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Der Israelit · 1930-11-06 · Heft 45 (6.11.1930) · page 15

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Journal
Der Israelit
Volume
71 (1930)
Issue
Heft 45 (6.11.1930)
Date
1930-11-06
Page
– (sequence 15)
Language
German
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Hg- MnAWAilp Ijjliloi-jiwoel in Sciilfcfilond. 6. Jahrgang - Hamburg, 6. November 1930 / 15. Marcheschwan 5691 Schriftleitüng: Mokf S. I4cpbfYn in Kamburg. Nummer 16 Eine Erkläcnng der Exekuüve der „Agudas Zisroel". Die Exekutive der Weltorganisation „Agudas Jisroel" erklärt zu der durch das Weißbuch der . britischen Regierung über Palästina geschaffenen Lage folgendes: ■ 1. Die in „Agudas Jisroel" organisierte thoratreue (Mhodoxe) Judenheit der Welt, die der zionistischen Bewegung und Organisation nBgen ihres aWligiösen, die Eigenart des jüh.isDn Vojksbegriffes perlepgntznöen Kulturideqls prinzipiell ablehnend gegenübersteht, hat von Anbeginn an in der Balfour-Deklaration die Gewährung derlange ersehnten Möglichkeit erblickt» W voni Moragesetz geheiligte religiöse Wicht des Wohnens im heiligen Lande und seiner Protz uktivreruntz zu SiMuNgszwecken im weitesten Umfänge zu erfüllen. 2. Aigudas Jisroel ist daher aufs tiefste betroffen uM enstäpscht von den jetzt im offenen Widerspruch zum Geist hes Mandates — verkündeten neuen Grundsätzen der E inwastd e - rung s- und Bode nve r k au f s - P o l it i k, die praktisch zu einem Eistwastderungs- und Niederläffungsverbot für Juden auf dem heiligen Boden ihrer Väter führt,, die Balfour-Deklaration in ihren wirtschaftlichen Konsequenzen Zur Farce macht und daher schärfsten Protest herausfordert. 3. „Agudas Jisroel" gründet ihre Beziehungen zu dem heiligen Boden Erez Jisroels auf ewige, von dem Wechsel und Mündel der vergänglichen Staatenpolitik unabhängige religiöse Grundsätze und wird unter jeder Konstellation nach dem vollen Ausmaß ihrer Kräfte positive Arbeit zum geistigen und wirtschaftlichen Aufbau des heiligen Landes leisten. Sie ruft das jüd ische Volk auf, den Mut nicht sinke n z u l a s se n u n d g l eich den Vätern d i e L ie b e z um heilig en Land in g e - steigertem Maße durch opferfreud ig e S) tn g ab e in praktischer Arb e i t zu be tätigen. / - 4. Sie hält dabei an dem Primat der vollen Autonomie des thoragemäßen religiösen Ge m e rn s chafts l e b en s in E r e z I i s r o e l vor allen sonstigen politischen Formen fest und fordert in diesem Sinne erneut die gl e i chb er e chti g te, öffentl vch rechtlich e A n e r k e n n ü n g d e r ^o r thodoxen, di e A u t o r i t ä t d e r Thora anerkennenden j ü d rs che n Gemein - schuft Erez Jisroel. 5. Zur Züsammenarbeit mit dem ar ab is ch e st V o l k e , das für die M Mord und Raub aufstachelnde Hetzarbeit einiger gewissenloser Politiker nicht verantwortlich gemacht werden darf, ist die organisierte Orthodoxie, ihren jahrtausendealten Traditionen getreu, jederzeit und in jeder d i e e l e m e nt a ren j ü di scheu Lebens interessen wahrenden Form bereit und erwartet das Gleiche von allen jüdischen Parteien. 