Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 71 (1930)
- Issue
- Heft 27 (3.7.1930)
- Date
- 1930-07-03
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2. Nr. 27 Der Israelit 3. Juli 1930 Dauerwellen und Haararbeiten ist Vertrauenssache! E U G EN OCHS Spezialist dafür Moselstr.16 . Taunus 1593 ■■■■■■■ Unverbindlicher Besuch erbeten erez. Verloren sie doch nie die Tatsache aus den Augen, daß alles Lebende sich fortimib umbildet. Da die jüdische Forderung nicht nur das Verhältnis zum Jenseits, sondern auch das gesamte Leben der Menschen ergriff, so erwuchsen ihren Erfüllern gerade bei dem absoluten Charakter der sittlichen Forderung und gerade aus der Unzulänglichkeit der Welt immer neue Ausgaben, die doppelt stark in Perioden der Umformung aller Ordnungen empfunden werden mußten. Durch die Gegenüberstellung von Kultur und Tauroh wirkte diese erziehlich, 'durch die Anwendung der Tauroh mitten in ber Kultur wirkte sie bildend. Den objektiven Geist der Tauroh mit den wechselnden persönlichen Erscheinungsformen der Ueberlieferung und der Geschichte zum Erziehungs- und Bildungsmittel für die Zukunft zu machen, dazu ist der jüdische Erzieher berufen. Wochenrundschau. 2m gemütlichen Sachsen. Wir haben in jüngster Nummer bereits in anderem Zusammenhänge den Wahlausgang in Sachsen kurz gestreift, und unsere Leser sind aus der politischen Presse über die neue Konstellation informiert. Die 14 Nationalsozialisten im neuen Landtag, die noch einige Verstärkung aus kleinen Parteien und Fraktionen anderen Namens aber gleicher Tendenz erhalten, bilden schon beinahe eine Macht, die es mit der größten Partei im Landtag, den Sozialdemokraten, gelegentlich aufnehmen kann. Ist dieser Ausgang nichts anderes als ein Symptom des derzeitigen hohen Wellenganges der nationalen Leidenschaften, getrieben von den Stürmen der Not; des Wellenganges, der viel kostbares Kulturgut wegschwemmt und viel Schlamm nach oben treibt, so ist er doch speziell in Sachsen auch ein Memento und eine Lehre für die Parteien im politischen Leben sowohl, wie für die Gemeinden in der sächsischen Judenheit. Kleines Feuilleton. Antwort. Zur Bemerkung von Kaatz-Hindenburg in Nr. 26 des „Israelit" habe ich folgendes zu sagen: Bialoblocki behauptet, im Sfiri sei die Bestimmung enthalten, daß der Ger Toschaw in keiner Stadt wohnen darf, sondern nur am Stadttor. Diese Behauptung bezeichne ich nach wie vor als absurd, denn sie beruht, wie ich ausführlich dargelegt habe, auf einer irrtümlichen Auffassung des Wortes Der Ger Toschaw durfte in jeder Stadt wohnen mit Ausnahme von Jerusalem. An dieser Tatsache ändert auch bie von Kaatz zitierte Bemerkung des Rabed und Mögen Awrohom nichts, die im Zusammenhang mit den Schlußsätzen des Sifri nur besagen kann, daß der Ger Toschaw nur „außerhalb der Stadt", d. h. Jerusalems wohnen darf. Dr. Breuer-Aschaffenburg. Das dreimalige Schauen. Zu den Schlußaufführungen des Herrn Rabbiner Dr. Levin in Ihrer w. Zeitung Nr. 25 möchte ich folgende Deutung des großen Chafsidim-Rabbi Schmelka Horowitz aus Nikolsburg hinzufügen: -Dn'tni" ,psn ns "an'sni" (mar 7s) D-^asn 5>y "arrtni" 'i mioaa nns prr-i n’*m '33 i>anvn« niasa turn i"bv "vi (nl>v -o) wik isy aipnb nns nnno ns’tm nsa ps» vs m'a? xa rann inn "-n"npn man ->3Sb pa&m pn nny narr »0 »3sVt N21 “pan ns Drv>8-iv 'iai "nsa psa« nr "O’aasn bv amsan >30 nniona 1N'l> N'N7 nnx ->38^ inr "inix VN'NMnai nnx ssi>-i" mr •"patmi pn Die 33 Sozialisten, die bis jetzt die überragende Macht im Landtag bildeten, haben — wir wollen es offen sagen, bei allem Danke, den wir dieser Partei in anderen Belangen schulden —, haben in ihrer Einstellung zu dem religiösen Rechte der Juden leider nicht immer von den hohen ‘ Traditionen ihrer Partei und dem seit Marx und Lassalle zu ihrem Programme gehörenden Postulat der Gewissensfreiheit Gebrauch gemacht. Ihr rigoroses