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Der Israelit · 1930-07-03 · Heft 27 (3.7.1930) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
71 (1930)
Issue
Heft 27 (3.7.1930)
Date
1930-07-03
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 10. Nr. 27 i'er Israelit 3. Juli 1930 vielmehr jeder Kriegsteilnehmer viel Wunderbares erlebt habe. „Wir befanden uns 1916 auf dem östlichen Kriegsschauplatz. Fast täglich fanden Geplänkel mit den Russen statt, die die Umstellung unserer letzten 30; bis 40 Jahren eMgemsndert. Johannesburg zählt 25 9.00, Kapstadt 12 000 Juden. Die übrigen Judensiedlungen sind über das ganze Riesenland verstreut. Die Juden haben, wie die führenden Persönlichkeiten des geistigen und politischen Lebens offen zugeben, einen Hauptanteil an dem schwer erarbeiteten Ausstieg des Doccrrmi h’nmirrik im Merk mar hemmen wallminions. Sie haben den mangels heimischer Industrie Front, ßie damals tm ^err mar, yemmen mou lebenswichtigen Import organisiert und sind an dem gesamten Warenumschlag vlm der Quelle in V. S. A., England und Deutschland bis zum letzten Neger auf den Burenfarmen wesentlich beteiligt. Besonders der wirtschaftlichen Erschließung der Millionen Neger und der Hebung ihres Lebensstandards widmen sie sich und erzielen hier durch ihre größere Vorurteilslosigkeit und angeborene Sprachgewandtheit verblüffende Erfolge. Fast alle sind selbständige Gewerbetreibende, einige Aerzte und Anwälte unter diesen der bekannte Rechtsanwalt ten. Eines Tages war an einem Hange em schwerverwundeter russischer Soldat aufgesunden morden. Unser Arzt hatte ihn untersucht und mich mit 2 Mann bei ihm zurückgelasien. „Der Mann wird in wenigen Minuten sterben. Dann begraben Sie ihn, und folgen Sie uns nachher." So setzten wir uns denn in der Nähe des Bewußtlosen nieder und warteten auf fein Ableben. Aber es verging eine Stunde, und er war noch nicht tot. Und eine weitere halbe Stunde verstrich, und der Russe atmete immer noch. Uns war das Ausharren bei dem Soldaten aus mehrfachen Gründen unangenehm. Es war empfindlich kalt, unsre Truppe entfernte sich weiter, und sie aufzusuchen, war mühsam und nicht ohne Gefahr. Da machte denn einer der Kameraden den Vorschlag, den Russen, der nach Aus sage des Arztes sein Bewußtsein nicht mehr erlangen und doch bald sterben werde, jetzt endlich — zu begraben. Ich stemmte mich sofort mit aller Kraft ge gen diesen Vorschlag. „Das mach' ich nicht mit, dazu könnt ihr mich nie haben!" Wir warteten wieder. Der Atem des Schwer verwundeten war kaum noch hörbar. Immer wieder fühlte einer nach dem Puls und kam kopfschüttelnd zurück. Die Kameraden murrten und wollten mich umstimmen. Schließlich gelang es mir, eine in der Nähe vorüberziehende Artilleriekolonne aufzutreiben, die auf meine Bitte sich bereit erklärten, den Russen zum Lazarett mitzunehmen. So waren wir endlich erlöst Bier Wochen später traf ich den russischen Soldaten wieder in jenem Lazarett. Es war ihm ein Bein amputiert worden, und er befand sich verhältnismäßig wohl. Ich erkundigte mich beim Arzt und erhielt die Auskunft, daß der Mann sicher bald genesen werde. Die Erzählung war zu Ende. Sie hat uns viel zu denken gegeben, und noch öfters sprachen wir davon, wie Glück und Verderben eines Einzelnen, eines Familienkreises, vielleicht manchmal sogar einer größeren Gemeinschaft von kleinen Ursachen abhänge. Oder etwa nicht? — Ein Jahr später hatten wir die Freude, mit unserem Bekannten wieder in der Sommerfrische zusammen zu treffen. Wir nahmen unsre Plätze am gleichen Tisch, und neben uns saß ein Ostjude aus Hamburg mit seiner Schwester. Er hatte ein künstliches Bein, und schon am ersten Tage ergab es sich, daß sein Name im Notizbuch unseres Freundes stand. — Eigenhändig vor 12 Jahren eingetragen! — Die kulturelle und wirkschafkliche Lage der Zuden in der südafrikanischen Union. Rabbiner Dr. Meier Hildesheimer weilte bekanntlich zu Studienzwecken und zur Anbahnung engerer Beziehungen dortiger Kreise zu jüdisch-kulturellen Institutionen Mitteleuropas