Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 71 (1930)
- Issue
- Heft 29 (17.7.1930)
- Date
- 1930-07-17
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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, cm 17. Juli 1930 ^ranrfurt n* wtv bctt 21. Tammus 5090 Begründet von Dr. Lehmann in Mainz. Abonnement ab Jutt 1929: Deutsch!»»^, V30■. SDlalfr MpnätMH^ A ujs4a n d: Bterteljabrvreise (entsprechend Vem dentschew Inlandspreis zuzüglich KostendebStreifband-Versanves) Deutsch-Österreich: Echtlling.8.—; Amerika 1 Dollar; England 4 sh.; ab 1 Juli Frankreich SS Fr.; Belgien ab 1.7.27. BelgaS.; Holland2fl.; Italien ab 1.1.28.18 Lire; Jugoslavien 85 Din.; Litauen 7.60 Lit.; Rumänien ab 1. 7. 27. 150 Lei; Polen 4 deutsche Goldmark zum Tageskurs oder 7 Zloty; Schweiz 5 Fr.; Tschecho-Slowaket 28 Kronen; Ungarn Pengo 5 ab 1. Juli 1927; Dänemark 3.50 Krön.; Norwegen3.50 Krön.; Schweden3.50Krön. Einzelnummer vierzig Goldpfenntge. -- Der Israelit erscheint jedem Donnerstag. Inserate 50 Goldpf. für die stebengespaltene Nonpareille-Zeile. Abonnenten^zahlen bei Stellengesuchen und Familienanzeigen nur 40Pf. Die 75 wm breite Reklamezeile: letzte Textseite 2.— Mk., vorletzte Textseite 250 Mk.; Chiffregebühr in Höhe eines dopp. Fernbriefportos. Rabatt nach Tarif. Bei laufenden Jnserataufträgen tarifm. Preiserhöhung jederz. Vorbehalt. Jnseratenannahme durch den Verlag des Israelit G. m.b. H., F»ankfurt a. M. Äechneigrabenstratze 7, Tel- Hansa 21084 sow. durch sämtl. Annoncen-Exped. d. In- und Auslands. Alleinige Jnferatenann. für Franks. Geschaftsanz.: Jul. Schmidt, Langestr. 7, II, Tel. Hansa 25865. Platzvorschr. ohne Verbindlich!. Zahlungen direkt an den Verlag auf Postscheckkonto Frankfurt (Main) Nr. 19802. - Außerdem an: Postsparkasse Wien Nr.79305. — Post,varkassenamt Budapest Nr 18424.—Postscheckkonto Warschau Nr. 190757. - Postscheckamt Zürich Nr. 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Ein schwacher, damals fast schmächtiger Körper, barg eine Energie, die alle Hindernisse nicht sah, wenn der WMe zur Thora es gebot, —ein Erbteil seiner wackeren, erst vor kurzem im höchsten Greisenafter ihm voraufgegangenen Mutter. So zog er aus seiner, polnischen, damals schon von Thora erfüllten Heimatstadt Czenstochow als Ibjähriger „Jllui" zur Kutnä'schen Jefchiwa in Eisenstadt und wurde nach kurzem Gymnasialftudium im Haufe des Fuldäer Raw >'X7' der schon sein Wisjennvie das'eines Großen anerkannte und würdigte, Schüler: des RabbinerfemMars in Berlin. Reben seinem ästeten Fortschritt zur tiefsten Erfassung talmudischer Lehre pflegte er mit seltenerft und vielbestauntem Ernste die Philosophie und die altphilologische Realienkunde der biblischen Vorzeiit, Gründliche Selbstkritik und tiefe Ehrfurcht vor Medem Gegenstände seiner Forschung ließen ihn nie ruhen und rasten. Im Kleinen wie im Großen ging er behutsam, doch im einmal gefaßten Entschlüsse unbeirrbar seinen Weg. - Weder das Idyll seiner elsäfsischen Anfangsgemeinde, noch die aufreibende und zersplitternde Amtstätigkeit in seiner Londoner Synagogenföderatwn raubten ihm die Kraft zu seinen grohangelegten, originalen und doch gemeinverständlichen Werken über die Tradition und ihre Geschichte, über die Hakacha und ihre Einzelheiten. Als Elfter, der in. traditionellem Sinne die Hämmurabi-Funde ausgewertet, hat er ein Rettungswerk an zweifelnden und irrenden Seelen vollzogen, das dem seines Lchrers D. Hoffmann ^<27 nahekommt. Er hat der Welt gelebt, und die Welt trauert um ihn; aber sein ganzer Heroismus, feine selbstüberwindende Liebe zum Thora- Ideal wird erst aus einem kleinen Bilde seines Schaffens für seine Gemeinde sichtbar. Er hatte das seltene Glück, seine Gemeinde durch Zuzug östlicher Lamdonim zeitweilig bereichert zu sehen und sie so aus ihrer alten, guten und großen Zeit, den Tagen eines Rabbi Jekew Cohn und Rabbi Elia Munk in eine neue hoffnungsreiche Zukunft hinüberzuleiten. Mit zartem Takt hat er sie durch eine kurze Verseichtungsepoche gesteuert und sie seinem Nachfolger mit reicher Thorazukunftssaat überantwortet. Als Talmudlehrer lebte er seinen Schülern penibelste Aufrichtigkeit und Gründlichkeit