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Der Israelit · 1930-11-06 · Heft 45 (6.11.1930) · page 17

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Journal
Der Israelit
Volume
71 (1930)
Issue
Heft 45 (6.11.1930)
Date
1930-11-06
Page
– (sequence 17)
Language
German
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6. November 1930 Wenn es einzelne Agudisten gibt^ die an einem Misrachisten kein gutes Haar lassen, so ist das deren Privatvergnügen, das der Agudas Jisroel unmögOch zur Last gelegt werden kann- - Und wenn solche heftigen Kllnoim uns auch mattchesmal Schwierigkeiten Machenfa dürfen' rdir doch nicht verkennen, daß äuf der anderen Seite sehr leicht auch die Politik der Kompromisse und der Konnivenz nach der linken, d. h. nach der zionistischen Seite, zu großen geistigen Gefahren für die Jugend führen könnte. - Ichweiß nicht, in wie weit meine Ausführungen geeignet sind, Ihre. Anschauungen zu; beeinflussen; jedenfalls habe ich mich für verpflichtet gehalten, Ihnen die Gedanken zu skizzieren, die mir beim Lesen Ihres Briefes gekommensind. Empfangen Sie die herzlichsten Grüße Ihres Sie hochschätzenden i j|!! -- - B. A. Neue Formen der Mädchenerziehung irn jüdischen Osten?) Bon Cva Landsbetg in Krakau, Dozentin am Zentral- -institüt Beth Jacob.? 7 .. Hie, hier geschilderte Arbeit - in den , grauenhaften Elenbsquartieren der unterernährten, ansgepowerten Müssen des Ostens! verdient angesichts ihrer ' '*■ Schwere und Bedeutung besondere Beachtung. ..... , WeW Ävir einem größeren -Kreise die Beth Jacob-Bewegung erklären, als eine Mä'dchenfchulorganisation, welche das Ziel hat, die weibliche Jugend im Geiste der jüdischen Tradition und des allgemeinen Bildungsideals heranzubilden, so ist die Erklärung, so geläufig sie uns auch geworden, weit entfernt, das eigentliche Wesen dieser Bewegung zu erschöpfen. Sehen wir in einer trockenen Statistik, daß, unsere Arbeit schon heute weit über 20.000 Jugendliche erfaßt (meist aus den untersten Volksschichten), und daß sich in absehbarer Zeit diese Zahl verdoppeln, verdreifachen wird, so bietet sich uns der Ausblick auf ein fast unübersehbares Arbeitsfeld zugunsten des jüdischen Volkswohles. Es ist genügend bekannt, wie schlecht die hygienischen Bedingungen gerade im Osten sind, ein. wie erschütternd großer Prozentsatz der Bevölkerung, an Tuberkulose und all den Krankheiten leidet, die in engem Zusammenhang mit schlechten Lebensbedmgungen stehen. Es ist hier auch nicht der Ort, die Gründe dieser schlechten Bedingungen aufzurollen (ungünstige Wohnungsverhältnisse, Arbeits- und völlige Verdienstlosigkeit), wir wollen, vielmehr versuchen, auszuweisen, wieweit wir ermöglichen, unseren Teil dazu beizutragen, die hygienischen Bedingungen zu verbessern und damit den Gesundheitszustand der Masse zu heben. Unsexe Beth ^Jacob-Arbeit erfaßt das Kleinkind im Kindergarten, das Schulkind der Beth Jacob-Schule und das berufstätige Mädchen in unseren Abendkursen und! Mädchengruppen, und so bietet sich uns reichlich die Möglichkeit, Belehrung^ Aufklärung.und. Hilfe in die hier im Osten in hygienischer-iBeziehung noch nicht aufgeklärte Masse hineinzubringen. — Wir ziehen das Kleinkind aus den meist ungelüfteten, unfaubern, dunklen Zimmern seines Elternhauses heraus und bringen es in unfeye Kindergärten, gewöhnen es an Sauberkeit, Körperpflege und gewähren ihm den Aufenthalt in frischer Luft in dem den Kindergärten angegliederten Garten. Die Kindergärtnerin, die in besonderen Kursen bei uns. ausgebildet wird, soll gleichzeitig in Verbindung mit dem Elternhaus stehen und ähnlich der Arbeit unserer Schulfürsorgerin in Deutschland auch in den Häusern für Sauberkeit und normale Verhältnisse sorgen. Sehr oft vermittelt die Kindergärtnerin ärztliche Hilfe und sorgt besonders für gesundheitlich gefährdete Schulkinder für rechtzeitige Behandlung. So ist es nun durch die großzügige Hilfe eines deutschen Gönners ermöglicht worden, in Städten wie *) Aus dem im Verlage von Jacob Sternlich, Dresden A. 1, erschienenen Sammelwerk „Hygiene und Judentum". x Der Israei i t Blatt e r Krakau und Warschau, die infolge ihrer Bevölkerungsdichte wahre Brutstätten von Volkskrankheiten sind, einer großen Anzahl.vhn 'Kindern den ganzen Winter hindurchj.. Höhensonn-enbestrahluntzdtt verabfolgen-zu könrEMJm Sommer sorgen hgysi'unsere Kolonien für gründliche Er- ■ij&iimg. Kömmt das Kmd vom Kindergärten in unsere Beth Jacob-Schule, dann übernimmt nun die Lehrerin die weitere Fürsorge. Unsere Besh Jacob-Lehrerin,, besonders, wenn siein einer kleinen Stadt arbeitet', hat immer einen weit größeren Wirkungskreis als die Lehrerin irgend einer anderen Schule. Neben dem Unterricht steht auch sie in dauerndem Kontakt mit dem Elternhaus (durch Elternabende usw.) und