Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 71 (1930)
- Issue
- Heft 29 (17.7.1930)
- Date
- 1930-07-17
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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{?ut)Q (md Cet? yrzie^utig Pädaqoqis J)e Beil SLOLIS ajje zum Organ -es Knn-es gesetzestreupr Wischer Kehrer Deutschlands . > Verantwortliche Schriftleitung: L. Kaufmann, Sprendlingen (Kreis Offenbach). ^SmSSaSSSSmSSSSSmSSBmSSSSSSSSSSSmmSSSSSmm Was kann der jüdische Lehrer zur Hebung des religiösen Lebens auf dem Lande tun? Referat gehalten auf der Jahresversammlung des „Unabhängigen isr. Lehrervereins in Hessen" im Hörsaale der „Israelitischen Religionsgesellschaft Frankfurt a. M." am 5. Januar 1930 von Lehrer H. Kahn, Höchst i. O. . . (Schluß:) Der mias? wende man seine besondere Aufmerksamkeit zu; ist doch der gemeinsame G'ttesdienst heute eigentlich in den Landgemeinden die einzige Veranstaltung, die uns das n^'np-Leben veranschaulicht und die den man? -Gedanken zu' festigen berufen ist. Selbstverständlich ist es, daß der Lehrer, der ja auch in den meisten Fällen als pn zu fungieren hat, sich bemühen mutz, unbeschadet der Erhaltung der traditionellen a’aiaa und a’ama» den G'ttesdienst auch zeitgemäß zu gestalten durch Aufnahme neuer Kompositionen, durch inniges seelenvolles Gebet, durch eine Andacht, die unbedingt auch die Zuhörer zur Andacht zu begeistern und sie zu eifrigen Synaggogenbesuchern zu machen sich bestrebt. Wo es zu ermöglichen ist, führe man Chor- oder Gemeindegesang ein, um tätiges Interesse am G'ttesdienste zu erzielen. Es mutz von dem Lehrer verlangt werden, daß er auch als pn ein Vorbild der Pünktlichkeit, der Korrektheit und der Gewissenhaftigkeit sei, der auch dadurch auf die Erziehung seiner G.-M. zu den gleichen Eigenschaften vorteilhaft einwirkt. Wie störend wirkt es und wie setzt es das Ansehen des Lehrers herab, wenn er durch fehlerhaftes oder unkorrektes Leynen unliebsames Aufsehen erregt und das Eingreifen der Zuhörer zur Verbesserung seiner Fehler erforderlich macht. Neben der Erhaltung des viermaligen Sabbatg'ttesdienstes, die eine Selbstverständlichkeit darstellen mutz, wende der Lehrer seine Aufmerksamkeit auch der Frage des Werktagg'ttesdienstes zu und suche aus diesem Gebiete' zu retten, was heute noch gerettet werden kann. Es ist doch eine tieftraurige Tatsache, daß z. B. im ganzer? Raöbinat Darmstadt II, das noch ein orthodoxes Rabbinat ist, außer Höchst nicht eine einzige^ Landgemeinde zu finden ist, die einen, regelmäßigen Werktag g'ttesdienst veranstaltet. Ist Letzteres undurchführbar, so sorge man wenigstens dafür, daß die besonders denkwürdigen Tage des. rel. Jahres naivn -Tage und nin'bv- ’jp ,Ea»h*a$m.' ,7121111 ,n"n. >rri, Tage durch gemeinsamen G'ttesdienst begangen und so in der Erinnerung der Eemeindemitglieder immer wieder aufs Neue wachgerufen und erhalten werden. Denn dort, wo dies nicht mehr der Fall ist, entschwindet doch vollständig das Bewußtsein von der rel. Bedeutung dieser Tage p dis inivi Und wodurch unterscheidet sich der Mensch vom Vieh,?s n»nan wenn er nur arbeitet und ruht, itzt und trinkt und nicht auch seiner Pflichten