Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 71 (1930)
- Issue
- Heft 26 (26.6.1930)
- Date
- 1930-06-26
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 10. Nr. 26 Der Israelit 26. Juni 1930 Um die Selbständigkeit der Eisenstädter Judengemeinde lobte nun seit Jahren ein schwerer Kampf, der dadurch ausgelöst wurde, daß die Stadt Eisenstadt vor einigen Jahren zur Landeshauptstadt vom Burgenland gewählt wurde. Damit erwuchsen der Stadt neue Ausgaben, wie der Bau einer neuen Wasserleitung, Regulierung der Straßen, Verbesserung des Lichtnetzes usw., deren Erfüllung nicht mehr hinauszuschieben ist und die gleichzeitig den Bewohnern der Stadt Eisenstadt neue Steuerleistungen auserlegen. Da nun das Ghetto inmitten der Stadt liegt, ist es begreiflich, daß sowohl die Bewohner von Eisenstadt als auch die Behörden von Eisensladt als auch die Behörven die Forderung erheben: die Gemeindemitglieder des Ghetto haben die gleichen Lasten zu tragen wie alle übrigen Einwohner der neuem Landeshauptstadt. Selbstverständlich mutz zur Durchführung dieser Forderung erst üie Judengemeinde der Landeshauptstadt einoerleibt werden. Das wäre an und für sich nicht so schwierig. Allein, da es sich in diesem speziellen Fall eben um die letzte Judengemeinde, die sowohl in ihrer baulichen Anlage, wie vor allem in den verbrief- Jüdische Gewerbeschule in kalisch. In der Werkstätte. Dokumente aus der ZarenzeU über den Vatikan und die Ritualmord-Legende 7 Die Zeitung ,,Jsvestija" veröffentlicht aus dem Zarenarchiv Geheimdokumente, die beweisen sollen, daß der Vatikan in Rom im Jahre 1913 im Zusammenhang mit dem Beilis-Prozetz in Kiew die Ritualmord- Legendc gestützt hat. In einem Rom, 18. November 1913 datierten Geheimbericht teilt der damalige russische Bevollmächtigte beim Vatikan D. Nelegow dem zarischen Außenminister Sasenow mit, daß Lord Rothschild in London sich an den Vatikan mit dem Ersuchen gewandt hat, den Behauptungen des als Sachverständigen im Beilis- Prozetz vernommenen katholischen Geistlichen Pranaitis, .daß Juden zu Pessach Blut von Christen benutzen, entgegenzutreten. Lord Rothschild legte Kopien zweier Dokuniente bei, aus denen heroorgeht, daß katholische Kirchenführer der Ritualmordlegende entgegengetreten sind. In Jüdische Gewerbeschule in kalisch. In der Werkstätte. Die jüd. Gewerbeschule in kalisch. Mit drei Bildern. Die jüdische Gewerbeschule in Kalisch, welche Knaben zu Handwerkern und guten Juden erzieht, ist durch die Ungunst der Verhältnisse in schwerste Not geraten. Die Verwaltung der Schule ist seit Jahren mit Aufwand der äußersten Energien bemüht, das Werk zu erhalten, was ihr bis setzt auch gelungen ist. Trotzdem der Jahresbedarf für den Unterhalt der 80 Schüler, die auch Kost und Kleidung erhalten, für die Lehrer und sonstigen Unkosten mehr als 200 000.— Zloty beträgt, haben die Juden Polens die Schule fast allein aufrecht erhalten und aus dem Auslande nur einen verhältnismäßig geringen Zuschuß bekommen. Aber die gegenwärtige verzweifelte wirtschaftliche Lage macht die Fortführung der bisherigen Leistungen unmöglich,' wenn ihr nicht Hilfe von außen kommt. — Die Bilder zeigen die Schüler der Kalischer jüdischen Gewerbeschule in den verschiedenen Werkstätten. Jüdische Gewerbeschule in kalisch. In der Werkstätte. 3 ten Rechten und Gebräuchen der Bewohner um ein Kulturkuriosum handelt, erwachsen dieser Einverleibung gewaltige Schwierigkeiten. So war es bisher — und das schon mehr als zwei Jahrhunderte. — der Brauch, daß zur Wahrung der Sabbathruhe vom Freitag bis Samstags abends die Zugänge zum Ghetto durch eine Kette und ein Tor abgeschlossen, die Hochzeiten, wie es das jüdische Ritual vorschreibt, unter freiem Himmel abgehalten wurden und die Jugend des Ghettos zur Faschingszeit ihren Fastnachtsscherz in den Straßen, deren Zugänge ja auch um diese Zeit versperrt waren, treiben konnte. Auch in bezug auf die bauliche Anlage des Ghettos birgt die Einverleibung der Judengemeinde mit der Landeshauptstadt mancherlei Gefahren. Bisher konnte die Gemeindevorstehung bei jeder baulichen Neuanlage Einfluß darauf nehmen, daß das durch Jahrhunderte erhaltene Gesamtbild nicht gestört werde. Bei einer Verschmelzung mit der Hauptstadt würde die Einflußnahme wegfallen und so könnte es leicht geschehen, daß das kleine Stadtbild sein charakteristisches Aussehen verliert. Es ist also begreiflich, daß die Bewohner des Ghettos und die Kultusbehörde alles daran