Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 71 (1930)
- Issue
- Heft 45 (6.11.1930)
- Date
- 1930-11-06
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2446951-2450600-2450644--77393-2535049- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr. 45. Seite 9 6. November 1930 _ essen kann; eine andere Frage ist allerdings, ob man bei diesem vniV überhaupt etwsts gknießeMdarf; und da liegt ja der Weg recht geebnet; die Herren haben Nämlich nur nötigben-betreffenden Beamten um seine Nr>: p zu bitten, und die meisten' deutschen Gemeinden haben sogar eine solche deutsch geschrieben; danach kann jeder beurteilen, ob der um«? kompetent ist, ob nicht. Es wird kein wenn er seinem heiligen Berufe, der riv'NV den uns gegebenen o'2'7 entsprechend, mit Ernst, Würde, Achtung, Ehrlichkeit und irrit Reellität nachgeht, Anstotz nehmen, wenn ein Gast zu ihm kommt, und ihn um Einsichtnahme in seine map bittet; ist es doch das gute Recht eines jeden Menschender in ein Restaurant, ob oder nicht, geht, zu fragen, wer von dem Unternehmen eigentlich der Wirt ist. Es würde gewiß eine große Menge von Beamten interessieren, wie der Hamburger Speiseverein es meint, jemanden seine Religiosität Zu bescheinigen, und ich meine, uns fpMW M diese Bescheinigung durch unsere htfäp in gewissem Sinne doch schon gegeben. Kanöx Erich'Cohm Leobschütz O.-S. PersoMNen. Leopold Feister Hgnwükg. 2. November. Am mm nnvv starb L e ö P o l d F e i b e r im gesegneten Alter von 83 Jahren. Die ihm eigene Bescheidenhetdie sein ganzes Leben zierte, ließ ihn noch in den letzten Tagen vor seinem Hinscheiden den Wunsch aussprechen, ihm keinen nson zu halten. Wer den teuren Verstorbenen gekannt hat, dem-wird seine edle Persönlichkeit auch so stets in Erinnerung bleiben. Möge sein rroT seiner Familie Trost und zugleich Ansporn sein, in seinem Sinne fortzuleben. rnsirm. tzattowih, 4. Nov. Am ersten Sukkaustage entschlief hier Bernhard S alomono witsch im Älter von 63 Jahren.' Der so früh Dähingegangene war ein ow.xtder stch in den weitesten Kreisen durch sein edles und gerechtes Wesen einer großen Beliebtheit und Schätzung erfreute. Dies bewies auch die sehr rege Teilnahme an der am 2. Sukkaustage. Der Verlust dieses seltenen Mannes wird auch in der Gemeinde tief empfunden, da der Verschiedene ein Jahrzehnt lang das Amt eines tJirw und ■ra-s aufs treueste versah. ri"a«n Rabbiner Jesajas in Rewyork. Frankfurt a. M , 3. Nov. Mitten aus seinem Schaffen für seine Gemeinde und das gesetzestreue Judenum in-Amerika wurde Rabbiner I. Lnvi, einerder vortrefflichsten Männer des amerikanischen Thorajudentumsvon einer höheren Wallung abberüfen. Mit der Witwe und dey Kindern weint eine Gemeinde um ihren geistigen Führer, weint das Judentum um einen seiner besten Söhne, der auf exponiertem Posten, auf steinigem Boden, die Sache der Thorä, des Sabbats, der Emuna mit einer Ärbeitsfreudigkeit und Opferwilligkeit vertreten hat, die Bewunderung abringen müßte. Jesajas Levi, ein würdiger Enkel von Samson Raphael Hirsch ein “n-n» i'hbn von Salomon Breuer auf dessen Frankfurter Jeschiwa, hatte, obwohl schon in der Jugend als f"1 bekannt und viel verehrt, den Kaufmannsstand gewählt und war in seinem Wohnsitze London als Mann lauteren Herzens in der Geschäftswelt bekannt. Sein Haus war offen für Jedermann, der materielle Unterstützung oder geistige Nahrung suchte. Schon als Kaufmann war er Führer einer großen Schar, die treu zür Fahne der Thora hielt. Eine höhere Vorsehung setzte ihn aber vor etwa zehn Jahren an Führerstelle in der Metropole Amerikas. Er verließ den Kaufmannsstand und die englische Heimat und folgte dem Rufe als Rabbiner nach der