Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 71 (1930)
- Issue
- Heft 45 (6.11.1930)
- Date
- 1930-11-06
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 12. Nr. 45 Der Israelit 6. November 1930 ist und bleibtdef Beste! | 0 b :'h;rZ,u4;äb'fe nz Q ü-aji.«tat/*' er, nicht ohne Wohlwollen, seine Kinder erläuternd hinwies. Ein neuer Steuernachlaß und neue Holzstiftungen wären der Gemeinde nach solchem Empfange sicher, um so mehr, als man klugerweise es nicht unterlassen hatte, in die Begrüßungsrede ein Wort über die weise Waltung Kornossows lobend einzuflechten . . . (Fortsetzung folgt.) Tobias. Lin jüdisches Idyll. Ueberfetzt von Saly Geis in Tel-Awiw. (Fortsetzung.) TU. Zwei beten zur gleichen Zeit und werden erhört. Tobias ward sein Gemüt sehr schwer, er . erhob weinend seine Stimme und flehte zu G'tt: „G'tt, Du bist gerecht, gerade ist Deine Entscheidung, Liebe und Wahrheit gehen Dir voraus! G'tt, gewähre mir doch Gnade und vergelte nicht an mir meine Sünden! Die Sünden meiner Jugend und die Vergehen meiner Väter laß vor Deinen Äugen schwinden! Weil wir Deine Gebote verließen, hast Du uns in die Gewalt unserer Feinde gegeben, uns zu züchtigen durch Gewalt, Schwert s und Gefangenschaft. Wir sind zur Verachtung und zur Schmach bei den Völkern geworden, unter die Du uns verstoßen hast. Große und furchtbare Strafgerichte hast Du an uns getan, da wir Deinen Bund übertreten haben und nicht auf dem Wege der Treue vor Dir gegangen find. Und nun, — gewähre mir die Liebe, meine Seele in Frieden zu nehmen. Besser ist mir der Tod als das Leben!" Es war zur selben Zeit! — Eine Frau in Regosch im Lande Medien mit Namen Sarah, Tochter Renels, wurde von der Magd ihres Vaters geringschätzig behandelt. Sie war nämlich mit sieben Männern, einem nach dem andern, verlobt gewesen, aber jedesmal am Hochzeitstage erschreckte der böse Geist Aschmedai den Bräutigam, und er starb. Als an diesem Tage Sarah mit der Magd einen Disput hatte, erwiderte sie: „Männermörderin, möge von dir nie Leibesfrucht geschaut werden, weder Sohn noch Tochter! Willst du mich vielleicht töten, wie du deine sieben Männer getötet hast?" Wie nun Sarah diese Verwünschungen hörte, stieg sie in der Not ihrer Seele in ihr Zimmer auf dem Söller, blieb dort ohne Speise und Trank drei Tage und drei Nächte, weinte und flehte zu G'tt, ihre Schmach von ihr wegzunehmen. Am dritten Tage, nachdem sie ihr Flehen beendet hatte, stimmte sie G'tt dieses Loblied an: „G'tt, mein G'tt und G'tt meiner Väter, gelobt sei Dein Namen! Auch, wenn Duzürnst, übst Du Liebe, und Du verzeihst unsere Sünden in der Zeit der -Not, so wir zu Dir rufen! Mein Angesicht ist Dir zugewandt und meine Augen schmachten ständig nach Deiner Hilfe! G'tt, nimm doch meine Schmach von mir und erlöse mich aus meinen Nöten! Willst Du es aber nicht, . dann laß meine Seele zu Dir zurückkehren! Du weißt, daß ich keinen Mann von Dir verlangt und daß ich mich vor jedem schlechten Begehren gehütet habe! Ich weiß nicht, ob sie für mich zu gut waren oder ob ich für sie zu gut war und Du mich einem anderen Manne aufbewahrt hast, denn Deine Gedanken sind nicht die Gedanken des Menschen. Darauf aber wahrlich vertraue ich, daß Du Dich derer, die Dich fürchten, erbarmst und sie von den Nöten ihrer Seele befreiest. Den Dich Liebenden weist Du wohl zurecht, doch Du willst kein Verderben.- Auf Deinen Ausspruch leuchtet die Sonne nach dem Donner, gerade so verwandelst Du Trauer in Freude und Jauchzen. Dein Name fti gepriesen von nun an bis in Ewigkeit!" G'tt ließ sich am gleichen Tage von beiden erflehen. Er schickte seinen Engel Rafael, sie von ihrem Unglück zu heilen, denn ihr Flehen war gemeinsam zum Himmel aufgestiegen. 