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Der Israelit · 1930-10-01 · Heft 40 (1.10.1930) · page 6

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
71 (1930)
Issue
Heft 40 (1.10.1930)
Date
1930-10-01
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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■d'i t\ Tf;§;.!; mm Seite 6. Nr. 40. Der Israelit 1. Oktober 1930 statt Zugaben: „Qualität" ist und bleibtderBeste! Die antideutschen Demonstrationen in Prag arten in schwere antisüdische Ausschreitungen aus. Prag, 26. Sept. Wre schon mitgeteilt, kam es in Prag im Zusammenhang mit der von der tschechischen Rechtspresse geschürten Kanipagne gegen die deutschen Tonfilme auch zu schweren antisemitischen Ausschreitungen. Hierüber ist noch mitzuteilen: Die Demonstrationen nahmen ihren Anfang vor dem Kino „Avion" auf dem Wenzelsplatz, wo eine erregte Menge gegen den Tonfilm „Der ewige Lump" demonstrierte und dabei Schmährufe gegen die Juden ausstieß, wie „Nieder mit den Juden", ,^Hier ist eilt tschechisches Kino und keine Judenschule", „Pfui über die Juden" usrw Das Kino wurde demoliert. Die Polizei sah untätig zu und nahm erst später einige Verhaftungen vor. Die Demonstranten zogen zum Beth Haam (Jüdisches Volkshaus) in der Langegasse, in welchem sich das Kino „Roxy" befindet. Das Kino wurde demoliert. Sämtliche Fensterscheiben des im Beth Haam befindlichen Kaffeehauses wurden eingeworfen. Auch hier wurden Schmührufe gegen die Juden ausgestoßen. Die Demonstranten zogen schließlich auf die Nationalstraße, wo sie riefen: „Prag den Tschechen, Palästina den Juden". Die Demonstranten sind nicht nur auf die Hetze der Rechtspresse, vor allem der „Narodny Lisch" zurückzuführen, deren gestriger Leitartikel einen stark antisemitischen Charakter trug, sondern auch auf nationalsozialistischen und kommunistischen Einfluß. Die Polizei hat vollständig versagt. Auf dem Graben wurde gestern der Sohn des Prager Polizeipräsidenten, Karl Malek, unter Rufen wie „Hier diesen Juden", „Haut die Juden" verprügelt. Malek ist kein Jude. Die Erregung in der Prager Judenschaft ist überaus groß. Man nimmt an, daß die Demonstrationen eine parlamentarische Anfrage von jüdischer Seite zur Folge haben werden. Gegen Mitternacht zogen starke Gruppen von Demonstranten in die Gassen der Josefsstadt, wo sie mit Zaunlatten gegen jüdische Firmenschilder und Schaufenster vargingen und auch sonst vandalisch hausten. Am 25. September abends wiederholten sich die antideutschen wie die antijüdischen Demonstrationen. Nachdem die Demonstranten an das von Gendarmerie geschützte „Deutsche Haus" nicht heran konnten, zogen sie gegen 11 Uhr abends in die Melantrich-Gasse und zerstörten unter dem Rufe „Nieder mit den Juden!" die jüdischen Geschäftsläden dieser Gasse vollkommen. Die Polizei, die ganz in der Nähe postiert toar, erschien ajbcr erst, alsdas Zerstörungswerk beendet war und die Demonstranten sich entfernt hatten. Dann, sperrte sie das Terrain für Neugierige ab, . Das Prager Oberrabbinak provisorisch beseht. P r a g, 19. Sept. Wie die ITA erfährt, wurde das durch den Abgang Dr. Heinrich Brodys seit 1. September freigewordene Oberrabbinat Prags durch die Bestellung Dr. Aladar D e ml. f ch s zum Leiter der Agenda des Oberrabbinates provisorfsch besetzt. Die Schwierigkeiten, einen Nachfolger für Dr. Heinrich Brody zu finden, lagen besonders in der sprachlichen Seile der Prager Oberrabbinatsfrage. Für den Prager Oberrabbiner werden von der tschechischen Oeffentlichkeit die Kenntnisse der Staatssprache gefordert. Dr. Aladar Deutsch, der im 62. Lebensjahr steht, ist in Miskolcz in Ungarn geboren, studierte an ungarischen Talmudhochschulen und kam i. I. 1900 nach Prag, wo er Rabbiner