ersten ungarischen Gemeinde in N e w y o r k, wo sich ihm, neben dem unvergeßlichen Rabbiner Dr. Philippp Klein " gleich ein großer Wirkungskreis auftat.' Nach dem Heimgange Kleitts wurde Rabbiner Levi erster Rabbiner der Gemeinde und seitdem kraft seines zündenden Wortes und seiner Energie eine der festesten Positionen des orthodoxen Judentums in Amerika. Als am Sabbat hier in Frankfurt die Trauerkunde kam, löste sie weit über den hiesigen Verwandtenkreis hinaus tiefen Schmerz aus. Am Sonntag nachmittag fand sich eine ansehnliche Gemeinde von Verehrern, Verwandten und Freunden des Heimgegangenen, Neben offiziellen Vertretern der Kehilla und sämtlichen Bachurim, in den Räumen' der I e s ch i w a, Fried? bergeranlaye eiN, wo der Rosch Jeschiwa, Herr Robb. Dr. Joseph Breuer, iN einem ungemein warmen Gedenkworte das Lebensbild Rabbiner Levis zeichnete. Was er speziell für die Frankfurter Jeschiwa, „seine Jeschiwa", der er seine Ausbildung und seinen religiösen Charakter, seine unentweate Treue zum dankte, Mi« er für diese seine frühere geistige Nährmutter tat, schilderte der Redner in gehobener Sprache an Hand von Psalmworten in smniaer Deutung. Herr Studienrat Josef Kaufmann schloß die eindrucksvolle Feier mit einem »*»■> 'v -Gebete. n-asarv FamMeimachrlckke«. Vermählung: Bad Kreuznach, Poststr. 14, Sonntag' 9. Nov. - Leo Jankelowiß — Else Rosenberg, Stettin. Briefkasten. S. A. Betrag für Spende eingegangem Der Israelit Die Woche. Hauptlehrer Äscher Eschwege 80 Zähre alt. Hauptlehred Ascher Eschwege wurde am 4. November 1860, 9. Eheschwän 6611, als Sohn des'Lehrers Hirsch Eschwege Md seiner Ehefrau Leah geb. Steingut in Fulda geböreN. Seine Kinderjahre verbrachte er in den Gemeinden: Thüngen, Neuhaus bei Neustadt a. S. und Karbach, woselbst sein Vater, welcher rabbinische Autorisation hatte, wirkte. Er besuchte die Präparandie in Höchberg unter Leitung des rühmlichst bekanMen Rabbi Elofor Ottensoser und hernach als einer der ersten Schüler die neübrrkchtete Jsraelitsche Lehrerbildungsanstalt in Würzburg. Rabbi'SeligNiünn Baer BäMberger bezeich- Nete Ihn selbst als seinen Lieblingsschüler, Erst 19 Jahre alt, abföloierte er das Lehrerseminar und übernahm die ReligionslehrerstellL in -Zeitlofs. Nach glänzend bestandenem Staatsexamen übernahm er 1873 die Leitung der blühenden Gemeinde KleinsteiNach. 1874 vermählte er sich mit der Töchter des elsässifchen Oberrabbiners Salomon Wolf Klem-Cplmar, Begründer des ersten orthodoxen Rabbiner-Seminars in Frankreich. Seine mit hervorragenden Eigenschaften des Geistes und des Gemütes ausgestattete Gattin unterstützte ihn bei der Schaffung und Unterhaltung eines Internates für Knaben, welche sich dem Lehrer- und Kultusbeamtenberufe oder dem Studium der ThokawisseNschaften widmen wollten. Schließlich wurde ihm im Winter 1879 die Israelitische Volksschule in einer der größten bayerischen jüdischen Landgemeinden, in Thüngen, übertragen. Hauptlehrer Eschwege 80 Jahre alt. In fast 40jähriger Tätigkeit bewähren sich daselbst seine erzieherischen und schöpferischen Eigenschaften. Die Gründung dep jüdischen Frauenvereins, des Thora- Lernvereins Erwachsener „Asifah", die sorgfältige Ausbildung der Schuljugend sowohl als auch der der Schule entlassenen Jugend in profanen und gaNz besonders auch iN jüdischen Disziplinen kennzeichnen seiNe Tätigkeit. Weit über seiNeN Pflichtenkreis hinaus war er allen seinen Gemeindemitgliedern und allen Ortsbürgern ohne konfessionellen Unterschied ein treuer Berater in allen Lebenslagen, Kranken und Bedürftigen, Armen und Notleidenden, Trauernden und Bedrückten stand er Helfend UNd tröstend in vorbildlicher Weise zur