Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 71 (1930)
- Issue
- Heft 29 (17.7.1930)
- Date
- 1930-07-17
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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:17. Mli 1930 Der Z s * * < 1 11 Nr. 29. Seite 7 zwar nicht in leiteMsr,, "atker in VertrarvMsWllrMZ!b.efinden. Eine ganze Woche man verschiedenem Lrrsrwchmen sind in dem Entwürfe DongefHen, deren WsekerzMe lfür cden Augevblick nicht <M»M crtzscheint. -» Rumämen. Die rumänische ZWismng greift endLch StSNisch ein. Wukarest, 14 IM. Unter dmn Vorsitz des rumänischen JnnemnLnszftersi Baida-Voevrid fand irn GMÄuds des JnnenmnrWsvisrms Lim Besprechung statt, M Äer iMterstäatssekretar KÄerr urtd der Kornmandant der Mmdarmerie, Mcolean«. teilrwhmen. Me Besprechung ÄiMe der Beschlußsaffung üster Maßnahmen zur schuM-en Wiederherstellung der Ordnung in den durch die. aMmMchen Unruhen gefährdoten Gebieten der Bukowina und zur Vorbeugung Liner Msbreitung dieser Unruhen Wb^ andere Teilendes rumänstchen Königreichs. Es ist zunächst beschlossen worden, alle Versammlungen hetzerischen Charakters zu verbieten, die Agitatoren zu verhaften und den Gerichstbehörden zu überliefern. Das Kriegsministerium wird ausreichende Truppen zur Verfügung stellen, um den Behörden die Beherrschung jeder Situation zu ermöglichen. Die Justizbehörden des ganzen Reiches haben den Auftrag zur Zusammenarbeit mit den Verwaltungsbehörden bei Bekämpfung der Bewegung erhalten. Ministerial-Generalsekretär Kedere hat sich nach der Besprechung nach Suczawa begeben, um persönlich die Durchführung der zur Wiederherstellung der Ordnung beschlossenen Maßnahmen zu überwachen. Unterstaatssekretär Anghlescu sagte, daß seiner Ueberzeugung nach die beschlossenen Maßnahmen die Ruhe und Ordnung im Lande in kürzester Zeit wiederherstellen werden. Reue Exzesse in der Bukowina. Czernowitz, 14. Juli. Der 10. Juli war für die Juden der Stadt Suczawa ein Schreckenslag. Dorthin beriefen die Antisemitensührer eine Bauernversammlung zur „Bekämpfung des Wuchers". In sicherer Erwartung eines Pogromes, verbot die Behörde die Versammlung. Trotzdem drangen viele tausende Bauern aus den umliegenden Dörfern in die Stadt. Sie besetzten die Präfektur und mißhandelten jüdische Passanten aus der Straße. Viele jüdische Häuser und Geschäfte wurden total ausgeplündert. Einige Morde und Brandstiftungen konnte die Polizei noch im letzten Augenblicke verhindern. Erst als am Abend Militär einzog, konnte die Ruhe wieder hergestellt werden. Zwei Juden liegen lebensgefährlich verletzt, neben unzähligen leichter Verwundeten. Einem Kommunique der Regierung, das die Vorkommnisse zu verschleiern sucht, folgte eine Gegenerklärung des Jüdischen Parlamentsklubs und der Kultusg emeinde in Suczawa. Am Freitag trugen sich ähnliche Dinge in der Stadt B a l a c e a n a zu. In der Nacht vom Freitag zum Sabbat wurden dort fast sämtliche jüdischen Häuser ausgeplündert. In der schwer heimgesuchten Stadt B o r s ch a konnten neue Unruhen im Keime erstickt werden. Der Senator Dr. Ebner veröffentlicht in der „Ostjüdischen Zeitung" einen Notruf, in dem er die Behörden der Gleichgültigkeit und der passiven Mithilfe anklagt. England. Board of Depukies verlangt