Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 71 (1930)
- Issue
- Heft 43 (23.10.1930)
- Date
- 1930-10-23
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 14. Nr. 43 Der Israelit 23. Oktober 1930 Tobias. Ein jüdisches Idyll. Bon Saly Geis in Tel-Aivi». (Schluß.) Zwei beten zu gleicher Zeit und werden erhört. Einmal war es Tobias sehr weh, da erhob er seine Stimme und weinte und flehte zu G'tt: „Gerecht bist Du, G'tt; gerade M Dein Urteil; Liebe und Wahrheit gehen Dir voran! G'tt, gewähre mir Gnade und ahnde nicht an mir meine Sünden! Die Sünden meiner Jugend und die Vergehen meiner Väter laß vor Deinen Augen schwinden! Weil wir Deine Gebote ' verlassen haben, hast Du uns in die Hand unserer Feinde gegeben, uns zu züchtigen durch Gewalt,- Schwert und Gefangenschaft! Wir sind zur Verachtung und zur Schmach in den Völkern geworden, unter die Du uns verstoßen hast! Große und furchtbare Strafgerichte hast Du an uns vollzogen, da wir Deinen Bund übertreten haben und nicht den Weg der Wahrheit vor Dir gegangen sind. Und nun, — erweise mir doch die Liebe, meine Seele in Frieden von mir zu nehmen, denn mir ist der Tod besser als das Leben!" Zur gleichen Zeit fühlte sich Sarah, die Tochter Reuels, in Regofch im Lande Medien, geringgeschätzt vor der Magd ihres Vaters, denn sie war sieben Männern verlobt gewesen, einer nach dem andern, und am Tage ihrer Hochzeit erschreckte sie der böse Geist Aschmedai, und sie starben. An eben diesem Tage mm< stritt sie mit der Magd, und da sprach diese: „Ein Männer mordendes Mädchen bist Du! Möge nie von Dir Leibesfrucht, weder Sohn noch Tochter, gesehen werden! Willst du mich wohl töten, wie du deine sieben Männer getötet hast?" Als Sarah diese. Schmähungen hörte, da stieg sie in der Kümmernis ihres Gemütes in das Dachzimmer, blieb dort drei Tage, Tag und Nacht, ah und trank nicht, weinte und flehte zu G'tt, die Schmach von ihr zu nehmen. Als sie am dritten Tage ihr Flehen beendet hatte, da stimmte sie G'tt eine Lobpreisung an und sprach: „Gelobt sei Dein Name, G'tt, mein G'tt, und G'tt meiner Eltern! Auch in Deinem Unwillen übst Du Liebe und verzeihst unsere Vergehen in der Zeit der Not, wenn wir Dich anrusen! Zu Dir, G'tt, erhebe ich mein Gesicht, und meine Augen schmachten stets nach Deiner Hilfe! Und nun, G'tt, nimm doch meine Schmach weg, und befreie mich von meinen Nöten! Wenn aber nicht, — dann laß meinen Geist zu Dir zurückkehren! Offenbar und bekannt ist es vor Dir, daß ich keinen Mann verlangt habe und daß ich mich vor jedem schlechten Begehren gehütet habe. Und nun habe ich nicht gewußt, ob sie mir nicht teuer waren oder ob ich ihnen nicht teuer war und Du mich bewahrt hast einem anderen Mann, denn Deine Gedanken sind nicht die Gedanken des Menschen. Darauf aber vertraue ich, daß Du Dich derer erbarmst, die Dich fürchten und ihre Seele von den Nöten erlösest. Wen Du liebst, den weist Du zurecht. Du bist kein G'tt, der das Verderben will. Auf Deinen Befehl leuchtet die Sonne nach dem Gewitter; so umwandelst Du auch unsere Trauer in Freude und Jubel. Dein Name, G'tt, sei gepriesen von jetzt bis in Ewigkeit!" G'tt ließ sich an dem gleichen Tage von beiden erflehen. Er schickte sein Engel, Rafael, sie von ihrem Unglück zu heilen. Ihrer beider Flehen war wie ein einziges Flehen zum Himmel aufgestiegen. Mescholim. Nachlese. Don S. BruShrimer in Marktbrelt. 