4. T o b i a s.m e i n t, d a ß d e r T a g s e i n e s Todes n ahe s e i, er üb er gib t d>aher s e in em Sohnese t nenletzten W i l l e n. Tobias fühlte, daß G'tt fein- Gebet erhörte, und daß der Tag seines Sterbens nahe sei. Er rief daher seinen Sohn und sagte ihm: „Höre, mein Sohn, die Worte Deines Vaters, und senke sie in dein Herz! Wenn G'tt meine Seele nimmt, begrabe meine Gebeine! Ehre deine Mutter alle Tage ihres Lebens und gedenke, was sie litt, als sie dich in ihrem Innern trug! Wenn sie einst sterben wird, begrabe sie in meinem Grabe! Stelle dir G'tt ständig vor, hüte dich vor Sünde und vor Uebertreten seines Willens! Gib'von deinem Vermögen dem Armen und verschließe nicht deine Augen vor ihm, — und G'tt, dein G'tt, wird dich dann segnen. Stütze die Hände des'Dürftigen nach deiner Möglichkeit! Hast du viel, gib ihm viel: hast du wenig, gib mit Wohlwollen, denn in der meisten Zeit seines Lebens wirst du ihn in Not finden. Wohltun rettet von der Sünde und vom Tode und am Tage des Unglücks wirst du dich nicht verworfen sehen. Ein Gläubiger ist G'tt, Er begünstigt den Armen und bezahlt dem, der dem Armen Gutes tut. Nimm den Stolz von deinem Herzen und von den Lippen deines Mundes, denn er ist der Beginn jeden Uebels! Gib dem Arbeiter seinen Lohn und laß ihn nicht bis zum anderen Tag bei dir! Was dir verhaßt ist, tue nicht Deinem Nächsten! Brich mit dem Hungrigen dein Brot, so du einen Nackten siehst, bekleide ihn! Beim Begraben eines gerechten, frommen, Menschen gib von deinem Wein und deinem Brot her! Mit schlechten Leuten führe keinen Streit! Brauchst du Rat, dann berate dich mit einem, vernünftigen Menschen! Segne G'tt zu jeder Zeit und bitte ihn, deine Wege gerade sein zu lassen." Zum Schluß sagte Tobias: . „Wisse, mein Sohn, als du noch jung an Jahren warst, habe ich zehn Kikar Silber dem Gorveil, einem Einwohner von Regosch in Medien, gegeben. Sein Schriftstück befindet sich in meiner Hand. Ich will dich jetzt zu ihm schicken, um das Geld von ihm zu fordern und ihm sein Schriftstück zurückzugeben. Betrübe dich nicht, mein Sohch daß wir jetzt sehr arm sind! G'tt wird uns noch Gutes tun: nur müssen wir ihn fürchten und das Gute in seinen Augen tun!" (Fortsetzung folgt.) (Lin jüdischer Wohltäter der Menschheit gestorben.) In Lausanne verstarb plötzlich im Alter von 70 Jahren der berühmte Bakteriologe Professor Waldemar Mordechai Wolf Hasskine, der Erfinder der Methode der Schutzimpfung gegen Cholera. Professor Hasskine stammte aus Odessa. In Paris, wo er sich im Pasteur-Institut Typhus- und. Choleraforschungen widmete, gelang ihm, eine Schutzimpfung gegen Cholera zu erfinden, die er 1893, als ihn die englische Regierung nach Indien berief, praktisch erproben konnte. Nach dreijährigen Versuchen wurde ihm 1896 seitens der indischen Regierung der Auftrag erteilt, die Cholerabekämpfung in großem Maßstab zu organisieren. Tatsächlich ging infolge der Hafskine'schen Schutzimpfung die Cholera-Sterblichkeitsziffer um 80—90 Proz. zurück. In den letzten Jahren lebte Haffkine in Paris, wo er am Pasteur-Institut wirkte. Er hat zahlreiche Broschüren über Vererbung, Infektionskrankheiten, Anpassungsfähigkeit der Mikroben an ihre Umgebung, die asiatische Cholera, die Cholera-Schutzimpfung und die Indische Pest veröffentlicht. Professor Hafftine nahm eifrigen Anteil an jüdischen Angelegenheiten. Er . gehörte seinerzeit den Chowewe Zion an. Die Tätigkeit der jüdischen Gesundheitsorganisation Ose verfolgte er seit ihrer Gründung mit großer Aufmerksamkeit. 1928 besuchte er Sowjetrußland, wo er sich persönlich von den hervorragenden Leistungen der Gesellschaft Ose ^mf dem Gebiete der Förderung ’ des Gesundheitswesens unter den Juden überzeugen konnte. (Soncmo-Gefettschasi.) Die S on c i no-G e s e l l - schaft der Freunde des jüdischen Buches in Berlin, Kaiser Wilhelmstr. 