Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 71 (1930)
- Issue
- Heft 49 (4.12.1930)
- Date
- 1930-12-04
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2446951-2450600-2450648--77462-2535122- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 10 Nr. 49 Der Israelit Wohnräume der Weiblichen Fürsorge. Seit Jahren bietet die Weibliche Fürsorge im Erwerb stehenden Franen und Mädchen zu billigen Preisen eine Wohnunterkunft, die ihren Insassen zu einem Heim: geworden war. Um dies zu erreichen, waren zweckmäßige Wohnung und Wohngegend selbstverständliche Voraussehungen. Beide waren bei der Gründung der Wohnräume im Jahre 1913 vorhanden. Im Laufe der letzten Jahre hatten sich aber unbehebbare Mißstände herausgestellt, die ein längeres Verbleiben in den alten Räumen unmöglich machten. Bevor eine Verlegung ins Auge gefaßt wurde, ergab sich die prinzipielle Frage, ob angesichts der vielen z. Zt. in Privathäusern frei stehenden Zimmer die Existenzberechtigung der Wohnräume noch bejaht werden könnte. Die ernste Prüfung dieser Frage brachte das Ergebnis, daß die Wohnräume heute — und gerade heute — besonders notwendig sind, sodah sie neu errichtet werden mühten, wenn sie nicht bestünden, denn auch, damals bei ihrer Gründung war es nicht der Mangel an Privatzimmern, der sie entstehen lieh. Es war der Wunsch, im Erwerb stehenden Frauen und Mädchen,. die losgelöst von ihrer Familie in der Großstadt leben, bei geringen Ausgaben ein „zu Hause" zu schaffen, das sie bei den ger . Wohnraum der Weiblichen Fürsorge. gebenen Bedingungen wohl niie selten in ein Privathaus finden könnten. Der heute ungeheure Kampf um die wirtschaftliche Existenz läßt den Wert des Rückhaltes, den ein „zu Haus" bietet, als Gegengewicht vor allem für Jugendliche erheblich steigern. Aus diesen Gründen hat sich die Weibliche Fürsorge trotz großer Schwierigkeiten entschlossen, die Verlegung der Wohnräume vorzunehmen. Es ist ihr gelungen, .Bäckerweg 26 geeignete Räume zu finden, die hübsch sind wohnlich eingerichtet worden sind und mehr zeitgemäßen Komfort bieten. Freundliche Möbel in kräftigen Farben t vermitteln einen freudigen Eindruck der behaglichen Zimmer. Er wird durch Bilder- und Pflanzenschmuck erhöt, und ein geräumiges Wohnzimmer lädt zu gemütlichem Zusammensein ein, dem es in den freien Sranoen der Mielerinnen dienen soll Roch mehr als seither werden in Zukunft Freitag Abende und Festtage festlich begangen werden. Mancherlei Pläne liegen außerdem vor, deren Ausführung die Wohnräume zu einem kleinen Mittelpunkt jüdischen Lebens werden lassen können. Und wir brauchen solche „Punkte" heute mehr denn je! Paula. Nassauer-Niedermager Das Konzert Httschmann. Wenn das mit Spannung erwartete Konzert Herfchmann nur teilweise befriedigte und eine gewiße Verstim'-- mung hinterließ, so war es nicht Schuld des Künstlers, als vielmehr seiner Berliner Mentoren, die glaubten, mit einer widerlichen Prpaganda amerikanischer Aufmachungen die Leute in den Saal zu zwingen. Das immer wiederkehrende Wort vom „jüdischen Caruso" „Caruso des Omud", oder: „Wilna kann ohne Brot sein, aber nicht ohne Herschmann!" solche und ähnliche Geschmacklosigkeiten waren schon dazu angetan, manch einen vom Konzertsaale fern zu halten. Wenn der große Saalbau, bis auf die Lücken in den vorderen Stuhlreihen, im ganzen doch besetzt war, so beweist das, daß der Name Herschmann stark genug ist, um natürlichen Widerwillen, hervorgerufen durch einen falsch verstandenen und schlecht aufgezogenen „Amerikanismus"^ überwinden zu lassen. Die Leistung Herschmanns wäre zwar kein „Ersatz für Brot" gewesen, aber so, daß man gus seine Kosten