Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 71 (1930)
- Issue
- Heft 46 (13.11.1930)
- Date
- 1930-11-13
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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} vrziepuflg i t/ PädaqojisJje Beil Grgan -es Kun-es gesehestreuer Mischer Kehrer Deutschlmcks. Asnaelif Berantwortlichs Schriftleitung: L. Kaufmann, Sprendlingen (Kreis Offenbach). Hebräischer Unterricht und Theaterspielen. Von H. Mandelbaum in Hamburg. Theaterspielen in der Schule kann in zweierlei Hinsicht betrachtet werden: einmal gleichsam als Selbstzweck zur Entwicklung der schöpferischen Darstellungs¬ und Gestaltungsfähigkeit des Kindes, zur Verfeinerung und Veredlung seines seelischen Einfühlungsvermögens, zum anderen als Mittel zum Zwecke einer lebendigen, mit Lust und tätiger Anteilnahme erfolgenden Verarbeitung eines wertvollen Stoffes. Es soll im folgenden das Theaterspielen nur von dieser zweiten Richtung her angesehen werden, ohne damit der schulmeisterlichen Betrachtungsweise vor. der erzieherischen einen Vorrang geben zu wollen. Mag auch' der Schulmeister noch so gewissenhaft sich über Wert und Aufgabe, Zweck und Richen Gedanken machen, für das Kind bleibt das Spielen doch freie Bewegungs- Und Entfaltungsmöglichkeit, bleibt Lust und Freude- Tätigsein und innere Anteilnahme. Aber der Lehrer soll sich Gedanken machen, damit nicht letzten Endes auch die Schulmeisterei Schaden leidet. Noch enger will ich meinen Gesichtswinkel stellen: Nur vom hebräischen Unterricht aus will ich das Theaterspielen betrachten. Welche Bedeutung hat das Spiel für das Erlernen der hebräischen Sprache, für das Erfassen des Inhalts, wie soll und wie kann das hebräische Theaterspielen gestaltet werden? Es ist noch nicht sehr lange her, seit auch im hebräischen Anfangsunterricht neue Wege bestritten werden, Bahnen, wie sie von der Entwicklung pädagogischen Denkens und Strebens der letztert Jahrzehnte gewiesen wurden, Pfade, an derem Rand Lust und Freude der Kinder erblüht. Mit denen sie spielend dahin eilen, wo im Eifer wie in frischer Luft die Wangen sich, röten und die Kräfte gemessen werden. Freilich hatte es der hebräische Unterricht auch ungleich schwerer, den Anforderungen, die das erzieherische Gewissen und der pädagogische Wille an ihn stellt, gerecht zu werden. Es gilt neben der Sache auch das Wort zu lehren, den Wortunterricht aber wollte man doch gerade fliehen, um am Leben der Dinge das Kind wachsen zu lassen. Um so mehr muß der Unterricht alle Mittel ergreifen, um diese gefährliche Klippe ohne Schaden umschiffen zu können, muß die Wortsorm mit dem lebendigen Stoff der konkreten Sache füllen, dem Satz den lebendigen Sinn des zum Ausdruck drängenden Gedankens verleihen. Wie für das Wort die Sache, so ist für den Satz das innere Mittun, das eigene Handeln, Denken, Fühlen, die notwendige Anschauung, die allein geistiges Wachstum verbürgt. Wo aber bietet sich anderswo außer in der Wirklichkeit noch so leicht die Möglichkeit zu innerem Beteiligtsein am gesprochenen Wort, als wenn das Kind die Wirklichkeit nachspielt?. Das Spiel ist Wirklichkeit und das dabei Gesprochene entspringt dem Drang, sich zu äußern, sich verständlich zu machen. Das ist natürliche Sprachübung, das ist Sprachenwert mit innerem Wachstum. Will die neue Arbeitsweise im Elementarunterricht nicht den Teufel der Langeweile sinnloser Buchstabenkonglomerate mit dem Beelzebub leerer Wortplapperei verteiben, so muß der Lehrer stets sein waches Auge darauf richten, daß mit dem Wort auch der Inhalt im Kinde lebendig werde. Vorbeugung aber war noch immer das beste Schulmittel. Immer wieder die Reihe, die -Wirklichkeit oder, deren Abbilder, das Bild und das Spiel v o r das Wort' setzen. Dann kleidet sich der Inhalt in die zugehörige Fonch dann^birgt ^die Schale auch einen wirklichen Kern. -Diese Mühe darf nie gescheut werden, je öfter sind je länger sie aeübt. wird, desto