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Der Israelit · 1930-11-13 · Heft 46 (13.11.1930) · page 14

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Journal
Der Israelit
Volume
71 (1930)
Issue
Heft 46 (13.11.1930)
Date
1930-11-13
Page
– (sequence 14)
Language
German
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WWW WWW» Seite 14. Nr. 46 Der Israelit 13. November 1930 so stürmisch", pflegte Rabbi Jechiel sie zu beruhigen. „Schächten ist kein Schusterhandwerk. Miß : Ihr, was es bedeutet, Reb Jtzik, ein Gefchöp- G'ttes töten? Wir töten es nicht, wir führen es in ein höheres Leben ein, daß Juden essen und Kraft haben für den Dienst G'ttes. Gemach! Das Messer muß scharf sein und glatt wie ein Spiegel. Man muß sich weihen, wie der Priester für den Altar ..." Und Jtzik, der Kazew, war auch Jude, gab Rabbi Jechiel recht und schämte sich der Este. (Fortsetzung folgt.) Tobias. Ein jüdisches Idyll. Ueberfetzt von Saly Geis in Tel-Annw. (Fortsetzung.) S. Tobias, der Sohn, geht im Auftrag seines Vaters nach Medien, und ein Enget G'ttes begleitet ihn. Tobias antwortete seinem Vater: „Alles, was du zu Mir gesprochen hast, werde ich -tun. Allein, ich weiß nicht, wie das Silber zu verlangen; der Mann kennt mich nicht, und ich kenne ihn nicht. Wo ist das Zeichen, das ich ihm geben soll, wenn er meinen Worten nicht glauben will? Auch kenne ich nicht den Weg." Da erwiderte ihm sein Vater: „Sein Schriftstück ist doch bei, mir! Zeige es ihm; er wird dir das Silber nicht verweigern. Gehe! Ich werde dir für Lohn einen vertrauenswürdigen Begleiter suchen, um zu dem Silber noch während meines Lebens zu gelangen." Tobias ging auf die Straße. Siehe, ein Jüngling stand ihm gegenüber, schön an Gestalt, die Lenden gegürtet und im Begriff, seinen Weg fortzusetzen. Tobias wußte nicht, daß er ein Engel G'ttes war, bot ihm dien Friedensgruß und sagte: „Wer bist du, mein Freund?" Der Jüngling antwortete: „Von den Bnei Jisrael bin ich." Da fragte Tobias: „Kennst du den Weg nach Medien?" Er erwiderte: „Ich weiß ihn, denn schon zwei oder drei Mal habe ich das Land durchzogen und bin eingekehrt in das Haus unseres Bruders Goweil in Regosch, welche Stadt auf den Bergen Achmeta in Medien liegt." Da sprach Tobias zu dem Jüngling: „Bleibe doch stehen, bis ich mit meinem Vater geredet habe!" Tobias ging und erzählte das Erlebnis seinem Vater. Dieser erstaunte und rief den Jüngling. Als nun der junge Mann zu dem Greise trat, segnete er ihn mit den Worten: „Es gebe dir G'tt ein frohes Herz!" Tobias aber antwortete: „Was soll mir die Freude? Siehe, meine Augen sind dunkel, die Sonne leuchtet mir nicht!" Der Jüngling tröstete: „Hoffe auf G'tt, er wird dir helfen!" Tobias sprach: „Wenn du mit meinem Sohn nach Regosch in Medien zu meinem Bekannten Goweil gehen willst, werde ich dir deinen Lohn geben." Der Engel antwortete: „Vertraue ihn mir an; ich werde ihn hinführen, und ich werde ihn in Frieden zu dir zurückbringen." Tobias fragte ihn nun nach Familie und Stamm. Er entgegnete: „Genug, daß du für deinen Sohn einen Genossen gefunden hast! Zu welchem Zweck fragst du nach meiner Familie? Jedoch, damit du keine Sorge für. deinen Sohn habest, wisse, daß mein