Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 71 (1930)
- Issue
- Heft 39 (26.9.1930)
- Date
- 1930-09-26
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Beilage Ri. 39 1930 Kchyfartöne im Kerker. Von Julius Lfökmely. (Einzig autorisierte Aebersetzung aus dem Ungarischen von Maurus Mezei in Wien.) (Schluß.) „Ihr fallet nicht um, ihr Juden!?", brüllte der Vorsitzende in wilder Leidenschaft, und sein Gesicht wurde gleichsam lilafarbig, als er in die Höhe sprang. „Ihr wälzet euch nicht auf der Erde, ihr Würmer, weil ihr glaubet, daß euer G'tt vielleicht ein Wunder tun wird? Er wird es nicht tun, justament nicht, . . noch heute Pachmittag will ich mit euch Schluß machen, ihrHeiden. Heute Abend schon werdet ihr nur mehr Staub und Asche sein." Jede Faser in ihm zuckte vor Wut, dann griff er sich entsetzt ans Herz und fetzte sich. Sein Herz hörte vor Aufregung fast zu schlagen auf. Er trank ein Glas Wasser und nachdem er sich ein rpenig beruhigt hatte, sprach er: tl „Nein, doch nicht heute, sondern so^wie .ich zuerst gesagt habe. Erst nach euren Feiertagen werdet ihr sterben. Was würdet ihr ^glauben, wenn ich euch schon heute sterben ließe? Ihr würdet glauben, euer G'tt habe euch vergangenes Jahr in das Buch des Todes eingeschrieben. Also warten wir nur die Feiertage qb und die Eintragung ins neue Buch . . . Jetzt aber, Don Jose y Garcia", sagte der Vorsitzende, sich an.diesen wendend, „übernimm die Gefangenen undbringe sie in dien Kerker, behindere sie aber nicht in ihrer Bewegungsfreiheit. Wenn. sie - beten wollen — sie sind gerade zehn, die nötige Anzahl — lasse sie zusammen kommen, damit sie zu ihrem G'tt um ihr elendes Leben flehen." Eine halbe Stunde später waren die zehn Juden in einem gemeinsamen Saal' untergebracht. Das mit einem eisernen Gitter beschlagene Fenster befand sich oben am Plafond, mehr als drei Klafter hoch, die einzige Tür des Saales aber führte in das Zimmer Don Joses . . . von hier zu entfliehen war etwas Unmögliches. Don Jose aber war ein treuer Kerkermeister Sein wie Quarz so hartes Herz war von einer eisernen Panzerbrust umschlossen; von diesem Panzer prallte jedes Versprechen, jedes flehende Wort und alles Gold zurück: das wußte Don 'Pedro Romanones, der Vorsitzende des Gerichtes, sehr gut. vr v :\’;H / /' "Am Nachmittag '/des @rÄp Rofchchaschöno warf einer det Verteilten di^ Frage aüf: /Ist 4s erlaubt? Ist es Ms'Maubt)chMe AOM'Und 'tnorßen und''übertttorgett zu Mett!" sochrenü' lechajim? Ist es uns "erlaübt M'Hetzen!' Äwinu "Mcklkenu, koSwenu 'besepher' MW taüwiim?^ Und schluchzend fügte er hinzu: „Erwartet doch unser der unausweichliche Tod auf dem Scheiterhaufen!" * Don Jose Christosoro y Garcia lächelte überlegen' vör sich Mn, M er diese entsagenden Wötte vernahm. Aber schon im nächsten Augenblick fühlte der freiwillige Prosoß dennoch, wie etwas an öiHm 'eifern en P'änzer pochte! Diese pochende Faust waren jene Wortedie über Don Manuel Burguetes Lippen kamen: „Schwankend ist dein Glaube, Bruder, und ich weiß wahrlich nicht, soll ich mich deinetwegen schämen, oder soll ich dich bedauern, daß du so kleinmütig bist. Es ist uns.nicht nurerlaubt, für unser Leben zu beten,wir würden sogar, eine Sündr...begehen!, wyMen wires nititf tun^Wir würdest dämit nür. -andeüten, Saß wO dem ÄllmäMgm nicht wertxauen, währeyd-wivHMHoch selbst/dann noch vertrauen Müssen)wenn bereits die Flammenzungen des Scheiterhaufens an unseren Körpern.leckest." .. „So ist