Freigabe der Einwanderungszerlifikate. London, 12. Juli. Für den Board of Deputies der britischen Juden erschienen dieser Tage beim Staatssekretär für die Kolonien Lord P a ß f i e l d, O. E. d'Avigdor Goldsmid, Lord Rothschild, B. S. Strauß und I. M. Rich, um ihm als gewählte Vertreter der Juden des britischen Empire die Ansichten des Board über die Suspendierung der 230 0. Arbeiterzertifikate vorzutragen. Auf ihre Vorhaltungen sagte Lord Paßfield: Die Proteste der Juden scheinen auf einem Mißverständnis zu beruhen. Die Politik der Regierung hat keine Aenderung erfahren und die Ausführung des Mandats ist nicht ungewiß geworden. Aber das Mandat hat keinen Judenstaat vorgesehen, sondern ein jüdisches Nationalheim in Palästina in Einheit mit der Wahrung von Stellung und Rechten der, arabischen Bevölkerung. Der jüdischen Einwanderung sind durch die Aufnahmefähigkeit des Landes Grenzen gesetzt. Die Einwanderung ist nicht gesperrt worden. 950 für das gegenwärtige ^Halbjahr im voraus LrWiKgte WLeiterzortifikate sind nicht suspendiert worden. Die Lhaw-Kmnmission beirichtet, Laß im Ergebnis der zillüschen Landkäufe eine Lrjstimmbe Zahl von Musbern -ökonomisch geschädigt mmcüe, atbwohl anerkannt -worden iist, daß die Jewish Ätzency im liberaler Weiße Geld.erckschädigungen gezahli hat. .Die Regierung hält es Wr natwendig, Äie Behauptungen ach ihre Wahrheit zu Prüfe« und hat zu diesem Zweck Len /besten zur VerfÜMAg sichenden Sachverstän- Mgen -mit -der Durchführung einer Untersuchung betraut. Me NnterMchung ist gegenwärtig tra Gange, und es sfaam, ÄbwkHl jede Verzögerung Vermrsden wird, kein MMmechen abgegeben werden, zu welchem- Zeitpunkt We GntfchsiLung wird gefällt werden können. Palästina. Die DerAmdlungen vor der klagemauerkommifsion. Jerusalem, 11. Juni. Am 9. Jun! wurde ein Vertreter des Irak, Mezah Bey Pachachachi, vernommen. Der Burak (so nennen die Araber die Klagemauer) sei ein Teil der Omarmoschee und den Moslim heilig. Er sei gaiyz erstaunt, daß die Juden hier eine Synagoge errichteten. Das habe man tft Irak und in Indien nicht gewußt, wchm man dort vom Burak sprach. In Irak bestehe ein Komitee zum Schutze der Araber in Palästina. Dr. Eliash fragt ihn, ob der Burak wirklich mit der Klagemauer identisch sei. Der Oberste Moslemitische Rat hat in dem von ihm herausgegebenen Führer für den Tewpelplatz der Klagemauer garnicht erwähnt. Dazu weiß der Zeuge nichts zu sagen. Der älteste englische Bewohner von Liberias, Reverend Ehr istie, der wegen hohen Alters nicht nach Jerusalem kommen konnte, machte seine Aussagen schriftlich. Seit Jahrzehnten konnte er die G'ttesdienste der Juden an der Mauer mit allem Zubehör beobachten. Eine ähnliche eidliche Erklärung übersandte ein Lehrsr aus Manchester, der im Jahre 1890 den G'ttesdienst an der Klagemauer besucht hatte und dort sogar Stühle für die alten Leute sah. Am 10. Juli legt Dr. David 2) e 111 n , ein bekannter Forscher der arabischen Kulturgeschichte, Zeugnis ab von den Dingen in der türkischen Zeit. Dschemal Pascha trug sich mit dem Gedanken, den Platz vor der Mauer für die Juden auszubauen. Pellin legitimiert sich als großer Kenner der arabischen religiösen Literatur, nirgendwo sei aber angedeutet, daß der Platz vor