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Der Israelit · 1930-07-24 · Heft 30 (24.7.1930) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
71 (1930)
Issue
Heft 30 (24.7.1930)
Date
1930-07-24
Page
– (sequence 1)
Language
German
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24. Juli 1930 28. Tammus 5690 Nr. 30 Frankfurt a. M., den _.. Begründer von Dr. Lehmann in Mainz. in. i it Abonnement ab 3uji 1929: Deutschland 1.30 Mark monatlich; Au nd: Bierteljahrpreise (entsprechend dem deutschen Inlandspreis zuzüglich Kosten des Streifband-Versandes) Deutsch-Österreich: Schilling 6.—; Amerika 1 Dollar; England 4 sh.; ab 1 Juli ’ Frankreich 25 Fr.; Belgien ab 1.7.27. Belga 5.; Holland 2fl.; Italien ab 1.1.28.18 Lire; Jugoslavien 65 Din.; Litauen 7.50 Lit.; Rumänien ab 1. 7. 27. 150 Lei; Polen 4 deutsche Goldmark zum Tageskurs oder 7 Zloty; Schweiz 5 Fr; Tschecho-Slowaket 25 Kronen; Ungarn Pengö 5 ab 1. Juli 1927; Dänemark 3.50 Krön.; Norwegen 3.50 Krön.; Schweden 3.50 Krön Einzelnummer vierzig Goldpfennige. Der Israelit erscheint jeden Donnerstag. Inserate 50 Goldpf. für die stebengespaltene Nonvareille-Zeile. Abonnenten zahlen bei Stellengesuchen und Familienanzeigen nur 10Pf. Die 75 mm breite Reklamezeile: letzte Textseitr 2.— Mk„ vorletzte Textsette 2 50 Mk.; Chiffregebühr in Höhe eines dopp. Fernbriefportos. Rabatt nach Tarif. Bei laufenden Inserataufträgen rarifm. Preiserhöhung jederz Vorbehalt. Jnseratenannahme durch den Verlag des Israelit G. m. b H, F.ankfitrt a. M , Rechneigrabenstraße 7. Tel- Hansa 21081 sow. durch sämtl. Annoncen-Exved. d. In- und Auslands. Alleinige Jnseratenann. für Franks. Geschäftsanz.: Jul. Schmidt, Langestr. 7, II, Tel. Hansa 25885. Platzvorschr. ohne Verbindlich!. Zahlungen direkt an den Verlag auf Postscheckkonto Frankfurt (Main) Nr. 19802. - Außerdem an: Postsparkasse Wien Nr.79 805.-PostsparkassenaüU Budapest Nr. 18421.- Postscheckkonto Warschau Nr. 190757. - Postscheckamt Zürich Nr. 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Hatten wir da eine heilige Stätte, an der wir uns tausend Jahre lang ungestört ausweinen konnten, sie wird uns streitig gemacht: Eine Kommission hält in Jerusalem Beratungen ab, verhört Zeugen, holt Gutachten ein, verhandelt, prüft undwägt, ob die Klagemauer wirklich die Mauer unserer Klagest und unserer Tranen sei. Jüdische und nichtjüdische Männer packen ihre Erinnerungen vor der Kommission aus. Man lese doch unsere alten Schriften, ob sie nicht voll sind der Spuren von den jüdischen Tränen, die an der Mauer flössen; man frage unsere Siebzig- und Achtzigjährigen, ob nicht mit ihnen die Vorstellung von der „Mauer im Westen" als dem letzten Reste dies jüdischen Heilrgtumes ausgewachsen ist! In einer jahrhundertelangen T ü r k e n z e i t kam nie ein Zweifel darüber auf. Nun will man uns die heiligen Quadern, das letzte sichtbare Zeichen einstiger Pracht, rauben, den Trost der h e i l i g e n T r ä n e an g e w e i h t e r S t ä t t e nehmen. Es ist ganz wie damals, nur daß kein 'Prophet ersteht, hüben nicht und drüben nicht, der unseren Schrei'in den lichten Tag hinausruft. Ist sie die einzige Frucht, die der blutgedüngte Boden in Palästina in einem Jahr des Hangens und Bangens, feit den Augusttagen 1929, gezeitigt hat, diese Klagemauer-Kommission? Nein. Wir wollen uns die Dinge, wie sie nacheinander auf das Unglück folgten, kurz in Erinnerung rufen. Es kam kurz nach den Unruhen < die sogenannte Shaw-Kommission nach Palästina und brachte in einer Untersuchungsarbeit non vielen langen Wochen nicht viel mehr an den Tag, als was man immer schon wußte: Eine Spannung zwischen beiden Nationen herrschte schon seit dem Balfour-Mandat. Die Dinge spitzten sich in der Folge zu aus Anlaß des Klagemauerstreites und erreichten den Siedepunri in den Tagen des Züricher Kongresses und mit der Bildung der Jewifh Agency. Die hohen Töne in Zürich fanden in Palästina ihr Echo in Halleluja-Liedern an der Mauer, just am Trauertage um die Zerstörung. War damit vielleicht der Anlaß der Entladungen gegeben, so lagen doch die Ursachen tiefer, und nicht zuletzt lagen sie an der Passivität oder der „Aktivität am falschen Platze" der