gekommen ist. Herschmannist ein Sänger und Chasan von großem Formate. Die goldene Höhenlage erinnert an Caruso, das Piano an Joffele Rosenblatt. Im Uebergang und Aufstieg von Unten nach Oben ist er weder der eine noch der andere, dafür ist das Organ zu wenig ausgeglichen. Demgegenüber ist aber Herschmann, wenn er will, ein ganz vortrefflicher östlicher Chasan mit einem herrlichen, plastisch beschreibenden Rezitativ. Das bewies fern „Boruch Haschem bajom" und die künstlerische Fassung der echten Lernmelodie im „Elu Dewörim". Er ist darüber hinaus ein Artist von vollendeter Kunst (der Artistenchasan ist merkwürdigerweise, im Osten nicht unbeliebt), das zeigte er in einigen seiner jiddischen Volkslieder. Besonders schön und wirksam mit seinem farbooll unterstrichenen Humor war das Lied von den „Viererlei Jüden", nicht minder schön und gemütvoll die bei uns schon öfters gehörte Auseinandersetzung zwischen Rabbi Menasche: und seiner Frau Slate Dwosche. „Das jüdische Lied", eine Art Potpourri verschiedener Synagogenmelodtelit ■ klang weniger an unser Herz an, weil die markierten Melodien nicht die unserer süddeutschen Synagogen, sind. Dafür ent-- schädigte mit seiner Gefühlstiefe das Lied- „Im Cheder". Der Dankesbeifall war groß und bewirkte Einlagen und Zugaben. Eine Abschiedsfeier für den polnischen Generalkonsul. Eine illustre Gesellschaft aus der Mitte der hiesigen polnischen Kolonie, fand sich am Samstag abend im Hotel Imperial zu einer Feier, einer Kundgebung der Wehmut und Dankbarkeit, zusammen, die dem von hier scheidenden polnischen Generalkonsul Dr. Sylwestra Grusziky galt. Dr. Grusziky ist der Typus des neuen Polen in seiner Eeistesaristrokatie, ein Europäer von hoher. Bildung, humanistischer Weltanschauung und einer politischen Einstellung,- die von Religion oder Konfession gezogene Grenzen für Menschenrecht nicht kennt. Die hiesige polnische Kolonie, insbesondere aber die polnischen Juden, hatten in ihm in ihrer vielfachen Not stets einen Berater und treuer Helfer. Das wurde ihm an seinem Ehrend abend durch mehrere Redner dankbar attestiert. Der Generalkonsul selbst bedankte sich in einer längeren polnischen Ansprache, in der er feierlich gelobte, auch in seinem neuen Wirkungskreise in Paris in gleichem Geiste zu wirken und, soweit es in seiner Macht steht, die polnische Politik nach der Richtung der Menschlichkeit und des Rechtes zu beeinflussen. Wenn die polnischen Auslandsvertretungen diesen Weg gehen, so handeln sie ganz im Sinne der Zentralregierung in Warschau, die mit aller Macht und unter Mitwirkung auch der Juden an einer Konsolidierung der Verhältnisse auf der Grundlage der vollen Gleichberechtigung arbeitet. Die Feier war von dem „Komitee polnischer Staatsbürger", für das die Herrn R o s e.n w a s s e r , Wodowsky Walfisz und Kraus zeichnen, veranstaltet. Außer Herrn Rosenwasser hielten noch zwei Herren vom Komitee und andere Teilnehmer herzliche Ansprachen. Ausspracheabend der Agudas Jisroel-Jügendgruppe zur Vorbereitung des Delegiertentägss. Im Rahmen der Ausspracheabende über aktuelle Probleme spricht am Dienstag, den 9. Dezember LO-V^ Uhr im Heim (Schwanenstr. 