es," stimmten 'die anderen bei und auch jener rnfi der'schwächlichen SeA-e sprach nunmehr: „Wir müssen Ä'tt vertrauen und wir werden es auch; selbst mit entschwebender Seele werden wir noch unserm G'tt und Vater vertrauen." Don Jose Christosoro lächelte , schön/nicht mehr. Er wurde sehr ernst und er fragte sich: „Fühlen sie sich denn G'tt so nahe, daß sie auch jetzt noch so reden, so glauben können?! Haben sie denn ihren G'tt, ihren Hafchem, oder wie sie ihn nennen, schon irgendwo geschaut? Und haben .sie schon seine allmächtige große Macht gesehen?" Er konnte njcht widerstehen, er ging hinein in den Saal zu. den zehn Männern,.und ließ sich mit ihnen in. eist-. Gespräch ein. Das erste,-Mas er sie fragte, war; „Habet ihr denn G'tt und seine -Kraft schon gesehen, daßihr seiner Hilfe so sehr? vertrauet . . .-saget mir?" .v\ .v-\ --!ü u 'o ^- Don Manuel Burguete erwiderte mit leiser Stimme, aber beseelt: v „Wir haben ihn nicht gesehen, aber gesehen haben ihn unsere Ahnen. Unser Stammvater AbbcthaiE'itt Ub-KüMrtt/-i die V'^MAen 'Pharaos/-als sie "aus ihrer Flucht durch das Schllfmeer schritten; auch jene, die mit Amalek kämpften, haben ihn gesehen, und auch der Prophet Daniel hat ihn gesehen, als ihn die Löwen in der Höhle angriffen. Lau jonum welau jischon schaumer Jisroel, — es schlummert nicht und es schläft nicht der Behüter Israels: das ist unser Losungswort selbst -in der Vorhalle der Hölle, mein Herr!" Wie pochten diese Worte an dem eisernen Panzer! Nur aus Eisen war. der Panzer, aber jedes einzelne Wort Don Manuels war wie Stahl. Vielleicht trifft dieser Stahl auch ein Herz hart wie Quarz?! Am Abend erklang tatsächlich das Gebet: „Sochrenu lechajim, melech chofez bachajiM, wechoswenu besepher Hachajim, lemaancho elokim Don Jose Christosoro schloß die ganze Nacht kein Auge. Die zehn Verurteilten dort drinnen schliefen still und ruhig; kein Seufzer entschlüpfte ihren Lippen, kein unterdrücktes Stöhnen, kein qualvoller Aufschrei störte ihren traumlosen Schlaf, aber Don Jose Christosoro y Garcia wälzte sich wach.auf seinem Bette', in der Nacht des jüdischen Neujahrs. Er hatte ein Gefühl, als wäre G'tt hier irgendwo in der Nähe; nicht vergebens haben Anjene zehn dort -drinnM gerstfM Er 'ist nahe'ünd'chiikhs ist Wch -Hand,'dis -Herz., hdfiett/ KeichzMtz>nber auch 'strafest>-kantt)' ^6u -: aus helfen Mch)stMftzM' ' Ddtt'MH^WöPllför'e^be-gMnMl vor Angst-Äe Khtte zü kmpPeM"De'r^eiseiMtz'P>äN'^H war-vön stz'Mr- HrUst sthött' ÄbüebWMlt'/ustd jedM WW, 'das er^äMMckchmstMtzsigehM, jsder- EWruck; fdM' Seele'' ausgenommen hatte, begannen' an dieseist Herzen — hart wie Quarz — zu pochen: „Was haben denn jene zehn Männer dort drinnen verbrochen? Daß sie insgeheim den jüdischen G'tt angebetet habett?' Eswar ja -doch ein G'tt; den sie alle ängebetet haben, und' kein- Götzenbild! Abtzr! ich Und Don Pedro und n'üch viÄe in diöser Städt, was-sind wit? Mach crüßeN hin sind Er g'tteSfürchtig-, aber innerlich stnd wir g 'ktld se wild e : Uttd die abstoßenden, häßlichen J Worte -Don Pedros klangen ihm Mi den Ohren:! „Ich fordere eueren G-tt heraus, ihr Juden! Ich habe euch ch das Büch des Todes -eingetragen . . . er möge es versuchen, er möge. es tun, euer GM, und euch in das Buch des Lebens einschreibsn!" „So. abscheulich, so garstig war diese- Red^^ ÄbMWWHWHHe/7/d!aß G'tt/"selbst wettst/.er Ns^eri>sern/gewesenvoar, jetzt hier mder Äähe sWntüsie/Wr chÄseside und strafende G'tt! AM wen wird wohl sein Zorn