Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 71 (1930)
- Issue
- Heft 32 (7.8.1930)
- Date
- 1930-08-07
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2446951-2450600-2450631--77151-2534793- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Ufaf fcr fieeausgegeften von dev fandesorganifanon der flgudas-Jiseoel in 9eu(fefi(an<L <6. Jahrgang Hamburg, 7. August 1930 / 13. Ab 5690 Nummer 12 Schriftleitung: Wolf S. Jacobsort in Kawburg. Rabbiner Dr. A. Klem-Rürnberg zum Mitglied des Deutschen Rabbinischen Landesrates gewählt. In der Sitzung des Vorortsvorstandes der Landesorgan ifativn der Agudas Jisroel in Deutschland vom 4. Aw wurde Herr Rabbiner Dr. Klein-Nürnberg auf Grund der von den der deutschen Agudas Jisroel angehörenden Herren Rabbinen eingefchickten Wahlzettel mit großer Stimmenmehrheit zum Mitglied des deutschen Rabbinischen Landesrates gewählt. Herr Rabbiner Dr. Klein tritt die Nachfolge des inzwischen verstorbenen Altonaer Raw, Oberrabbiner Dr. Meier Lerner V'ün an, welcher vor einigen Monaten aus Gesundheitsrücksichten aus dem Rabbinifchen Rat ausgetreten war. Es wird die deutschen Agudisten mit hoher Freude erfüllen, daß als Nachfolger des Herrn .Oberrabbiner Dr. Lerner V'XT' dessen Bedeutung für die Agudas Jisroel und das gesamte orthodoxe Judentum erst jüngst in diesen Blättern und im „Israelit" dargestellt wurde, in den Rabbinischen Rat der deutschen Agudas Jisroel durch die deutschen Rabbiner eine Persönlichkeit gewählt wurde, die seit dem Bestehen der deutschen Agudas Jisroel ihr nicht nur angehörte, sondern in unermüdlicher Bereitschaft und Liebe von Anfang an für den agudistischen Gedanken warb, und die insbesondere auch in den Kreisen der agudi tischen Jugend als Lehrer und Berater, als Führer und Vorbild verehrt und geliebt wird. Aus der Rebe des agudistischen Vertreters, Rabbi Mosche Vlau, vor der klagemauer-Kommission des Völkerbundes. Wir geben im folgenden aus der Rede, die der agudistische Vertreter vor der Klagemauerkommission im Nahmen der Plaidoyers gehalten hat, die wichtigsten Stellen, die von allgemeinem Interesse sind, wieder. Nachdem die Behandlung der Rechtsfragen Herrn Dr. Eliafch überlassen bleibt, möge mir die geehrte Kommission gestatten, in meiner Rede nur einen allgemeinen Ueberblick über den Charakter der bedeutsamen Frage zu geben, zu deren Lösung sie vom Völkerbund bestellt worden ist. Die Tatsache, daß alle hervorragenden Rabbinen Erez Jisroels und auch aus der Diaspora im Namen des Judentums vor Ihnen erscheinen, die Tatsache, daß auch „Agudas Jisroel" sich dieser Vertretung angefchlossen hat, beweist zur Genüge, daß die Frage der Westmauer für die Juden eine religiöse Frage ist. Deshalb glauben wir, daß Sie Ihr ganzes 'Nachdenken nur dem religiösen Charakter der Frage widmen sollten. Vor Ihnen steht ein altes Volk, das eine erhabene Tradition besitzt und das der ganzen Kulturwelt unendlich viel gegeben hat. Und dieses Volk fleht für den letzten Rest feines Tempelheiligtums, für den letzten Ueberrest vergangener Herrlichkeit, für das Einzige, was ihm vom Haufe seines G'ttes geblieben ist. Wir glauben, daß es nicht der Würde Ihrer Auftraggeber und nicht Ihrer eigenen Würde entfp' echend wäre, wenn dieses Tribunal sich auf trockene und kleinliche Berechnungen über die Länge und Breite von Stühlen, über