etwa dreiviertel Jahre in der Südafrikanischen Union. Einem JTA-Vertreter gegenüber sprach er sich eingehend über akute Fragen des südafrikanischen Judentums aus. Er« empfinde, sagte er, große Genugtuung über den Empfang, den ihm dort alle Kreise, auch in den kleinsten Gemeinden, bereitet haben, gab ein Bild vom Verlauf seiner Tournee, auf der er das ganze Land von Kapstadt (35°) bis Rodesia (15°) bereist und mehr als 70 Predigten und Vorträge gehalten hat. Dr. Hildesheimer hält die wirtschaftliche Lage für den Schlüssel zu allen andereen Fragen und äußerte sich, von der allgmeeinen Lage ausgehend, wie folgt: Das Land, so groß wie fast ganz Mittel- und Westeuropa mit 120 Millionen Einwohnern, zählt nur 1°/» Millionen Weiße, darunter 72 000 Juden. Diese stammen zu 90 Proz. aus den früheren Gouvernements Kowno und Suwalki (Litauen), und sind fast alle in den deM zeige, und gab nachmals Men Sympathien und jüdischen Zukunftshossnung für seine Gastfreunde, als die er das gesamte afrikanische Judentum erachte, Ausdruck. Ainderecke. Cohn, Vertreter des Ex-Kaisers in seinen Entschädigungsprozessen bezüglich „Deutsch-Slld-West", kaum einer Beamter, auf dem Lande vielfach Hoteliers und Gastwirte. Hauptexportartikel sind Leder und Wolle. Durch die mehrjährige Baisse dieser Artikel auf dem Weltmärkte sind die auch in diesem Erwerbszweige an erster Stelle stehenden Juden schwer betroffen. In der Landwirtschaft gibt es neben zwei berühmten Großfarmern, dem Maiskönig Lazarus und dem Kartoffelkönig Lurje wenige Juden. Zur Kulturfrage übergehend, schilderte Dr. Hildesheimer zunächst die Organisation des Judentums. „Gemeinden" in unserem Sinne gibt es nicht, nur — wie in U. S. A. — private Synagogenvereine, zusammengeschlossen im „Board of Deputies". Sein Präsident ist der deutsche Jude Raphaelg. Mit größter Bewunderung sprach Dr. äsildesheimer von der vorbildlichen Solidarität der Juden Südafrikas. Es gibt kaum eine Mischehe und jeder Neuankömmling findet Rückhalt an Ansässigen. Jede kleine Gemeinde hat ihre meist auf geschenkten Boden gebaute häufig architektonisch die. Stadt zierende Synagoge, Lehrer, Kantor, Sachter und „Talmud-Thora" (Religionsschule), daneben einen „Jewish Centre" (Jugend- und Gemeindehaus) und „Jung-Jsrael"-Verein. Betrüblich ist aber der kulturelle Tiefstand. Gelernt wird nur bis zur Barmizwah. Die Lehrer, aus litauischen oder palästinensischen Chedarim stammend, finden nicht das Ohr der ganz im Stil der anglo-amerikanischen Gymnasien und damit abseits jeder Tradition aufwachsenden Jugend, deren jüdischer Bildung auch die Eltern infolge des harten Existenzkampfes und der Ueberfchätzung einseitiger Sport- und „Busineß"-Schulung nicht die erforderliche Aufmerksamkeit widmen. Sabbat und Feste bleiben unbeachtet. Rur in Kapstadt finden sich schöne Ansätze zur Verwirklichung der Bialik'schen „Auneg-Schabbos"-Jdee. Hinzu kommt der allgemeine kulturelle Tiefstand, bedingt durch die äußerst dünne Besiedlung des Landes mit Weißen, die klimatischen Verhältnisse und die Rassengegensätze und -Vorurteile. Es herrscht allenthalben Kastengeist und gesellschaftlicher Antisemitismus, als Folge gesellschaftlicher und geistiger Isolierung der Juden. Vornehme Klubs oder sonstige Vereinigungen nehmen keine Juden aus, und diese haben es schwer, bei Nichtjuden Stellungen zu bekommen, da ihr Drang zu schneller Verselbständigung sie suspekt macht. — Auf die Frage nach der Stellung der südafrikanischen Juden zu Fragen des „Kelal" schildert Dr. Hildesheimer die allgemeine herzliche Teilnahme an allen das Gesamtsudentum angehenden Problemen. Es besteht der Drang, jüdische Dinge zu pflegen, und besonders die Jugend, die auf die lediglich geselligen Zwecken dienenden Jugendvereine angewiesen ist, aber einen frischen, offenen Eindruck macht und außerordentlich bildungsfähig ercheint, ist eine Hoffnung für eine jüdische Zukunft in kommenden Generationen. Mütter der Bibel. Von P. Augustin. 