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Der Israelit · 1930-11-06 · Heft 45 (6.11.1930) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
71 (1930)
Issue
Heft 45 (6.11.1930)
Date
1930-11-06
Page
– (sequence 1)
Language
German
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6. November 1930 Nr. 45 granffutt 9Jtv bctt 45. Marcheschwan 5691 ifDer Israelit Begründet von Dr. Lehmann in Mainz. Abonnement ab Juli 1339: Deutschland 1.30 Marl monatlich; Ausland: Bierteljahrpreise (entsprechend demdeutsche» Inlandspreis zuzüglich Kosten des Streifband-Versandes) Deutsch-Österreich: Schilling 6.— : Amerika 1 Dollar; England 4 sh.; ab 1 Juli Frankreich23 Fr.; Belgien ab 1.7.27. Belga3.; Holland3fl.; Italien ab 1.1.38.18Lire; Jugoslavien 55 Din.; Litauen 7.50 Lit; Rumänien ab 1. 7. 37. 150 Lei; Polen 4 deutsche Toldmark zum Tageskurs oder 7 Zloty; Schweiz 5 Fr.; Tschecho-Slowakei 25 Kronen;,Ungarn Pengö 5 ab 1. Juli 1927; Dänemark 3.50 Krön.; Norwegen3.50 Krön.; Schweden 3.50 Krön. Einzelnummer vierzig Goldpfennige. Der Israelit erscheint jeden Donnerstag. Inserate 50 Goldpf. für die stebengesp altene Nonpareille-Zeile. Abonnenten zahlen bei Stellengesuchen und Familienanzetgen nur *0Pf. Die 75 mm breite Reklamezeile: letzte Textseite 2.- Mk., vorletzte Textsette 350 Mk.; Chiffregebühr in Höhe eines dopp. Fernbriefportos. Rabatt nach Tarif. Bei laufenden Inserataufträgen tarifm. Preiserhöhung jederz Vorbehalt. Inseratenannahme durch den Verlag des Israelit G. m. b. H., Frankfurt a. M, Rechneigrabenstraße 7, Tel- Hansa 21084 sow. durch sämtl. Annoncen-Exped. d. In- und Auslands. Alleinige Jnseratenann. für Franks. Geschäftsanz.: Jul. Schmidt, Langestr. 7, II, Tel. Hansa 25865. Platzvorschr. ohne Verbindlichk. Zahlungen direkt an den Verlag auf Post checkkontv Frankfurt (Main) Nr. 19812. - Außerdem an: Postiparkaffe Wien Ne.79«0o.-Nostsparkaffenamt Budapest Nr 18424.- Postscheckkonto Warschau Nr. 190757. - Postscheckamt Zürich Nr. VIII7254. - Inkasso-Bank Rotterdam — Postscheckamt Amsterdam Nr. 34889 - Postscheckamt Prag Nr. 79.060 - San«-» Marmarosch Blank & Co. In Bukarest - Filiale des Wiener Bankvereins in Agram. - Der Gerichtsstand für alle aus Abonnements oder aus Inseraten stch ergebenden Zahlungsverpflichtungen ist Frankfurt a. M. wurde. Die Kritik kam denen, die in Praxi das Die Erzväter, — Historie oder Offenbarung. Von Bezirksradbiner Dr. B. Cohen, Friedrichstadt. 1. Heller und heller rückt die Geschichte der Bäcker Israels ins Licht der Geschichte. Man lächelt Heute über alle jene Theorien/der Göttinger und der panbabylonischen Schule/ die die Erzväter mit den Mythen der Inder oder Sumerer in Beziehung setzt oder gar als Personifikationen der Sternwelt ausdeutet. Man ist sich eigentlich nur über die Details noch uneinig, — ob Hammurabi oder einer seiner späterer Nachfolger mit Amrafel identisch ist, — ob die Hebräer Habirr oder anders hießen und ähnliches. Auch grundsätzliche Fragen sind noch nicht" „restlos gelöst", — wie die nach dem Sinne der bei Abraham vorkommenden G'ttesnamen, und dennoch besteht -heute historisch bei jeder Unklarheit die Wahl, sich wissenschaftlich für eine dem biblischen Bericht entsprechende Auffassung frei zu entscheiden. Unser Awrohom, unser Jizchok und unser Jakow ftn'öins Licht der klarsten geschichtlichen Erkenntnis gestellt. Die Quellen scheidu ngsh ypothese hat ausgespielt, selbst die freigläubigsten Forscher erkennen die Einheit des 'Pentateuchs an, so daß die historische Wissenschaft jedenfalls keine, Gegeninstanz mehr gegenüber dem traditionellen Denken bildet. 4üe 'Probleme, die bei der Verteidigung der Verbalinspiration zu lösen sind, gehören nicht mehr dem Gebiete der Geschichte und Philologie an, sondern sind rein philosophisch-metaphysischen Charakters nnd damit weit mehr der Intuition unterworfen. 2. Allein es ist ein weiter Weg vom Erkennen bis zum Anerkennen. Man mag dafür Dankbarkeit empfinden, daß die Nebel des Zweifels sich gehoben haben. Das war eine Arbeit, welche von derselben Wissenschaft zu leisten war, die auch den Zweifel hervorgebracht hatte. Aber das gereinigte Gemüt nun auch von neuem zu den 'Idealen zu entflammen, die in den Zweifeln erstickt waren, — dazu ist keine Universität und keine Gelehrtenautorität imstande. Wir dürfen doch auch nicht vergessen, wann die große Entfremdung, wann die Synagogenreform ihren Anfang nahm. Das war ja gar nicht eine' Folge der kritischen Hypothesen, sondern es geschah vor 120 Jahren, als noch von solchen Theorien kaum die Rede war, — als noch die Einheit des Penckateulb gar nicht offiziell in Zweifel gezogen Joch abgeschüttelt hatten, nur hinterher als Beschönigung ihres Tuns gelegen; kein Wunder also, daß nach dem Abflauen der Kritik noch nicht wieder das jüdische Leben und Wollen zutage getreten ist. — Aber wir müssen noch weiter zurückgreifen. 