die Grenze? und das Maß der Utensilien, die zum Zwecke des Gebetes an diese Stätte gebracht werden usw. einlassen würde. Gewiß aber wäre es nicht entsprechend, wenn dieser Gerichtshof aufs neue in die Prüfung einer so elementaren Frage einträte rvre die, ob man einem alten schwachen Menschen, der einige Stunden stehend gebetet hat, einen Stuhl hinstellen darf, oder ob es nötig ist, bei Nacht einer Ansammlung von mehreren hundert Menschen Beleuchtung zu gewähren; ob es ertaubt oder verboten ist, daß einer der Betenden am Sabbat Abend em kleines Lichtchen in der Hand haben darf, ein „Ereignis", das der DPrrktsgouverneur von Jerusalem gestern in seiner Aussage erwähnt hat. Etwas viel Größeres steht vor Ihnen. Bor Ihnen steht das Volk G'ttes und die uralte Mauer, die die Stätte der G ' ttesHerrlichkeit ist. Sie sollten sich, meine Herren, zu der Höhe des Gegenstandes erheben, über den Sie Recht zu sprechen haben werden. Sie sollten sich gegenwärtig halten, daß die ganze zivilisierte Welt auf Sie vertraut, daß die Herzen von Millionen Juden Ihnen entgegenschlagen zwischen Furcht und Hoffnung. Die Lehre der Thora hat als Bedingung für den Bau des Altars festgesetzt, daß über seine Steine kein Eisen geschwungen sein durfte: „Denn Dein Schwert hast Du darüber geschwungen und hast es damit entweiht." Das erklärt der Talmud wie folgt: „Der Altar ist geschaffen, um die Lebenstage des Menschen zu verlan-gern, — das Eisen aber als Mittel der G e w a l t verkürzt sie. Es ziemt sich nicht, daß der Lebensverkürz er geschwungen w i rd über de nLebensver läng er e r. Auch weil der Altar Frieden stiftet zwischen Israel und seinem Dater im Himmel, darf die Gewalt seine Steine nicht berühren." Welcher Schmerz ist es nun, daß an der Stätte der Westmauer, von der das Leben, die Liebe für die Welt ausgehen soll, Schwert und Zerstörung, Kampf und Bruderhaß ihren Ausgangspunkt hatten. Wir haben doch einen Vater, e i n G'tt hat uns geschaffen, warum sollen wir gegenseitig uns die Treue brechen, den Bund unserer Väter zu entweihen?- Wir haben in unserem Memorandum erklärt und stehen nicht an, es auch jetzt zu wiederholen, daß wir niemand verdrängen wollen dadurch, daß wir etwa Eigentumsrechte an dem Platz vor der Klagemauer oder an der Mauer selbst fordern. Obgleich es der Rest unseres Heiligtums ist, wollen wir niemand schädigen. Unsere Forderung ist so begrenzt und bescheiden, daß sie sich in 'dem einen Worte Zusammenfassen läßt: „DasRechtdesungestörtenGebetes in einer der Heiligkeit des Ortes entsprechenden Weise vor der Westmauer." Wir kennen keine Liebe zum Sieg und wollen niemanden besiegen. Wir wären glücklich, wenn unsere Nachbarn die Zwistigkeiten, die sich aus politische Konflikte ausbauen, vergessen und auf diese rein religiöse Frage mit einer etwas großzügigeren Auffassung blicken möchten." Rabbi Mosche Blau trug dann der Kommission den wesentlichen Teil der bekannten Kundgebung RabbinerChajimSonnenfeld's andie Araber im Wortlaute vor und schloß wie folgt: „Es ist vor der geehrten Kommission durch einige der arabischen Zeugen darauf hingewiesen worden, wie viel Gutes die Väter der Araber dem jüdischen Volke erwiesen hätten. Ohne Zweifel liegt darin viel Wahres, und wir sind niemandem undankbar, der je einmal Israel Gutes erwiesen hat, der es vor seinen Verfolgern rettete und