Vorgehen in der Schulpolitik beschränkte sich nicht allein auf ein ideologisches Verfechten der konfessionellen Gleichmacherei, sondern zeitigte auch im praktischen Leben sonderbare Blüten, an denen die Partei der Freiheit und Gleichheit schwer zu erkennen war. Man zwang mit Edikt jüdische Kinder, am Sabbat in der Schule zu schreiben und machte unter einem sozialdemokratischen Kultusminister einem Rabbiner, der sich weigerte, seine Kinder am Sabbat in die Schule zu schicken, unentwegt und unversöhnlich den Prozeß. Solche Dinge rächen sich. Die Sozialdemokraten haben bei den letzten Wahlen eigentlich nur e i n Mandat eingebüßt. Aber sie hätten vielleicht stattdessen einige gewonnen, wenn nicht die innere Unnatur einer Intoleranz unter dem Banner der Toleranz' manch einen an der klaren Linie der sozialdemokratischen Innenpolitik irre gemacht hätte. Für den Durchschnittswähler gibt es dann eben nur ein Entweder-oder: hie rechts, dort links. Den Profit steckten zum kleineren Teil die Kommunisten, zum weitaus größten Teile die N a - t i 0 n a l s 0 z i a l i st e n ein. Die Gemeinden in der sächsischen Judenheit! Wir wollen ihnen in einer Stunde der Not und Gefahr, die uns alle trifft, kein Sündenregister Vorhalten. Aber man darf doch andeutungsweise an den in vielen Gemeinden Sachsens fast gewollt und mit Bedacht herbei'geführten Niedergang des Judentums erinnern. Und wir können nicht umhin, daran zu denken, wie lieblos man sich auch in Großgemeinden Sachsens gerade gegen diejenigen Glaubensbrüder benimmt, die, von außen kommend, neue jüdische Impulse in die Gemeinden gebracht, neues, frisches Blut dem halbtoten jüdischen Organismus zugeführt haben; wie man dort durch einen eigenen Wahlkataster, der schon das Wort „Numerus clausus" auf die Lippen drängt, Jahr für Jahr Wahlrechtsr a u b beging an Kultusmitgliedern, die an allen Lasten der Gemeinde treulich mittragen, nrrm msn nm p bv ">21 wsn ms irm im Das Unglück und die Schmach dieses Sieges der Faust in einem deutschen Lande trifft uns alle, trifft das arme, vielgeschlagene Deutschland und trifft die Welt. Allein, wenn jede Schickung Die drei omsii weisen danach auf das dreifache „Schauen" des R. Akabja im Perek hin: 1. o'aaxn arpsm ist Hinweis auf Geburt und Abstammung, also auf nxa pn». 2. psn ns Dn’s-n lenkt den Blick auf den Boden, der uns einst aufnimmt, entspricht somit dem ftn ans jsVv 3. wir omsii endlich zwingt, zu Ihm hinaufzuschauen, vor dem wir Rechenschaft werden oblegen müssen, zu bedenken: pa&m pn pr>b vny nns ■>» '38^. Dawid Heller. Die erste Lubliner Zeschiwa. Historisches Dokument zur Eröffnung der Weltjefchiwa. Die erste Lubliner Weltjefchiwa wurde als einzige in Polen 1522 gegründet. Die polnische Judenheit war damals führend in der Weltjudenheit, und Lublin war die Perle Polens, etwa das, was später Wilna für Litauen wurde. Polen stellte die Rabbiner für die jüdischen Gemeinden der ganzen Welt. Das Thorastudium hatte sich um diese Zeit von Nordfrankreich und Süddeutschland nach Polen übertragen. Dominierend war in Polen die Methode des Pilpul. Der große Lehrer in Lublin, Rabbi Schalom Schachno, Sohn Josephs, war der Gaon der Zeit, und die von ihm gegründete Jeschiwa in Lublin die erste Pflanzstätte der Thora in der Welt. Rabbi Schalom Schachno war Lieblingsschüler von Rabbi Jakob Falk. Bon ihm übernahm er auch die Lehrmethode. Wer durch seine Schule gegangen war, war gekrönt und ausgezeichnet. Er war ein wohlhabender Mann, bezog kein Gehalt für feine Lehrtätigkeit, widmete vielmehr fein ganzes Vermögen der Jeschiwa und seinen Schülern. Er lehnte es in seiner Bescheidenheit ab, seine Responsen zu sammeln und ein Werk zu dazu da ist, daß wir in unser Innere S' schauen und-Ein-kehr haIten, dann sei damit angedeutet, in welcher Richtung Sachsens Juden den Weg der Tschuwoh zu suchen hätten.. Zur Frage der