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Der Israelit · 1930-09-04 · Heft 36 (4.9.1930) · page 16

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Journal
Der Israelit
Volume
71 (1930)
Issue
Heft 36 (4.9.1930)
Date
1930-09-04
Page
– (sequence 16)
Language
German
Belongs to
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Seite 4. Nr. 14 perfekte Köchinnen und Wirtschafterinnen mit langjährigen Zeugnissen. Für kleineren Platz in Hessen: tüchtiger junger Mann für ,Mode- und Konfektions-Geschäft aus der Branche, der gut dekorieren kann. Bewerbungsschriften nebst Zeugnisabschriften sind zu senden an den Reichsverband der Sdjomte Schabbos- Stellenvermittlungen Berlin 71. 54, Gormannsiraße 27. Tel.: Deidendamm 7436. Für Bayern werden gesucht: junger Angestellter für Kolonialwarengroßhandlung a. d. Branche (kleiner Platz, Mittelsrank.) Anfänger für Büro (Fürth) Reisender für Strickwaren Detailreisender für Schnittwaren (Mittelsranken, kleiner Platz) Reisender zum Besuch von Privatkundschaft (Regensburg) Provisions-Reisender für Kolonialwarengesch. Verkäuferin für Textil, zugleich im Haushalt tätig Strickerinnen (auch ohne Praxis) s. kleiner. Platz Mittelfranken Pflegerin f. ältere Dame für kleiner. Platz (Mittelfranken) Kinderfräulein f. Darmstadt Hausmädchen f. kl. Haushalt Kindermädchen f. Nürnberg Niederlassungsmöglichkeiten bestehen _ in Mittelfranken für: 1 Spengler 1 Uhrmacher 1 Metzger und W u r st l e r. Bewerbungsschreiben nebst Zeugnisabschriften sind zu richten an die Schomre Schabbos-Stellenvermittlung, Fürth i. B., Marienstr. 4. Zweig st ellenim Reiche: Frankfurt a. M.: Stellenvermittlung der Agudas Jisroel, Schwanenstr. 12. Hamburg: Israel. Stellenvermittlungsverein, Hahntrapp 5. Karlsruhe i. B.: Schomre Schabbos-Verein, Erbprinzenftrahe 34 (Max Heinemann). Hannover: Stellenvermittlung der Agudas Jisroel, Kreuzkirchhof 3 (M. Klein). Mannheim: Verein zur Wahrung der Interessen des aefetzestreuen Judentums in Baden (Carl Oppenheimer), F. 3/13 a. München: Stellenvermittlung Schomre Schabbos, Herrnstraße 44 (Julius Nager). Nürnberg: Stellenvermittlung des Israelit. Jugendbundes Chewrath Bachurim, Vauerngaffe 36. Würzburg: Vereinigung der Sabbatfreunde, Domerfchulftr. 13. Zum Artikel: Wirtschaftslage und Heiraksmöglichkeik. Ihr geschätzter Artikel im „Israelit" vom 21. August hat mich aufrichtig gefreut, weil darin eine in jetziger Zeit seltene Gesinnung zutage tritt. Es kann jeder Sie und Ihre Frau zu Ihrem Mut und Ihrem G'ttvertrauen beglückwünschen, die es Ihnen ermöglichten, bei solch bescheidenen Mitteln einen Hausstand zu gründen. Es fei mir aber trotzdem erlaubt, zu dem von Ihnen vorgeschlagenen Weg einige Bedenken zu äußern. Früher, als durch die Heirat das junge Mädchen, das nur für den Hausfrauenberuf vorgebildet war, von der Obhut ihrer Eltern in diejenige ihres Mannes überging, übernahm der junge Mann die ganze Verantwortung für die neugegründete Familie, deren Existenz er durch seine Berufsarbeit ja auch allein sicherstellen mußte. Heute ist meist auch die junge Frau vor der Ehe beruflich tätig, der verwöhnte Typ des jungen Mädchens, das für feine eigenen Bedürfnisse in der Ehe einen großen Teil der monatlichen Einnahmen beansprucht, ist im gebildeten Mittelstand nicht mehr eine allgemein gültige Erscheinung. Es gibt vielmehr sehr viele, junge jüdische Mädchen, die ihre Bedürfnisse gerne einer bescheidenen Existenz anpassen würden. Ein monatliches Einkommen von 600—700 Mark ist durchaus nicht nötig: mit 300 Mark läßt sich auch wirtschaften, aber das sollte für durchschnittliche Fälle das E x i st e n z m i n i m u m darstellen. Eine Zwei-Zimmerwohnung würde ja an sich schon ausreichen, man muß aber doch