Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 71 (1930)
- Issue
- Heft 31 (31.7.1930)
- Date
- 1930-07-31
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 14. Nr. 31 Der I, s r « e l i t 31 IM 1930 aufgang des zweiten Tages sich zu einem Tage runde," und die Freitagnacht nicht zum Sabbat gehöre. Ich war nahe daran, meine Kleider und das Buch, darin die Auslegung geschrieben stand, zu zerreißen, hätte ich mich nicht noch rasch erinnert, daß es Sabbat sei. Einen Augenblick überkam mich sogar der Gedanke, ob es nicht besser sei, es dennoch zu tun und einmal gegen den Sabbat zu sündigen, um durch solche öffentliche Kundgebung viele spätere Sabbatentweihungen zu verhindern. Ich ließ es am Ende dem Sabbat zu Ehren sein, tat aber ein Gelübde, sobald der Sabbat vorüber sei, mir keine Ruhe und Rast zu gönnen, als bis ich mit einem Sendschreiben das Irrige jener Auffassung ganz Israel kundgetan und klar bewiesen habe, daß der Tag nach dem Gebot der Thora stets mit der Nacht, also der Sabbat mit dem Freitagabend beginne, um damit große Sünde von Israel abzuwenden. Denn käme jene irrige Erklärung zur Kenntnis und fände ihre Nachbeter, so wäre dieses ein Verstoß gegen die Thora, gegen die heilige Ueberlieserung in Ost und West, gegen Israels Söhne nah und fern, gegen die Lebenden und die Toten. So erkläre ich in meinem Sendschreiben und spreche es aus, daß derjenige, der die falsche Auslegung im Buche der Irrlehre sich aneignet, der g'ttlichen Vergeltung anheimfällt. Wer jene Erklärung anderen vorliest, dessen Zunge möge am Gaumen kleben bleiben. Wer sie zum Zwecke der Weiterverbreitung niederschreibt, dessen Arm möge verdorren, dessen rechtes Auge erblinden. Allen Söhnen Israels leuchte aber Licht in ihren Wohnsitzen. Der Brief Sabbats an Abraham eben Esra hat folgenden hebräischen Wortlaut: anmn mipn n’jpnn 'anp’ m rntw ratf 'ix wiiii cpttt hsh e^iy. nna -mx 'ix i'ia pni etzm pai onson rpwxnn airia pi 'B'p^x r6a rtzwa ba ’ni emn1? nsia "nx pa*? *p nx nawn avn rr x^i anap 'nw mb snnai 'Nvixn bv a^n1? aansr 'ix ans?: ay B’ipt 'a -a'uwi »mapa aa anar rinn 'ix a'iV' ma bv nso' xb ->ai 'a'^ax.i ’a i^axD' x*?*> answa an i^x anjm -naxi nay ixLw apwm amwa amana a'aiaa «nnx T»a an mana Va mir annia awn ^naa ar »lrrpa xin ii"a ^awa Vai answ nxa amnsi iana 'mian nyanxsa’» ar» ^>aa "iai ^>a naii s»sn xilra p pi - -pi nilv^a naiaa an^i 'a'a nxa 'innaw pa*? 'B'a' *?aa pmasn anso ^n'a Vx ixain iwx '*p nasal niiV “jrmpra D’“ra nnn xVi nwnn pxi -'V'av an bbnb aina asn innajrn Va Vx nm^nrni '.nraxn pn n*nx nan^ Ein Narr, der sehr gescheit war. In Moskau starb dieser Tage einsam und fast vergessen der frühere berühmte Humorist D u r o w. Durow spielte bis zur Revolution eine bedeutende Rolle in Rußland. Er war so etwas wie ein p o l i t i s ch e r Clown. In den hohen und höchsten Schichten sehr gefürchtet, aber in den breiten Volksmassen und auch bei den Intellektuellen ungemein beliebt, war er fast immun vor den Behörden, die ihm schon manches übersehen mußten. Vor seiner ätzenden Satire blieb keiner verschont, kein Minister und kein General, gelegentlich auch der Zar selber nicht. Handelte es sich um die allerhöchsten Kreise, so hatte Durow eine eigene Schlüsselfrage und eine Art, Parodien zu improvisieren, daß ihm die Polizei nichts anhaben konnte und sich das Publikum dennoch auf Kosten der Verulkten halbtot lachte. Durow blieb immer aktuell, schlachtete die neuesten politischen Ereignisse aus und hatte stets ein ausverkauftes Haus. Obwohl vollblütiger, rechtgläubiger Russe, war er ein Freund' der