6. An die in der Jewish Agency vereinigten jüdischen Brüder richtet „Agudas Jisroel" in diesem ernsten Augenblick erneut die Aufforderung, um 'der Ehre G'ttes und seiner ewigen Lehre willen, die uns trennende Kultur- und Erziehungsarbeit aus dem Arbeitsbereich der Jewish Agency aüszuschalten, deren wirtschaftliche Arbeit der Autorität des Religionsgesetzes zu unterstellen, und, im heiligen Lande selbst, der öffentlichen Sabbatentweihung durch nationale Verbände ein Ende zu machen. Rur dann kann jüdisches Wirken a ü f d e M G ' t t g e h e i l i g t e st Boden zu d a u e r n dem Erfolge un d w a h r e m S e ge n f ü r die kommen den Ge ne r a - t i 'o neu führen. Wien, Warschau, Frankfurt a. IR., 8. Cheschwan 5691. Die Exekutive her Weltorganisation „Agudas Jisroel- Pabb. Dr. Pinchas Kohn, Jzchok Meir Lewin, . . Jacob Rosenheim. Erklärung der palästinensischen Agudas Jisroel-Zenkrale. Jerusalem, 8. Cheschwan. Di e Z e n t r a l e d e r „Agudas I i s - ro e l " i n J e rufalerst veröffentlichte folgenden M a u e r a n s chl a g : Düs orthodoxe Judentum in Erez Jisroel gibt seinem tiefen Schmerze Ausdruck über den letzten Schlag, den der Aufbau und die Entwicklung des jüdischen Jischuws in Erez Jisroel durch das jüngste Weißbuch der Mandatarmacht erfahren hat und über das schwere Unrecht, das durch dieses Weißbuch dem jüdischen Volke zugefügt wird. Das orthodoxe Judentum, dem Vertrauen und Zuversicht von jeher Leitsternewaren> mit denen es die langen Perioden des Golus mit allen ihren Schrecken überstand, vertraut darauf, daß das jüdische Volk auch die schweren Stunden, die im Gefolge dieses Weißbuches nicht ausüleiben werden, in Frieden überstehen wird. Die palästinensische Agudas Jisroel-Zentrale befindet sich in stetigem Gedankenaustausch mit der politischen LeitüNg der Weltorganisation hinsichtlich der Stellungnahme des orthodoxen Judentums im Lande und in der Diaspora zu den nunmehr auftauchenden verantwortungsvollen politischen Fragen.' Inzwischen ruft die palästinensische Zentrale der Agudas Jisroel alle Einwohner Erez Jisroels auf, standzuhalten und die Leiden in Schweigen und Geduld zu ertragen. Besonders wenden wir uns an unsere Brüder in der Diaspora, nicht zu verzweifeln und nicht etwa aus Verzweiflung in Untätigkeit zu verfallen. Im Gegenteil, mögen sie ihre Kraft verdoppeln und ihre Anstrengungen steigern, um das Land der Väter auf Grund der Thora und der Üeberlieferung aufzubauen. In starkem Vertrauen zum G'tte Israels, der fein Lastd und fein Kolk erwählte, in dem festen Entschluß, seine Gesetze und seine Gebote zu beobachten und zu den Wegen der Thora zurückzukehren, deren Wahrung die Grundbedingung für alles Gedeihen im heiligen Lande ist, werden wir alle Hindernisse überwinden, alle Trümmer aufbauen und den wirklichen Aufbau und die Blüte des heiligen Landes erleben. „Und das Wort unseres G'ttes hat auf ewig Bestand". Offene Auseinandersetzung. Ein Brief vom 23. Llul 5690. Sehr verehrter Freund! Ich empfing Ihr ausführliches Schreiben, in welchem Hie Ihre mannigfachen Beschwerden Über Agudas Jisroel und ihre Leitung offenherzig auseinandersetzten. Wenn eine Kritik aus so. warmem und ehrlichem Herzen kommt, wie es b^i Ihnen der Fall ist, dann löst sie keinerlei Gefühle des Gekränktseins aus, so daß Sie sicher sein dürfen, daß alles, was ich im Folgenden zu dem Gegenstände schreibe, wirklich ganz und gar Ausfluß einer objektiven Würdigung Ihrer Argumente ist, objektiv, soweit dies überhaupt menschenmöglich ist. 1. Sie fragen, warum der CeNtral-Verem zu den Verhandlungen über einen allgemeinen Wahlblock bei den jüngsten Reichstagswahlen die Jüdische Gemeinde zu Berlin, die zionistische Organisation für Deutschland, nicht aber die Agudas Jisroel hinzugezogen habe. Sie schreiben: „Der Central-Verein steht bekanntlich mit der Agudas Jisroel gut, eine absichtliche Brüskierung