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Der Israelit · 1930-09-19 · Heft 38 (19.9.1930) · page 29

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Journal
Der Israelit
Volume
71 (1930)
Issue
Heft 38 (19.9.1930)
Date
1930-09-19
Page
– (sequence 29)
Language
German
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‘Bfäffct* dev fondesovgonifotion dev Ägudas-Iisvoei in Deuifefiland. 6. Jahrgang ' Hamburg, 19. September 1930 / 26. Elul 5690 Nummer 18 Schriftleitung: Wolf S. Iacoösorr in Kamüurg. Anfvufl Auf vielfachen Wunsch ist auch dieses Jahr dafür Sorge getroffen worden, daß am Iaum Hakipurim an der Kothel Waarowi - mr xb mp» - für alle diejenigen eine Tefilo gesprochen wird, welche uns bis Donnerstag, «len 3. lifäivl 5691-25 Sepf.1930 für unser Schulwerk in Erez Iisroel einen Windeftbeitrag von Wk. 2.— einsenden und dabei gleichzeitig den eigenen hebräischen Namen und denjenigen der Wutter mittellen. wir bitten, von dieser Einrichtung weitestgehend Gebrauch zu machen. Palästina-Zentrale der Agudas Iisroel Frankfurt a. W. Postscheckkonto 53 900 AgudasZisroelundZewishAgency. Gegenüber irreführenden Meldungen und Betrachtungen, die wir in verschiedenen Blättern finden, sei darauf hinge wiesen, daß die von Agency und Agudo zum Zwecke von Verhandlungen ernannten Kommissionen bisher nicht zusammentreten konnten; es ist anzunehmen, daß es im Laufe des Monats Cheschwan zu einer Aussprache kommen wird. Bekanntlich hat die von der Kenessio Gedaulo ans Grund der Beschlüsse des Rabbinischen Rates gefaßte Resolution in der Agency-Frage die Möglichkeit eines Zusammenwirkens innerhalb der Agency davon abhängig gemacht, daß die Agency auf jedwede Finanzierung kultureller Jnstitutionen verzichte und daß bei b'er damit eintretenden politisch - wirtschaftlichen Neutralisierung der Agency das Religionsgesetz in praxi gewahrt wird. Wenn ein in Bratislava erscheinendes misrachistisches Blatt neuerdings in einem langen Aufsatz die Unterstellung des palästinensischen Erziehungswesens unter eine Kommission des „Waad leumi" (siehe dazu den in dieser Nummer wiedergegebenen Artikel des Jerusalemer „Kol Jsroel") lebhaft begrüßt, weil dadurch die Hauptbedingung der Kenessio gedaulo erfüllt sei, so'ist das eine ganz unverständliche Schlußfolgerung. Nach wie vor bleibt die Finanzierung des Schulwesens Sache der Agency, die damit nach wie vor— vom Standpunkt des Rsligionsgefetzes — für den durch dieses Schulwesen gepflegten irreligiösen Geist mitverantwortlich ist. Im übrigen ist eine „cooperation" zwischen Agency und „Agudas Iisroel" auf wirtschaftlichem und politischem Gebiete sehr wohl denkbar, auch ohne daß ein Einritt der Agudo in dic Agency erfolgt. Eine neue Phase in der Gestaltung des palästinensischen Erziehungswesens. Wir lesen im „Kol Iisroel": „Das palästinensisch-zionistische Schulwesen, das seit seinem Bestehen tausende jüdischer Seelen zugrunde gerichtet und das es sich zum Ziel gesetzt hat, in Erez Iisroel Generationen groß zu ziehen, denen Thora und Emuna weltenfern sind, ist im Begriffe, .aus der Kompetenz der Jewifh Agency, d. h. der zionistischen Leitung, in die des „Waad Leumi" überziehen. Der sogenannte Jischuw, d. h. die Bevölkerung, die der „Waad Leumi" vertritt, forderte gleichsam die Herrschaft über sein Erziehungswesen: er will selber sich mit der Erziehung seiner Kinder b>efassen und fordert von der Agency oder von der zionistischen Exekutive, daß diese Instanz ihm, dem Jischuw, das Erziehungswerk aushändigt. Die Angelegenheit scheint an und für sich das orthodoxe Judentum nicht zu berühren, und es könnte scheinen, daß kein Anlaß bestände, sich damit in unserem Blatte zu beschäftigen. Das orthodoxe Judentum ist ebensoweit vom Waad Leumi wie vom zionistischen Erziehungswesen entfernt, und es wird mit der neuen Oberleitung ebenso wenig zu schaffen haben wie mit der alten. Schließlich bedeutet der Kompetenzwechsel keine Veränderung im Wesen des Chinuch. Die Tendenz steht ohnehin fest, in Erez Iisroel ein rein nationales Judentum zu schaffen, das mit der Religion nichts zu tun hat. Dieselbe Tendenz, die in der Gemeinde-Organisation sichtbar wird, bei der man mit äußerster Hingebung den Grundsatz gewahrt hat, daß es sich um sin profanes Gesetz handle, das keine Thoraautorität anerkennt, dieselbe Tendenz durchdringt das Erziehungswssen vom Kindergarten bis zum Lehrerseminar und Gymnasium, das Prinzip, daß das jüdische Volk keine Religion und