der Mauer die Stelle sei, an der Mohammed das Burakwunder erlebt hätte. Was von den Mohammedanern heilig gehalten wird, das Haramgebiet, habe er als orthodoxer Jude nie betraten. Alle Archaeologen sind sich darüber einig, daß mindestens die untere Schicht der Mauer aus der Salomonischen Zeit herstammt. Nächster Zeuge ist der bekannte Palästinageograph Dr. Braver. Da der arabische. Anwalt Auni Bey ihn im Kreuzverhör einen Lügner nennt, verweigert er die weitere Aussage. Der Vorsitzende erteilt dem Anwalt eine Rüge. Ein arabischer Wächter mutz im Kreuzverhör zugeben, daß die Burakmoschee auf dem Haramgebiet, also jenseits der Klagemauer, liegt. Die Quellen, die die Heiligkeit des Platzes für die Moslims bezeugen, weiß er nicht zu nennen. Pellin muß nachhelfen.... Personalien. Schlüchtern, 10. Juni. Ihren 70. Geburtstag begeht am 20. Juli Frau Lea Rothschild. Nicht jeder, welcher diesen Tag rrsa begeht, kann mit solcher Genugtuung auf seine Lebenstage und seinen Lebensinhalt zurückblicken, wie es bei Lea Rothschild der Fall ist. Trotz manch harten Geschickes,.. das sie betroffen, war sie weit davon entfernt, auch nur das geringste von ihrem großen pnva aufzugeben. Sie gehört zu den Persönlichkeiten, welche als rrrnpnx d->e?j den alten echt jüdischen Geist verkörpern, der in anheimelnder Art das Herz eines jeden wahrhaften »-nn» höher schlagen läßt, und der unfern mi-mp das Maß der Heiligkeit verleiht, welche zu g'ttlichen Taten anspornt und begeistert. Wirkt schon Lea Rothschuld durch ihre Lebensführung im Ganzen als Vorbild, so macht sie sich im Besonderen als Vorsitzende der Frauen-rnixn in hohem Maße verdient, indem sie dafür Sorge trägt, daß die heiligen Frauenpslichten in der frommen Schlüchterner Gemeinde in schönster Weise Erfüllung finden. Möge ihr noch lange beistehen, zur Freude ihrer Familie, ihrer Gemeinde und aller, die sie kennen, Frömmigkeit und Wohltun in echt jüdischer Art zu bekunden. Kowno, 13. Juli. Wie hiesige Zeitungen berichten, begibt sich der als Gaon bekannte Rabbiner aus Kalvaria Rabbi Selig B e n g i s (Verfasser des pnn rm*»sV) nach Amerika, wohin er zu einer Konferenz zur Schlichtung von Streitigkeiten in amerikanischen Gemeinden berufen ist. Muhlheim am Main, 15. Juli. Frau Therese Isaak geb. Adler. in Mühlheim am Main begeht am 3. August in geistiger und körperlicher Frische ihren 78. Geburtstag. Berichtigung. Im Nachrufe aus Petrowac in Jugoslawien in Nr. 27 unseres Blattes ist der Name irrtümlich mit Michael Katz angegeben. Der Name des Heimgegangenen war Michael (Mar) König. Vermischtes. Kerns (bei Luzern, Schweiz), 10. Juli. Inmitten saftig-grüner Wiesen, dreiviertel Stunden von der mondänen -Lichtstadt Luzern entfernt, liegt -der schöne, friedliche Flecken Kerns. An einem sonnigen Abhang, in der Nähe der stolzen Berge und des tief blauen Sernersees befindet sich das jüdische Erholungsheim „N id e i ch". Welche soziale Idee, welch jüdischer Gedanke hat wohl die jüdischen Damen der Schweiz bewogen, trotz der momentan überall schweren pekuniären Lage ein Erholungsheim für jüdische Frauen zu gründen! „Sozial" war der Gedanke, der nur einem wahren jüdischen Herzen entstammen konnte, „sozial" ist auch die Führung des Heimes, das ein