3. Hatten wir denn vorher die Geschichte der Erzväter aus der Historie ihrer Zeit studiert? Nicht nur das nicht. Wir haben auch im jüdischen Kreise niemals die Thora als bloßhistorischen Bericht unserer Erzvätergeschichte gelesen. Es war nicht nur dem schlichten und biederen jüdischen Hausvater, nicht um Erkundung des Patriarchenzeitalters zu tun, sondern 'selbst die jüdischen Heroen des Weltwissens, selbst Maimonides und Jehuda Halevi in ihren Hauptwerken kennen nicht die bloße „Erforschung" der.Vorgeschichte Israels. Sie lebten m i t u n f e r e m Awrohom,mit unserem Jiz ch o kund mit unser emJaakow. Bis in ihr innerstes Gemüt waren sie erfüllt vory Lebenslauf, von den Geschicken und den Prüfungen unsres Awrohom. ToxnD37 •prvpizns ms „Man ende stets das Durchforschen der Thoraabschnitte mit der Gemeinde," nämlich zum Sabbat. Das ist die Lebensregel, welche das Leben jedes Einzelnen mit dem der Omans erfüllen und vereinigen soll. Ja, wir werden sogar von R. Schimaun ben Jauchoi ausdrücklich davor gewarnt, hv Jim nmn onm niD’D mira v anaixn irgendwelchen Bericht der Thora bloß als histo-. rische Erzählung aufzufassen. Wir haben wohl die historische Zuverlässigkeit jedes Berichtes der Thora festzuhalten, aber, wie selbst ein christlicher Gelehrter es gesagt: Das Historische an sich ist niemals Inhalt der Offenbarung. Wohl dem, der auch trockene Historie lebend mitempfindet und in jedem Bericht der Weltgeschichte einen Beweis der gEtlichen Weltregierung erkennt. Aber Thora, — Geschichte, vom Lenker der Zeiten selber berichtet, hat jeden, auch den nicht für g'ttliche Weltlenkung hellhörigen Leser zu ergreifen, ganz zu erfassen und zu erleuchten. 4. War, als vor einem halben Menfchenalter die Apologetik ihre so wenig beachteten Siege feierte, das bittere Wort vom blinden Glauben an das apologetische „Serum" berechtigt? Gewiß nicht. Doch liegt es an uns, ob wir ihm nicht noch hinterher Recht verschaffen wollen. Wenn die Abwehr negativer Theorien entweder als Bekehrungsmittel böswilliger Judenfeinde oder als Wiedergewinnungslektüre für Abgefallene von uns gewertet wird, — dann war das Lebenswerk mehrerer jüdischer Gelehrter des vorigen Geschlechts umsonst, und es seines Zweckes beraubt und um seine Früchte betrogen haben-wir. Da aber jüdische G'ttestreue nicht im Helldunkel des Vielleicht und Alsob, sondern im Tagesglanz der Wirklichkeit am lebenswärmsten ausblüht, so dürfen und sollen wir heutigen Gesetzesbefolger die Arbeit jener Gelehrten als Sonne empfinden lernen, die unserer Liebe zu unseren Owaus neues Licht, neue Wärme und neue seelische Schwingen verleiht. Nicht als geringsten Zweck ihres Tuns und Forfchens haben die damaligen Großen es betrachtet: Zu immer stolzerem und edlerem Eifer in der G'ttestreue uns selber anfeuern. 5. Es ist ein kleines Geschlecht, das in der Wissenschaft eine große Zeit erlebt. Wir werden lange warten können, bis im Volke, im geplagten Manne des Handwerks und des Erwerbes, die segensreiche Wirkung auch nur der historischen Rehabilitierung der Erzvätergeschichte sichtbar wird. Um so mehr ist es unsere, der historisch Orientierten, jüdische Pflicht, den Außenstehenden das Ergriffenfem von der Erzväterlebensweisheit in praxi vorzuleben. Vielleicht kommt dann auch dieses Mal die Theorie der Praxis nach. Erst Ueberzeugung und Awrohomsleben der Wenigen, dann der Vielen, und zuletzt Awrohoms-Glaube der Vielen. 6. Und wird es uns fchwer^gemacht, die Nachfolge Awrohoms änzutreten? Wir sollen ja nicht eine Offenbarung nachempftnden> die etwa ein Einzelner in seinem Leben vollzogen und für die er sich geopfert hätte. Solches Lebensopfer wäre uns eine Unwahrhaftigkeit. Unser Jizchok verläßt lebend den Opserberg. Nicht sein Endigen und Verlöschen ist das gottgewollte Ganzopfer, sondern die volle Hingabe seines lebenden, bewußt wirkenden freien Menschenwillens. Nicht ein Einzelner opfert sich, sondern ein Familienstamm tritt ein in G'ttes Dienst. Mt Jizchok ist unser Ganzopfer begonnen, unseres Lebens tägliche Unterordnung unter G'tt. Lauschen wir nur gern eifrig der Historie eine Ahnung davon ab, in einer wie g'ttfremden Zeit Awrohom solches Opfer vollzog. Lassen wir nur von der Historie uns die Folie malen, auf der sein Licht erstrahlte. Das wird unseren Stolz, Awrohoms Kinder zu sein, nur stärken. Aber vergessen wir das zweite Kapitel der Erzvätergeschichte nicht zu lesen und

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