Regierungsorgane und des englischen Militärs. Man hatte die historisch berechtigten Ansprüche der Juden aus die Klagemauer oder wenigstens auf die Gebetsstätte vor der Mauer nicht gerade abgelehnt, aber sie auch nicht genügend geschützt. Durch jenen nicht wieder gut zu machenden Gewaltakt am Bersöhnungstage und durch die stillschweigende Duldung der arabischen Bauarbeiten an der Mauer wurde der Mut der Araber zu immer neuen Provokationen gestärkt. Die direkt e Schuld englischer Beamten und Militärs war erwiesen, die Wühlarbeit der Großmuftis und Effendis klargestellt; die Bemühungen jüdischer Führer, auch der gemäßigten Zionisten in der Leitung, noch im letzten Augenblick Versöhnung und Beruhigung herzustellen, ohne bei den Arabern Gegenliebe und bei Luke, der den Hochkommissar vertrat, Unterstützung zu finden, wurden festgeftellt. Dennoch fiel der Bericht der Shaw-Kommission nicht zu unseren Gunsten aus. Er erhebt nicht die erwartete Anklage gegen die Mörder und ihre Hintermänner und ist kein eindeutiges Bekenntnis zum Balfour-Mandat. Es wirkt schon beinahe grotesk, daß eine Untersuchungskommission, die wir herbeigerufen haben, in weiter Ueberschreitung ihrer Kompetenzen sich in der Hauptsache gegen den Kläger richtet und in dessen Schwächung eine Gewähr für die Besserung des Angeklagten zu schaffen sucht. Eine etwas späte, aber direkte Folge dieser Untersuchung ist die Entsendung des Sonderexperten Simpson nach Palästina, eines aufrechten, klugen Kolonialbeamten, dem aber sicherlich wirtschaftliche Notwendigkeit und Bodenbeschaffenheit des Landes mehr gelten müssen, als' historische, von G'tt verbriefte und versiegelte und von Großbritannien nach dem Weltkriege, in richtiger Erfassung einer bedeutsamen weltgeschichtlichen' Situation, von neuem bestätigten Rechte eines durch die Geschichte heimatlos gemachten Volkes auf die Heimat seiner Geschichte. „Nicht der Mörder ist schuld, sondern der Ermordete!" könnte die letzte Tragödie in Palästina überschrieben werden. Noch ist die Mission Simpsons nicht recht im Gange, und schon wird als erstes Anzeichen für den neuen Kurs ein Teil der jüdischenEinwanderung in Palästina unterbrochen. Neue Proteste, neue Schmerzensausbrüche, und der englische Kolonialminister beklagt sich in Genf, wo man die Dinge im Ganzen nicht viel anders sieht als in London, über „die überreizten Nerven des jüdischen Volkes." Sonst haben wir nicht gehört, daß England auf die Protestkundgebungen der letzten Wochen und Tage durch eine T a t reagiert hätte. Die Araber, denen es gelang, die ganze moslemitische Welt, vom Kaukasus bis zum Ganges, als eine Phalanx gegen uns zu stellen, deren Führer den Mordbrennern die Gloriole des Nationalheros aufsetzten, deren Delegation in London den Regierungsvertretern — weil diese nicht gleich auf ihre Bedingungen eingingen, um sie hinterher zum guten^Teile dennoch zu erfüllen — die Akten vor die Füße geworfen haben, diese Araber haben sich bis jetzt unseres Wissens noch nicht den Vorwurf der Nervenüberreizung zugezogen. Weit wichtiger aber ist die Frage, was w i r selbst getan haben, und was wir tun wollen, um zu bekunden, daß wir den deutlichen schmerzlichen Wink der Vorsehung verstanden und ihm zu folgen gesonnen sind? Man hat*) viel kostbare Zeit und Kraft in nutzlosen Protesten vertan. Aber in ernsten zionistischen Blättern las man nach den Unglückstagen auch folgendes: „Die Antwort des jüdischen Volkes wird sein: „Auf jeden getöteten Juden tausend neue Einwanderer, für jedes zerstörte Haus eine neue Kolonie!" Diese angekündigte Antwort sind die Zionisten schuldig geblieben, was gewiß nicht ihre Schuld ist. Man kann nicht Armeen aus dem Boden stampfen. Man kann keine Massenwanderung organisieren, wenn die Tore gesperrt sind, man kann auch keine Kolonien aus der Erde zaubern, wenn die Menschen und das Geld fehlen und der Bodenerwerb erschwert wird. Aber auch wir im g e se tz e s - *) In ähnlichen Gedankengängen bewegt sich ein von der Palästina-Centrale der Agudas Jisroel in Verbindung mit der „Drei Wochen"-Aktion versandtes Rundschreiben an die Vorsteher der Aguda-Jnstanzen. f

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