12) Jakob Landau über „Biologie und Historie." Anschließend sprechen Hans- Esriäl Hildesheimer und Albert Loewenthal über „Die Umwandlung der Agudas Jisroel-Jugendorganisation". Freie Aussprache. Gäste sind willkommen. Hieran schließt sich eine außerordentliche Mitgliederversammlung an. Tagesordnung: Wahl der Frankfurter Delegierten zum D. T. Wahlrecht haben nur Mitglieder der Gruppe. Wahlvorschläge sind bei dem Vorstand bis spätestens 9. Dezember 1930 vorm. 12 Uhr einzureichen. Jugend und Altere. Am Montag, den 17. November, sprach Herr Direktor Dr. Elias iw der Agudistisckfen Frauenortsgruppe über „Jugend und Alter". Der Redner geht aus von dem Grundverhältnis zwischen Eltern und Kindern, wie es sein soll, beruhend auf völliger Hingabe und kindlichen Vertrauen, auf'der Güte der Macht und dem Anlehnungsbedürfnis der Schwäche, auf der Ueberlegenheit des Gewordenen und Fertigen und der Demut des Unfertigen und im besten Falle Werdenden. So kann es aber nicht bleiben und so ist es auch nirgends mehr. Der Prozeß des Ueberganges vom alten Geschlecht zum neuen geht nicht ohne Umbildung vor sich, der Gegensatz ist blutmäßig, seelisch, geistig und gesellschaftlich. Nachdem Redner diese Spannungen ausführlich gezeichnet hat, kommt er auf die intellektualistische Einwirkung der Schule, auf den nivellierenden, nicht nur die Stände, sondern auch Altersklassen gleichmachenden Zug unserer Zeit, auf den Geist kritischen Räsonierens und psychoanalytischer Welt- und Lebensdeutung zu. sprechen, die alle gegen die ideale Gestaltung des Verhältnisses von Kindern und Eltern sich auswirken. Aber auch wo dieses Verhältnis auf anders, reine geistige Grundlagen gestellt wird, wie sie das Judentum vorsieht, kann nicht verhindert werden, daß Denk- und Lebensformen der Söhne und Töchter unter die Räder nachdrängender, miteinander ringender Jugendreihen geraten, deren Kampf sich außerhalb der Wände des Hauses abspielt. Redner schildert im zweiten Teil seines Vortrages diesen Kampf aus dem Boden der Gesellschaft und des Volkes, im Dienste des nach ^Fortschritt ringenden Geistes, oder eines gegen die Auswüchse der Zivilisation sich aufbäumenden Naturgefühls. Ellern und Kinder, Ileberlieferung und Zeitgeist, Alter und Jugend, Lehrer und Schüler können erst dann wieder in Harmonie miteinander gebracht werden, wenn sich beide vom Wesen des wahren Jungseins erfüllen lassen. Voll des Bewußtseins von der llnvoltendbarkeit aller Irdischen, der llnfertikeit alles Werdenden und im Anlehnungsbedürfnis an den Väter alles Seienden, erfüllt der Jugendgeist des Judentums Unt der Ahnung weiter Möglichkeiten und der Gewißheit kommender Dinges, die über alles hinausgehen, was Menschenkraft vermag. Der Vortrag fand das lebhafteste Jnterejsse und reicher Beifall der Anwesenden dankte dem Redner für seine wissenschaftlichen und inhaltsreichen Ausführungen. Die jüdische Mutter. Am Montag, den 24. November, sprach Herr Konrektor Albert Hirschberg im Hörsaal der I. R. G. über die jüdische Mutter einst und jetzt. Redner verstand es in warmen tiefempfundenen Worten uns ein Bild der . ' v - 4. Dezember 1930 Stammutter, ein Bild von der Frag des 16.. Jahrhunderts, der Frau der.'Vorkriegszeit und der Frau von heute vor Augen zu führen. Es war für alle Anwesenden^sehr interessant, die. Wandlungen der Zeiten an Hand , der Ausführungen des Referenten mitgu erleben. Trotz aller äußerer Umwandlungen hat doch das alte jüdische Frauen- und Mutterideal alle Zeiten überdauert, wenn sich auch die Formen nach außen hin geändert haben. Möge der Wunsch des Referenten, daß das alte jüdische Ideal der Frauen und Mütter mit der modernen, jüdischen Frau in höchster Harmonie sich gestaltet, in Erfüllung gehem Das Chänukahfest des Esra. Das Fest des Frankfurter Esrä am Mittwoch, den 17. ds. findet wegen starker Anmeldung im großen. Saale des Zoologischen Gartens statt. Eintrittskarten sind noch zu haben. Arbeitsjubilaum. . Herr Wolf R 0 s e n b e r g , Schuhmachergeselle im Betriebe der Firma Louis B ä r , Obermain Anlage 20, sieht aus eine ununterbrochene 2 5 jährige T ätig - keil im gleichen Betriebe zurück. In