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Der Israelit · 1930-08-07 · Heft 32 (7.8.1930) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
71 (1930)
Issue
Heft 32 (7.8.1930)
Date
1930-08-07
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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7. August 1930 Nr. 32 Frankfurt a. M., den 13. Ab 6690 Begründet von Dr. Lehmann in Mainz. 'S ■m Abonnement ab Juli 1929: Deutschland 1.30 Mark monatlich; Ausland: Dierteljahrpreise (entsprechend dem deutschen Inlandspreis zuzüglich Koste» des Streifband-Versandes) Deutsch-Öfterreich: Schilling. 6.—; Amerika 1 Dollar; England 4 sst.; ab 1 Juli Frmrkreich 25 Fr.; Belgien ab 1.7.37. Belga 5.; Hollands st.; Italien ab 1.1.28.18 Lire; Jugoslavien SS Din.; Litauen 7.30 Lit.; Rumänien ab 1. 7. 27. ISO Lei; Polen 4 deutsche Goldmark zum Tageskurs oder 7 Zloty; Schweiz 8 Fr.; Tschecho-Slowakei 2S Kronen; Ungarn, Pengö 5 ab 1. Juli 1927; Dänemark 3.SO Krön.; Norwegen 3.SO Krön.; Schweden 3.50 Krön Einzelnummer vierzig Goldpfennige. Der Israelit erscheint jeden Donnerstag. Inserate 80 Goldpf. für die fiebengespaltene Nonpareille-Zeile. Abonnenten zahle« bei Stellengesuche« und Familienanzeige« nur 40 Pf. Die 75 wm breite Reklamezeile: letzte Tertseite 2.— ' Mk., vorletzte Tertseite 350 Mk.; Chiffregebühr in Höhe eines dopp. Fernbriefportos. Rabatt nach Tarif. Bei laufenden Jnserataufträgen tartfm. Preiserhöhung jeder-, Vorbehalt. Jnseratenannahme durch den Verlag des Israelit T. m. b. H., Fiankfurt a. M, Rechneigrabenstraße 7, Tel. Hansa 21081 sow. durch sämtl. Annoncen-Erped. d. In- und Auslands. Alleinige Jnseratenann. für Franks. Geschäftsanz.: Jul. Schmidt, Langestr. 7, ll, Tel. Hansa 25865. Platzvorschr. ohne Verbindlichk. Zahlungen direkt an den Verlag auf Postscheckkonto Frankfurt (Main) Nr. 19802. — Außerdem an: Postsparkasse Wien Nr.79805. —Postsparkaffenamt Budapest Nr 18424.—Postscheckkonto Warschau Nr. 190757. — Postscheckamt Zürich Nr. 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Zwar muß auch das schon uns mit vervielfachtem Schmerze erfüllen, daß in unserer angeblich zur jüdischen Ueberlieserung heimkehrenden Zeit das Gebetbuch, das den Mofchiach leugnet, immer weitere Verbreitung findet. Aber mancher betet noch mit Mund und Herz um den Mofchiach, lebt aber in feinem ganzen alltäglichen Handel und Wandel nicht das Leben der Moschiachfehnfucht. . ' Ganz augenfällig ist das gerade in den drei Wochen der alljährlichen Trauer um Jerusalem : sichtbar. Da wissen viele sonst gewissenhafte Befolgerder Thoragesetze sich mit Selbstbeschwichti- ^gung über iMe Vorschriften der Trauer Hinwegzusetzen und verlegen ihre Vergnügungsreisen, auch solche, die von keinen geschäftkichen Not-. Wendigkeiten oder ärztlichen Verordnungen abhänigen, in diese Zeit., Wo ist die unverputzte Quadrat-Elle Secher lechurban an unseren eigenen Toren? Wer hat sich oder die Seinigen noch nie auf einem Lächeln über den Gedanken verwirklichter Mofchiachhofsnung ertappt? Darum wollen wir vor allem den Inhalt der Moschiach-Jdee uns in der Gestalt vergegenwärtigen, in der sie uns die Ueberlieferung lehrt. Der Mofchiach wird nicht ein nur „glücklicher Soldat" oder Politiker, aber erstrecht nicht ein lediglich überirdische Wunder vollbringender G'ttesbote fein; so lehrt es, für uns alle maßgeblich, Maimonidss in Hilchoth Melachim. Vielmehr haben wir ihn als den durch g'ttliche Hilfe großwerdenden jüdischen Volksfürsten zu erwarten, der dem Volke Israel Ruhe und Frieden auf dem Boden . seiner Ahnen sichert und dessen friedlich anwachsendes persönliches Ansehen auch die , Völker der .Welk zu ewiger. Friedensliebe. bekehrt, bis sie, wie Jeschaja und Micha geweissagt, zum Berge der G'tteslehre lernbegierig strömen. Ein Reis am Stamme Davids, wird er Israels Feinde abwehren und den Getreuen G'ttes ein forgenarmes Diesfeitsleben zu bereiten wissen. Dies ist eine Hoffnung, die zu hegen jedes nicht völlig verdorrte Herz imstande und zu der eine schwärmerisch-mystische Veranlagung nicht die Vorbedingung ist. Wie kommt es, daß trotzdem diese