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Der Israelit · 1930-07-03 · Heft 27 (3.7.1930) · page 15

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Journal
Der Israelit
Volume
71 (1930)
Issue
Heft 27 (3.7.1930)
Date
1930-07-03
Page
– (sequence 15)
Language
German
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3. Juli 1930 Frankfurt a. M., sachlich Stellung zu nehmen, und zwar unter Ausschaltung jeglicher persönlicher Rücksichtnahme, weil wir nur so der Sach e wirklich, dienen können. Wir stellen fest: 1. Trotz des Bundes- und Delegiertentages im Dezember 1927, die zeigten, daß die jungen Menschen nur auf den Weckruf der Leitung warteten, die bewiesen, eine wie große geistige und soziale Not unter der Jugend herrscht, ist seit dieser Zeit nichts zu deren Behebung geschehen. 2.Selbst die Kenessio Gedaulo, die für jeden, der sie besuchte, ein tiefes, inneres Erlebnis bedeutete, die jedem vor Augen führte, welche Aufgaben der Agudas Jisroel harren und von ihr zu lösen sind, setzte den O. V. nicht in den Stand, das für die A. I. I. O. Notwendige zu leisten. 3. Als noch immer trotz dringenden Verlangens einzelner Jugendgruppen und einzelner auswärtiger O. V.-Mitglieder, keine Tätigkeit der Leitung des O. V. zu spüren war, wurden auf der Voll-O. V.-Sitzung im Dezember 1929, zum größten Teil auf Veranlassung der Hamburger Jugendgruppe, die gemeinsam mit anderen Freunden die Gefahr erkannte, .Beschlüsse zur Schaffung eines -Erziehungsdezernates ustv. gefaßt die geeignet wären, die Arbeit in den Gruppen zu beleben, die jungen Menschen für Agudas Jisroel zu erfassen usw. Es wurde ferner bereits im Dezember 1929 die Abhaltung eines Delegiertentages für spätestens Pfingsten 1930 festgelegt. Ihr Alle, liebe Freunde, wißt, daß auch diese Beschlüsse vom O. B. nicht zur Durchführung gebracht wurden. Ihr Alle wißt, daß die Leitung des O. V. als Begründung für die in letzter Stunde erfolgte Absage des Delegiertentages nur 2 Gründe anzuführen wußte: 1. Daß nur 6 Gruppen und zwar ausschließlich Großstadtgruppen zugesagt haben. 2. Daß der von uns gestellte Antrag auf diesem Delegiertentag nicht entschieden werdenkann. Die vom Frankfurter O. V. zur Absage des Delegiertentages angeführten 2 Punkte sind nicht stichhaltig, im Gegenteil, sie geigen gerade die dringende Notwendigkeit einer sofortigen Zusammenkunft aller für die Arbeit der Agudas Jisroel Verantwortlichen. Wenn nur 6 Großstadtgruppen zusagten, so besagt das am deutlichsten, daß in den kleineren Gruppen das Interesse mangels jeglicher Anregung seitens des O. V. bereits völlig eingeschlafen ist, daß der O. V. es nicht einmal verstand, die Gruppen von der Notwendigkeit eines Delegiertentages zu überzeugen,- ein doppelter Mahnruf für uns, der Untätigkeit des O. V. gegenüber nicht mehr länger in Schweigen Der zionistische »Haolam" über die Abstellung des fabbatlichen Fußballspiels in Jerusalem. 1; dn Nr 25 des in. London erscheinenden zionistischen „Häolam": vom 10. Juni find'en wir ein Feuilleton von K. I. Sillmann in FdtM eines Briefes, das wir als charakteristisches Stimmungsbild auszugsweise, jedoch soweit-möglich, in.getreue^ Übersetzung ystedergeben.-ij „Mein Brüder! Ich habe Dir in meinem vorigen Briefe die Einheitlichkeit geschildert, die am Tage des Streiks in Jerusalem herrschte. Noch stehe ich unter dem gewaltigen Eindruck dieser Einheitlichkeit. — Das orthodoxe Judentum, das durch die lange Dauer des Golus am, tiefsten ergriffen -und getroffen worden ist, das an jedem 9. Aw in Tränen badet und nach dem Schicksal der im Feuer verbrannten Thora fragt, das immerzu trauert und klagt und wollig jeder Empfindung bar schien für die Tat, für-die Hoffnung und die Aufrichtung, es ist ln diesen brennenden Tagen: selber entzündet, aufgewühlt und aus.feiner Gebeugtheit aufgerichtet worden. Man mußte in diesen Tagen Rabbiner Kook gesehen haben, den Oberrabbiner von Erez Jisroel, wie er Zoller Erregung seinen Tränen ihren Lauf ließ, wie er-,mit lauter Stimme und geballter Faust gegen die das Erbe G'ttes bedrohenden Angreifer seine Anklagen hinausschrie. „Wir