Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 71 (1930)
- Issue
- Heft 24 (12.6.1930)
- Date
- 1930-06-12
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 4. Nr. 9 Entschuldungsbeitrages an die Jugendgruppe einstimmig genehmigt wurde. Ts wurden in den neuen Vorstand w'.edergewählc die Herren: Markus Emanuel, Jskar Emanuel, Max Felder, Dr. Julius Möller, während anstelle des bisherigen verdienstvollen Vorsitzenden Salomon Eschwege und' der langjährigen Vorstandsmitglieder Ärnolo Lohn und Michel 'Jacovson, die eine Wiederwahl abgelchnt hatten, die Herren: B. Denis, Naftalie Jacobson und Jakob Katzenstein in den Vorstand neu gewählt wurden. Zum Vorsitzenden der Pressekommission wurde Direktor Jakob Meyer, zum Vorsitzenden einer Propagandakommission Hermann Eichelberg gewählt. Jürth. Am Sonntag, den 27. April, hielt Herr Rabbiner K. C h a m e i d e s, Kattowitz in der Jüdischen Jugendgruppe, Fürth, einen Vortrag über das Thema: „Der talmudische Mensch". Die Hauptfrage, die der Redner sich vorlegle, lautete: Wie sieht der jüdische Mensch aus, der im Mittelpunkt des Talmuds steht? Konnten die Rabbonim einen einheitlichen Typus sesthalten, des Menschen, der sich doch im Laufe der Zeit veränderte? Und wie konnten sie Gesetze aufstellen für alle Zeiten und alle Menschen? Zunächst ließ der Redner das Bild des jüdischen Menschen vor uns erstehen, an den die Rabbonim dachten; diesen einfachen jüdischen Menschen, mit seinen Vorzügen und Schwächen. Aus den vielen Schilderungen des jüdischen Menschen kristallisierten sich 5 Charakterzüge, die rühm eigen sind. Da ist vor allem die Opferfreudigkeit und Hilfsbereitschaft, aber auch der scheinbar entgegengesetzte Sparsinn des Juden. Letzterer erklärt sich aus der peinlichen Gewissenhaftigkeit und Mühseligkeit, mit der die »p-nx ihr Gut errungen haben. Darum nimmt die Thora Rücksicht auf das Eigentum des Menschen und mutet ihm nicht zu, am Schabbos ruhig dabeizustehen, wenn bei einer Feuersbrunst sein Vermögen verbrennt, sondern erlaubt ihm, seine nichtjüdischen Nachbarn zu veranlassen, sein Hab und Gut zu retten. Bezeichnend für die Charakterisierung des v-op'wx ist der Grundsatz der Chachomim: now am j’X Der Mensch sündigt nur des materiellen Vorteils wegen. Des weiteren erwähnte der Referent den besonderen Ernst der Menschen in seiner Todesstunde. Er erspart die Zuziehung von Zeugen, die sonst beim Anerkenntnis von Schulden unerläßlich wäre. Zwischen dem jüdischen Schuldner und seinem Gläubiger besteht ein besonderes Verhältnis des Vertrauens und des Mißtrauens. Wenn der Schuldner seine Schuld leugnet, so wird er sie nie völlig leugnen, lam Vva nsa ros dik px und so kann die Thora anordnen: sav nxpva min sie traut demnach dem Schwur des Schuldners. Wenn wir so den Menschen mit seinen Fehlern und Schwächen ansehen, so erhebt sich die Frage, wird es ihm überhaupt möglich sein, die tvow zu halten. Uni diese Frage ging es in dem Streit zwischen sri und rra, ob es besser für den Menschen sei, erschaffen worden zu sein, oder nicht, srn war der Ansicht, es wäre besser, er wäre nicht erschaffen worden. Besser ein ixi-v riDv zu sein und nur Gott zu dienen. Auch rra meinte, es wäre besser gewesen, wenn der Mensch nicht auf die -Welt gekommen wäre. Da er aber einmal geschaffen wurde, soll er sich bemühen, im Sinne G'ttes tätig zu fein. Diese Antwort ergibt auch die Lösung der zweiten Frage. — Reicher Beifall dankte dem Redner für den gehaltvollen Vortrag. Es setzte dann eine lebhafte Diskussion ein, die das große Interesse der Zuhörer am Gehörten erkennen ließ. Wien. Am 27. April 1930 fand die elfte General-, Versammlung der Jugendgruppe statt. Nach einigen' einleitenden Worten, in denen Herr Heinz Herzog die erschienenen Gäste begrüßte, erstattete Herr Siegmund Stern den Bericht über die abgelaufene Arbeitsperiode. Das