Agunolh. Das Agunothprobiem beschäftigt seit Kriegsausgang die jüdischen Kreise sehr lebhaft. Im Osten infolge der anhaltenden Judemvanderung, immer schon ein reiches und trauriges Kapitel, des jüdischen Lebens, rückte die Frage in den Mittelpunkt des jüdischen Interesses und der jüdischen Sorge nach dem Kriege. Unzählige jüdische Männer sind vom Felde nicht mehr zurückgekehrt und es kam kein Lebens- oder Todeszeichen, mehr von ihnen, es sei denn, daß sie in den Listender Vermißten und Verschollenen aufgeführt wurden. In mehreren Fällen, wo man den Tod des Mannes 'mit Sicherheit festgestellt zu haben glaubte, so daß ber Frau der Weg zur Wiederverheiratung frei wurde, ergab es sich, daß der' Mann aus langer Verschollenheit plötzlich ins neue Heim der Frau wieder kehrte und als tragischer Held eines Ehedreiecks Unglück über sich und die Seinen brachte. Die brennende Frage ber Agunoth beschäftigte auch die Frauenverbände, aber nicht minder die A g u d a i n st a n z e n. Auf der letzten Hamburger Tagung des Frauenbundes wurde in einer Resolution und einer Eingabe an den Rabbinischen Rat der Agudas Jisroel die Erwartung ausgesprochen, daß sich die berufenen rabbinischen Führer die Sache angelegen sein lassen und Wege suchen, der verlassenen jüdischen Frau und Mutter in ihrer Not bleizustehen. Diese Erwartung wurde nicht getäuscht, wie aus der Agunoth-Resolution des Rabbinischen Rates auf der zwleiten Keneffio Gedaulo in Wien klar zu ersehen ist. Inr Warschauer Rabbinat arbeitet eine eigene Kommission emsig, unter Ausnutzung aller halachischen Möglichkeiten und unter Aufrechterhaltung einer gut organisierten und weit verzweigten Auskunftei, zur Lösung von Agunothsesseln,. wo und wie sie irgend zu lösen sind. Trotzdem wird von gewissen Seiten mit Vorwürfen gegen die Rabbinen, sie gingen gar zu ängstlich zu Werke, nicht gespart. Sie scheuten sich, heißt es, mit Rücksicht auf ganz u n d e n k b a r e Eventualitäten häufig, erleichternde Entscheidungen zu treffen. Wie ungerecht diese- Behauptungen sind und wie man auf der anderen Seite in solchen Dingen bei den unbegrenzten Möglichkeiten unseres modernen komplizierten Verkehrslebens gar nicht genug Vorsicht üben kann, beweist uns das Schreiben eines bekannten Rabbiners, Rabbi David Pinchos Moschreiben, damit man sich bei halachischen Entscheidungen nicht auf ihn berufe und stütze. Zu seinen großen Schülern zählt auch Rabbi Mosche I s s e r l e s, der R e m 0, der der Schwiegersohn von Rabbi Schalom Schachnowurde. Rabbi Schachno starb im Jahre 1579 in Lublin. Irr einem seiner Talmudfolianten fand man einen handschriftlichen Vermerk von ihm über den Namen von Moschiach. Er wird, so schreibt er, Schachna heißen, wie es geschrieben steht wnn uapb- Sein Nachfolger wurde sein Sohn, Rabbi I s m a e l, ein berühmter Thoragelehrter, der Randglossen zum „Mordechai" und anderen grundlegenden Dezisoren schrieb. Was der Pietrokower Raw erzählt. Aus Anlaß der Lubliner Feierlichkeit gibt das Warschauer „Jüdische Tageblatt" einiges aus den Reiseerlebnissen des Pietrokower Raw in Amerika wieder. Als Oberrabbiner Schapiro in Newyork ankam, wurde er im Hafen von.verschiedenen Delegationen empfangen. Es standen selbstverständlich mehrere Autos bei der Einfahrt, die den Rabbi in sein Quartier brachten, bezw. begleiteten. Ein amerikanisches jüdisches Blatt brachte dann die verblüffende Nachricht, tausend Autos hätten den Pietrokower Raw am Hafen erwartet. Nach zwei Tagen traf der Rabbi mit dem Chefredakteur dieses Blattes zusammen. Er machte ihm u. a. Vorhaltungen über diese wilde Uebertreibung. „Es waren höchstens 20 Autos", stellte der Rabbi richtig. „Wie kann man nun so furchtbar aufschneiden?" „Was, 20 Autos," schrie der Redakteur auf. „Dieser Reporter soll mir nun wieder einmal kommen! Kommt da her und sagt, es seien 500 Autos gewesen, so schrieb