haben das Panier erhoben, um unsere Zerstreuten zu sammeln und sie wollen das Panier unseren Händen entreißen? Die Einwanderung wollen sie uns verbieten? Werden sie uns vom Wege, dem Wege der von G'tt Erlösten, . dem Wege zur Heiligkeit, dem Wege der Sehnsucht nach Zion, abtrennen, den wir durch alle Geschlechter hindurch durchschritten haben?" Der Israelit _Blätter_ Ä ufruf! Das toratreue Judentum trauert um Oberrabbiner Rabbi A w r o h o m Aharon Katz 8. A. und gelobt, sein Andenken zu ehren und in dauernder Erinnerung zu bewahren. Die Agudas Jisroel-Jugendorganisation in der Slovakei beschloß, hiezu eine Gelegenheit zu bieten, wie sie dem großen Lebenswerk und den idealen Lebenszielen des teuern Heimgegangenen angemessen ist. In der heiligen Stadt Jerusalem wird demnächst mit. dem Bau eines Schulhauses für die unter Patronat des Rabbi Chajim Sonnenfeld stehenden orthodoxen „Be(h Jäkob“-Mäilcheiischiile der palästinensischen Agudas Jisroel begonnen. Der Baugrund zu diesem Gebäude wurde aus den Erträgnissen der Koifer N e f e s c h-Sam m 1 u n g in der Slovakei erworben, <;p . . . In dieset; Schule soll ein IL^hrsaal den Namen dtzsü er s t en Pr äsiahnten der Agudas Jisroel in der Slovakei, Oberrabbiiier Rabbi flphom lbahn M A für ewigp Zelteti-'-'tra^eli/; Die«;.soll ein äußeres - Zeichen; des Dankes sein, den die ge sämtepgesetze streue' Jtideriheit denvbe - geisterten . Vorkämpfer der Aguda-Idee ' in der SloyakgL^schuldeLij?; ’ : Ehren wf sein AiliÜenken, indem wir «e^nl Scherfleih zu diesem Zwecke betragen! r Wir bitten adle G e m e i n d e n. V er e ine, Gruppen, Körperschaften und einzelne Verehrer und Freunde.des verewigten Nitraer Oberrabbiners s. A. um reichliche Spenden zur Errichtung eines Lehrsaales in der Jerusalemer „Beth Jakob-Schule“ auf seinen Namen. Dieser Lehrsaal wird den torahtreuen Töchtern und künftigen Müttern in der Stadt des jüdischen Heiligtums von dem Wirken eines Großen in Israel erzählen, der all sein Sinnen und Trachten der Ehre der Torah und dem Wohle des jüdischen Volkes geweiht hat. Geldspenden werden auf das Konto - Slovakische Allgemeine (Kreditbank für Agudas Jisroel, erbeten. Alle Eingänge werden in der „Jüdischen Presse“ quittiert. Bratislava im Ijar 5990. Agudas Jisroel-lugendorganisation in der Slovakei - Bratislava. Ich sage Dir, es herrschte wohl Schrecken ringsumher, aber auch ein Beben vor G'tt ringsumher. Der Streiktag, den wir angeordnet haben, war noch nötiger als gegenüber den Nichtjuden, nach innen für uns selbst nötig. Die Synagogen und Leh rh ä,user — die Steine aus ihren Wänden und ihren Fenstern erhebtep! Nach nie habe ich meine > Brüder mit sdlcher Ergriffenheit ,und mit : solcher Erregung übeten sehenals am Tage des Streiks-in den Synagogen von Wea Shearim in Jerusalem. Mea Shearim in.Jerusalem.— jM gibt es auch ein 'Stadtviertel' „Mea Shearim" 'bei Tel- Awiw — ist die eigentliche Hochburg der Orthodoxie, die Hochburg des Kampfes gegen jeden Fortschritt, gegen jedes Unternehmen, bei dem der Zionismus seine Hand im Spiele hat; es ist die Stätte der Schofartöne und Bannsprüche gegen unsere Schulen, das Nest des Kampfes gegen den Misrachi, der nach ihrer Ansicht nicht ganz koscher ist — aber dennoch: vor dem Ernste der Einwanderungsfrage verstummten die inneren Kämpfe, die Streitigkeiten und der Haß unter den Brüdern. Ganz Mea Shearim stand da im Gebete, in Talesaus gehüllt, und aus der Tiefe der Seele brachen die Schreie zum Himmel durch. „Erhöre uns, G'tt, erhöre uns." Die heilige Lade war geöffnet und das Weinen der Tausende aus allen Winkeln , der vielen Synagogen, die in diesem! Stadtviertel vereinigt sind, ließ die Herzen erbeben. „Unser Vater, unser König, zerreiße das schlimme Verhängnis". „Unser Vater, unser König, mache zunichte die Gedanken unserer Feinde." „Unser Vater, unser König, tue es um derer willen, die für Deinen heiligen Namen erschlagen wurden." „Unser Vater, unser König, schreibe uns ein in das Buch der Verdienste." Wie furchtbar dieser Ort, die Stätte der G'tteshäuser, der sein Gebet zum Tore des Himmels emporsandte. Nr. 