sicherer und für die geistige Entwicklung gefahrloser ist der Weg so früher Sprachaneignung. Zu früher Verzicht auf ständige Anschauung (der Dinge sowohl, wie des aktiven Beteiligtseins an der Wirklichkeit) ist der Krebsschaden unserer Schule, gegen den die Pädagogen aller Zeiten angekämpft haben, den wir bei unvoreingenommener, schonungsloser Kritik immer und immer wieder auch bei uns entdecken müssen. Aber ankämpfen muß jeder, gegen das Uebel, das leider allzu natürlich bedingt ist durch das Verhältnis des Lehrers als eines Erwachsenen zum Schüler als eines Wachsenden, ankämpfen dagegen mit aller Kraft und allen Mitteln. Das Kriterium eines guten Lesestückes für die hebräische Fibel und die darauffolgenden Hilfsbücher liegt daher in der Möglichkeit handelnder Darstellung, und der weitgehendsten Erfassung der kindlichen Wirklichkeit. Denn nicht Darstellen allein, sondern sich darstellen erst bildet den Grund für natürlichen Sprachgebrauch und Sprachaneignung. In meiner Fibe» nmm mm und deren Fortsetzung nnmt nns (Verlag M. W. Kaufmann, Leipzig) war es mein eifriges Streben, dieser Forderung gerecht zu werden. Es soll aber und muß auch diese Möglichkeit der handelnden Darstellung voll und ganz neben oder besser vor der ausgiebigen Benutzung der Bilder ausgeschöpft werden. Immer und immer wieder spielen lassen, vor dem Hund weglaufen, den Schabbostisch decken, aus den Berg steigen, mit Steinen bauen, den Kranken besuchen, Lehrer spielen, Geburtstag feiern, für nav vorbereiten ufw. Immer darstellen und dabei das Sprechen üben. Aber das ist dock alles kein Theaterspielen? Fehlen doch Szenenwechsel Zuhörer, Kulissen, Vorhang und was die anderen Dinge des Theaters noch sind! Gemach! Auch von diesem Theaterspiel will ich sprechen, war sogar meine Hauptabsicht zu sprechen, vom hebräischen Theaterspiel auf der Schulbühne bei irgendwelchen passenden und unpassenden Gelegenheiten. Jedoch auch das Theaterspiel auf der Schulbühne steht für meinen schulmeisterlichen Blick an keiner anderen Stelle der Unterrichtsarbeit als das Darstellen der jeweiligen Unterrichtsarbeit in der Klaffe. Man sollte lieber eine Gelegenheit laufen lassen als ein Spiel an allen Haaren herbeiziehen. Die Schule legt ihre Ehre darein, alles, was sie tut 'und treibt, organisch wachsen zu lasten. Auch das Schulspiel soll aus der Unterrichtsarbeit herauswachsen, soll, wenn es nicht seine Blüte sein kann, so doch wenigstens einen Zweig davon bilden. Die Schule soll auch in ihren Feiern, nicht der Propaganda wegen, sondern mit Rücksicht auf ihren sittlichen Willen nach Einheit, Geschlossenheit, Charakter Art und Richtung ihrer Arbeit zum Ausdruck bringen. Habe ich den Unterricht auf handelndes Darstellen gegründet, übe ich unsere hebräische Sprache in verwirklichendem Spiel, so darf ich gelegentlich das Spiel auch weiter gestalten, daß es zur Veredlung einer Feier (wie jede Arbeit veredelt) dienen kann. Man muß allerdings dem Spiel, auch wenn es noch so heiter ist, die zielstrebige Arbeit ansehen, sie soll eigene Arbeit der Schüler zeigen (Drill richtet sich von selbst!), muß allerdings, wenn sie wertvoll sein soll, die geschlossene Wirkung eines einheitlichen künstlerischen Willens aufweisen. .. An einem Beispiel will ich etwas eingehender erläutern, was ich damit meine. Meine Jungen, mit welchen ich meine meine Arbeit in der Elementarklasse begonnen hatte, haben nun das 4. Schuljahr beendet. Wie im 2. Teil unserer Fibel m^n n mm zu finden ist, begannen. wir mit der Josefsgeschichte die Texte des vmn' um dann im 3. und 4. Schuljahr die vorhergehenden Geschichten zu lesen. Wir standen nun bei der Geschichte pViaip»? Die Entlassungsfeier gab mir Gelegenheit, die Geschichte darstellend zusammenzufasten. So entstand das Spiel pn»' mVin nVs das nachstehend abgedruckt ist . . . - Kinderbesonders diefet Altersstufe, haben noch nicht genüg der.seelischen Erfahrung, die den- Künstler