1. Als vor Jahrzehnten das weit bekannte Heidingsfeld noch eine „Mutter" war in Jisroel, da bestand dort auch noch eine Maariw-bismano-Chewroh. Einmal im Jahre versammelten sich deren Mitglieder zu der Chewroh- S'udoh, die einem Hochzeitsgelage glich. Und weil der Teilnehmer, viele.waren,, und.es. am Raume mangelte, erhielt jeder einen Tag zuvor eine vielfarbige, mit einer Nummer versehene Marke, die den Tischplatz bezeichnete. Jakob Hirsch, von dem man nie recht wußte, ob er. ein wenig kindisch, sei oder nur andere zum Narren halten wollte, gefiel dieses wie ein Regenbogen schimmernde Papierchen sehr wohl und er steckte es mit einer Nadel an den Fenstervorhang. Nicht lange darnach besuchte König Ludwig I. dieses alte Städtchen. Alle Vereine, die Feuerwehr, der Kriegerverein und alle die andern waren aufgefordert worden, Spalier zu bilden. Und wer auch nur so ein Bändchen, Abzeichen oder gar einen Orden hatte, trug sie auf der Brust auf dem schwarzen Rock. Als Jakob Hirsch die so Geschmückten an seinem Haus Vorbeigehen sah, fuhr ihm ein selbstbewußtes Lächeln um den Mund. Er lief zum Schrank, zog seinen Jomtof- Anzug an und heftete die noch blinkende Tischmarke von der Chewroh-S'udoh an den Gehrock. Dann eilte er vor das Rathaus, stellte sich dort in eine der vordersten Reihen und verfolgte aufmerksam die Begrüßungsreden. Als die Feier ihrem Ende sich zuneigte, schritt König Ludwig die Reihen entlang, den und jenen nach' dem Grunde seiner Auszeichnung fragend. Und der Zufall ließ ihn auch vor Jakob Hirsch stehen bleiben. „Und wo hat Er diesen Orden her?" fragte der Fürst, der sich sicher nicht soviel Zeit genommen hatte, jedes Abzeichen genau zu betrachten. „Jakob Hirsch stellte sich in Positur, und mit kräftiger Stimme erscholl seine Antwort: „Bon der Maariw-bismano-Chewroh!" 2. War es nun gleich anschließend an diese Feier oder war es an einem anderen Orte — jedenfalls ist es verbürgt, daß Ludwig I. einmal eine Synagoge besuchte und sich von dem Vorstande das und jenes erklären ließ. Auch an die sonstigen Anwesenden richtete er einige Worte. „Und was ist Er?", fragte er einen Beamten der Gemeinde. „Ich bin Judenschächter," sagte dieser. König Ludwig winkte gnädig mit der Hand: „Schacht' Er ruhig weiter!"-- 3. Schon sechs Tage wartet Aron Baum, daß er von seinem jung verheirateten Freunde Schelomoh zu den Schiwoh j'me mischteh eingeladen werde. Ihm ist nicht so sehr um die Ehre als um das gute Essen zu tun. Am siebten Tag stellt er sich ans Fenster und schaut hinein in die Gasse, von woher der Bote kommen muß. Schon neigt sich die Sonne. Seit dem frühen Morgen hat er nichts mehr gegessen. Denn er will mit einem respektablen Appetit aufwarten können. Als aber die Sterne aufziehen, gibt er alle Hoffnung auf. Im nagenden Hunger und im Zorn würgt er sein mageres Abendbrot hinunter und geht zu Bett. Da — wirklich — jetzt zieht jemand an der Hausglocke. Die schon begrabene Hoffnung springt hoch und ein Freudenstrom engt ihm den Atem. Und schnell steckt er den Finger in den Mund.- Dann läuft er ans Fenster, reißt es auf und sucht in der dunklen Tiefe nach dem Boten. Doch an der Haustüre steht der alte Schmul, sein Nachbar, und ruft herauf: „Aron, komm' runter! Lewonoh mekadesch sein!" 4. Elkele ist eine alte Jungfer. Ihr Haus steht zwar am Ende des Dorfes, aber nie ist sie allein. Da kommt die Hanne und bringt Zucker und echten Bohnenkaffee, und die Frum's Rifke, die von ihr selbst gemachte Hauswurst. Auch Bauernfrauen gehen ein und aus. Denn klkele kann „schormen".*) Und manche von ihnen zweielt nicht, daß nur Elkele ihr geholfen habe. Aber Elkele verrät nicht ihre geheime Kunst. Die Leute wissen nur, daß sie mit der Hand die kranke Stelle berührt und dabei etwas für sich hin brummelt. Als Elkele nicht mehr lange zu leben hatte, hat's chr die Hanne doch entlockt. „Elkele, sag' mir's doch! Warum soll's denn mit dir begrabe werde! Willst du habe, daß wir von jetzt ab unsere geschwollene Finger, die Brandblase', die Kröpf' mit uns rumschleppe bis in alle Ewigkeit? Sag' mir's, Elkele sitzt im Bett. Sie ist schwach. Und gibt nach: „Hör zu, Hanne! Ich Hab' immer, aber ganz leis gesagt: „E Sommerhut und e Winterhut Ist für warm und kalt gut. Hilft's dir nichts, Schad's mir nichts! Omen seloh!" *) Krankheiten besprechen. 