kanti also nicht vorliegen. Die Sache hat aber doch ihr sehr ernstes Gesicht, denn sie berührt die nicht fortzuleugnende Tatsache, daß Agudas Jisroel im öffentlichen Leben als quanttt e negligeable angesehen und nirgends herangezogen wird. Warum dem so ist, scheint auch klar zü sein: Wir wollen es selbst nicht anders. Um diese These zu beweisen, müßte ich sehr ausführlich werden. Ich will mich so .kurz wie mögtzch fassen. Zunächst: Wir haben bei ungezählten Gelegenheiten und zahllosen Gestleinsämkeitsfragen erklärt, haben, wie ich zugebe, nach unserer Einstellung erklären müssen, daß wir nicht Zusammengehen können. Die Gründe für das Verhalten der- Agudn-Leitrmg waren oft nicht klar erkennbar. Sie machten ost einen künstlich herheigeholten Eindruck. Kein Wunder! Wenn man so heterogene Anschauungen, wie sie in der Agudas Jisroel vertreten sind, wenn die Rücksicht auf rechts und links einen immer die mittlere Linie suchen, oft aber nicht finden läßt, wenn Chassidim mit Misnagdim versöhnt werden sollen, wenn auf der einen Seite das Tauroh-im-Derech-Erez-Prinzip geschützt, auf der anderen Bildungs-Fremdheit als ein diesem Prinzip Ebenbürtiges anerkannt werden soll, dann wird man angesichts solch schwieriger Situation selbst unsicher und findet nicht recht den Anschluß an die Anderen. Und dann ergibt sich, daß die Anderen, selbst Wohlwollende, nie wissen, ob sie uns zur Mitarbeit auffordern können oder ihrer eine Zusage oder ein Refus wartet. So erkläre ich mir den Umstand, daß der Central-Verein es unterlassen hat, sich an uns seiner Zeit zu wenden." Auf diese Ihre erste Frage und ihre theoretische Beantwortung, daß nämlich die inneren Gegensätze innerhalb der Agudas Jisroel keine klare Stellungnahme ermöglichen, antworte ich Ihnen: Es ist mir ganz selbstverständlich, daß der Central-Verein nicht daran gedacht hat, die deutsche Agudas Jisroel zu den in Betracht kommenden Verhandlungen hinzuzuziehen. Die deutsche Agudas Jisroel ist in deutsch-politischen Dingen noch nie hervorgetreten, was durchaus seine inneren Gründe hat. Der Central-Verein ahnt diese Gründe instinktiv, wenn er sich auch darüber nicht ganz klar ist. Sie liegen in der Tatsache begründet, daß die deutsche Agudas Jisroel auf der einen Seite vermöge ihrer, starken Verknüpfung mit dem Osten jüdisch-national ist, daß sie auf der anderen Seite aber auch, der alten Golus-Tradition der Orthodoxie folgend, dieses jüdische Nationalbewußtsein aktuell politisch nicht zur Auswirkung kommen lassen will. Der Central-Verein hat uns also durchaus einen Gefallest damit getan, wenn er uns nicht in die deutsche Wahlpolitik hineinzuziehen versucht. Daß der Central-Verein (zum Unterschied von der Berliner Jüdischen Gemeinde) die Agudas Jisroel nicht als „quantite negligeable" betrachtet, steht für mich fest und ist bei zahlreichen Gelegenheiten praktisch erwiesen worden. Dies ist also der erste Punkt, in dem ich glaube, daß Ihre Auffassung in einem gewissen Aguda-Pessimismus, nicht aber in den TatsaiAen begründet liegt. Wenn Sie nun weiter die Tatsache, daß Agudas Jisroel angeblich nicht bündnisfähig fei, dadurch begründen zu sollen glauben, daß die inneren Gegensätze innerhalb der Agudas Jisroel keine klare Stellungnahme ermöglichen, so liegt hier nach meiner Ueberzeugung ein doppelter Irrtum vor: a) Eine Verwechslung der Verhältnisse in der Welt-Äguda mit denen der Landesorganisation, b) eine Verwechslung zwischen den

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