Anerrkennung treu geleisteter Dienste überreichte die H a n d w e r k s kam - m e r für den Regierungsbezirk, Wiesbaden in Frankfurt a. M. Herrn Rosenberg eine Ehrenurkunde. Hort für jüdische Mädchen. > Von der Jüdischen Frauenvereinigung wird uns milgeteilt, daß im Hort für jüdische Mädchen neben der Jugendleiterin noch eine P r a k t i k a n t i n .Anstellung finden könnte. Anmeldungen sind an Frau Henriette Besthoff, Palmstraße erbeten. Eine Anerkennug für den „Hasomir". Vom „Ausschuß für künstlerisch hochstehende V e ran st a l t U n g e n" zu Frankfurt a. M. bekam der. jüdische Männergesangverein „Hasomir" (Dirigent Leo Rosenblüth) unter dem? 25. November 1930 ein Schreiben, .in dem ihm bescheinigt wird, daß das am 1. November 1930 im Sa alb au unter Leitung Leo R 0 s e n b l ü t h s ä b g e h a l t en e Konzert als „künstlerisch hochstehende Veranstaltung a n er k an n t" ^w i r d. «MSMSWSSS^SSSSSSSSSSMSSISSSMSSSSSSSSSSSSSS» - Frankfurter Vereinskalender. Verein Mekor Chajim. Sonntag morgens nach Schluß der Synagoge (ebenso Mittwoch) nur "w Herr Red. Schachnowitz — vormittag 8 Uhr (ebenso Samstag eine Stunde vor Nacht), Gemoro Herr I. Soffer — vormittag 9i/4 (ebenso Montag abends 61/2 Uhr) Gemoro, Herr R. A. Gerson Posen. Sonntag abends 6 Uhr „Schulchan Aruch", Herr Rabb. Jos. Horowitz. Montag morgens pach Schluß der Synagoge (ebenso Donnerstag), Mischna Mitgliederlernen—abends 7 Uhr (ebenso Mittwoch), Gemoro, Herr Rabb. Dr. Jos. Breuer. Dienstag morgens nach Schluß der Synagoge (ebenso Freitag) Mischna, Herr Dr. E. Posen. Freitag abends nach Schul, im Hörsaal, Mikro, Herr Dr. R. Rothschild. Samstag morgens nach Schul, im Hörsaale, Dinim, Herr Dr. Elieser Posen — nachmittag 3/4 Stunde vor Mincho im Vereinslokale Melochim, Herr Dr. W. Hofmann — abends ^9 Uhr, Newiim, Herr Studr. Dr. Marcus Lange. Von Montag bis einschl. Freitag morgens nach Schul, , im Sitzungszimmer, Gemoro Herr Dr. S. Ehrmann. Jeden abend 8 3/4 Uhr, im . Vereinslokäl Schaßlernen, Herr H. Holpern. Jahrzeitsstiftnngen. Montag, 8. Dezember^ Julius Mayer, Siegfried Jeidel, . Betti Hirsch-Stiftung. > - Agudas Jisroel-Äugend- und Mädchengrüppx. - Sonntag: 11—12 Daf Jaumh Dozent Herz Holpern, 19—20 Sefer Chinuch, Dozent Rabb. Jos I. Horowitz, Dieser Schiur findet nunmehr im Amtszimmer des Herrn Rabbiners statt. - Montag: 20'/2 — 211/2 Schiur für Jugendliche (Awaudo Soro), Dozent Rabbiner Josef Horowitz. 20.45 — 22 Mischna Seder Maued, Dozent Gerson Schnerb, Kantstr, 4. 201/2 — 22 Hilchaus Schabös, Dozent B. Rachelsohn, Zeil 2. Dienstag: 20 — 2iy4 Gemoro Bowo Kamo, Dozent Dr. Hofmann, Eschenheimer Anlage 1. 21 — 22 Gemoro Brochaus, Dozent B. Wollmann. 21—22 (14 tägig) Arbeitsgemeinschaft „Die Ideologie der Agudas Iisroel", Leitung Dr. W. Hofmann, Eschenheimer Anlage 1. 203/4 — 22 (14 tägig)' Ausspracheabende über aktuelle Probleme, Leitung Jakob Landau. Mittwoch: 201/2 - 21'/2 Schiur für Jugendliche, (Awaudo Soro) Dozent Rabbiner Josef I. Horowitz. 20.45 — 22.15 . Gemoro Kiduschin, Dozent Dr. I. Posen, Hölderlinstr.9. 20.45 — 22.15 Gemoro Makkaüs, Dozent Hermann Bing. 21 —22 Dinim, Dozent Leopold Oppenheimer, Bärenstraße 12. . Donnerstag: 20.45 — 22 Arbeitsgemeinschaft „Religions- Philosophie", Studienrat Max Munk. Schabbos: 71/2 Frühminjan. 9.45 —11.30 Gemoro Ktdüfchin, Dozent Dr. I. Posen, Hölderlinstr. 9. 10;30 r- 11.30 Schulchan Aruch Dozent Louis Kahm 12 — 13 Daf Iaumi, Dozent Herz Holpern. 14.30 —7-15:30 Gemoro Bowo Kamo, Dozent Dr. W. Hofmann. 14.45 —17 Gemoro Makkäus, Dozent Hermann Bing. 15 — 16 Gemoro Brochaus, Dozent P. Wollmann. 15.30 — 16.30 Schulchan Aruch, Dozent Th. Spiegel,