Bild, das er entwarf, zeigte in hellen Farben die Entwicklung der österreichischen orthodoxen Jugendbewegung. Geistig und materiell ist die Linie der Entwicklung eine steil aufsteigende. Das Budget der Jugendgruppe, das heuer die imponierende Höhe von S. 30 000 erreicht hat, ist um 30 Prozent höher als im vorhergegangenen Jahre, was angesichts der Ungunst der Verhältnisse in Oesterreich wohl ein Glanzleistung darstellt. Die Frequenz der Schiurim war eine so starke, daß es dem Ünterrichtsausfchutz nur mit Mühe gelang, allen Anforderungen gerecht zu werden. Die geselligen Veranstaltungen der Jugendgruppe sind unentbehrlich geworden. Sie sind die harmonische Ergänzung des Lernbetriebes. Ein Ferienheim miteinem Aufwand von fast S. 8000 hat einem großen großen Teil unserer Jugend die langentbehrte und wohlverdiente Erholung gebracht. Keren- Hathora, Schomre-Schabbos wurden ebenso wie die Vorarbeiten für die Kenessio-Gedaulo durch die Jugendgruppe in anerkannt hervorragender Weise gefördert. —" Alles in allem ist das abgelaufene Arbeitsjahr ein voller Erfolg gewesen, der sich würdig den vorhergegangenen anreiht. Nach einer — stellenweise sehr stürmischen — Debatte über den Geschäftsbericht erfolgte die Neuwahl des Vorstandes, deren Ergebnis der Vorsitzende, Herr Heinz Herzog, knapp vor Mitternacht bekanntgab. Es wurden gewählt die Herren: Adler Emil, Baumgarten Salomon, Bondi Hermann, Breuer Ludwig. Feldheim Arthur, Herzog Heiz, Kohn Eduard. Krakovski Osias, Moskowitz David, Neumann Moritz, Richter Paul, Schschter Markus, Schrenzei Benzion, Spitzer. Siegfried. Schiff Ernst, Stern Siegmund, Teitelbaum' Jakob, Türkt David, Weiß Wilhelm. Zu Revisoren wurden gewählt die Herren: Mar Austern und Friedrich Brunner. Der Israelit Blätter Bratislava . Sonntag, den 20. Jjar, bildete der Hesped j des berühmten Piotrkower Raw, Rabbi Meier Schapiro, j das große Ereignis in Nitra. Der illustre Gast fühlte! sich zu der Reife nach Nitra aus aufrichtiger Verehrung j für den verewigten Präsidenten der slowakischen Agudas! Jisroel bewogen. Während seiner Durchreise an der! Prehburger Bahnstation wurden ihm von der agudisti-! schen Jugend große Ovationen bereitet. Als Vertreter der österreichischen Aguda und als persönlicher Freund des Dahingeschiedenen nahm an der Reise in bewundernswerter jugendlicher Frische auch der greise Aguda- Führer, Herr Wolf Pappenheim aus Wien, teil. In Preßburg und den folgenden Zwischenstationen schloß sich eine große Anzahl weiterer Teilnehmer an. In Leopoldow empfing die Gäste eine Abordnung der Nitraer Agudas Jisroel-Jugendgruppe. In Zlochy wurde Oberrubbiner Schapiro von einer Delgeation jüngerer Nitraer Balebatim begrüßt. In Nitra stiegen die Gäste im Trauerhause ab, wo sie vom Gemeindepräsidium mit Herrn Gemeindepräses Kobi Adler an der Spitze begrüßt wurden. Auf die Nachricht, daß der bekannte.Agudaführer in Nitra weile, eilten aus der ganzen Umgebung Hunderte von Juden per Auto spontan herbei, aus Topolcany allein etwa hundert an der Zahl, um den Hesped auf sich wirken zu lassen. Ueber den Hesped berichteten wir bereits kurz. Der Eindruck dieses Nachrufs auf die Zuhörerschaft war so gewaltig, daß er auch jetzt noch den allgemeinen Gesprächsstoff in der ganzen Gegend bildet. —.Auf der Heimreise unterbrach Herr Oberrabbiner Schapiro seine Reise in Trnava und stattete Herrn Oberrabbiner Unger und seiner Jeschiwa einen kurzen Besuch ab. An der Bahnstation in Trnava wurde er von Herrn Oberrabbiner Unger und seinen Schülern herzlich empfangen und später in seiner Wohnung gastlich bewirtet. Bald fanden sich dort auch die -*«33 und die Leiter der Agudas Jisroel-Orts- und Jugendgruppe, sowie selbstverständlich ein großer Teil der Jeschiwa ein. Nach Besichtigung der Jeschiwa-Räumlich- Postscheck - Konto der Laadesorgaaisation: Landesorganisaiion der „Agudas Jisroel“ in Deutschland, " No. 50 204 Hamburg. feiten und einer innigen Aussprache über Lehrweise und Konstitution der Jeschiwa richtete Herr Oberrabbiner Schapiro aus Ersuchen des Herrn Oberrabbiner Unger eine brillante Ansprache an die versammelte Jeschiwa über die Bedeutung des hingebungsvollen minn der jüdischen Jugend an den Jeschiwos und ließ zum Schluffe die Trnavaer Jeschiwa, von der er die besten Eindrücke mitnehme, begeistert hochleben. Warschaus Am letzten Sonntag fand hier eine Plenarsitzung des Zentralkomitees der Paale Agudas Jisroel statt. Es wurden alle wichtigen. Probleme der religiösen Arbeiterbewegung behandelt, ebenso Organisativnssragen, Parteipresse und Jugendbewegung. Es wurde beschlossen, schon in nächster Zeit die zweite Landeskonferenz der Po als Agudas Jisroel einzuberufen. Das Zentrale Jugendamt wird nach Warschau verlegt. Für den 33. im Omer sind große Feierlichkeiten bei den Jugendgruppe vorgesehen. Es wurde ferner eine große Reihe von Resolutionen angenommen. Warschau. Das Organ der „Zeire Agudas Jisroel in Polen", „Orthodoxe Jugendblätter", bringt in seinem reich ausgestatteten Nissanhefte eine große Reihe von lesenswerten Aufsätzen aller Art. Der Leitartikel ist dem Heimgegangenen Gaon, Rabbi Meir P l 0 tz k i b"xr zur zweiten Jahrzeit gewidmet. Der Literarische Teil bringt Aussätze von W. Leichter, Jakob Landau und L. Feingold. Eine bunte Fülle von geschäftlichen und Vereinsnachrichten spiegelt Kraft und Leben wider. Ein paar gute Bilder illustrieren den Tert in bester Weise. Warschau. Der Bericht der „Bnos Agudas Jisroel" in Polen bespricht zunächst die Arbeit für die Organisierung der Konferenz und ihre erfolgreichen Auswirkungen, sodann den zweimonatlichen Führerinne n k u r s in Rabka, an dem sich 30 Lehrerinnen aus verschiedenen Städten beteiliaten. Andere gesellschaftliche Veranstaltungen füllten den Sommerplan aus. Gegen Sommerende hatte die Zentralleitung in Lodz die Ausgabe, den Frauenkongreß im Anschluß an die K. G. in Wien zu organisieren. Der Erfolg des Kongresses ist bekannt. Die Bnoth A. I. in Polen waren in Wien durch Fr. Schenierer und Frau W a t s ch a ch vertreten. Mit Anfang des Winters wurde die Tätigkeit reger. Es wurde die Broschüre die Organisierung der Bnoth Agudas 12. Juni 1930 Jisroel herausgegeben mit einem ausführlichen Plan für den orthodoxen Kinderverband. Sodann wurde ein großer Aufruf erlassen. Im Monat Cheschwan wurde eine großzügige Werbeaktion in 70 Städten durchgeführt. Neue 26 Organisationen wurden geschaffen und 59 Kinderverbände. In 43 Städten wurden öffentliche Versammlungen abgeyalten, die insgesamt 10 000 Frauen und Mädchen umfaßten. Es wurde mitgearoeitet an der Vorbereitung von Kreiskonferenzen in vielen Städten: In Lodz wurde ein großes Lokal gemietet, das demnächst als. Waisen - Haus eröffnet wird. Im B e n d i n bekam die Organisation ein Grundstück geschenkt zur Errichtung einer Somme r k 0 l 0 n i e. Eine solche wird auch in L 0 d z geschaffen. Andere Aktionen der B. A. I. dienten der Versorgung armer Kinder mit Schulgeld und Kleidern, auch der Unterstützung des Keren Hajischuw. An Literatur erscheint das Organ der B. A. I. und des Bes Jatow allmonatlich, j Das Kinder-Journal „Kindergarten" ist in sechs Nummern erschienen. Weitere Kinderliteratur ist in Vorbereitung. Es erscheine» Schriften in jiddischer und polnischer Sprache. An Mitgliederbeiträgen sind im letzten Jahre annähernd 2000 Zloty eingegangen, was natürlich für die großen Ausgaben und Ausgaben nicht ausreicht. Der Bericht schließt mit der Bitte, die Bewegung, von der die Zukunft der polnischen Judenheit abhängt, weiter nach Kräften zu unterstützen. Wilna. Zu der letzten Versammlung der Agudas Jisroel fand sich eine große Anzahl von Mitgliedern ein. Die .Versammlung erösfnete Rabbi Josef S ch u b. Er bespricht