Juden, weil er ein Freund des Rechtes und der Freiheit war, und die Judenverfolgungen waren für ihn eine unerschöpfliche Quelle für Anekdoten und Bonmots, die das herrschende System, unter dröhnenden Lachsalven des Publikums, in den Grund und Boden bohrten. Als er einmal in Odessa eine Vorstellung gab, befand sich im vollgefüllten Theatere auch der als blutrünstiger Tyrann und Judenfresser bekannte Generalgouverneur S e l j o n i (zu deutsch „Grün"). Im Foyer saß der Künstler in einer Pause bei seinen Freunden, als gerade der mächtige Mann vorbeikam. Alles stand ehrerbietig auf. Durow blieb ruhig sitzen. „Warum steht er nicht auf," brüllte ihn Seljoni an. „Ich habe nicht die Ehre, i-tzn zu kennen/ antwortete der WmsMr im gleichen Tone „Ich bin Seljoni," schrie der Generalgouverneur. „Gut," gab der Künstler zurück, „wenn er einmal reif ist» (im Gegensatz zu „grün") stehe ich gerne auf." In glühender Wut verfügte Seljoni, daß Darow. str-- fort, noch vor Beendigung der Vorstellung, Odessa verlasse. Beim Publikum brach ungeheure Bestürzung aus« und endlich brachte man es fertig, daß Durow weniHstens die Abendvorstellung zu Ende führe. Diester Schmanen'gesang Durows in Odessa war aber1 kein- Lobgesang für den vielmögenden Stadthauptmann. Durow rächte sich nämlich, da seine Rolle in Odessa ohne.hin ausgespielt war, auf folgende Weise: Zu seinem Metier gehörte auch die Dressur von Tieren ... Er hatte ein paar dressierte junge Borstentiere, die er aus der Bühne allerlei Kunststückchen vollführen ließ. Dar eine der Tiere hatte er inzwischen grün angestrichen. Und wie es nun ganz zuletzt auf Kommando auf die Bühne hüpfte, schrie Durow in das Publikum hinein: „Nun bitte, alles aufstehen und eine Verbeugung machen, denn dieser ist Seljoni (Grün)". Das Publikum wälzte sich vor Lachen. Mit Morgengrauen war Durow aus Odessa verschwunden. — Nach dem japanischen Krieg, da mit Kisch i new die Aera der Pogrome begann, wartete Durow gern mit einem Kabinettstückchen auf, das die Helden von Port- Artur den Helden von K i s ch i n e w gegenüberstellte ... Zuletzt sah man Durow auf den Straßen Moskaus beim Ausbruch der Revolution. Er reihte sich dem Demonstrationszuge mit einem Wagen ein, auf dem seine dressierten Tiere mit den Masten von Nikolaus, Rasputin und vieler Minister zu sehen waren. Seitdem hatte er sich aus dem öffentlichen Leben zurückgezogen. Sein Tod weckt bei der Freiheitspartei, aber auch bei den Juden, manche dankbare Erinnerung. Marienbader Brief. Marienbad, Mitte Juli. Kalendermäßig befinden wir uns bereits in der Hochsaison. Der Verkehr in den Brunnenpromenaden ist ziemlich lebhaft. Alte Marienbader Stammgäste wissen es aber ganz genau, daß die diesjährige Saison, der Zahl der Fremden nach, keine erstklassige sein wird. Bei den Bäderkassen und in den Speisehäusern gehts noch ohne besonderes Gedränge. Am Hauptbrunnen keine hastenden Verkehrswellen. Die Gastzimmer mäßig im Preise, mäßiger als sonst um diese Zeit. Die allgemeine Wirtschaftskrise hat auch Marienbad erfaßt. Doch lange nicht in dem Maße wie andere Kurorte. Wir sind froh, sagte der städtische Kurdirektor, daß es nicht schlimmer geworden ist. Das Kurpublikum zeigt, wie gewöhnlich, eine internationale Struktur. Doch fällt der starke Anteil auf, den die Reichsdeutschen stellen. Unter diesen obenan Frankfurt und Berlin. Die jüdischen Kurgäste schätzt man gewöhnlich auf 70 Proz. Diesmal wird dieses Kontingent kaum erreicht werden. Es scheint, daß die Juden aller Länder von der kritischen Wirtschaftslage empfindlicher betroffen