Seite. Als in den Jahren 1898—1902 eine Typhus-Epidemie infolge der mangelhaften Trinkwasseroerhältnisfe in Thüngen ausgebrochen war, schuf er einen allgemeinen Helferdienst und stellte sich an die Spitze desselben. Tag und Nacht wurde dafür gesorgt, daß die Schwerkränken und ihre Angehörigen nicht allein waren und daß alles, was zur Behebung der Krankheit notwendig war, geschah. Er selbst war von dieser EvideMie befallen. Nachdem er wieder genesen war, gehörte er zu den eifrigen dem er wieder genesen war, setzte er mit anderen die Anlage einer Wasserleitung durch, die nach ihrer Durchführung auch in der Tat der Typhus-Epidemie ein Ende setzte. Er unterhielt aus Mangel des Vorhandenseins einer Ortsapotheke eine Hausapotheke, die alle Arzneien und Medikamente vorrätig batte, welche bei Unglücks- und Krankheitsfällen zur ersten Hilfe sich als notwendig erwiesen. 1919 verschied seine treue, allgemein angesehene und beliebte, ihm ebenbürtige Lebensgefährtin. 1920 erfolgte nach fast 41jähriqer Amtstätigkeit in Thüngen und nach fast Sljähriaer Lehrtätigkeit seine Pensionierung durch den bayerischen Staat. Es lohnt sich, zu erwähnen, daß der evangelische Ortsarzt in Thüngen seinen Sohn in die jüdische Volksschule zum Unterricht schickte, weil sie von der Vorgesetzten Schulbehörde als die beste am Platze anerkannt und ausgezeichnet wurde. Nach seiner Pensionierung siedelte der Jubilar nach Frankfurt a. M. über, wo seine verwitwete Tochter ihm jene Güte und Fürsorge angedeiben läßt, welche dem verdienstvollen Vater bis heute körperlich und geistig selten rüstig und lebensfroh erhielt. Seinen Lebensabend füllt der Patriarch mit vielen Werken vorbildlicher Liebestätigkeit, mit selbstloser Unterweisung von Jugendlichen und Erwachsenen in reliaiösen Disziplinen verdienstvoll aus. Wir wünschen dem Jubilar weitere Jahre der Gesundheit und Arbeit. sH»y (Ein großer Abend des „Hasomir". Der Frankfurter jüdische Mannergesangverein „Hasomir" hat am Samstag abend im kleinen Saale des Saalbaues eine Probe seines Könnens abgelegt und, man darf sagen, weitgehende Erwartungen übertroffen. Der künstlerische Leiter des „Häsomir", 'Herr Leo R o - s e n b l ü t h, hat seine Sängerschar, freilich das' denkbar beste Material, fest in der Hand, und sein Dirigentenstab zaubert dynamische Schattierungen hervor, die eiN reines Kunstgenießen ermöglichen, Mr konnten Herrn Rblenblüth in doppelter Eigenschaft bewundern: Ms takstichexen HirigeNten pm auch als Solöf h n g s r von ausgiebigen-,. modulätionsfähigen Stimmmitieln. Geiste Vortragsweise wurde jedem Omud Ehre jnDen. W zwefte SolosänM, Herr Leo i aus Mannheim, ein lyrischer Tenor. von Weiche und Kraft zugleich, ist der typische „Kunstlerchäsän", für Ehasan wohl zu viel .Künstler, Ar Künstler vielleicht aber zu sehr Hhasan. Im K ö n z e r t s a ä I faszinierte er aber mst dem herrlichen Klang seiner Stimme, mit dem. Mchmelz und Man des Voxtrages. In den Höhenlagen schillerten und schiiNinerten die Töne. wie„fließendes Gold. Oestliches Ehasonos um» italienische Schulung, vollendete Technik bei tiefer Innerlichkeit. Pevi hatte nicht den Ehrgeiz, wie andere, deutsche ^Oratorien oher italienische Arsen zu singen, sondern er . beschränkte sich auf hebrgischx Gebetstücke und jüdische Lieder, und sö blieb er Meister in seinem Reiche bitz zum. Schluß. Auf hie einzelnen. Stücke, wollen wix hier nicht ejngehen. Sowohl die Chörgesänge des „Hasomir", in die sich Gott guter Tenors und prächtiger Bässe einschoben, hie Gesängsvo.rträge des Hauptsängers des Abends, wie das Baritön-Solo^des Herrn Röfenblisth fanden starken, ehrstchen und. wöhlberdienten Beifall. Es war ein Abend mit