12, hat in diesem Sommer Band 3 (2. bis 4. Heft) ihrer „Blätter" veröffentlicht, der zugleich eine Festschrift zu Ehren des jetzt zurückgetretenen Prager Oberrabbiners Heinrich Brody, des verdienstvollen Entdeckers und Erklär^ps hebräischer Poesie darstellt. Aus dem Inhalt: Israel Davidsohn: Heinrich Brody und sein Beitrag zur Kenntnis der mittelalterlichen hebräischen Poesie; Ludwig Blau: Lehren und Gruppieren der Gebote in talmudischer Zeit; Hermann Pick: Ueber das Buch.„Bon den Erdbeben und Donnern" und seinen Quellen; Aron F r e i m a n n: ' Die. hebräischen Druckereien in Prag von 1733 bis 1828, sowie eine große Anzahl kleinerer Arbeiten, alle in der bei der Gesellschaft gewohnten vorbildlichen vornehmen Druckausstattung. Der Band trägt als Titelbild eine Originallithographie Hermann Strucks, den Jubilar Heinrich Brody darstellend. (Ein 83-jähriger Barmizwohjunge.) Im neuesten Heft der. „Mitteilungen" der Gesellschaft für jüd i s ch e F ä.m i li e n f o r-s ch u n g finden wir neben anderen interessanten Aufsätzen die Fortsetzung der Lebensgeschichte des alten Simon Kronthal, einer im P o fe n des vorigen - Jahrhunderts wohlbekannten Persönlichkeit. Dabei' berichtet der. Verfass er, im Namen des jüngst verstorbenen Dr. med. Max Ealvary stA., auch die folgende interessante Anekdote. Um den alten Mann, der keinen G'ttesdienst versäumte, vor Erkältungen zu schützen, richteten ihm seine Söhne und Freunde ein kleines Minjan ein, zu dem sich regelmäßig an allen Wochentagen und Sabbaten etwa 20 Freunde versammelten. Eines Sabbats bat der alte Herr, ihn heute aufzurufen, vorlei'nen und auch die Haftora sprechen zu lassen. Nach beendetem G'ttesdienste würden die Teilnehmer ins Nächbarzimmer gebeten, wo eine wohl vorbereitete Frühstückstafel bereit stand. Bei dieser erklärte Kronthal, er sei in dieser Woche 8 3 Jahre alt geworden. Da nach den bekannten Versen in Tehillkm unser Leben 70 Jahre währt, so beginne derjenige, dem eine längere Lebensdauer beschieden ist, mit dem 71. Jahre ein neues Leben. In diesem neu geschenkten Leben sei er in dieser Woche 13 Jahre alt, also Varmizwo geworden, darum habe er gewünscht, wie damals vor 70 Jahren beim G'ttesdienst als Barmizwo-Junge fungieren zu dürfen! (Eine französische Ausgabe des Schulchan Aruch.) Der Verein „L e s Amis delaTradi t i o n j u i v e", der in Frankreich und insbesondere in Elsaß-Lothringen eine segensreiche Wirksamkeit zur Förderung orthodoxen Lebens entfaltet, legt die erste Lieferung des von Grand- Rabbin Dr. E. Weil! in Colmar herausgegebenen abgekürzten Schulchan Aruch in französischer Sprache vor. In einer populär geschriebenen Einleitung sucht der Verfasser dem zum Teil schon recht assimilierten französischen Publikum die Wesensart und die Bedeutung der mündlichen Lehre und ihrer Kodifikationen klar zu machen. Cs folgen dann eine Reihe , ausgewählter Kapitel des Schulchan Aruch Orach Chajim in ganz kurzer und populärer Form. Es ist dringend zu wünschen, daß dieser ersten Lieferung bald weitere folgen und daß es dem Verein gelingt, seinem Buche die weiteste Verbreitung zu geben. Viele Anzeichen deuten darauf hin, daß auch in Frankreich eine Jugend vorhanden ist, die der Rückkehr zur Thora mit aufgeschlossenem Sinne gegenübersteht. Die großartigste Neuerung seit Erfindung des Gasherdes! Braten u. Grillen im eigenen Saft, ohne Begießen,ohneVorkeniitnisse, im neuen SENKING Gasherd Mod. 1930 .^Rituelle und Sabbat-Vorschriften ^werden gern berücksichtigt ■ E. HAGE & Co. Am Eschenheimer Tor 3 © JULIUS SCHMIDT FRANKFURT AM MAIN LANGESTRASSE 7 TELEFON HANSA 25865 POSTSCH.-KONTO FRANKFURTMAIN 142 353 EINZIGEINSE RATE N-AN¬ NAHME FÜR FRANKFURTER GESCHÄFTS-INSERATE DES »ISRAELIT« AUSSERDEM ANNAHME VON INSERATEN FÖR SÄMTLICHE HIESIGE' UND AUSWÄRTIGE'TAGESZEITUNGEN, WOCHEN- UND FACHBLÄTTER ZU ORIGINALPREISEN ♦.ANNAHME VON . DRUCKSACHEN (HÄNDEL, GESCHÄFTE, PRIVATE) FÜR DIE HERMON-DRUCKEREI BEI BILLIGSTER BERECHNUNG UND KÜNSTLER. AUSFÜHRUNG IN SCHWARZ- UND BUNTDRUCK