Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 71 (1930)
- Issue
- Heft 35 (28.8.1930)
- Date
- 1930-08-28
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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28. August 1930 Nr. 35 4. ©tut 5690 Begründet von Dr. Lehmann in Mainz. Abvmretzrertt ab -2«lk:1SL8(" Deittfthlanv IM MmL monatlich: Rasränd: Blerteljatzrpreise (entsprechend dem deutschen Inlandspreis zr»üaIM Koften des Etreifband-Versandes) Dentsch-Lsterreich: Schilling 8.—: Amerika 1 Dollar: England 4 sh.; ab 1 Juli Frankreich 25 Fr.; Belgien ab 1.7:87. BelgirS.; Holland SK:; Italien ab 1. lt 28.18 Lire; Ingo-, jlavienW Din.; Litauen 7.8V Lit.; Rumänien ab 1, 7. 37: 150 Lei; Polen 4 deutsche Goldmark zum Tageskurs oder 7 Zloty; Schweiz 5 Fr; Tschecho-Slowalei 25 Kronen; Ungarn Pengö 5 ab 1. Juli 1837; D8nemark 3.5ü Krön.; Norwegen 3.50 Krön.; Schweden 3.5V Krön. .. .. / - Etnzelnummer.Vterzig Goldpfennige. - ' Der Israelit erscheint jeden Donnerstag. Inserate 60 Goldpf. für die siebengespaltene Nonpareille-Zeile. Abonnenten zahlen bei Stellengesuchen und Familienanzeigen nur 40 Pf. Die 75 wm breite Reklamezettel letzte Tertseite 3.— Mk.. vorletzte Textsette 850 Mk.; Chiffregebühr in Höhe eines dopp. Fernbriefportos. Rabatt nach Tarif. Bei laufenden Jnseratauftrckgen lartfm. Preiserhöhung jeder«. Vorbehalt. Jnferatenannahme durch den Verlag des Israelit G. m. b. tz., Fiankfurt a. M, Rechneigrabenstraße 7. Tel. Hansa 21084 sow. durch sämtl. Annoncen-Erped. d. In- und Auslands. Alleinige Inseratenann. für Franks. . Geschäftsanz.: Jul. Schmidt, Langestr. 7, II, Tel. Hansa 35885. Platzvorschr. ohne Berbindlichk. Postsparkasse Wien Nr.79605. —Postsparkaffenamt Budapest Nr. 18434.—Postscheckkonto _t Amsterdam Nr. 34869 — Böhmische Untonbank in Prag—Laue» -iarmeroseb Menü L Co. in ionnements oder aus Inseraten stch ergebenden Zahlungsverpflichtungen ist Frankfurt a. M. Erneuern Sie sofort beim Postboten die Bestellung auf den „Israelit“ für den Monat September! Wird, dies versäumt, so tritt’ eine Unterbrechung der Zusendung: ein, ohne daß wirselbst Kenntnis davon erhalten. N‘ Für verspätete Bestellungen rechnet die Post einen Aufschlag von 20 Pfg. Verlag des Israelit G.m.b.HM Frankfurt a.M. m Die Entscheidung naht! Daß die Krise des deutschen Parlamentarismus und die Neiigruppierung der Parteien - uns Juden m einer Zevt^ da JudiMhaß ein poliKschss Programm sein kann, sehr an geht, ist verstäMlich. Der Dtüatsparte-i, die aus den Trümmerri der Mittel-Parteien eine neue bürgerliche - Mitte Zwischen ^Sozialdemokratie Md Deütschnakionalen .aufbauen will und in den Grundmauern auch schon aufgebaüt hat, ^gehörte .vom, ersten Augenbk-xch an unser wärmstes Interesse. Unbeschadet unserer Anerkennung für die meist besonnene Politik der S o z i a l d e m o k r a - t i e. und unserer Sympathien für die stabile Toleranzpolitik des. Zent rums, haben "wir gleich nach Gründung der Staatsparteii diese als Hüterin der demokratischen Traditionen. im neuen Deutschland begrüßt und den- Mischen Wählern empfohlen. An M ah ra un und seinem Ä u n g d o störten wir uns nicht, denn es ehrt die Jugend, wenn sie auf Grund besserer Ueberzeugung umlernt. Nicht einmal verlangen wir von der aus nationalen Bahnen geführten Jugend, daß sie ihren Grundcharakter aufgibt. Es genügt, wenn, sie weiß, daß zum wahren W efen nationaler Kultur die Achtung de^MfigM sen.Gefühle und der religiösen Frech estMn d e-- r ek. gehört.; Oelingt es' der , Staatsparieh des Herrn Koch-Wefex, diesen großen JügendkMs dazu zu bringen, daß er von feiner internen religiösen Kultur keinen' außenpolitischen Gebrauch nach der Richtung der politischen und religiösen Intoleranz macht und vor dem Wutgeheul der Gasse die Ohren schließt, dann würde schon darin allein die hohe historische Bedeutung der Staats partei-Gründung liegen. "Daß es Nicht gelang, die D -e u t s ch e Volkspartei, früher als Nationalliberqle Partei Rückgrat des' gemäßigten - auf positive Ziele gerichteten bürgerkichen Liberalismus, iu> das neue Haus der Staatspartei chlnemzünehmen, ist höchst bedauerlich, bedauerlich für Deutschland, bedauerlich im Interesse der Gesundung unseres politischen Lebens und bedauerlich ■ am meisten für uns I ud je n, denn diese klaffende Wunde im liberalen Organismus, dieser Riß könnte dazu führen, daß . die thüringische Allianz zw ischen Volkspartei und Nationalsozialisten typisiert und auf das ganze Reich übertragen wird. Die Gefahr besteht, und die Kosten hätten wir zu tragen. . Woran das liegt? Die Verhandlungen zwischen Scholz und Koch-Weser sind gescheitert, vielleicht an Zufälligkeiten, an Formalitäten.