künstlerischem Niveau, mit dem sich der „Hasomir" bestens eingeführt hat. Der ^Verein zur Unterstützung unbemittelter israelitischer Wöchnerinnen, und zur Uebernahme von Gevatterschaften" zählt zu den ältesten jüdischen Vereinen. hiesiger Stadt. Er ist um d. I. 1740 gegründet, wurde 1833 durch Israel Wallach und Benjamin Niederhofheim 5>"sr reorganisiert und von Letzterem bis 1885 geleitet. Von da ab bis zu ihrem Heimgange waren Hermann Zuntz b"xr, Eduard Feist 4-27 und Wilhelm Schames als Vorstände tätig. Infolge der Inflation wurde das Vereinsvermögen verloren, doch gelang es durch Aufwertung einen Teil zu retten und durch Mitgliedsbeiträge wieder einige Mittel zu beschaffen. Die Zwecke des Vereins können daher wieder erfüllt werden. Bei Knabengeburten werden Gevatter und Mohel aus den Reihen der Mitglieder turnusgemäß gestellt und wollen die Eltern, die auf Beihilfe reflektieren, sich unter Vorlegung der Eheakten bei H. Hugo Bondi, Palmstraße 7 melden. Wir richten an alle hiesigen Glaubensbrüder die dringende Bitte, ihre Mitgliedschaft anzumelden und bei jederlei Anlässen. durch Spenden sich an dieser großen Mizwo zu beteiligen. Anmeldungen nehmen jedes der Vorstandsmitglieder und zwar die Herren: H. Hugo Bondi, Leopold Schwab. Rückertstraße 40 und Manfred Schames, Uhlündsträße 52 dankbar entgegen. Jfupa. Ein Kennwort? Za! Aber ein solches, das jedem jüdischen Mitbürger geläufig sein sollte. Es handelt sich um ein altes Werk der Menschenliebe, das schon reichen Segen gespendet hat im' Laufe von fünf Fahrzehnten, das aber in der heutigen und nächsten Zeit mehr als je berufen ist zu helfen, einem der bittersten Menschenschicksale zu begegnen: dem H u n g e r! Die Israelitische^ Suppenanstalt zu Frankfurt a. M. hat eine den gegenwärtigen Zeitverhältnissen gut angepaßte Aktion, großzügigster Art m ihrem Effekt, bescheidenster Art in den von ihr gestellten Anforderungen in die Wege geleitet. Eine Speisung für den Armen beläuft sich auf 20 Pfennige. Je nach seinen Verhältnissen soll der Einzelne monatlich eine gewisse Anzahl von Speisungen geldiich übernehmen und diese kleine Verpflichtung auf die Dauer von 5 Jahren Zusagen. Daneben ist die Möglichkeit gegeben, die von früher her bekannte und viel geübte Sitte, nicht oder weniger Bemittelte bei sich speisen zu lassen, in gleicher Weise a b z u l ö s e n. Es bedeutet dies für die heutzutage oft stark in Anspruch genommene Hausfrau und Haushaltung eine Entlastung, für den oder die zu Verpflegenden eine gewisse Erleichterung psychischer Art, während der edle Zweck voll gewahrt bleibt. Schließlich bietet sich bei den zahlreichen Ereignissen und Erlebnissen jedes Menschen die schönste Gelegenheit ohne fühlbares Opfer eine edle Tat zu vollbringen, zugleich als ehrende Erinnerung, als frohes Gedenken oder auch aus persönlicher Dankbarkeit. Da ist es der Geburtstag von Frau und Kind, hier ein Hochzeitstag, dort eine Jahrzeit, ein andermal der Gedenktag an ein besonders schönes Erlebnis, oder dis dankbare Erinnerung an einen wohlwollenden Mitinenschen. Wie reichlich also ist der Anlaß, an jedem solcher Gedenktage eine Anzahl armer Menschen, hungernder Kinder durch die Jsupa verpflegen zu lassen! Wie wohltuend und befriedigend aber das Bewußtsein! Die verhältnismäßig geringen Beträge — jeder kann sie nach seiner Leistungsfähigkeit staffeln, — gestatten fast jedem die Erfüllung dieser schönen Mizwoh. Möge niemand sich dem Rufe entziehen, sondern jeder sich mit Herz und Hand beteiligen. Schomer-Mzwo. Infolge des Ablebens der Frau N e u h a u s r-ry wird der Schiur des Schomer-Mizwo am nächsten Sabbat nach Schul im Haufe Gausstraße 14 abgehatten.