treffen: mich oder Don Pedro, den Vorsitzenden des Gerichtes?" festes Quarz-Herz begann schon Funken zu sprühen, Funken, die sengten und brannten. ... Am Vormittag des nächsten Tages, es war der erste Tag des Rofch-hafchono, beteten die Verurteilten andächtig zu G'tt. Vielleicht wählte man unterdessen -schon das trockene Holz für den ScheiterhWfen aus, vielleicht standen schon Teer und Rohöl vorbereitet-, um den lebenvernichteNden Flammen Leben einzuflöhen, — jene zehn Juden aber beteten und flehten zu G'tt: „Qwmu malkenu, koswenu besepher chajim tauwim!" Doit Jose Christosoro wurde ganz gerührt: eine halbe Stunde später aber meinte er, das Gefängnis, stürze ein, denn dort drinnen erscholl ein erschütternder Ton. Es war keine Trompete, auch kein Jagdhorn, es war etwas ganz anderes, keinem lebenden Laut ähnlich. War es vielleicht die Stimme des vom Himmel herabgeftiegenen jüdischen- G'ttes?! Der Vertrauen einflößt den bedrängten Herzen und Hilfe bringt, gleichzeitig aber auch straft? Hllfe bringt jenen, die ihn rufen und bestraft jene, die ihn herausfordern! Die Stimme des Schoßrrs wav jener erschütternde- Ton und Don Jose Christosoro dünkte es, als wollte er bald hoffnungsvoll langgedehnt erklingen, bald aber drohend abgehackt, wie der Donner . . . Don Manuel hatte jenen Schofar ertönen lasten, den er damals an der Brust verbarg, als man sie gefangen nahm, — und laut frohlockte er nach des Schofars Ton: „Aschre hoom jaude sruoh, Hafchem baur ponecho jehalechun . . . glücklich das Volk, das auch das Wort des Schofars hört." . . . Draußen verkündete man vielleicht schon vor dem Volke: „Uebermorgen werden Juden verbrannt werdet!" — und hier drinnen frohlockten jene Juden wie beseelt: „Aschre hoom", und dann: „Aschre jauschwe wesecho". So ist der Jude, der G'tt im Herzen trägt. Aber nicht nur Don Jose Christosore — auch ein anderer hatte die Stimme des Schofars vernommen. Don Pedro, der Vorsitzende des Gerichtes. Er kletterte die steilen Treppen in den vierten Stock hinauf, wo sich das Gefängnis befand. — „Die Juden belustigen sich?! Nun, sobald sie mich erblicken, werden sie ihre Unterhaltung gleich sein lassen, diese Heiden!" Laut keuchte seine Brust, wie er in seinem Zorn die Stufen immer rascher empo.rsch.ritt, ganz verrüH pachte sein, schlechtes '' z,,pnd/auch/feine LtMß;Mtt..tzm/.Hauf nicht dlfeb aber tro^herü niM.stehejN,,iUM. aps- M)>. uhey/' KnhltH trat LiHiA^Hüfß 'Mristou^HrsaMMM W Üen/be-!tendtznHhn MMnern.'; .// / ,/ " ’ Jude: zeige dochjenes- Instrument! her-- du Ketzer. Ah, das ist es,- dieses Horn des Widders? . . . gib es nur einmal her.. Hast du vielleicht mit diesem G'tt cherbeigerufen, damit er dir helfe? Ich aber werde ihn verscheuchen, weit weg verscheuchen. ... . waxtebmttr!/-! ' - - :',-i / ■■ . :n. 7 Damit preßte-er das. HvW des, Widders nn die Lippen und.strengte-fich andem Schyfar einen Ton zu entlocken^! .Uber er bemühte.sich vergebens. Seine.dickep, Wangen schwollen an-- seine Augen traten, hervor, auch seine' Brust spMN>g vor Anstrengung fast entzwei, gber dqs Schvsar gab keinen einzigen Lastt von sich. Und plötzlich entfiel das Hyrn des. Widders seMen Händen>. er fuhr sich Mit der Hand an dje linke Brustseite: „O weh, ich-sterbe!" -dann sank er leblos zu Boden.; Da brüllteder Kerkermeister vor Entsetzen £uf j,- . / - /! - „Ich fühle^ Mer ist GM M Her Ehe . /^deE Anen hat fein-bereits' M Boden gtzst-eckM .-.'ÄS; t-.-r « »! . ßvjH er auch MM kreffen?" --