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Der Israelit · 1930-11-20 · Heft 47 (20.11.1930) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
71 (1930)
Issue
Heft 47 (20.11.1930)
Date
1930-11-20
Page
– (sequence 1)
Language
German
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20. November 1930 29. Marcheschwan 5691 fmil Ein Centralorgan Kr das orthodoxe Judentum V f II Dearündet oon Dr. Lekimann in Mainz. 111 a Begründet von Dr. Lehmann in Mainz. Abonnement ab Juli 1929: Deutschland 1.30 Mark monatlich: Ausland: Bterteljahrpreise (entsprechend dem deutschen Inlandspreis zuzüglich Kosten des Streifband-Versandes) Deutfch-Ssterretch: Schilling 6.—; Amerika 1 Dollar; England 4 sh.; ab 1 Juli Frankreich 23 Fr.; Belgien ab 1.7.27. Belga 5.; Holland 2 fl.; Italien ab 1.1.28.18 Lire; Jugoflaoten 55 Din.; Litauen 7.50 Lit.; Rumänien ab 1. 7. 27. 150 Lei; Polen 4 deutsche Goldmark zum Tageskurs oder 7 Zloty; Schweiz 5 Fr.; Tschecho-Slowakei 25 Kronen; Ungarn Pengö 5 ab 1. Juli 1927; Dänemark 3.50 Krön.; Norwegen 3.50 Krön.; Schweden 3.50 Krön. - Einzelnummer vierzig Goldpfennige. . Der Israelit erscheint jeden Donnerstag. Inserate 60 Goldpf. für die stebengesp altene Nonpareille-Zeile. Abonnenten zahlen bei Stellengesuchen und Familienanzetgen nur 40 Pf. Die 75 mm breite Reklamezeile: letzte Textseite 2.— Mk., vorletzte Textsette 250 Mk.; Chiffregebühr in Höhe eines dopp. Fernbriefportos. Rabatt nach Tarif. Bet laufenden Jnserataufträgen tartfm. Preiserhöhung jederz. Vorbehalt. Jnferatenannahme durch den Verlag des Israelit G. m. b. H., Frankfurt a. M.. Rechneiarabenstraße 7. Tel. Hansa 21081 sow. durch sämtl. Annoncen-Exped. d. In» und Auslands. Alleinige Inseraten«»!». für Franks. Geschästsanz.: Jul. Schmidt, Langestr. 7, H, Tel. Hansa 25865. Platzvorschr. ohne Verbindlichk. äahlungen direkt an den Verlag auf Postscheckkonto Frankfurt (Main) Nr. 183SS. — Airtzrrdenr an: Postsparkasse Wien Nr.79805. — Postsparkassenamt Budapest Nr. 18424.— Postscheckkonto Warschau Nr. 190787. — Postscheckamt Zürich Nr. 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Angesichts der besonderen Bedeutung, die der gefetzestreuen Judenheit der Slovakei vermöge ihrer straffen Organisation und der Intensität ihres religiösen ^Lebens im Bereiche der Gesamtheit zukommt, schemt es uns von besonderem Interesse, an Hand dieses Berichtes, der sich durch eine außergewöhnliche Offenheit auszerchnet, die Problematik des gesetzestreuen Judentums in der Slovakei von allgemeinen Gesichtspunkten aus einer Betrachtung zu unterziehen. Wir glauben, daß die Orthodoxie aller Länder daraus sehr viel lernen kann. ' Beginnen wir mit dem, was ja letzten Endes für die Existenz und die Zukunft jeder jüdischen Gemeinschaft entscheidend ist, mit der Jugend, ihrer Erziehung und' ihrer Vorbereitung für das geistige und wirtschaftliche Leben der Gemeinschaft. Da ist vor allem die gar nicht genug zu würdigende Tatsache zu unterstreichen, daß in der kleinen Slovakei noch heute, in einer Zeit schwersten wirtschaftlichen Ringens, nicht weniger als 2500 junge Leute, die Jeschiwoth besuchen. Von den Thoralehranstalten der Slovakei verfügen 5 über eine Besucherzahl zwischen 180 und 220, zwei Jefchiwoth haben 130—160 Bachurim, drei werden von 170, sieben von 40, vier von 25 Talmidim oesucht, 14 Jefchiwoth haben je 20 Zöglinge, wozu Hann noch 500 Bachurim in den verschiedenen Äeschiwoth in Karpathö-Rußland treten, über' die statistische Daten nicht gegeben werden. Kann man, solange derartige Ziffern für den guten Geist, der die slovakische Orthodoxie beherrscht, Zeugnis oblegen, über die g e ist i g - religiöse Zukunstsentwicklung der Gemeinden einigermaßen beruhigt sein, so weist der Bericht der Landeskanzlei mit Recht auf die beängstigenden Perspektiven hin, die sich sür die wirtschaftliche Versorgung dieser ganz dem Geistigen hingegebenen Jugend eröffnen. In der Slovakei ist durch ein mit der Praxis des Lebens in einem geradezu unbegreiflichen