auch daran denken, daß man für späteren eventuellen Familienzuwachs sorgen muß. Die heute so vielfach gepriesene Geburtenkontrolle muß doch von einem religiös eingestellten Ehepaar abgelehnt werden und man muh sich überlegen, ob man auf Grund eines Einkommens, das das Aufziehen von Kindern zur Unmöglichkeit macht, eine Ehe schließen will. Ferner ist zu bedenken, daß ein junges Ehepaar, das seine ganzen Einkünfte aufbraucht, eigentlich über seine Verhältnisse lebt, da man ja in den ersten Jahren besonders zurücklegen muß. Sie sind bestimmt mustergültig in Ihrer Wirtschaftlichkeit, da Sie ja an Hand von Zahlen die Richtigkeit Ihrer Behauptung Nachweisen können: ich muß Ihnen aber sagen, daß auch ich jederzeit bereit bin, meine Behauptung. daß das monatliche Einkommen mindestens 300 Mark betragen müßte, jederzeit mit einer genauen, ziffernmäßigen Aufstellung zu vertreten. Der Israelit Blätter ' Nehmen Sie mir bitte meine Offenheit nicht übel. Wie ich ja schon zu Anfang erwähnte, muß jeden Leser . Ihrer Zeilen Ihre Gesinnung als groß und mustergültig ^empfinden und Ihnen von ganzem Herzen Glück wünschen. Ich wollte mit meiner Erwiderung nur sagen, > daß Ihr Fall nicht als ein allgemein gültiger betrachtet ' werden kann und die Ansprüche . .des so vielfach als unbescheiden geschilderten jüdischen jungen Mädchens; nicht immer nur von äußerlichen und eitl.m Gesichtspunkten diktiert sind.! Mit dem Ausdrucke vorzüglicher Hochachtung j Marie Bach, Hamburg. i Dcra>ende t Hguda'OVIavfecti * Srfi&ftlicfi in allen Ortsgruppen. Aus der Bewegung. Hamburg. Einen kurzen Besuch des Präsidenten unserer Exekutive, Herrn Rabbiner Dr. Pinchas K o h n, nahm unsere Jugendgruppe zum hochwillkommenen Anlaß, mit dem verehrten Gast die Weihestunde der n-v-v wv gemeinsam zu verbringen. — Trotzdem die Nachricht seines Hierseins erst am Freitag Nachmittag bekanntwurde und den meisten unserer Freunde nur mündlich mitgeteilt werden konnte, hatten sich fast alle Mitglieder der Jugendgruppe, die Oberabteilung der Jeschiwah und die Vorsteher der Ortsgruppe zu Ehren des verehrten Gastes in unserem Heim eingefunden. — Durch Nigunim, ihm aus „seiner" Wiener Jugendgruppe vertraut, empfangen, und namens der Jugendgruppe durch Meier Schenkolewski herzlichft begrüßt, fühlte sich der verehrte Gast in unserm Kreis bald heimisch und verlieh diesem Gefühle des freudigen Einandersuchens und -Findens in einer warmherzigen .Rede Ausdruck, die, mählich immer tiefer schürfend, zu einer eindeutigen Klarlegung des agudistischen Grundgedankens: Wo stehen wir und wer sind wir, wenn G'tt, Gstt selbst, uns Seinen Tröstungsruf ns - tmnmn «in '21« '22« ertönen läßt? sich gestaltete. — Denn das ist das Unglück unserer Zeit, so führte der Redner etwa aus, daß wir vergessen, wer wir sind, vergessen, daß unsere Lebenskraft in uns selber, in unserm G'tt und Seiner Lehre zugewandtem Wollen verankert ist, daß wir es darum nicht nötig haben, nach rechts und links zu schielen, nach rechts und links zu lauschen, wie man uns dort beurteilt, ob man auch dort uns würdigt. Die Gegenwart mahne uns doppelt ernst zur Selbstbesinnung, da infolge der allgemeinen Verarmung der Kampf um die Reinhaltung der Idee, der Kampf um die Selbständigkeit der Orthodoxie, das kompromißlose Einherschreiten doppelt schwer gemacht werden. Es sei heute höchst unmodern. den V«-ir> y»is als das zu bezeichnen, was er ist; höchst unmodern, den «’orr-3 nse? bbm als das zu brandmarken, was er ist. Man vertuscht, beschönigt, um nur ia nirgends angustohen. Das tue uns not: Bei aller Bescheidenheit mit beiden Füßen fest auf dem Boden der Ewigkeit und Wahrheit, den nur die Thora darstellt, zu stehen, und auf diesem Standpunkt unverrückbar und unbeirrbar