- Der Grund .kann Mch tiefer liegen. Der Antisemitismus. m den. Gründungsjahren des deutschen Reiches, suchte-sich mit ethischen, moralischenam meisten sogür mit bHgiösen Inhalten zu füllen. Das machten die. Nation all'iberalen von damals nicht, mit, wie. es die letzten Mohikaner der Partes vom Geiste v. Kardorffs auch nicht mitmachen. Heute - hat der Antisemitismus mit Religion nichts^zu tuner würde sich sonst nicht zum Wotan bekennen und gegendas alte Testament wettern: mit Ethik und Moral schon ganz -und gar nicht — er würde sonst se>me Sturmtrupps nicht auf die Straße schicken, um Fensterscheiben und Menfchenschädel emzuschlagen. Der Antisemitismus lebt heute von-einem M y sti z i s m u s, einem Mystizismus der Raffe und des. Blutes, bei dem man si ch gar i Ni chts Hu denken braucht, wobei man nur etwas dunk el fühlen muß- Günth-er, der bekannten Raffencharl'atan -in den Fußtapfen/ von Ehümberlain, auf dem Katheder einer deutschen ^Hochschule Mt., ein Symbol für di'iese Wandlung. Eine um materielle -und gieiftige Besitztümer, um Ideale und Zukunst betrogene Nachkriegsgeneratkon bst.' ungehMer empfänglich für solchen Mysti^Ms.^MrHMffx'chirtksmrO von heute, rst7 .nicht Produkt des -Verstandes, sondern Ausfluß, einer k r a n k -e rr Bw l § s f e e l e-. -Dis Männer der Volkspartei, von jeher kluge Taktiker und nie gesonnen, wie etwa die Demokratie von Naumann und Eugen Richter, an ihren Idealen zu Grunde zu gehen, wollen siegen, wollen auf der Höhe bleiben. Darum kann man nicht gegen den Strom schwimmen, darummuß man sich, mit oder ohne Ueberzeugung., von den Wellen der Volksstimmung ein klein wenig tragen lassen. Eine Verbindung mit der Staatspartei würde einen Bruch mit Hugenb-erg und- Hitler bedeuten, und um dies e n Preis glaubt man, es n.id)t machen zu können. Der neue Weg der Völkspartei geht von Thüringen über Sachsen nach Berlin, an der Staatspartei vorbei. Gerade unter diesen Gesichtspunkten ist es von eminenter Wichtigkeit, einer jungen Generation, wie sie im Jungdeutschen Orden organisiert ist, die Wege aus dem Nichts, aus dem Mystizismus und Chaos in das Reich klarer Begriffe und klaren Wollens zu weisen. Wollt Ihr Hüter Eurer eigenen religiösen Kultur sein? Wohlan! Auch wir wollen es in unserer Art, in unserem jüdischen Kreise. Und wir können 'in gegenseitiger Achtung, Hand in Hand und Schulter an Schulter dahin arbeiten, daß die Grundmauern des Reiches befestigt und aufgebaut werden und die äußeren Voraussetzungen! geschaffen und gesichert werden für Euch und für uns, daß Ihr Euch in Eurem Kreise genau so wohl und ungestört ausleben könnt, wie wir in dem unstigen. Mehr wollen wir nicht. . Und hierin wird die Staatspartei eine erzieherische Arbeit zu leisten haben, hat sie vielleicht schon in einer Weife geleistet, die uns und ihnen und dem Staatsganzen zugute kommt. Dieses Argument ist es aber gerade, das uns mit gleicher logischer Notwend-igkeit auch den W e g z u m Zentrum ebnet. Die Zentrums- Partei muß, wenn sie leben und bestehen-will, für die Gewissensfreiheit kämpfen, und halbe Portionen gibt es in der Politik nicht- Eine geteilte Gew-i.ffensfreiheit wäre ein.Nonsens, dem die.klugen Leute der katholischen Kirche und Politik nie verfallen werden. Sie brauchen die Reliigiönssteiheit für die Kirchen und Klöster, wir die'gleiche Religionsfreiheit für die S ch e ch i t a und Schule, ergo kämpfen wir -in Reih und Glich für die gleiche Religionsfreiheit, was noch nicht besftgt, daß Mir damit für die Kirche uns eiNfetzen , und sie sich zu. unserem' .Ritual bekennen. Wer heute,- wir sagten es bereits, vielleicht aus Dankbarkeit fernen' Wahlzettel für die sozialdemokratische Liste abgibt, hat damit kein Bekenntnis zum Marxismus abgelegt, sondern