verfügung stehen. Da wäre es schon gut, wenn der Wille bei den Kindern auskommen würde, sich zu bemühen, ordentlich und folgsam zu sein. Und «wenn schon Kinder in der Schule sich mal einen Fehler oder gar etwas recht Unschönes zuschulden kommen lietzen, dann sollte die Strafe dafür ihnen zeigen, datz sie dies oder jenes nicht hätten machen dürfen. Die Schule des Lebens bringt es mit sich, datz man manchmal hart angepackt wird, jedoch später, viel, viel später, da kommt man zw dem Ergebnis, datz auch dieses wenig schöne Erlebnis der Kinderzeit vielleicht notwendig war. Und wenn die fürsorgende Mutter, die ich sprechen hörte, von irgend einer Schule erzählte, in der eine Klasse einen kleinen Sünder dadurch bestrafte, datz "sie ihn einige Zeit bei ihren Spielen abseits stehen ließ, so scheint es mir doch, datz, wie ich meine Kinder kenne, es ihnen lieber ist, für ein begangenes Unrecht mal „angehaucht" zu werden, und dann ist sofort die „Geschichte" erledigt. Das gleiche sagte auch eine andere Mutter." „Ach. wie recht hast du doch, du liebes Mäuslein. Denke dir. gerade jüngst war ich mit einem alten Schulfreund zusammen, und er erzählte mir so manches aus seinen Jugendjahren. Nach vielen Jahren hörte ich jetzt erst, wie schwer, wie entsetzlich schwer seine Kindertags waren, und welche Anstrengungen es ihn kostete, sich im Leben durchzudringen. Gar manches Unerfreuliche berichtete er mir von seiner Schulzeit, aber dennoch, so meinte er, hätte, gerade dieses ihn gefestigt und gestärkt. Als schwerste Kränkung aber hätte er in Erinnerung, datz ein Schulkamerad seine Schwäche benutzte, ihn bei den andern lächerlich zu machen, und so sein damals trauriges Los noch verschlimmerte. Nicht wahr, liebes Mäuslein, so was kommt doch jetzt nicht mehr vor, und die Kinder werden gewiß heute einen armen Jungen, der durch häusliche Not besonders zu leiden hat, den Aufenthalt in der Schule desto schöner gestalten. Sucht maw den Weg zur Seele des Kindes, dann wird manches verschwinden, was Eltern und Lehrern Sorge bereitet." Ich weiß nicht, wie lange meine Unterredung mit dem Mäuslein noch gedauert hat, denn plötzlich fing 'der Wecker neben mir an zu schnurren — rrrrr — es war Zeit zum Ausstehen. Ja. was war denn das? War nicht ein Mäuslein bei mir? Was meint ihr, liebe Kinder, hatte — ich — geträumt? Jämiliennachrichlen. Barmizwo: Ernst, Sohn des Kantors Rud. Hellmann, Dinslaken am 13. Dezember avi nviv- Im Jahre 5691, in diesem schweren Winter der Not und des Sparens, ist es ganz besonders erfreulich, datz die bekannte Kunstgewerbestube I. West heim, Frankfurt a. M., Schwanenstraße 6 es verstanden hat, im Anpassung an die Zeit zu außerordentlich niedrigen Preisen Chanukahspiele, Gesellschasts- und Beschäftigungsspiele, Jugend- und Kinderbücher, sowie Chanukahleuchter in schönen kunstvollen Formen auf . den Markt zu bringen. Die Chanukahausstellung, deren Besichtigung jedem Interessent ohne Kaufzwang frei steht, ist sehr zu empfehlen. Sie zeigt Typen neuer Chanukahspiele, die ganz im Sinne des ehrwürdigen „Trendel" im heiteren Spiele dem Kinde unvermerkt jüdische Lebensinhalte übermitteln. Richtige pädagogische Befähigung der Eltern wird mit solchen Chanukahspielen und guter Lektüre es verstehen, die Chanukahtage zu Tagen des Ehinnuch, der Erziehung und Einführung des Kindes, hin zum jüdischen Ernste zu gestalten. Es ist schwer für Kinder das passende Festgeschenk zu wählen, denn jedes Kind zeigt andere Neigungen. Aber eines haben alle Kinder gemeinsam, und das ist die Freude am Malen und Modellieren! Wer also bestimmt das Richtig wählen will, der besuche das altrenommierte Farb ench aus Jenisch, Hirschgraben 15 (neben Goethehaus) und wähle aus dessen reich sortiertem Lager an Mal- und Modellierkästen, (Siehe Inserat) Verantwortlich für den allgemeinen Teil und das Feuilleton S. Sch achnowttz, fsrankfurt a. M.; Inserate i. D.: S. Schachte owitz, ebenda. — Für die pädagogische Beilage: Lehrer L. Kaufmann, in Sprendlingen (Kr. Offenbach). — Verlag des Israelit und Hermon <B. nt. b. H., Frankfurt a. M. -- Druck: Sermon-Druckerei, Frankfurt a. M.