sind, als die anderen Mitbürger. Mittleres Publikum fehlt' ganz besonders in den jüdischen Reihen. Der frühere gesunde Mittelstand ist eben wirtschaftlich krank und kann sich keinen Kurort leisten. Auch im allgemeinen sind es hauptsächlich die oberen 10 000 und die wirklich Kurbedürstigen, die auch in diesem Jahre nicht fehlen. In der großen Wandelhalle sieht man, wie immer, hervorragende Rabbiner aus Polen, Ungarn und anderen Ländern in ihrer auffälligen Rabbinertracht, mit der sichtbaren, doppelten Kopfbedeckung, mit dem Vrunnenbecher in der Hand, langsam auf und nieder spazieren, oder in kleineren oder größeren Gruppen stehen, über interessante Thorathemata disputieren. Die städtische Kurverwaltung sowohl, als auch das große illustre Publikum lassen es dabei an Liebenswürdigkeit und vor-, nehmer Haltung nicht fehlen. Marienbad kann in dieser Hinsicht einen ersten vorbildlichen Rang einnehmen. Unbemittelte Rabbiner urd sonstige Unbemittelte werden auch bei der Vorschreibung der Kurtaxen berücksichtigt und genießen Ermäßigungen auch bei den Bädern. Etwa 24 Rabbinen — unter diesen die Großrabbiner von Sochatschov, Munkacz, Gor, Belsz u. a. — weilen zur Zeit in Marienbad. Modern gekleidete Rabbiner lüften ihr Inkognito nur, wenn sie zur Thora gerufen werden. In den bekannten erstklassigen koscheren Restaurants von David Leitner und S. Raab herrscht jüdisches Leben. In den Haussynagogen werden früh und abend einigemal regelmäßig G'ttesdienste abgehalten. Der chassidische Ritus ist vorherrschend. Oftmals hat ein geübter Frankfurter Kurgast den deutschen Ritus zu Ehren gebracht. Thorakundige Kurgäste lernen auch ihre Privatfchiurim in diesen Bethäusern. An öffentlichen belehrenden Vorträgen fehlt es aber den gesetzestreuen Kurgästen, obwohl ein würdiger Thoragelehrter für die koscheren Restaurants als Rabbiner beamtet ist. Die Zionisten hingegen haben regelmäßig ihre Zusammenkünfte und veranstatlen jeden Mittwoch einen öffentlichen Vortrag. In der demnächst stattfindenden Versammlung der anwesenden Rabbiner soll auch dieses Thema zur Sprache kommen. Einen regen. Unterhultungsstoff bildete: gelegentlich unter orthodoxen Kurgästen die Frage der Kopfbedeckung. Man verübelt es den veichsdeutschen Gesinnungsgenossen,. die weite Ausflügemachen, ohne ihren. Hut mitzunehmen. Gar viele sind, es, die skrupellos, die. moderne Sitte oder Unsiitte nutmachen, unterm freien Himmel mit dem Hut in der Hand zu spazieren.. Mäw hörte die Bemerkung, daß die deutschen gesetzestreuen Gemeinden über die Vorschrift des Kopfbedeckens sehr ungenügend belehrt sind, daß dort auch der fromme: jüdische Knabe, schon durch die Schule systematisch SN Bloßköpfigkeit gewöhnt wird und diese litzbggWDNnene Gewohnheit auch im späten Alter nicht, losmerden kann. Neumodische orthodoxe Kurgäste aus dem Osten beneiden still ihre deutschen Gesinnunasgenöfsen um diese wesentliche orthodoxe Errungenschaft und machen es ihnen nach. Es ftMe verkehrt sei«;. In einem jüdischen Restaurant sM es an einem Schabbösabend oorgekommen seich daß ein Herr nach beendeter Mahlzeit seine Zigarre angezündet hat. Entrüstet sagte ihm. sein ungarlä.ndischer Nachbar. — dem schon die Blohköpfigkeit seines seltsamen Tischgenossen auf die Nerven ging — wenn er Schabbos rauchen wolle, müsse er zuvor den jüdischen Speisesaal verlassen. Der Gast erwiderte beschwichtigend, er sei Nichtjude, und rauche auch am Sonntag. „Warum kommen Sie dann in ein orthodoxes jüdisches Restaurant ausgerechnet am Sonnabend?" „Aus dem einfachen Grunde," — lautete die Antwort — „weil hier am Sonnabend nicht gezählt wird/ ' Oer jüdische Kaufmann. Von den Fllhrerblättern des „Esra", die jetzt von Max Feuchtwan g er und Joseph G o l d s ch m i d t herausgegeben werden, liegt uns Heft 4 vor, das in Form eines Rundbriefes die sittliche Problematik des kaufmännischen Berufes behandelt. Die Diskussion wird durch einen längeren Brief eingeleitet, dessen Verfasser die gestellte Frage zwar mit großem sittlichen Ernste, aber auch mit einem offenbar viel zu weitgehenden jugendlichen Radikalimus beantwortet. Er erklärt rundweg, jeder Kaufmann müsse „schwindeln", weshalb der kaufmännische Beruf für einen pflichtbewußten gesetzestreuen Juden überhaupt nicht in Betracht kommen könnte. Darüber hinaus spricht der Vriefschreiber dem Kaufmannsstande auch jede Möglichkeit einer in den Tatsachen begründeten ethischen Wertung seines Berufes ab, weil die Vermittlungsarbeit des Kaufmanns heute volkswirtschaftlich meist überflüssig, daher unproduktiv sei und schon deshalb der sittlichen Unterlage entbehre. In den an diese Einleitung sich anschließenden weiteren sechs Briefen werden nun die Radikalismen des Leitbriefes nach den verschiedensten Richtungen eingeschränkt und zu einer gerechteren Würdigung des komplizierten Problems zurückgeführt. Vielfach wird darauf hingewiesen, daß die Verführung zur Unehrlichkeit oder Unaufrichtigkeit durchaus nicht ein Monopol des kaufmännischen Berufes fei, wenn auch die Verwirklichung der strengen Anforderungen des Schulchan'Aruch auf dem Gebiete des sozialen Verkehrs für den Kaufmann natürlich schwieriger ist, als etwa für den Landwirt oder den Arzt. Auf der anderen Seite ist/aber gerade die Vertiefung in die eindringliche differenzierende Würdigung der ethischen Konflikte, zu der uns die Halacha anleitet, geeignet, die praktische Durchführbarkeit gesunder ethischer Grundsätze auch im kaufmännischen Verkehr durchaus zur erweisen. Von anderer Seite wird nachgewiesen. daß dem kaufmännischen Beruf das Berufsethos ebenso wenig fehlt wie dem Berufe des Arztes oder des Feuerwehrmanns. Einem der jugendlichen Briefschreiber, der die letzte Mischno in Kiduschin als angebliche Instanz gegen die Möglichkeit kaufmännischer Redlichkeit anführt, wird mit Recht entgegengehalten, daß man dann in/Sinne der scharfen Bemerkungen derselben Mischna auch nicht Arzt und nicht Metzger werden dürfe. Merkwürdigerweise ist die wirtschaftliche Seite der Frage, die auch ihre starken Konsequenzen nach -der Richtung des Ethos hat, nur von dem Verfasser des letzten Briefes erörtert worden. Mit Recht wird im Nachworte der Redaktion ausgeführt, daß die in den Briefen begonnenen Ueberlegungen nach den verschiedenen Richtungen vertieft und durch vergleichsweise Heranziehung anderer Berufe geklärt werden müßten, wenn daraus Konsequenzen für das praktische Verhalten der Jugend gezogen werden sollen. Jedenfalls ist es sehr dankenswert, daß die Führerblätter das ganze Problem mit Ernst ausgerollt haben. Eine sorgende Mutter ist stets darauf bedacht, jene hygienischen Präparate zu.führen, welche die Gesundheit ihrer Angehörigen erhalten und deren Wohlbefinden zu steigern vermögen. Vor allem aber sind es die Kleinsten, denen ihre stete Sorge gilt, und sie sucht besonders dem schmerzhaften Wundsein derselben durch peinliche Sauberkeit und wirksame Hautpflege vorzubeugen. Mit bestem Erfolg verwendet sie für diesen Zweck „KaiserBorax-Wund- und Kinder- Puder", das Erzeugnis der Firma Heinrich Mack .Nächst, Ulm a. D., deren sonstige Spezialitäten ebenfalls als erstklassig bekannt sind.