5. . , ‘ Wenn Vrum's Mosche am Schabbos feine Ochsen an den Brunnen führt, kommt regelmäßig der Christof aus seinem Haus, das nicht weit davon steht, und bietet einen respektablen Preis. Auch am Jomtof leistet sich Christof diesen Spaß. Doch Mosche kommt nicht aus dem Gleichgewicht. „Heut ist Jomtof, Christof!" — — Wieder einmal führt Moschehin Schabboskleidern seine Ochsen zur Tränke. Und schon steht der Christof da und sagt: „Feine Ochsen, gute Ochsen! Für die da geb ich dir gleich 1700 Mark." Und streckt die Hand aus. „Sollst sie haben, Christof! Sollst sie haben!" Und Moscheh schlägt sie ihm ein, daß es noch in die Gassen hinein klatscht. Christof steht versteinert. Endlich kommt er zu sich: „Du hast doch heut Jomtof, Mosche!" „Ne, Christof! Wenn ich heimkomm, zieh ich mei Schabhoskleider wieder aus!" - 6. Lobs Frau ist eine gute Köchin. Und doch hat ihr Mann an jeder Speise etwas aüszusetzen. „Macht scho wieder Pilpulim," denkt Sorle. Aber sie sagt stie etwas. An einem Dienstag, als Löb gerade auf die Dörfer fahren will, bringt sie ihm ein Gansdicht. Ein wenig in Fett warm gemacht, so daß die ganze Stube nach Gansbraten duftet. Löb brummt schon etwas vor sich hin. Da kommt der Rosenbauer in das Zimmer. „Rosenbauer," schreit Löb, trotzdem ihm das Wasser im Munde zusammenläuft, „Rosenbauer, versuch's emol, ob mer so e Zeug esse kann." Und wirft die Tür zu und macht sich für einen Augenblick auf dem Gang zu schassen. Aber viel gönnt er dem Rosenbauer nicht. Schon klinkt er wieder die Türe auf. Da sieht er den Bauern, wie ihm das Fett das Kinn herabläuft, wie er würgt und schluckt. Und sieht aber noch ein anderes, was ihn bis ins Herz trifft. Auf dem Teller liegt der abgenagte Knochen; und auch nicht eine Faser Fleisch ist mehr daran. „Mh, mH," macht der Bauer und streicht seinen Leib. „Ja, so was Fein's, Löb, so was Fein's eß' ich gerne!" 7. Die Frummet kommt zur Nachbarin gelaufen: „Chajeh, leih' mir mal schnell einen Löffel voll Salz zu meine Berches!" Chajeh: „Hab selbst kei Salz im Haus, Frummet." Frummet erbost: „Das ist mer aber e schöner Haushalt, wo nit emol e Löffel Salz do is." Literarische Notizen. Mit Jahresbeginn ist eine rabbinische Monatsschrift in Jerusalem unter dem Titel ps min ins Leben gerufen worden. Die Monatsschrift erscheint unter der Verantwortung des „Vereinigten Rabbinerkomitees". Das Jahresabonnement beträgt Sh. 12.— oder Dollar 3.—. Die Adresse lautet: Torath Eretz Israel, P. O. B. 614; Jerusalem. Pal. Von der Monatsschrift „Jawne" in Lemberg (Lwow, Ul. Zolkiewska 25 / II) ist zu den Feiertagen ein Doppelheft erschienen, das vornehmlich der Lubliner Jechiwa gewidmet ist. Es enthält Artikel aus der Feder bedeutender rabbinischer Persönlichkeiten. Die Festreden Rabbi Meier Schapiras wie der Rebbes von C z o r t - k o w und Ger sind wörtlich wiedergegeben. Weitere Aufsätze von Rabbi Laski, Dr. Jung, H. L. Landau u. v. a. werden mit Aufmerksamkeit gelesen werden. „Jawne" Ist die einzige hebräische Zeitung in Galizien und ein Wahrzeichen der gesetzestreuen Arbeit in diesem Lande. ^,eÜRO JULIUS SCHMIDT < FRANKFURT AM MAIN O LANGESTRASSE 7 2 TELEFON HANSA 25865 FRANKFURTMAIN 142 353 EINZIGE INSERATEN.AN- ® NÄHME FÜR FRANKFURTER GESCHÄFTS-INSERATE DES »ISRAELIT« AUSSERDEM ANNAHME VON INSERATEN FÜR SÄMTLICHE HIESIGE UND AUSWÄRTIGE TAGESZEITUNGEN. WOCHEN- UND FACHBLÄTTER ZU ORIGINALPREISEN *ANNAHME VON DRUCKSACHEN (HANDEL, GESCHÄFTE, PRIVATE) FÜR DIE HERMON-DRUCKEREI BEI BILLIGSTER BERECHNUNG UND KÜNSTLER. AUSFÜHRUNG IN SCHWARZ- UND BUNTDRUCK