setzen, dieses religionsgeschichtliche Denkmal zu erhalten und dessen Fortbestand mindestens in kultureller Beziehung zu sichern. Wie wir nun erfahren, dürfte man in diesem Streit baldigst zu einem für beide Teile annehmbaren Kompromiß kommen. Im Schoße der burgenländischen Landesregierung wurde nämlich inzwischen in aller Stille folgendes Projekt ausgearbeitet: Rechtlich wird die I u d e n g e m e i n d e der L a n - deshauptstadteinverleibt; die Beibehaltung der religiösen Sitten und Gebräuche wird den Bewohnern gewährleistet und das ganze Ghetto selbst unter Denkmalschutz ge st ellt werden. Aus diese Weise wäre einerseits der unhaltbare Zustand, daß ein Teil der Bewohner von Eisenstadt von den Steuerpflichten aller übrigen äusgeschaltet ist, beseitigt, und würden anderseits den Ghettobewohnern alle bisher geübten Rechte auch weiterhin sichergestellt bleiben. Da, wie nun weiteres mitgeteilt wird, alle an dieser Frage interessierten Parteien mit diesem Projekt einverstanden sind, wird in Kürze die politische Selbständigkeit des Ghettos ihr Ende finden, ohne daß, wie in den anderen Ländern, wo es vor dem Umsturz Judengemeinden gab, die kulturgeschichtliche Eigenart desselben bestehen aushört. Da das Ghetto auch gleichzeitig eine besondere Attraktion des Fremdenverkehrs vorstellt, wird auch diesem nichts verloren gehen. „Ein wissenschaftlicher Kurs" In Nr. 22 des ,,Israelit" veröffentlicht Herr Rabbiner Dr. R. Breuer einen Aufsatz ,,Ein wissenschaftlicher Kurs". Dieser Aussatz enthält u. a. eine Behauptung, die nicht unwidersprochen bleiben darf. Dieselbe bezieht sich aus Sifre zu Deut. 23, 17, wo es nach dem überlieferten Tert heißt: um -pya r^i av *j»y. Herr Dr. Breuer behauptet nun, Sp. 3 unten, es sei eine ..absurde Auffassung", wenn man diese Stelle dahin erkläre, daß es dem Ger Toschab verboten sei, innerhalb der Stadt zu wohnen. Herr Dr. Breuer hat aber übersehen, daß hochangesehene rabbinische Autoritäten z. B. R a b e d zu H. Iss. Biah, Mögen Awrohom in seinen Jalkut-Kommentar Sajis raanon (vgl. Sifre ed. Friedmann) die Stelle in jener angeblich ,.absurden" Weise erklären; indem letzter z. B. kommentiert -omai ’-pa “pyn invv' sVtr -pyl> sin pn um -psn ni-i Gewiß ist Herr Dr. Breuer berechtigt, diese Auffassung des Mögen Awrohom nicht zu teilen, ebenso bleibt es ihni unbenommen, den überlieferten Text für unrichtig zu halten und einen korrigierten vorzuziehen. Aber es geht nicht an, eine Erklärung, die sich aus den überlieferten Tert Sifres stützt, als „absurd" zu bezeichnen. Kaah-Hindenburg O.-S. _ seiner Antwort beschränkte sich Kardinal Merri bei Val auf die Mitteilung, daß der Inhalt der Kopien richtig ist und daß die Originale sich in der päpstlichen Bibliothek zu Rom befinden. Die zarischen Kreise befürchteten daß die Antwort Merri del Vals die zarische Gerichtsbarkeit (inzwischen war Beilis wegen Ritualmord verurteilt worden) in eine kompromittierende Lage bringen könnte. Neledow wandte sich im Namen der Zaren-Negierung an den Kardinal Merri del Vals mit einer offiziellen Anfrage betreffs der Antwort an Rothschild, woraufhin der Kardinal erklärte, die. Bestätigung der Richtigkeit des Inhalts der Kopien be- _ deute noch nicht eine Ableugnung der Tatsache, daß Juden Ehristenkinder zu rituellen Zwecken töten oder zu Tode martern. Diese Tatsache, soll Merri del Val laut Bericht Neledows gesagt haben, sei „durch unsere Kirche niemals abgeleugnet worden." Neledow batte aucki ein Geivräck» mit dem Kardinal 'Verata -der Kandidat auf die Vapsteswürde war, Perata erklärte mir, berichtet Neledow, er sei überzeugt, daß die Juden Blut zu Ritualzwecken gebrauchen, er wisse von speziellen Studien, die über diese Frage angestellt worden sind. Diesem Bericht fügte Neledow die Bemerkung hinzu, daß die Erklärung der beiden hohen römischen Geistlichen als Material zur Rechtfertigung des Beilis-Urteils angesehen werden dürfen. „Jsvestija" knüpft an die Wiedergabe der Dokumente einen Kommentar, in welchem sie die Rabbiner aufsordert, aus diesen Berichten die Konsequenzen zu ziehen und nicht in einer Front mit dem Papste an der AntisZwjetkampagne teilzunehmen. (Das Ganze sieht wie eine sowjetrussische Erfindung aus. Die Red.) Ninderecke. :nvn Wo steht? 1. rnp im rptfma 'o 2. m im rvwmn 'o 3. bKivw im inan 'o Folgende nicht als Namensbezeichnungen: 4. Gegen Ende von '0 2 mal 5. jna in -man D 6. ma in 'D 7. pb in Kip 'D 8. blKD in bKW '0 Anfang von '2 Ö’D1?» '0 A. in W.