Widerspruch stehendes Gesetz für die Ausübung der meisten Berufszweige eine 4—7 Jahre dauernde theoretische und praktische Sondervorbildung obligatorisch vorgesehen worden (ein Glück, daß man nicht auch nach .von jedem Spezereihändler-Lehrling ein Abitur verlangt), so daß ein junger Mensch, der etwa die Zeit vom 13. bis 18. oder 19. Lebensjahr in einer Jeschiwo zugebracht hat, 24 bis 26 Jahre werden müßte, bevor er überhaupt anfangen kann zu verdienen, um die Grundlagen für eine Hausesgründung zu schaffen. Wenn von den Zöglingen der Jefchiwoth 10 bis 15 Proz. als vnp ihr Unterkommen finden, 20 bis 30 Proz. aus bemittelten Häusern stammen und mit Unterstützung ihrer Eltern sich eine Existenz schassen können, bleiben immer noch 60 Proz. übrig, die als vollendete Luftmenschen dastehen, wenn die organisierte Hilfe der Gesellschaft ihnen nicht auf irgend eine Weise die Möglichkeit schasst, während der Studie n j a> h r e g l e ichzeitig die nötige Vorbildung für einen praktischen B e r u f zu erwerben. Rach dieser Richtung gehen nun die Bemühungen der Landeskanzlei und der übrigen Organe der orthodoxen Religionsgesellschaft. Man denkt an Handelskurse, wobei jedoch die Leitungen der Jeschiwoth vielfach noch immer Bedenken dagegen geltend machen, daß die Konzentration aus mwn nivb durch irgend welche geistige Nebenbeschäftigung gefährdet werde. Aber diese' Handelskurse allein wurden, wie der Bericht mit gutem Rechte bemerkt, gar keinen Wert haben. Es ist unmöglich, den Nachwuchs der Judenheit immer wieder in die tausendfach übersetzten und zum Untergang verurteilten Kleinhandelsberufe hinemzupresfen; es muß vielmehr unter, asten Umständen versucht werden, von. Jugend auf eine erzieherische Beeinflussung nach der Richtung des H a n d w e r k e s und der technischen Berufe vorzunehmen. Die Landeskanzlei hat darum schon lange ihr Augenmerk auf die Gründung von G e w e r b e s ch n l k l a s s e n gerichtet, und es wäre wirklich des Schweißes der Edlen wert, gerade in der Slovakei unter dem Drucke des ungeheuerlichen Gewerbegesetzes und andererseits kraft der Vorteile einer festen zielbewukrten Organisation ein jüdisch-orthodoxes Gewerbeschulwesen zu schassen, das für andere Länder vorbildlich werden könnte. Wir sind fest davon überzeugt, daß bei einem mutigen, mit starker Initiative eingeleiteten Vorgehen und wenn im Lande selbst die äußersten finanziellen Opfer für ein solches soziales Werk gebracht würden, auch die großen Organisationen des Auslandes ihre Hilfe nicht versagen würden. Das gleiche Problem steht in allen Ländern heute zur Diskussion und schreit nach einer baldigen befriedigenden Lösung. Hoffen wir, daß die Slovakei dabei bahnbrechend vorangeht. Daß die Erhaltung der Jeschiwoth selber nach der finanziellen Seite kein weniger drückendes und bedeutungsvolles Problem darstellt, bedarf keiner Erwägunge Erst in den letzten Tagen ist ja gemeldet worden, daß zu diesem Zwecke ein Verein in der Slovakei ins Leben gerufen worden ist, dem es hoffentlich gelingt,. die materiellen Grundlagen für das blühende jüdische Geistesleben des Landes und für die Rettung der Lernenden vor Hunger und Entbehrung zu sichern. Die überragende Stellung, die im Gesamtkomplex der öffentlich-jüdischen Fragen der Slovakei die Jeschiwo un'd alles, was mit ihr zusammenhängt,. einnimmt, hat die führenden Männer der Organisation nicht gehindert, auch den übrigen Schichten der Bevölkerung ihre Aufmerksamkeit zuzuwenden. Das jüdisch-konfessionelle S ch u l w e s e n leidet empfindlich unter dem Mangel geeigneter, gründlich vorgebildeter gesetzestreuer Lehrkräfte. Die Gründung einer Lehrerpräparandie würde, wie es schon im alten Ungarn -der Fall war, wahrscheinlich schwere Konflikte mit bestimmten chassidischen Gruppen der Ostflovakei Hervorrufen. Man hat darum durch Verhandlungen mit den staatlichen Behörden erreicht, daß an den staatlichen Seminaren jüdische Zöglinge ausgenommen werden.

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