am Jerusalem-Tempel wurde. Zur Entscheidung über religiöse Fragen und zur Aufsicht über die rituellen Institutionen Prags wird ein Dajan bestellt werden. Starker Rückgang der jüdischen Bevölkerung Prags. Prag, 21. Sept. In der letzten Sitzung der Jüdischen Gemeinde machte der Präsident derselben, Abg. Dr. L. Singer, Mitteilung von den besorgniserregenden Rückgang innerhalb der jüdischen Bevölkerung Prags, der in den Zahlen für die Monate Mai, Juni und Juli zum Ausdruck kommt. In dieser Zeit wurden bei einer Zahl von 31 751 Israeliten in Prag 23 Geburten und 56 Todesfälle verzeichnet. — Ein noch grelleres Bild zeigt die allgemeine. Statistik. Während Prag insgesamt einen Bevölkerungszuwachs von 19 Prozent seit der letzten Volkszählung (1921, also innerhalb 9 Jahren) aufzuweisen hat, differiert der Prozentsatz des Zuwachses in den einzelnen Vierteln sehr stark und ist in den von Juden stark bewohnten Vierteln gleich' Null. Schweden. Zur Schomre Schabbos-Bewegung. Stockholm, 25. Sept. Im Weltkongreß der Schomre Schabbos-Bewegung üiurde Dr. W o h l st e i n als Mitglied des Eentralkomitees ernannt. Für Dänemark wurde Oberrabbiner Dr. Friedinger und für Norwegen der neue Rabbiner Dr. Samuel gewählt. Alle diese Herren entfalten eine große Tätigkeit, und es ist zu hoffen, daß diese segensreiche Arbeit für die Schomre Schabbos-Bewegung von bestem Erfolge gekrönt sein wird. Rumänien. Beschlüsse der Landeskonferenz der betzarabischen Juden. Kischinew, 19. Sept. Die Landeskonferenz der beßarabischen Juden hat eine Reihe Beschlüsse angenommen, die u. a. eine Vertrauenskundgebung für den jüdischen Parlamentsklub, sowie die Forderung der Juden Rumäniens auf ungestörte nationale Entwicklung sowohl im Interesse der Judenschaft als auch im Interesse des Staates zum Inhalt haben. Die Konferenz erkennt die Notwendigkeit einer selbständigen national-jüdischen Politik an und fordert den Generalrat auf, alle Teile der rumänischen Judenschaft auf der Basis einheitlicher nationaljüdischer Politik zu vereinigen. In das Direktorium des Generalrates der Juden Rumäniens wurde Oberrabbiner I. L. Zirelsohn, in den Generalrat wurden die folgenden Herren gewählt: Ado. Rosenhaupt, Rabbiner Sternberg, M. Helimann, I. Skwirski, Sch. Berliand, Rabbiner Kaplivazki, I. Eppelboim. (J.T.A.) Palästina. Rosch Haschanah in Jerusalem. I e r u s a l e"nt, 25. Sept. Die Rosch Haschanah-Tage sind in Jerusalem ohne wesentliche Störungen vorübergegangen. Juden aus dem ganzen Lande waren zur Klagemauer gepilgert und besuchten die großen Synagogen in der Altstadt. Dieser gewaltige Zustrom von Menschen bewirkte eine noch stärkere Ueberfüllung der Synagogen als in früheren Jahren. An der Klagemauer wurde fast ununterbrochen G'ttesdienst abgehalten. Das von'Rabbi Sonnenfeld geleitete Maariw-Gebet war von überlautem Gesang einer kleinen Gruppe von Betern in der Zawieh-Moschee begleitet. Das Verbot des Schofarblasens an der Klagemauer nötigte die dort Betenden, zum Mufsaf die ständigen Synagogen auszusuchen. Während des Maariw-Gebetes an der Klagemauer wurden zwei Steine unter die Versammelten geschleudert, glücklicherweise ohne jemand zu treffen., Es gelang den Polizeipatrouillen, welche die Zugänge zum Platz vor der Klagemauer bewachten, nicht, der Täter habhaft zu wedren. — Am Abend des zweiten Festtages waren die Straßen Jerusalems durch zahlreiche jüdische Spaziergänger belebt, die Filmtheater wiesen nach der zweitägigen Spielpause einen Rekordbesuch auf. Waffenlager in den arabischen Dörfern Palästinas. — Unausgesetzter Waffenschmuggel aus Transjordanien. Jerusalem, 24. Sept. Die Beschlagnahme von 100 Militärgewehren in einem Dorfe des Haurandistriktes in Französisch-Syrien lenkt die