als G'ttesdiener auf Erden tätig zu sein, sich bewußt wird? Allerdings mutz ver Lehrer gerade in diesem-Punkte sich Opfer auferlegen, um dadurch auch die Gemeindemitglieder zur Opferwilligkeit anzuregen. Ich stehe 3. B. an kalten Wintertagen regelmäßig eine Stunde vor Beginn des E'ttesdienstes auf um das Schulzimmer zu heizen, damit den Besuchern Nes E'ttesdienstes die Ausrede, die sehr oft ins Feld geführt wird, es fei zu kalt usw. genommen wirh. Wenn me Eemeindemitglieder sehen, . daß es dem Lehrer Ernst iit mit seinen Belehrungen und er selbst Opfer für diese feine Lehre, sichtbar den Gemeindemitgliedern, bringt, dann wirkt dieses Beispiel zündend auf manchen, bei dem der Funke der Religiosität noch vorhanden ist und nur des Blasebalgs wartet, der diesen Funken zur . Flamme entfacht. Die religiöse Anlage, die hei vielen vorhanden ist kann sich, wie Rabbiner Dr. Carlebach in einem Chanukoartikel richtig bemerkt, nur an dem glühenden rel. Leben anderer entzünden. Wie ein Licht sich nur entzündet an einem anderen Lichtträger, r Flamme nur an Flamme, so können wir nicht erwarten, daß sich irgendwo jüd. Leben entfache, das wir nicht vorgelebt'und zur Glut gebracht haben. Wie z. Zt. der' Makabäer die Flammenglut im Herzen eines Matisjahu - ein ganzes Volk wieder zum rel. Leben entflammt hat, so liegt es auch 'bei Dir, das Feuer auf dem Altäre G'ttes 'anzufachen, zu nähren, und zum Dauerbrande weiterzuführen. Ein solcher Matisjahu mutz jeder jüd. Lehrer sein. Bei Abhaltung des E'ttesdienstes ist darauf zu achten, 'daß vollständige Ruhe und Ordnung herrscht, wie es eines E'tteshauses würdig erscheint und jede Störung, wozu auch die Unterhaltungen gehören, unterbleibt. Gerade hier mutz der Lehrer oftmals seine ganze Energie aufbieten, um geordnete Zustände herbeizuführen; (trifft doch für manche unserer Synagogen leider nach das Wort zu, daß es dort tbte in einer „Juddeschul" zugeht) um einen geordneten, würdigen G'ttesdienst veranstalten zu können, der allein geeignet ist, aus das Gemüt zu wirken und dasnns '» 'isb?i i»w so recht anschaulich vors Auge zu führen. Und wenn eine andachtsvolle Stille auch von Dr. Carlebach, Altona in einer im Israelit erschienenen Artikelreihe über das jüd. Gebet, nicht gewünscht, und einem möglichst lauten geräuschvollen Gebete das Wort geredet wird, so mutz ich doch sagen, daß die Erfahrung, die ich auf dem Lande gesammelt habe, wo ja im großen und ganzen nur „Am Horazim", keine Chasidim im G'tteshause versammelt sind, das Gegenteil bezeugt. Je ruhiger und gesitteter der G'ttesdienst, desto größer die nana. Und selbst, wenn man zur Erzwingung dieser Ruhe im G'tteshause mit den Gemeindegewaltigen, die häufig selbst an den obligaten Unterhaltungen u. a. Ungezogenheiten sich beteiligen, Überwerfen müßte, ist der Einsatz des Lohnes wert. Man wird zunächst Verdrießlichkeiten haben, wird aber mit der Zeit der Gemeinde seinen Willen aufzuzwingen vermögen. Die Freude an einem, wenn auch I erzwungenen, würdigen G'ttesdienst wird sehr schnell jede Unbill vergessen lassen und die Gemeindemitglieder werden nach und nach sich von der Schönheit eines von getragenen E'ttesdienstes überzeugen und mit Freude das G'tteshaus besuchen, in das sie seither, nur der Gewohnheit folgend, gingen. Man kämpfe gegen die allerwärts, eingerissenen Untugenden an, wie vorzei- | tiges Verlassen des G'tteshauses, spätes Erscheinen in demselben,, das Kaffeetrinken am rvn nach dem isiv -Blasen usw. > Es sind dies wohl nur Dinge äußerer Art, die an und für sich für das rel.