zu verharren. — Und wenn die An^ dern unserer agudistischen Jugend zurufen, da sie das heilige Land wieder in Besitz nehmen und aufbauen wollen: Wer bist du. daß du zurückstehst: wo bist du, daß du an dieser Arbeit Anteil zu nehmen nur so zaghaft dich entschließen magst? Dann antworte diesen unsere Jugend mit dem Worte der Gemoro: Wir sind damit beschäftigt, die drei Mizwaus zu üben, die beim Einzug ins Land geboten sind: Den König einzusetzen. — für G'ttes und Seines Gesetzes Alleinherrschaft in unserm Volke zu kämpfen —Amaleks Samen auszurotten. — alles Unjüdische, alles Judentums-Feindliche aus unserm Herzen, aus unserm Kreise zu bannen — um so den Wiederaufbau der Stätte der Erwählung vorbereiten zu helfen. — Dem Dank der Versammelten für die packenden und erhebenden Ausführungen des verehrten Gastes, für dieses wabrbafte mv3 121 gab Herr Wolf Jacobson zum Schluß Ausdruck. Marienbad. Anläßlich des ersten Jahrzeitstages der unglücklichen Opfer in Palästina fand im großen.Glassalon des Restaurant Raab eine große Versammlung der gesetzestreuen Kurgäste statt, die einen glänzenden Verlauf nahm. Am Vorstandstisch dieser mehrhundertköpfigen Versammlung nahmen Platz die Oberrabbiner Lewin aus Bendin, Kanal. Warschau und Horovicz, Jerusalem. Das Protokoll führte Kurt Leitner, Vertrauensmann der Palästina-Zentrale. Unter den Anwesenden bemerkte man die Rabbiner: Teitelbaum, Nyirbator, Kornitzer, Szerencs, Dr. Wohlgemuth, Berlin, Widder, Nyiregyhaza. Dr. Frankfurter, Berlin, Weinberger, Budapest. Jungreis Csenger, Dozent Dr. Schwärz, Berlin, Dr. Bamberger. Wandsbeck u. a. m. — Oberrabbiner Lewin aus Bendin richtete herzliche Bearüßungsworte an die Versammelten, sprach über die Bedeutung des Thoralernens in Crez Jisroel, gedachte der 4. September 1930 Jifchuw-Märtyrer des vorigen Jahres und bat den Rabbiner I. Horovicz aus Jerusalem, über die Aufgaben der gesetzestreuen Judenheit angesichts der kritischen Lage in Erez Jisroel zu referieren. — Rabbiner Horovicz hielt einen längeren Vortrag über die politische Lage in Erez Jisroel, heute.und einst. An der Hand : historischer Begebenheiten entwarf er ein helleuchtendes! Bild, wie die gesetzestreue »Judenheit in alten Zeiten — 'eine andere Judenheit gab es nicht in jenen Zeiten —! Messiras Nefesch förderte und die Aufbauarbeit auch! nicht einen Tag vernachlässigten. Diese Aufbauarbeit — | getragen von der g'ttgebotenen Jischuwpflicht zur Ver-! wirklichung der Thora aus dem Boden der Heiligkeit —! hielt stand willen politischen Stürmen, blieb von allen ' politisch-nationalen Eifersüchteleien und diplomatischen Wechselfällen unberührt. „Sieht ein Mensch, daß Leiden über ihn kommen" — lautet eine Mahnung der Weisen — „dann soll er seine Handlungen untersuchen," gewissenhaft prüfen, ob er nicht einen falschen Weg eingeschlagen hat. Wie sollte erst diese Selbstprüfung einsetzen, wenn ein ganzes Volk — unsere verlassene, verratene, verkannte, verhöhnte Mutter Zion — von katastrophalen Leiden heimgesucht wird. Fern sei es uns, unser heutiges Gedenken in etwaigen Vorwürfen ausklingen zu lassen. Unser Schmerzensruf gilt unseren Brüdern, den jungen Zionssöhnen, die mit der traditionellen i»«nv p« 'iio’ die heilige Scholle betreuen, ebenso wie den Thvramärtyrern von Hebron. Keinen Augenblick verlieren wir es aus dem Bewußtsein, daß die jüdische Nation — trotz der tiefen, schwerwiegenden Gegensätze über die Hauptbestimmung des jüdischen Volkes —1 vor G'tt und Menschen, vor der Gesamtheit des jüdischen Volkes, wie er vor den Völkern der Erde, ein einheitliches Ganzes ist. Doch eben deswegen lastet auf den Führern des neuen jüdischen Nationalheims in ihrer offiziellen Vorzugsstellung eine gewaltige historische