allgemeine Aufmerksamkeit auf das Vorhandenem zahlreicher großer Waffen- und Uunitionslager in den arabischen Dörfern Syriens und Palästinas. Viele dieser Waffenlager wurden zu einer Zeit angelegt, als gettKWe Die großartigste Neuerung seit Erfindung des Gasherdes! Braten u. Grillen im eigenen Saft, ohne Begießen, ohneVorkenntnisse, im neuen SENKIN G - - Gasherd Mod. 1930 Rituelle und Sabbat-Vorschriften werden gern berücksichtigt > E. HAGE & Co. Am Eschenheimer Tor 3 die Türken auf ihrem Rückzug aus den syrisch-palästinensischen Schlachtfeldern große Mengen von Waffen im Stiche lassen mußten. Aber auch nach dem Kriege gab es einen lebhaften Waffenhandel und viele Dörfer haben ihren Waffenbesitz ständig vermehrt. Aus verläßlicher Quelle erfährt die ITA, daß trotz der Wachsamkeit der Polizei der Waffenschmuggel über den Jordan unvermindert andauert. Man schätzt die Anzahl der Gewehre, welche im Laufe dieses Jahres aus Transjordanien nach Palästina gebracht worden sind, auf 5000. Die transjordanischen Behörden erlauben das Waffentragen, um die Bewaffnung der Araber in Palästina, wo. Waffenverbot herrscht, zu ermöglichen. Vor kurzem hat die Polizei eine Bande arabischer Waffenschmuggler aus Transjordanien auf frischer Tat ertappt. Der Leiter des Hauptbüros der palästinensischen Geheimpolizei, Hauptmann Riggs, konnte die Bande dadurch überführen, daß er, als Araber verkleidet, Waffen zu kaufen versuchte. Der Waffenverkauf wurde von den Arabern auf einem alten jüdischen Friedhof auf dem Oelberg betrieben. Als Hauptmann Riggs sich als Polizeiführer zu erkennen gab, und zur Verhaftung der Schmuggler schreiten wollte, sielen diese mit Messern über ihn her. Hauptmann Riggs konnte sich nur mit Hilfe seines Revolvers der Angreifer erwehren. Schließlich gelang die Verhaftung der Schmuggler und ihre Eskortierung zur Polizeistation in Jerusalem. Amerika. Präsident Hoovers Rojch-Hafchanah-Botschafk an die amerikanische Iudenheit. Washington, 19. Sept. Anläßlich des verflossenen Rosch-Haschanah-Festes hat' Präsident Hoover durch die ITA nachstehende Botschaft an die amerikanische Iudenheit erlassen: Ich sende der loyalen und dem Staate ergebenen jüdischen Bevölkerung, die in den nächsten Tagen das Rosch-Haschanah-Fest feiern wird, meine herzlichen Elück-- wünsche. Das jüdische Volk hat durch zahllose unsschätzbare Werke zum menschlichen Fortschritt beigetragen, unter diesen Werken ist ihr Beitrag zum geistigen Leben der Menschheit der bedeutendste. Alle Mitbürger ohne Unterschied von Stammes- und Glaubenszugehörigkeit vereinigen sich, um den Juden anläßlich des jüdischen Neujahrsfestes ihre freundschaftliche Gesinnung und ihre Glückwünsche zum Ausdruck zu bringen. Die Woche. Generalversammlung der Agudas Jisroel-Orlsgruppe. Am 21. September fand in den Räumen der Agudas Jisroel-Jugendgruppe in der Schwanenstraße die Generalversammlung der Agudas Jisroel-Ortsgruppe statt. Nach kurzen Worten der Begrüßung durch den Vorsitzenden, Herrn Leopold Oppenheimer, ergriff Herr Jacob R o s e n h e i m das Wort, um den zahlreich erschienenen Mitgliedern und Gästen ein eingehendes Referat über die Tätigkeit der obersten Leitung der Agußas Jisroel im Jahre 5690 und über die gegenwärtige Lage der Agudas Jisroel zu erstatten. Der Redner ließ die finanziellen und organisatorischen Fragen, die umfassenden praktischen Arbeiten des Keren Hathora und der Palästina-Zentrale auf dem- Gebiete des Dechenkalenber. v. 4. - 11. Oktober 193V v. 13. — 19. Ttschri 8691 Samstag 4 .J 12| Sonntag s 13 Montag 6 14 JTDD 31S Dienstag Okt 7 Mm 15 oisvi rr bv Mittwoch 8 16 TVDDI '3 BV Donnerstag 9 17 Freitag 10 18 |s Samstag 11 19 ‘ p V"N1N N3V-

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