wirkt in schon vorher beschriebener Weise für das Wohl der Kinder. Die Lehrerinnen, die in unserem Zentralinstitut in Krakau ausgebildet werden, haben bei einer Aerztm besonderen Unterricht in Hygiene, sie lernen, bei eventuellen Unglücksfällen erste Hilfe zu. leisten und werden durch Vorträge und zweckdienliche Führungen usw. besosiders Unterrichtet, .wie sie am besten für die ihnen Änv'erttauten' Sorge tragen können. Im Unterricht wird den Schulkindern besonders in Verbindung mit religiösen Geboten die Notwendigkeit klar gemacht, ihren Körper zu schützen, und ihnen gezeigt, wie.,sie durch saubere Körperpflege, urrd richtige Fürsorge (vernünftige Ernährung) ihre Gesundheit fördern. Besonders in den Ferienkolonien, wo wir die Kinder ganz in unserer Obhut haben, bietet sich uns. die Gelegenheit, sie in ihren täglichen Gewohnheiten erzieherisch zu beeinflussen. Mit 14 Jahren verläßt das Kind Me Schule Und kommt nun ins Berufsleben. In fabrikreichen Gegenden, wie z. B. Lodz und Umgebung, wird das Mädchen Arbeiterin und ist von früh bis spät in der Fabrik; andere werden Näherinnen, Stickerinnen, Modistinnen und es ist keine Seltenheit, daß solch ein junges Mädchen mit ihrer Hände Arbeit ihre ganze, gewöhnlich recht kinderreiche Familie erhalten muß. Auch die berufstätigen Mädchen erfaßt Pech ^acob in Abendkursen und Mädchengruppen. Es ist ein eigenes Bild, zu sehen, wie die jungen Arbeiterinnen nach vielstündiger Fabrikarbeit direkt von der Maschine zum Kurs eilen und mit müden Augen^ aber mit einem Herzen voll Begeisterung sich in die Bücher der Bibel oder der Propheten vertiefen. Und wieder ist nun Beth Jacob der beste Boden für Volksbelehrung über Volksgesundheit. Oft werden spezielle Kurse für Hygiene eingerichtet, an denen auch die'Arbeiterin mit großem Interesse teilnimmt; recht wichtig ist uns, auch in Nr. 45. Seite 3 diefn Kursen Belehrung auf sexuellem Gebiet zu geben, die hier besonders angebracht firtb>,; da das Elternhaus in bezug auf sexuelle Aufklärung fast völlig-versagt. Die religiösen^ ReinheitHpA' schriften für. die jüdische Frau geben dabei besonders Gelegenheit zur Aufklärung und Belehrung auf diesem Gebiet. Die Organisation wacht auch über die Gesundheit der im Beruf stehenden Mädchen und sorgt dafür, daß sie in Krankheitsfällen die Mittel zu einer nötigen Kur erhalten, und unsere Sommerkolonien gewähren den oft durch Ueberarbeit geschwächten Mädchen Erholung und einen Lichtblick in ihr vielfach trauriges Leben. Gewöhnlich bleibt das Mädchen, auch nach ihrer Verheiratung in der Gruppe und soll nun in ihrer jungen Häuslichkeit das verwirklichen, was wir in steter unermüdlicher Arbeit gelehrt: ° „Erhaltet eure Gesundheit, euer Leben, das der Schöpfer euch gegeben!" Unsere Beth Jacob-Arbeit, soll möglichst vielen jüdischen Menschen des Ostens den Weg weisen, sich selbst gesund zu erhalten und: zur Förderung eiWs neuen, gesunden Geschlechtes beizutragen. t ' Die Kruskal-Schule in Rhetowa. (Mit Bild.) Im Städtchen Rhetowa erhebt sich unweit der großen Synagoge ein stattlicher Bau. In der Vorhalle fällt eine Widmungstafel in die Augen, aus der hervorgeht, daß die Schule von Herrn Leo Kruskal in Frankfurt a. M. zum ehrenden Andenken an feine frommen Eltern gegründet wurde und erhalten wird. Die Schule, vom Ortsrabbiner und mehreren bewährten Lehrern geleitet, gilt als Musterschule in der Gegend. Im Anschluß an die Lehrerkonferenz und die Lehrerkurse, die unter Leitung von Oberrabbiner Dr. Carleb a ch aus Altona und Dr. L. Deutschländer in Polangen gegen Sommerende stattfanden, begaben sich diese Herren nach Rhetowa, um die genannte Talmudthoraschule zu besichtigen. In einem Bericht über diese Inspektion sprachen sich die Herren in vollster Anerkennung über den Unterrichtsbetrieb und den Geist der Schule aus. Nach Begrüßungen durch den Oberrabbiner und den ältesten Lehrer fand dort unter starker Beteiligung der Bevölkerung eine öffentliche Prüfung im Tenach wie im Talmud statt. Die Vertrautheit der Kinder mit der Materie war erstaunlich. Sie beherrschen Partien aus Talmud Baba Mezia und konnten bei der Durchnahme einiger Kapitel aus Jirmejahu über die Geschichte des Unterganges des ersten jüdischen Reiches Bescheid geben. Die profanen Fächer werden ebenfalls in hebräischer Sprache unterrichtet. Der Erfolg ist in allen Gruppen, von den Anfängern bis zu" den Aeltesten, gleich zufriedenstellend. Zum Schluß fand eine kleine Feier statt, bei der Herr Oberrabb. Dr. Carlebach eine herzliche Ansprache an die Kinder hielt. Mit Gesängen der Kinder schloß die Veranstaltung, die ein Erlebnis war sowohl für die Gäste wie für die Schule selbst. Lin Blick in die kruskal-Schule in Rhetowa. w ■■■ . Wv - 40»- mm

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