Name Asarjah ben Cha-' nanjah ist." „Fürwahr, da bist du aus einer Familie, die Männer von Namen zählt! Zürne nicht, daß ich dich gefragt habe!" Darauf der Engel:-„Gesund und unversehrt werde ich deinen Sohn zu dir zurückbringen und vor dich hinstellen!" Tobias beendete nun das Gespräch mit den Worten: „Gehet zum Frieden! Möge G'tt seinen Engel vor euch schicken, euch auf dem Wege zu behüten!" Tobias, der Sohn, bereitete alles für die Reise Nötige, küßte Vater und Mutter, — und sie gingen. Da erhob seine Mutter mit Weinen ihre Stimme. „Sieh doch," sprach sie zu ihrem Manne, „du hast uns die Stütze unseres Alters genommen, indem du ihn wegschicktest. Zlch, hättest du doch Geld, dann hättest du jetzt oeinen Sohn, deinen Einzigen, nicht non uns fortgelasien! Haben wir nicht geschwiegen in unserm Elend; haben wir unfern Sohn nicht Vermögen und Reichtum vor-' gezogen?" Tobias tröstete seine Frau: „Höre auf, über deinen Sohn zu weinen, denn G'tt wird seinen Hinweg und seinen Rückweg bewachen, und deine Augen werden ihn sehen, wenn er im Frieden heimkehrt. Ich vertraue auf G'tt, daß er seinen Engel mit ihm schicken wird, ihn auf dem Wege zu führen und seinen Weg gelingen zu lassen, so daß er fröhlich zurückkehren wird." Da schwieg die Frau still. Tobias und der Engel unterwegs. Tobias hob seine Füße auf und ging, und fein Hund lief mit ihm. Am ersten Tage kam er bis zum Fluß Chidekel. Er wollte seine Füße baden; doch, siehe, ein großer Fisch schwamm mit offenem Maule auf ihn zu, um ihn zu verschlingen. Tobias erschrak gar sehr und rief mft lauter Stimme:. „Wehe, ich werde verschlungen!" „Strecke nur deine Hand aus, ergreife ihn an seinen Flossen und ziehe ihn aufs Trockene!" befahl ihm der Engel. Er tat also. Der Fisch aber sprang nach seinen Füßen. Da sagte zu ihm der Engel: „Zerschneide ihn in der Mitte und nimm dir das Herz, die Galle und die Leber, denn sie sind gut als Arznei." Er tat nach seinen Worten. Dann brieten sie von den Stücken des Fisches, und den Rest salzten sie als Vorrat für die Weiterreise ein. Tobias fragte den Engel: „Willst du mir die Kraft der Fleischteile mitteilen, die du abseits gelegt hast?" Er antwortete: „Wenn du von dem Herzen auf brennende Kohlen legst, bis der Rauch hinaufsteigt, wird sein Rauch jeden bösen Geist von Mann oder Frau vertreiben, so daß er ihm nicht mehr schaden kann. Die Galle aber'dient als Heilmittel gegen den Star, indem man die Augen damit bestreicht." Tobias fragte weiter: „Wo werden wir für die Nacht einkehren?" Der Engel erwiderte: „Es gibt hier einen Mann Reueil. Er ist von deiner Verwandtschaft. Er hat eine einzige Tochter, Sarah genannt, aber keine Söhne. Wer seine Tochter zur Frau nimmt, erbt seinen ganzen Besitz. Darum erbitte sie von ihm, und er wird dir sie geben." Darauf Tobias: „Ich habe von ihr gehört, daß sie sieben Mal verlobt war, und daß alle sieben Männer durch einen bösen Geist starben. Wenn auch mich ihr Geschick treffen würde, würde ich das ganze Haupt meiner Eltern in Kummer in die Gruft bringen, denn ich bin ihr einziges Kind." „Höre, mein Sohn," sprach der Engel, „ich will dir sagen, über wen der böse Geist herrschen kann. Ueber alle, die G'ttes Wort verachten