zunächst die Notwendigkeit einer orthodoxen Presse. Es sei Pflicht eines jeden religiösen Juden, sich auf eine orthodoxe Zeitung zu abonnieren und darüber hinaus für ihre weitere Verbreitung zu sorgen. Der Antrag wird angenommen. Es wird sodann noch ein Projekt angenommen, eine Konsumgesellschaft zu gründen, um die jüdischen Mitglieder mit Milch zu versorgen. Der Lehrplan, der neben dem alten auch neue Schiurim vorsieht, wird bekanntgegeben. Riga. Die Zeire Agudas Jisroel haben im Januar d. I. eine jüdische Volkskreditkasse und Spar- und Darlehensgesellschaft ins Leben gerufen. Das Institut bezweckt, thoratreuen Angestellten, Arbeitern und kleinen Händlern sowie Angehörigen freier Berufe auf kooperativer Grundlage Kredite zu gewähre^ Die Genossenschaftsanteile lauten auf. je Lit. 10.— fM. 8.—). Jedes Mitglied hat grundsätzlich für jeden eingezahlten Anteil Anspruch auf fünffachen Kredit, der innerhalb 90 Tagen getilgt sein muß. Bei den Darlehensgewährungen wird überall ein i^po? irrn ivv ausgefertigt. Die Bank kann alle Bankgeschäfte ausführen. Das Unternehmen hat bereits starken Anklang in den kaufmännischen Kreisen unserer Stadt gefunden. Drohobycz. An einer Konferenz der ostgalizischen Agudajugend in Drohobycz nahmen 50 Delegierte teil. Die Zentralstellen der polnischen Aguda waren alle vertreten, auch fanden sich mehrere Hundert Gäste ein. Nach der Eröffnungsrede des Präses, Herrn Zewi Held, wurde das Präsidium gewählt, worauf Begrüßungen folgten. Die erste Sitzung wurde mit Berichten der einzelnen Organisationen über ihre Tätigkeit ausgefüllt. Größere Reden und Referate hielten Rabbi N u ß b a u m über die Mittel zur Hebung des Thoralernens unter der Jugend, Herr A. M. K r 0 n - grad über die Probleme der Zeirim. Letzterer erstattete zugleich einen Bericht über die Arbeit der Zentralleitung der Z. A .I. — Die zweite Sitzung warvornehmlich Erez Jisroel-Fragen gewidmet. Es wurde allgemein die Notwendigkeit einer gesteigerten Arbeit für den Keren Hajischuw betont. Nach einem Referate des Herrn Krongrad wurde eine Resolution einstimmig angenommen, die alle Ortsgruppen der Z. A. I. verpstichtet, für den Keren Hajischuw zu sammeln und die Zentralleistung aussordert, öfters Aktionen zu Gunsten Palästinas in die Wege zu leiten. Es werden ferner Beschlüsse gefaßt, die orthodoxe Presse, insbesondere das jüdische Togblatt auszubauen und das Wiedererscheinen der Monatsschrift „Diglenu" zu ermöglichen. Der Leitung wird Dank ausgesprochen. Weitere Beschlüsse betreffen das Melamdimfeminar in Galizien und die Gründung von Agudas Jisroel-Kindergruppen. In feierlicher Schlußsitzung sprachen u.r a. Rabbiner Panzer und Herr S ch u ck er aus Lemberg. In gehobener Stimmung wurde die Konferenz geschloffen. Rzeszow. Der Bericht der hiesigen Bes Jakow-Schule bis zum 1. Nissan d. I. gibt die Zahl der Schülerinnen mit 150 an. Schon im Jahre 1927, gleich nach Amtsantritt des Oberrabbiners Aron Lewin, wurde auf seine Initiative ein Komitee zur Gründung der Schule gebildet. Der Präses des Komitees^ Rabbi Jakob Nathan K a n n e r ließ es an Mühe, Arbeit und Kosten nicht fehlen, die Idee zur Ausführung zu bringen. An der Spitze des leitenden Frauenkomitees steht Frau Rabbiner L e w i n. Die Schule bekommt vom Magistrat eine jährliche Subvention in Höhe von 300 Zloty, was den Bemühungen des Oberrabbiners zu verdanken ist. Durch Herrn Vizebürgermeister Dr. H 0 chfekd erhält die Schul» auch von der Städtischen Sparkasse 100 Zloty im Jahre. Die weiteren Gelder werden durch Sammlungen ausgebracht. Die schule umfaßt vier Kurse und steht unter der Leitung einer bewährten Pädagogin, der Lehrerin Frl. Kirschb a u m. Das im Bericht veröffentlichte Programm und der Lehrstoff zeigen die Erfolge sehr deutlich. Am Monden 10. Nissan, fand eine wohlgelungene Schlußfeier in der Schule statt. 8584