Verantwortung. O. es handelt sich nicht um die Dimensionen der kleinen Stühle an der Klagemauer, nicht um das Anzünden der Lichtlein bei den Kinoth, nicht um das Schofarblasen am Ausgang des Versöhnungstages. Nicht einmal um die Zurückstellung der fünfzehnhundert Chaluzim-Zertifjkate handelt es sich. Die Einwanderung war von Beginn an, trotz der Deklaration und trotzdem die Völker der Erde unser Anrecht auf ein Nationalheim in Palästina grundsätzlich anerkannt haben, durch allerlei behördliche Maßnahmen leider mit großen Schwierigketen verbunden. Findet man aber keine politischen, politisch beruhigenden Unterlagen, für die katastrophalen Vorgänge in Erez Jisroel, dann befolgen wir doch den Rat der Weisen. r-nin *>11333 ni>m «xn r>Ei vdvd dann sollte man doch endlich einsehen, daß es auch politisch der größte Fehler war, das jüdsiche Nationalheim in Erez Jisroel, seine Konstituante, seine nationale Verfassung, nicht auf dem ewigen Fundamente der Thora aufzubauen. O, es war ein großer Fehler, daß wir die Wohltaten dieser dreitausendjährigen Verfassung in einer historischen Stunde so gering einschätzten und dem verhängnisvollen ii3'ir3 -'ns der Ideenwelt eines politisierten jüdischen Volkstums, huldigten. Nach zehn Jahren jüdischen Nationalheims sitzen wir wied.er auf den noch unerbauten Trümmern und wiederholen die alte Prophetenklage: ywv «V 'ir ^>« ii'ss irn'sxa l>3n irmir V« m-y nrban n:’iw „Noch schmachten unsere Augen nach eitler Hilfe — in unserer Hoffnung — wir hoffen auf ein Volk, das uns nicht helfen kann." Die erschütternden Ereignisse in Erez Jisroel sind ja nur eine Wiederholung der alten historischen Wahrheit: .*-?«nv' L-?’3»a k*>« rnnsnn r-nm«n r« Wenn Nationen oder Volksstämme sich zerwerfen, so ist das jüdische Volk der Leidtragende, D'p'nsn p «*>« n*>nnn nr«i '«-nzr *"3v3 «4« ni>ivn by «3 rmmis r«i Ja. wenn die Welt von Katastrophen heimgesucht wird, soll das jüdische Volk sich getroffen fühlen. Die Gerechten sind die ersten Opfer. — Die Ausführungen des Redners machten sichtlich den tiefsten Eindruck. Zum Schlüsse sprach Redner von der hohen Wichtigkeit eines thoratreuen Schulwerkes in Erze Jisroel und bat die Anwesenden, die eingeleitete Sammlung für die Agudaschulen im heiligen Lande, wärmstens zu fördern. — Hierauf hielt Rabbiner Kanal, Warschau, eine ergreifende Rede, gewürzt mit geistreichen m'*' und forderte die Versammelten auf. die Talmud Thora-Schulen der Aguda kräftigst zu unterstützen. — In später Abendstunde. in gehobener Stimmung, hat die imposante Versammlung ihren würdigen Abschluß gefunden. Memel. Auf Einladung der hiesigen Ortsgruppe der Agudas Jisroel hielt am 15. d. M. Herr Dr. Leo Deutschländer, der unweit unserer Stadt in Polangen (Ostsee) an dem Fortbildungskurse für die Lehrer und Lehrerinnen der Erziehungsgesellschaft „Jawne" teilgenommen hat, ein recht instruktives Referat über das „Erziehungsproblem in der Gegenwart". Nicht nur in politischer, sondern auch in allgemein kultureller Beziehung hat die Lage im Memelland durch die Umgestaltung aller Verhältnisse eine tiefgreifende Wandlung erfahren und so entsprach es einem Gebot der Stunde, die Ansichten des erfahrenen Pädagogen über die Notwendigkeiten neuer erzieherischer Maßnahmen in unsereer Stadt zu erfahren. Dr. Deutschländer gab einleitend einen Ueberblick über die besondere Lage des Chinuchwesens in Litauen, sab seine und der Gesellschaft „Jawne" Bereitwilligkeit kund, an der Lösung der in Memel harrenden Schulaufgaben mitzuwirken. Der Vorsitzende, Herr Hanemann, dankte im Namen der zahlreichen Hörerschaft dem Referenten für seine mit gespannter Aufmerksamkeit entgegengenommenen Ausführungen.

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