befähigt, packend zu gestalten, wirklichkeitswahr darzustel- >len. Soll irgend eine ungekünstelte Wirkung erzielt werden, so darf nicht mit feinem Pinsel gearbeitet werden; in breiten Flächen, wie der Reklamemaler, muß man auftragen. Das Spiel des kleinen Schülers darf nicht ein Plagiat des Erwachsenenspiels fein, vielmehr sollte es sich sein Vorbild im Puppentheater suchen, in den wirkungsvollen, grotesken Bewegungen der Holzpuppen und deren auf Fläche, nicht auf Raumtiefe berechneten Gruppenanordnung. Abgesehen von allen psychologischen Gesichtspunkten, auf die ich nicht näher eingehen will, verlangt schon der darzustellende Stoff eine Annäherung an das Groteske. Oder wem käme es nicht grotesk vor, wenn Kinder Erwachsene spielen sollen? So kam es mir daraus an, im Stück selbst die auftretenden Personen in ihren charakteristischen Eigenschaften, Esow als stolzen, gewalttätigen Jäger, Lowon in seiner gierigen Geldsucht mit einem großen Sack, den er immer begehrlich öffnet ufw. zu gestalten. Immer wieder werden durch stereotyp auftretende Verse diese Eigenschaften unterstrichen. Grotesk der Name von Esows Hund wiain aba a^>a, gtotesk die Kleidung, grotesk das, was sonst über die Bühne kommt: Eine rote Stoffbull-, dogge, die auf Rädern rollt, an Fäden gezogen, den Esow beim Kommen und Gehen, nachfolgt; vier weihe Schäfchen aus Pappdeckel geschnitten, auf Brettchen geleimt, rutschen als Herde von vier Hirten aus Choron über die Bühne, alles Kleinigkeiten, die sich folgerichtig in die Linie des Ganzen einreihen. Szenerie? Kulissen? Alles unnötig. Auf lange Bahnen Packpapier ist ein Rahmen für die Bühne (zwei zusammengestellte Tische) geschaffen. Mit bunter Kreide haben wir rechts ein orientalisches Haus, links einen Brunnen mit großem Stein darauf, mit charakteristischer Palme, alles im Reklamestil gehalten, ausgezeichnet. Die Querbahnen oben und unten füllt die Inschrift j?nx» imbm nV«. Vorhang? Die Verwandlung geschieht auf offener Szene. Für den kranken pn*' schiebt sich ebenso langsam ein Stuhl herein, wie er nach dessen Weggang wieder verschwindet. Noch etwas erscheint mir wichtig. Man sollte bei einem Spiel, das eine Klaffe zeigt, möglichst alle beteiligen. Ich helfe mir gewöhnlich damit, daß ich auch das Publikum am Spiel beteilige. Etwa einen Chor aus dem Zuhörerkreise auf eine Frage von. der Bühne her antworten, einen Refrain, ein Schlagwort mitsprechen lasse; so bei diesem Stück Esows Ruf aVa aVa laiainunb das, was von abwesenden Personen hätte gesprochen werden müssen. Sehr wirkungsvoll kommt durch einen solchen Sprechchor die. Rhythmik der Sprache unserer nun zur Geltung, besonders, wenn man, wie ich es diesmal versuchte, die Melodie der Tonzeichen dabei benutzt. Auch beim einzelnen Sprecher tritt dieser Rhythmus stark hervor, wenn der Text nur langsam und einem Puppelpiel entsprechend, stilisiert gesprochen wird. Die Hirten sangen ihr Lied gemeinsam, mit gleichmäßig steifen,! tanzartigen Bewegungen, antworteten, sich erhebend einer nach dem anderen auf Jaakobs Fragen und deuteten dann alle, einer schräg hinter dem anderen stehend, auf die ankommende i-rn- Diese kurzen Andeutungen mögen genügen, um klarzustellen, was ich mit der Anlehnung an das Puppentheater meinte. Im einzelnen wird jeder Aehnliches für weitere Ausgestaltung finden. Man achte bei jedem Bühnenbild auf gute Verteilung im Rahmen und gute Wirkung der Gruppierung. ein Gefühl, das man ja auch beim Schreib¬ und Zeichenunterricht immer wieder zu pflegen sucht. Woher die Zeit? Ich gebrauchte zur Einübung des Stückchens nicht mehr wie vier Unterrichtsstunden; der Inhalt allerdings war ja das Ergebnis der vorhergehenden Unterrichtsarbeit. Die vier Stunden aber haben sich gelohnt: denn so lebendig wie nach dem gut vorbereiteten Spiel, wären den Jungens die Worte der n-no selbst durch eine darstellende Behandlung aus dem Stegreif in der Klasse nie geworden. - -r ’-i;.VW i-.ii J