keine Thora hat oder besser, daß es eine Thora gibt, die aber die Gesamtheit nicht verpflichtet, sondern eine private Angelegenheit ist, so daß es jedem Einzelnen und jedem Kinde überlassen bleibt, ob es die Thora annehmen will oder nicht. Aber mit dem Chinuch steht es doch noch schlimmer als mit dem Gemeindegesetz; denn während das Gemeindegesetz die Thora zwar für das Gesamtleben verleugnet, dagegen tolerant ist gegenüber der Thora für das Privatleben, so daß es sich sogar eifrig mit Fragen wie der Schechita beschäftigt und ähnlichem, ist der profane Chinuch von glühendem Eifer beseelt, die Emuna aus dem Herzen jedes einzelnen Kindes, auch als Einzelperson, heraus zu reißen. Die pädagogisch gebildeten Lehrer verhöhnen und verspotten alles, was Israel heilig ist vor den Kindern, um sie an die „nationale" Thora zu gewöhnen und sie gegen ihre Eltern und religiösen Lehrer aufzuwiegeln. Unter diesen Gesichtspunkten nun könnte man den Wechsel der Autorität über den Chinuch vielleicht mit Zufriedenheit begrüßen. Denn wenn auch praktisch die Leiter der Agency die Führer des Waad Leumi sind, so wäre, es doch möglich, daß der Waad Leumi sich einigermaßen scheuen würde, das Erziehungswesen in der gleichen Weise wie bisher zu leiten. Vielleicht bestände eine Hoffnung, daß er als Vertreter der palästinensischen Bevölkerung möglicherweise eines, Tages gezwungen wäre, eine kleine Wendung nach der Richtung von Religion und Emuna, willig od>er unwillig, vorzunehmen. Indessen liegen in dem Wechsel der Autorität auch negative Momente, vom Standpunkte des orthodoxen Judentums aus gesehen, und gerade die Gesichtspunkte, die den Waad Leumi veranlassen, sich um die Unterwerfung des Chinuch unter seine Kompetenz zu bemühen, sind diejenigen, die das orthodoxe Judentum als gefährlich betrachten muß. Eine Gemeinschaft ohne Inhalt ist keine Gemeinschaft. 12 Jahre Waad Leumi-Tätigkeit hat gezeigt, daß eine Gemeinde, die nur auf einem Gesetz oder auf Politik beruht, in der Luft schwebt. Eine solche Gemeinde hat keinen Einfluß auf die Bevölkerung. Durch die Uebernahme des Erzie- 8 8rkmitokjakr §691 Ein Schmitohjahr beginnt und mit ihm für den denkenden Juden die Erinnerung daran, daß im Sinne des nx pxr? nsirns unser mehr als zweilaufendjähriges Golus dadurch verursacht wurde, daß der Schmitohgedanke verloren gegangen war. Der Schmitohgedanke bedeutet aber nichts anderes als die Bekenntnistat der jüdischen Nation, daß sie ihren Nationalboden G'tt als dessen eigentlichstem Eigentümer und w Herrn huldigend zu Füßen legt. Wie [j könnten wir aber in der Diaspora diesen Schmitohgedanken deutlicher zum Ausdruck bringen, als wenn wir analog zu den Opfern, welche sich der jüdische, gesehestreue Kolonist im Schmitohjahr auferlegk, auch unsererseits ein Scherflem dazu beitragen, daß jüdischen Kinderseelen in Erez Iisroel, G'tkes Wort für Lehre und Tat eingepftanzt wird? Am 1. Tifchri, zu Beginn des Schmikohjahres 5691 fasse daher ein jeder Jude in der Diaspora den Entschluß, durch eine Sondev Scfimitofi-Spende M das religiöse Erzichungswcrk in Ere; Iisroel zu fördern. Wöge dieses Jahr 5691 jenes Schmitohjahr sein, in welchem nach alter Tradition (Traktat Sanhedrin 97a) dem schmerzgebeugten, sturmzerzausten, aus tausend Wunden blutenden jüdischen Volke seine Erlösung gegeben wird, unsere Tefilloh Lrhörung finde: “jvy1? p wi nn»w *p5^> fn *tod jr» pn Palästina-Zentrale der Agudas Iisroel, n Frankfurt a. W. Postscheckkonto Frankfurt a. W. 53 900 hungswesens wünschtder Waad Leumi eine n Inhalt für seine Gemeinschaft zu gewinnen, etwas, was konkreteren Charakters ist. Auf diese Weise will er sein Prestige in den Augen der Bevölkerung erhöhen, nachdem dieses Prestige durch die vielen Fehlschläge in der letzten Zeit genug gelitten hat. Wenn auch der so gewonnene Inhalt der Gemeindetätigkeit ein Bluff ist, weil ja nach wie vor die Agency das Geld gibt und der Waad Leumi nur der Vermittler ist, so genügt dies doch, um vorn Standpunkt des orthodoxen Judentums aus in der Neuregelung einen Rückschritt zu erblicken; denn die Menge geht nur nach dem Augenschein, und. wenn nach dem Augenschein der Waad Leumi der Träger des Chinuch ist, wenn er die Kinder aufnimmt und den Lehrern das Gehalt gibt, so gewinnt die Waad Leum^Organisation dadurch schon einen gewissen Inhalt, und es ist nun einmal so, daß jeder Fortschritt der „Freien" einen Schaden für - -¥

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