und im Frevel ihres Herzens wandten! Wenn du dich verloben willst, heilige dich drei Tage im Gebet zu G'tt und dann wirf die Leber des Fisches auf glühende Kohlen! Der böse Geist wird weichen!" (Fortsetzung folgt.) Provinzialrabbiner Dr. Solomon Vamberger r &t in Hanau. Zu seinem 10. Iahrzeikslage am 24. Marcheschwan. Am 24. Marcheschwan 5681 (5. Nov. 1920) hauchte Salomon Bamberger, erst 51 Jahre alt, seine Seele aus. In der Synagoge war es, just im Momente, da er sich zum Morgengebete rüstete. Die plötzliche Abberufung dieses Mannes der Lehre und der jüdischen Arbeit mitten aus seinem tatkräftigen Wirken heraus löste allgenuine Trauer aus, die bei der Bestattung in Hanau spontan zum Ausdrucke kam. Auch in Frankfurt fand, veranstaltet vom Mekor Chajim, eine imposante Trauerkundgebung statt. Zehn Jahre sind seitdem veri flössen. Aus dem Krefe um Rabbi Jizchok Halevy, der sich seinerzeit zur Pflege der jüdischen Wissenschaft im besten und jüdischsten Sinne zusammengetan hat, ist mit Jonas Bvndi in Mainz vor anderthalb Jahren der letzte dahingegangen. Keiner aus dieser Gruppe begnadeter Menschen wird uns vergessen bleiben. Die starke Persönlichkeit Bambergers ist uns gegenwärtig, feine Schriften sind uns offen und wirken auf uns mit nngeschwächter Kraft ein. Hiermit sollen einige Züge aus der Biographie und dem Lebensbilde Bambergers noch einmal kurz in Erinnerung gerufen werden. Salomon Bamberger bn war ein Frankfurter Kind. Er wurde am 3. Aw 5629 (10. Juli 1869) geboren. In seinen Adern floß das Blut zweier ehrwürdiger jüdischer Geschlechter. Sein Vater, R. Seckel r, war Der erste Dajan der Israelitischem Religionsgesellschaft, seine Mutter Julie i>"i eine würdige Tochter des Colmarer Raws. Sein Großvater väterlicherseits war der Würzburger Raw R. Seligmann Bär Vamberger b"t, fein Großvater mütterlicherseits, der Oberabbiner Salomon Klein bn in Colmar. In einer von echt jüdischem Geiste erfüllten Atmosphäre wuchs der hochbegabte Knabe heran. Spielend bewältigte er die ihm gestellte DoppelcufgaDe, sich in min und profanem Wissen "auszubilden. Vom Vater wurde er schon in frühester Jugend in das jüdische Schrifttum eingeführt. 1887 begab er sich nach der Reifeprüfung zu seiner weiteren Ausbildung nach Berlin, wo er.sich 7 Semester aufhielt. Er studierte klassische und noch mehr semitische Philologie. Aber die Hauptsache blieb ihm auch dort das „Lernen". Bei 9t Abraham Biberfeld bn vertiefte und erweiterte er fein talmudifch-rabbinifches Wissen. Ende Februar 1891 promovierte er in Leipzig. Seine Dissertation: „Maimonides Kommentar zum Traktat Kitajim", zum ersten Mole im hebräischen Urtexte herausgegeben mit verbesserter hebräischer Uebersetzung und Anmerkung, erhielt das Prädikat magna cum laude. Nach Ableistung seines Dienstjahres beendigte er feine rabbinische Ausbildung in Frankfurt und übernahm im Februar 1894 das Rabbinat der Religionsgesellschaft in Bingen. Im Juli 1895 vertauschte er diese. Stellung mit dem Rabbinate des 17 Gemeinden umfassenden Distriktes Burgpr-ppach in Unterfranken, und damit wurde ihm die Leitung der an dem gleichen Orte befindlichen Präparondenfchule „Talmud Thora" übertragen. In Dem weltabgeschiedenen