wirkliches Ganze darstellt. Die liebevolle Verpflegung, die elterliche Fürsorge, welche die Leiterin „Fräulein Manket", ihren werten Gästen zukommen läßt/ Mit Freuden gedenke ich der schönen Ausflüge nach Melchtal, Flüel-Ranft, Nünalphorn, sie werden mir stets Sonne in meine Verufsstunden bringen. Die Zimmer sind freundlich und schön möbliert und sonnig gelegen; die vier Mahlzeiten waren immer reichlich und schmackhaft. Jeder meiner lieben Schwestern, die auch im Berus steht, möchte ich von Herzen einigq sonnige und sorglose Ferientage, in der schönen Schweiz gönnen, im idyllischen „Chalet Niddeich". N. E. Hamburg, 6. Juli. Vom Verein zur Förderung ritueller Speisehäuser E. V., Hamburg, Lokal-Komitee Frankfurt a. M. wird uns geschrieben: Für die im Reiiekalender für Israeliten für' das Jahr 5691 (Verlag Jos. Schlesinger, Wien) enthaltene Liste von rituellen Speisehäusern übernimmt der Unterzeichnete Verein keinerlei Verantwortung. Die genannte Liste ist ohne unsere Erlaubnis dem von uns zusammengestellten Register entnommen. Sie ist aber nicht nur unvollständig und ungenau, sondern zum Teil direkt irreführend. Der Herausgeber hat es unterlassen, ausdrücklich daraus aufmerksam zu machen, daß die Adressenverzeichnisse des Unterzeichneten Vereins jährlich fünf bis sechs mal neu erscheinen, .daß somit jeweils frühere Verzeichnisse ihre Gültigkeit verlieren. Das von dem Herausgeber benutzte Material ist schon jetzt beim Erscheinen des Reisekalenders zum Teil ungültig. AÄmiliennachrichken. Geburt: Ein Sohn: M. D. Lewenstein u. Frau, Zürich. Die lvoche. Neues aus der A.-J. Jugendgruppe. Die Arbeitsgemeinschaft „Jüdische Lebens- und Weltanschauung" (für Herren und Damen) arbeitet unter Leitung von Jacob Landau mit recht annehmbarem Erfolg, und zwar jeden Schabbos, von 17—18 Uhr. Schwanenstratze 12. Damen und Herren, die evtl, noch nicht Mitglieder der Agudas Jisroel-Jugendgruppe sind, sind ebenfalls herzlich willkommen. Die Arbeitsgemeinschaft über Erez Jisroel-Fragen wird von Herrn Dr. S. E h r - mann geleitet und wird auch in den Sommermonaten, jeden Mauzoe Schabbos, 40 Minuten nach Nacht, stattfinden. Eine Schar interessierter Damen und Herren kommt jede Woche zusammen und versucht in den gegesamten Fragenkomplex tiefer einzudringen. — Wenn in einigen Wochen nach den Ferien, diese Gruppe ihre Zusammenkünfte wieder aufnimmt, weist sie hoffentlich eine noch größere Hörer- und Mitarbeiterschaft auf. — Nähere Benachrichtigung erfolgt dann. Für „Soziologie des deutschen Judent u m s" werden einige Abende arrangiert. Das geschieht in Zusammenarbeit mit dem Zentral-Verein, im Hinblick auf die besondere Situation, zum Teil verursacht durch die hemmungslose antisemitische Hetze. Wir setzen ein Interesse als Selb st Verständlichkeit voraus. — Einzelheiten folgen in Kürze. Emanuel Adler Am pVa riE?“iE3 nnp ist Emanuel Adler nach längerem Leiden im 75. Lebensjahre verschieden Um ihn trauert ein großer Kreis von Verwandten, Freunden und Bekannten. Und er verdiente diese Wertschätzung. Von vornehmem Charakter, von strenger Rechtlichkeit. ein Mann des Friedens, dessen ganze Persönlichkeit Liebe und Wärme ausstrahlie. Er, der als Junggeselle durchs Leben gegangen, hatte sich in allen Le-