^ Leben nicht ausschlaggebend sind, aber sie wirken doch auf 'den jüdischen Menschen in günstigem Sinne ein, so daß nach und nach durch derartige scheinbare Aeutzerlichkeiten auch eine innere Seelenwirkung hervorgerufen wird. Als um® übe der Lehrer sein verantwortungsvolles Amt als ein wahrer ant? st gewissenhaft aus, ohne sich durch irgendwie geartete Angriffe (denn solche bleiben selten aus) von seinem Prinzip abdrängen zu lassen. Stets bedenke er, daß er für das Kaschrus der Haushaltungen seines Bezirkes die Hauptverantwortung trägt und daß jeder Haushalt eine Zelle bildet, aus deren Vielheit sich das Gebäude des Judentums zusammensetzt, das zu Grunde geht, wenn die Einzelzellen verfallen. In diesem Zusammenhänge mutz ich es aufs Tiefste bedauern, daß leider auch Kollegen mit ihren Pflichten es vereinbaren können, Fleisch- und Wurstwaren von Metzgern zu beziehen, die ^nav Mm» sind und andere Verstöße ähnlicher Art sich zu schulden kommen lassen, und dadurch die rel. Gewissenhauftigkeit bei ihren Gemeindemitglkedern erschüttern. (Mit Beispielen kann gedient werden.) Auch auf dem Gebiete von ma gehe der Lehrer von dem Gedanken aus, daß er seine Gemeindemitglieder zu erziehen verpflichtet ist, da Erziehung zu rra auch Erziehung zur Religiosität bedeutet. Es ist deshalb ein Fehler, dem gar mancher Lehrer verfällt, wenn er mit Rücksicht auf erschwerte Lebensverhältnisfe, große Steuerzahlungen usw. von Sammlungen zu Wohltätigkeitszwecken absieht, um die Leute finanziell zu schonen. Trotz der erschwerten Lebensverhältnisse hat man auch heute noch genug Geld übrig für Einladungen. Kränzchen, Badereisen, Florstrümpfe, Bubiköpfe, Hochzeitstelegramme usw., so daß es für die Beträge, die für npYi geopfert werden "müssen, auch noch reichen mutz. Ist am Jahresende nichts mehr da, so spare man im nächsten Jahre am Friseur, kaufe einen Damen- * Hut weniger, kürze seine Sommerreise nur um einige Tage und der Verlust ist wieder ersetzt. Das mutz man den Leuten klarmachen und mutz sie für alle Zwecke des Judentums, für Erhaltung der Thoralehranstalten, in erster Reihe für Waisenhäuser» Altersheime usw. interessieren, um ihr Hei^ernpfänglich' zu machen, für die Not der Mitmenschen und die .Not des. Judentums. Man begnüge sich nicht damit, ein Kindmit einer Liste herumzuschiäen, sondern man nehme auch, diese-Handlung so lange persönlich vor, bis die Beeinflussung der Leute derart gelungen ist, daß sie später dann auch eine von Kindern präsentierte Liste nicht gleichgültig zur Seite schieben. ' Man mache auch seinen Einfluß geltend, die Leute auch an l&iaa rra zu gewöhnen, an das Waschen bei am», Vornahme der ninv usw. um ihre persönliche Gewissenhaftigkeit zu schärfen und ihr Pflichtgefühl zu wecken. Auch im gesellschaftlichen Leben mutz der Lehrer, wenn auch