10. Seite 3 zu verharren, soll man uns nicht den Vorwurf für den Niedergang der A. I. I. O. machen können! Der Hamburger Antrag, der lautet: „Die Jugendgruppen werden — untell Aufhebung des bisherigen Zusammenschlusses in der Agudas Jisroel-Jugendorganifation — in ein Jugenddezernat zufammengesaßt, welches direkt der Landesorganisation der Agudas Jisroel angeschlossen ist. Die Aufgabe des Jugenddezernates ist es, ein Erziehungsprogramm auszustellen und den Jugendgruppen alles notwendige Material und jegliche Unterstützung zur Durchführung des Programms zur Verfügung zu stellen." soll nichts anderes als eine für das Leben und die Entwicklung der Gruppen geeignete Grundlage schaffen, nichts anderes als die Euch vom O: V. zugegangenen „Stimmen zum Delegiertentag" zur praktischen Auswirkung bringen. Warum das nicht auf dem Delegiertentag beraten und beschlossen werden kann, bleibt das Geheimnis der,. Leitung des O. V.'is• . Wirpsind überzeugt, d^ D^' gleich uns der Ansicht.seid, daß nur. einHWHsglortenversamm- Mng> welche.Gelegenheit. gMHMim Kreise aller 'Freunde: eingehend Unü oMmMer alle Fragen 'auszWr^chen,UWWde-l: schaffen kann. .Ihr werdM weiter" gleich -Ms^r>MskWsein^-4aß dieser Delegiertentotg s ch ne l l st e n s stättfinden muß, hMn.jede.r Tag,. de^r perfäumLMrd, bedeutet Ver- Wt-öeifWäche gegeiGbep . Die Satzungen der deutschen Jugendorganisation sehen solche Möglichkeiten ausdrücklich vor, denn in § 5 Absatz 3 heißt es: „Auf Antrag von mindestens 10 Jugendgruppen, die zusammen nicht weniger als 150 Mitglieder umfassen, oder, von 200 Mitgliedern aus mehr als 10 Gruppen, muß binnen 6 Wochen nach Antrpgseingang eine Außerordentliche Delegiertenversammlung stattfinden." Wir bitten Euch daher, das einliegende Formular vom Vorstand und einer größtmöglichen Anzahl Mitglieder Eurer Gruppe zeichnen zu lassen; letzteres halten wir für sehr wichtig, damit der O. V. sich davon überzeugt, wie stark der Unwille über die. Untätigkeit und wie groß das Interesse für die dringend notwendige Belebung und Umgestaltung der A. I. I. L>. ist. Das Formular stellt uns dann bitte schnellstens, möglichst innerhalb der nächsten 8—10 Tage, wieder zu. Mit besten Agudagrühen Agudas Jisroel-Jugendgruppe Hamburg-Altona Schenkolewski. Lange. Ein Tag wandelte das Herz des orthodoxen Judentums zum guten, sogar gegenüber den C h a l u z i m, die bis jetzt ein Greüel lü ihren Augen wären. ''' Es wyxde-'hem-'durch ':,Agydäs "Ji^rvel" repräsentierten.. otthödoxen Judentum düs Versprechen gegeben, öttß der Makkabi ftttM äm'Schäbbös in Zerusalem'Nicht wchrs-Fuhball Jpielen^wird.-i-Der-Waad leumi gab namens., .des. Makkabl dieses ^Versprechen, pnd wie groß WE dätäufhin me Freüde dieses-Orthodoxen Judentums,.-daß. es ihnen;.möglich gepXj fitf) der Gesamtheit änzuschließen, die an diesem Tage den Proteststreik ausführte. Ich weiß, mein Bruder, daß, wenn ein Nichtjude, beispielsweise ein Engländer, diesen Bericht liest, dann wird sein Gehirn überhaupt nicht begreifen, was da oorgegangen ist. Was hat „Schmitto beim Berg Sinai" zu tun? Was können gute Juden an dem heiligen Fußballspiel auszusetzen haben und wie kann man sich eine Kombination aüsdenken, zwischen einer politischen Einheitsfront und dem Verbote des Fußballspiels am Sabbat? Aber was verstehen eben die Nichtjuden von diesen Dingen! Nur w i r können den inneren Zusammenhang dieser beiden Gegenstände begreifen!!und die Tatsache besteht jedenfalls, daß von dem Augenblicke an, in dem der Waad leumi und der Waad Agudas Jisroel sich hinsichtlich des Fußballspiels geeinigt hatten, der Waad Agudas Jisroel sofort große Ausrufe in allen Straßen Jerusalems verbreiten ließ zum Anschluß an dett. Streik und daß eine unbeschreibliche Freude daraufhin die jüdische Gesamtheit erfüllte. Ich habe mich die Mühe nicht verdrießen lassen, den genauen Text'des Verpflichtungsscheines zu erlangen, den der Waad leumi unterzeichnet hat und den ich im folgenden wiedergebe: *) *) Folgt der im „Israelit" vom 30. Mai, Nr. 22, abgedruckte hebräische Text.

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