Hoffnung in uns so kraftlos lebt? Es müssen äußerlich oder mindestens verstandesgemäß erfaßbare Gründe zu dieser Kraftlosigkeit vorhanden sein. 3. Die ewige Seßhaftigkeit im Lande unserer Väter, die uns der Mofchiach wiedergeben soll, kann niemand mit ganzem Herzen ersehnen, der nicht weiß, was eine jahrhundertealte Heimat wert ist. Da uns Juden selten in unserem Exile ein Land über mehrere Menschenalter hinweg Ruhe und Lebensrecht gewährt hat, so mag dieser Mangel jedes Begriffs warmer Heimatliebe ja sehr vielen Juden jeder Zeitepoche durch ein grausames Geschick eingebrannt fein und damit entschuldigt scheinen. Obendrein leben wir heutzutage meist in Staaten von solcher Ausdehnung, daß auch ihre übrigen. Bürger kein persönliches Gefühl wirklicher Liebe für ihr Land aufzubringen wissen. Da gilt vielfach das bekannte Wort: Man kann nicht für hunderttaufend>e Quadratmeter Liebe empfinden. Diese Stimmung wird durch den allgemeinen Zug in die Städte noch verstärkt. Wie sollten da gerade wir die Liebe zu unserem Lande wacherhalten haben, das erst durch die Taten eines g'Wichen Friedenskönigs wieder ganz das unfrige werden kann, und dem wir alle fremd geworden.sind an Sprache und Gesittung? Und doch haben unsere Weifen Mittel und Wege gesunden, um die Hoffnung auf den Mofchiach in uns wachzuhalten. ' Ein sonderbar scheinendes Wort unserer Wessen scheint diesem Ziele zu dienen. Sie lehren, man solle sich bemühen, das Antlitz irdischer Machthaber zu sehen, damit man, wenn man dessen würdig werde, dereinst den Unterschied zwischen ihnen und dem von G'tt uns gesandten König, dem Erlöser, verstehe. Der kennt nicht die wahre Moschiachsehnsucht, der nicht beim Königsjubel anderer Völker in der Menge stehend einen Schnitt durchs Herz verspürt, der nicht den ganzen Galuthjammer, der nicht beim Anhören Nkchtjüdischer Befreiungsfreude . oder beim Anblick nichtjüdischer Wiederaufbau-Einweihungsfeier im Erinnern der Worte zufammengezuckt: niwrv Ich gedenke G'ttes und vergehe im Schmerz, , wenn ich jede Stadt auf ihrem Schutte neuerbaut sehe Tsn und G'ttes Stadt erniedrigt bis zur untersten Verfallswekt, — - und bei alledem: Wir zu G'tt und unsere Augen zu G'tt! 4. Ja, vielleicht ist das auch der Sinn der Prophetenworte, die uns ermahnen, das Wohl der Stadt zu suchen, zu der uns G'tt verbannt, „denn in ihrem Wohl ist euch Wohlergehen gesichert." Nicht aus kaltem Egoismus sollen wir dem Lande unseres Aufenthaltes Treue halten; doch erstrecht nicht in eitler Streberei jede seiner Nationalaspirationen fördern und uns als seine Scharfmacher ihm „lieb Kind" machen. Sondern des Landes Wohl suchen sollen wir, weil in diesem Suchen selber schon auch unser Lebenselement, unsere Moschiachhofsnung, unsere Sehnsucht nach dem eigenen Lande unserer Väter seinen begrifflichen Sinn erhält. Wir sollen den hohen Wert der Liebe zu einer vorhandenen Heimat nie vergessen und sollen, so sehr wir ihn schätzen, diesen Wert auch in der Liebe zum Lande. Israels betätigen. Nichts wäre unserer Mofchiachhoffnung abträglicher als Manigel an jeder Heimatliebe. In der Hingabe jedoch an das Land unseres Aufenthalts wächst uns Hingabe an das Land, das wir uns verscherzt haben vibv In diesem Sinne ist die jetzt allgemein betriebene „Verländkichung" der Juden eine begrüßens- und fördernswerte Idee. Wir glauben jedoch schon Andeutungen darüber gemacht, wie wir uns die Neubelebung des Moschiach-Gedankens auch im städtischen Teile der Judenheit denken, der wohl noch lange der größere bleiben wird, gegen den das ländliche Judentum verschwindet. 5. Hier müssen drastischere Mittel einfetzen. Wo eine jüdische Schule am Platze ist, wird es ja nicht schwer fallen, schon die ersten Jahre der Erziehung in den Dienst des Moschiachgedankens zu stellen, sobald nur erst der Volks- und Landesbegriff in das kindliche Anschauungsbild eingezogen ist. Man wird sich beeilen müssen, sobald als irgend möglich dieses Anschauungsfach zur Reife zu bringen. Man soll daran aber auch dort nicht verzweifeln, wo eine solche Schule fehlt. 1

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