nicht gerade führend, so doch mitführend sein. Man veranstalte naian- und Lnis-Feiern, bei denen man ' durch einen entsprechenden Vortrag das religiöse Moment in' den Vordergrund stelle, man beteilige sich auch bei den rein der Geselligkeit dienenden Veranstaltungen und sei es auch nur zu dem Zwecke, um a’Vwa», die vielfach nur der Unwissenheit entspringen, sernhalten zu können. Fälle, wie sie sich in lehrerlosen Gemeinden ereignen, daß an einem sai sayffin oder in der i»i? -Zeit Bälle veranstaltet werden, dürften doch dadurch vollkommen unmöglich gemacht werden. An einer gesellschaftlichen Veranstaltung mit Tanz, sich wegen des religiösen Tanzverbotes nicht zu beteiligen, wäre m. E. nach verfehlt. Ver der heutigen Einstellung der Jugend, kann man durch Isolierung das Tanzen doch nicht verhindern, wohl aber kann man durch seine Anwesenheit manchen Mvav fernhalten. Wenn meine Jugend einen Ball veranstaltet, verlange ich nur die Abgabe des Reingewinnes an mich und war es mir dadurch möglich, einen Teil der Kosten eines ip»-Neubaues zu decken, ein neues 021s zu beschaffen u. a. m. 'Auch in petsönliche Fühlung trete man zu seinen Eemeindemitgliedern, suche ihnen Ge-! fälligkeiteil zu erweisen, soweit die Würde und das Ansehen des Lehrerstandes dies gestattet, freue sich mit den Fröhlichen nehme Anteil an leidvollen Geschicken der Eemeindemitglieder; stehe Bevrängten mit Rat und Tat zur Seite, um dadurch ein gewisses Freundschaftsverhältnis zwischen Lehrer und Gemeinde herzustellen, das nicht ohne Einfluß auf die . rel. Führung der Gemeindemitglieder bleiben kann. Denn wenn dieselbensehen, daß sie ihrem Lehrer, ihrem Freunde, einen Schmerz bereiten, wenn sie Gesetze, deren Jnnehaltung er ihnen dringend ans Herz legte, mit Füßen treten, dann wird gar mancher sich von der may zurückhalten. In meiner Gemeinde würde seiner rel. Einstellung gemäß, der eine oder andere recht gern am mv sein Geschäft offen halten, aber keiner tut es (mit Ausnahme eines Metzgers, der ein n»s? ’asa 'na ist) nur um mir nicht wehe zu ■ tun. Wenn dies auch nicht wahre Religiosität ist, so gilt doch auch hier der Grundsatz r-imb nsa nns>f> s?» jma und wissen wir doch auch andererseits, daß es gewöhnlich mit dem Oeffnen des Geschäfts allein nicht getan ist, sondern daß ma? mas nrm und damit das Judentum seinem Untergange entgegengeht. Wie kann man nun in seiner Gemeinde einen derartigen Einfluß erringen, um für die Hebung des Judentums in geschilderter Weise tätig sein zu können? In erster Linie ist es vonnöten, die vollständige Unabhängigkeit des Lehrers von der Gemeinde, von den Gemeindemitgliedern und auch vom Vorstände anzüstreben. Der Lehrer mutz so gestellt sein, daß er nicht an iva nann taansiVm . bedarf. Solange es noch Lehrer gibt (und gerade in Hessen gibtes deren noch zahlreiche), die alle Jahre weh- und demütige Bettelbriefe an ihren Vorstand richten müssen, um eine kleine Gehaltsaufbesserung zu erreichen, so lange es noch Lehrer gibt, die glücklich sind, wenn am nav jemand einen 71a» p machen läßt, um am Sonntag 1 Mark Gebühren einziehen zu können, so lange es noch Lehrer gibt, die nicht nur jede nM» nna, jede ia in: -!;!