ihm eine Zufluchtsstätte gewährte. Aber grade solche Tatsachen verpflichten die Nachkommen jener großen Männer erstrecht, ihre Beziehungen zu uns auch heute einer Revision zum Guten zu unterziehen und dem Haß wenigstens auf dem religiösen Gebiete ein Ende zu machen. Die jüdische Ueberlieferung erzählt, daß der Mann, dem der Kaiser Vespasian die Zerstörung der Westmauer übertragen hatte, ein arabisch e r Fürst war. Er bemühte sich, feinen Auftrag zu erfüllen, aber G'tt selber schützte diese Westmauer, weil die Schechino ihre Stätte im Westen hatte. Als der Kaiser seinen Fürsten fragte, warum er die Mauer nicht zerstört habe, antwortete er, er habe die Mauer als Ruine stehen lassen, gerade „zum Gedächtnis der Stärke des Eroberers." So möchten wir hoffen, daß die heutigen Araber im Geiste dieses ihres Ahnherrn handeln und auf die Zerstörung^ der Heiligkeit unserer Mauer verzichten. Wenn sie selber sagen, daß ihnen die Mauer heilig ist, so mögen sie daran denken, welche Ehrfurcht und welchen Ruhm diese Mauer sich in den Augen der ganzen Welt erworben hat durch die jüdischen Tränen, die seit Jahrhuniderten in sie hineingeflossen sind. Ohne diese Tränen wäre die Mauer sicherlich denselben Weg gegangen, wie die übrigen Mauern des Tempels, die verschwunden sind. Aber aus der jüdischen Ueberlieferung mögen unsere Nachbarn heute auch lernen, daß es unmöglich ist, die Schechino von dieser Mauer zu vertreiben und die Bande zu zerreißen, die zwischen diesen heiligen Steinen und dem jüdischen Volke unlöslich geknüpft sind. Es sollte nicht schwer sein für unsere Nachbarn, unser Recht aus diesen Flecken Erde anzuerkennen, offen und ehrlich die Gerechtigkeit unserer Forderung züzugestehech daß wir an dieser Stätte ohne Störung und Herabsetzung beten wollen. Wir bitten die Gegenpartei, durch Vermittlung der Kommission, die Gefühle unseres Herzens zu würdigen und es der Kommission zu erleichtern, eine Entscheidung abzugeben. Das würde dann ein bedeutsames Vorzeichen für eine gegenseitige Verständigung zwischen Arabern und Juden auch in allen anderen Erez Jisroel berührenden Fragen sein und damit Frieden und Segen für das ganze Land herb erführen." Der inlernakionale Charakter des Sabbatproblems und die «Agudas Zisroel" (Schluß.) lll. Darstellung der Rechtslage. Die Arbeitsschutzgesetzgebung hat sowohl in den einzelnen Ländern, als insbesondere auch insoweit sie durch das Internationale Arbeitsamt veranlaßt oder beeinflußt worden ist, sich immer bemüht, sowohl bei den Bestimmungen über die Regelung der Arbeitszeit im allgemeinen als auch über den wöchentlichen Ruhetag, soweit mit den allgemeinen Interessen irgendwie vereinbar, besonderen Ungerechtigkeiten und Härten vorzubeugen. Beispiele hierfür aus den durch die Internationale Arbeitskonferenz angenommenen „Empfehlungen" anzuführen, dürfte sich erübrigen. Die einer unbeschränkten Ausdehnung der Arbeiterschutzprinzipien ^entgegenstehenden berücksichtigenswerten Sonderinteressen lassen sich in zwei Gruppen einteilen: et) solche, die in besonderen wirtschaftlichen Zusammenhängen ihre Wurzel haben und die daher naturgemäß für jedes Land eigenartigen Charakter tragen, b) solche allgemeiner Natur. Wenn die erstgenannten Interessen nur durch die Landesgesetzgebung berücksichtigt werden können, so dürfte, soweit es sich um allgemeine, in