1. Sechs Frauen Kindessegen schien verwehrt. Endlich wirds Glück auch ihnen beschert. ' 2. Eine wackre Schwiegermutter nennt die Schrift, Name, den heut' oft Läst'rung trifft. 3. Wo war der geliebten Gattin Grab, Die starb, in dem sie Leben gab? 4. Verkleidet naht die Königin, Und nimmt des Unglücks Botschaft hin. 5. Ihr Sohn wird zweimal ihr geschenkt. Weil ihrer Dienste Gott gedenkt. 6. Die Mutter bat für ihren Sohn Um den längst verheiß'nen Königsthron. 7. Es will zu eig'nen Knechten haben Der Schuldherr ihre beiden Knaben. Wer i st' s? Lösungen -er Rätsel in Ar. 26. 1. rnp im rPEWD Kap. 36 unter den nyy '21^>X ^1X17 im Kap. 36,37 unter den Königen Edaums bX12E> irrt 12122 Kap. 34, 20 unter den 2'X'wÜ in rPtPX12 Kap. 37,25; Kap. 43,11 Lotos ]n3-]r>2 xV nnp in 12122 Kap, 7,9 bei den Wagen des Stiftszeltes rm-rrm miD in 12122 Kap. 11,25 bei den 12^>—weiß in sriTh 'S ^IXw in rr ^X12tt? 'O Kap. 1. 28. m1? bei Schemuel und '2 L>'2*?2 '0 Kap. 6, 5 X1N1 leider ins Wasser gefallene Axt. A. in W. Richtige Lösungen sandten ein: I. Ossowski, Schochet in Berlin; H. I. Tempelhof, Saarbrücken; Max Polianski, Riga; G. Erbbacher, Mönchsroth (Bayern). Auf die Frage nach seinem Urteil über die letzten Parlamentsbeschlüsse bezüglich der Einwanderungsdroselung, gab Dr. Hildesheimer seiner großen Sorge für die Zukunft Ausdruck: Familienbande und Entwicklungs- Möglichkeiten werden zerrissen, indem die organische Umsiedlung wenigstens eines Teiles der litauischen Judenheit, die auf dem besten Wege war, brutal zerstört würde. Die Erklärung für die Beschlüsse liegt in Folgendem: Einerseits haben die Juden durch Import und dergl. mehr die sozialen Bedürfnisse der Neger erhöht, mittelbar deren Lage verbessert, dadurch die von jenen bisher allein eingenommenen Stellungen (Diener, Packer, Lohnarbeiter) auch Europäern erschlossen und so die auf Erhaltung der Sklaverei und Niedrighaltung des sozialen Niveaus der unteren Schichten bedachten Buren gegen sich aufgebracht. Andererseits fürchten die sehr kinderreichen-Buren von stärkerer Einwanderung derartiger Schichten eine Verengerung' ber Existenzbasis für ihre Nachkommen in dem tatsächlich für Weiße nur beschränkte Siedlungsmöglichkeiten bietenden Lande Die größte Gefahr aber bedeutet das neue Gesetz für die Juden im Lande kulturell durch Abschneidung des Menschen- und damit Geisteszuschusses und sozial und politisch durch Abschnürung ihres Niveaus und ihrer Basis. Tragisch aber ist die Lage des litauischen Judentums, das so seinen letzten schmalen „Silberstreifen am Horizont" schneiden sieht. In jedem Falle werden hier wieder einmal große Spannungen, bedingt durch das allerdings nach einer Lösung schreiende Negerproblem, auf dem Rucken des Judentums als der „Fläche des geringsten Wrderstandes" beguemerweise zur Entladung gebracht. Zusammenfassend stellte Dr. Hildesheimer fest, daß sich hier wie überall die tiefe Schicksalsverbundenheit und Allverantwortlichkeit des Gesamtjudentums zur Evi- Ferdinand Breslau Rappstr. 6 gegr. 1874 Tel. Zepp. 51528 Koks . Kohlen . Briketts . Holz Alleinvertreter W. Stern, Hegefstraße 6 Telefon Carolus 47501 Kostenlose Beratung in allen Heizungsangelegenheiten RO O * o z z 4 I TELE POSTS W JULIUS SCHMIDT FRANKFURT AM MAIN LANGESTRASSE 7 TELEFON HANSA 25865 POSTSCH.-KONTÖ FRANKFURTMAIN 142 353 EINZIGE INSERAT EN-AN¬ NAHME FÜR FRANKFURTER GESCHÄFTS-INSERATE DES »ISRAELIT« AUSSERDEM ANNAHME VON INSERATEN FÜR SÄMTLICHE HIESIGE UND AUSWÄRTIGE TAGESZEITUNGEN, WOCHEN- UND FACHBLÄTTER ZU ORIGINALPREISEN ♦ ANNAHME VON DRUCKSACHEN (HANDEL, GESCHÄFTE, PRIVATE) FÜR DIE HERMON-DRUCKEREI BEI BILLIGSTER BERECHNUNG UND Künstler. Ausführung in schwarz- und Buntdruck Zigarren .. Zeit 49 Weil Tel. Hansa 27930 Verantwortlich für den allgemeinen Teil und das Feuilleton S. Schachnowitz, Frankfurt a. M.; Inserate i. V.: S. Schachnowitz, ebenda. — Für die pädagogische Beilage: Lehrer L. Kaufmann, in Sprendlingen (Kr. Offenbach). — Verlag des Israelit und Hermon ®. nt. b. H., Frankfurt a. M. — Druck: Hermon-Druckeret, Frankfurt a. M.

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