vor. Auf jede Frage mußte man sein Nachdenken abwarten. Es gab bei chm kein auswendiges Pafkenen. Jede seiner Predigten war ein tief durchdachtes, bis ins Einzelne vorbereitetes Kunstwerk, und dennoch ging er nie von seiner Gewohnheit völlig freien Vortrags ab. Dadurch blieb jede von ihnen ewig rin unvergeßlicher Eindruck auf die Seele seiner Hörer, eine wahre Volkserziehung. Auch die furchtbaren Kriegsjahre, in denen er zum Ueberbringer mancher Schreckensbotschaft gemacht wurde, — selbst die furchtbaren Leiden seines letzten Lebensjahrzehnts brachen nicht feinen stets wachen Willen zur Thora und zu ihrer Verteidigung- . Als Gründer des „Moria", des Vorläufer^ , der Aguda, bewies er seherischen Weitblick und wußte die jüdische Jugend für! fctefes pro* je kt aufs innigste zu begeistern. Doch vergaß ec mitten in all unserer Vereinsarbeit nicht, uns an das höhere Ziel der Arbeit zu mahnen: die Thora, ihre Erlernung und ihre Befolgung. Alle die Worte der Trauer, die am Tage feines letzten Ganges g-esprochen wurden und von denen wir im nachfolgenden berichten, fassen nicht das große Fühlen und Trauern um diesen Tod, das unser an Thora verarmtes Zeitalter erfüllt und erst recht nicht die Gefühl-e seiner Schüler und Verehrer, denen mit seinem Sarge ein Stück Jugend und Leben aus der Altonaer großen Schul herausgetragen wurde. Aufrecht, wie fein majestätischer Gang und seine Amtsführung gewesen, ging er einst aus dem Amte, ein Mann des Friedens und der Wahrheit. So sei er seines verlassenen Geschlechtes Fürsprech vorm Throne der Wahrheit und des Friedens. * * * Die sterblichen Ueberreste des Heimgegangenen wurden am Donnerstag Vormittag von seiner Wohnung in Hamburg nach der langjährigen Stätte seines rabbinifchen Wirkens, der Synagoge in Altona, übersi'lhrt, wo um 12 Uhr in dem dichtgefüllten G'tteshause eine eindrucksvolle Trauerfeier stattfand. Oberrabbiner Dr. Carleb a ch, der im Flugzeug von den unter seiner Leitung stehenden Lehrerkursen in Polangen (Litauen) auf die Trauerkunde heimgekommen war, zeichnete in -einer grohangelegten Rede die markige Persönlichkeit Lerners, der, das Musterbild eines echten Führers, niemals „Echo" war, sondern stets in unbeirrbarer Konsequenz seinen Weg, den Weg der Halacha, verfolgte. Die mit kulturhistorischen Exkursen reich ausgestattete Rede bezeichnete Lerners Person ' und Wirken als den Abschluß der heroischen Epoche in der Geschichte der Altonaer Kehillo. Als treuer Freund und Amtsgenosse im Besdin widmete Klausrabbiner Duckesz dem Heimgegangenen .herzliche Worte des Gedenkens, indem er gleichzeitig im Aufträge des „Orthodox e n R er bbinerverbandes" der Verdienste Lerners um die religiöse und wissenschaftliche Arbeit dieses Verbandes dankbar gedachte. In meisterhaftem Aufbau zeichnete alsdann Oberrabbiner Dr. Spitzer- Hamburg den ganzen Reichtum der Persönlichkeit, den Lerner in sich verkörperte, die besondere Eigenart seines halachischen Denkens und feine wertvolle Mitarbeit im deutschen rabbinischen Landesrat der Agudas Jisroel. Dozent Dr. Wohlgemuth aus Berlin sprach für das Rabbi nersemi nur und die „ V er e i n rgung traditionell gesetze s t r euer Rabbiner". Er feierte Lerner als einen Mann, der es in seltener Vollendung verstanden habe, die Synthese zwischen altjüdischer G'ttesfurcht und Wissenschaft mit der wissenschaftlichen Kultur der Gegenwart in sich zu gestalten. Als letzter brachte Jacob Rosenheim aus Frankfurt a. M. dem Heimgegangenen den Dank der Weltorganisation „ A g u d a s I i s r o e l " zum Ausdruck, die in Lerner vermöge seiner überragenden halachischen Autorität und des seltenen Mutes, mit dem er feine halachischen Entscheidungen abgab, einen wahrhaftigen Führer zu ihrem höchsten Ziele, der Ausprägung des G'tteswillens auf alle Verhältnisse des öffentlichen Lebens, verehrte. In langem Zuge bewegte man sich nunmehr zum dVis? jv»3' wo der Schmerz um den Verlust, den die gesamte gesetzestreue Judenheit erlitten, nochmals in einer Reihe von Hespedim zum Ausdruck gelangte. Es sprachen: Rabbiner Dr. B amberg e r - Wandsbeck, Klausrabbiner Jacob Cohen - Altona und Rabbiner Dr. Benno E o - h e n , Friedrichsstadt.