Oertchen fand er 5% Jahre seine Befriedigung im Arbeiten und Studieren. In Burgpreppach begründete er sein Haus, er vermählte sich mit der ihm gleichgesinnten Tochter des verstorbenen Waienhausdirektors Dr. Königshöfer bn in Fürth. Im Jahre 1900 erging an ihn der Ruf nach der Heimat, und im Januar 1901 siedelte er nach Hanau über, wo er als Rabbiner der Stadt Hanau und des großen Bezirks gleichen Namens bestellt wurde. Sein Bezirk erstreckte sich über 32 Gemeinden, und die Rabblnatsgeschäfte nahmen sehr viel Zeit und Kraft in Anspruch. An Treue gegen G'tt und seine Wahrheit, in Festigkeit und Zuverlässigkeit, in Friedensliebe, in Unergennützigkeit und Pflichterfüllung hat er in Hanau 20 Jahre seines Amtes gewaltet. Aber feine Tätigkeit reichte weit über sein engeres Arbeitsgebiet hinaus. Der Veröffentlichung der verschiedensten jüdischen Werke hat er durch meisterhafte Textrevision unschätzbare Dienste geleistet. Cr war Schriftführer der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft. Mit unvergleichlicher Sachkunde, in Selbstlosigkeit und Opserwilligkeit wirkte er als Redakteur des wissenschaftlichen Jahrbuches dieser Gesellschaft. Die beiden ersten Bände enthalten je eine Arbeit Vambergers mit dem Titel: „Die neuesten Veröffentlichungen aus dem arabischen Kommentar des Makmonides". Er veröffentlichte ferner eine Abhandlung: „Sadducäer und Pharisäer in ihren Beziehungen zu Alexander Jannai und Salome". Er betätigte sich als Herausgeber des nachgelassenen Werkes seines früh verstorbenen Freundes Dr. Kottek | bn, der „Geschichte der Juden". Und dann war er der beste Interpret.^ des unvergeßlichen Jizchok Halevy bn. Die Forschungen dieses Großen in Israel hat er der Mitwelt zugänglich gemacht. Für die Herausgabe von Halevys n’nwtnn nnn fjat er eine Kleinarbeit geleistet, die von Außenstehenden gar nicht gewürdigt werden kann. Während der Kriegsjahre hat er in vorbildlicher Weife als Seelsorger in den Garnisonen, in den Lazaretten und Gefangenenlagern seines Provinzialbezirkes gewirkt. Im Landrabbinat, im Vorsteheramt, in den Rabbinervereiniaungen, denen er angehörte, in der „Freien Verliiligung für die Interessen des orthodoxen Judentums" (es fei nur auf seine Tätigkeit in Militärangelegenbeiten und Organisationsfragen hingewiesen), im „Bund gesetzestreuer Gemeinden" war er eine angesehene Persönlichkeit, eine hervorragende Arbeitskraft. Er wirkte im Dienste der Lehrerfortbildung, er war ein eifrige Mitarbeiter in Agudas Jisroel, in all den Jugendorganisation, deren Ziel es ist, nun fair,*» zu fein. Mit feinem Takte arbeitete er auf dem Gebiete der Wohltätigkeit, warm schlug sein Herz> für das Werk der Deutsch-holländischen Palästinaverwaltung, für alles, was die Interessen von px berührte. Sein Geist wird in all seinen Werken fortleben. rraxjfi Verantwortlich für den allgemeinen Teil und das Feuilleton S. Schachnowitz; Frankfurt a. M.; Inserate 1. B.: S. Schachnowitz, ebenda. — Für die pädagogische Beilage: Lehrer L. Kaufmann, in Sprendlingen (Kr. Offenbach). — Verlag des Israelit und Hermon ®. nt. b. H., Frankfurt a. M. — Druck: tzermon-Druckerei, Frankfurt a. M.

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