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Der Israelit · 1930-06-12 · Heft 24 (12.6.1930) · page 13

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Journal
Der Israelit
Volume
71 (1930)
Issue
Heft 24 (12.6.1930)
Date
1930-06-12
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Hfäffer fievausgegeften von «lev £andesoeganlfa(ion des? Dgudas-Jistroel in Venlfekland. 6. Jahrgang Hamburg, 12. Juni 1930 / 16. Siwan 5690 Nummer 9 Schriftleitung: Wolf S. Jacobson in Kamöurg. Rundschreiben der Landesorgamsation der Agudas Israel in Deutschland betreffend Kalenderreform. Mn die Ortsgruppen der Landesorganisation der . Agudas Jisroel in Deutschland. Sehr geehrte Herren! Es ist Ihnen bekannt, daß die Einführung eines neuen bürgerlichen Kalenders mi«t Einfügung von Blanko-Tagen erstrebt wird. Hierdurch würde der Schabbos nicht wie bisher immer auf Samstag, sondern jedes Jahr auf einen anderen Wochentag des bürgerlichen Kalenders fallen. Die daraus sich ergebenden Folgen und Gefahren liegen auf der Hand. Diese Gefahr abzuwenden, wurde von den verschiedenen jüdischen Organisationen ein Schutzkomitee in Zürich gebildet, das von dem bekannten Mitglied unserer politischen Exekutive, Herrn Oberrabbiner Dr. Lewenstein-Zürich geleitet wird, und dein als Vertreter des Rabbinischen Rates der Agudas Jisroel Oberrabbiner Fürst- Wien angehört. Das Komitee will eine Massenpetition an den Völkerbund organisieren und hat sich zu diesem Zwecke mit sämtlichen Rabbinen der Welt in Verbindung gesetzt. Der Geschäftsausschuß der Agudas Jisroel hat die Landesorganisationen aufgesordert, dahin zu wirken, daß die Ortsgruppen der Agudas Jisroel gemeinsam mit den Jugendgruppen der Agudas Jisroel hierzu, soweit erforderlich, ihre Mitarbeit zur Verfügung stellen. Dies müßte in der Weise geschehen, daß überall die Orts- und Jugendgruppen z u n ä ch st f e st st e l l e n, ob die O r t s g e m e i n d e n bereits eine Aktion zur Sammlung von Unters ch r i f t e n e i n g e l e i t e t h a b e n , und daß sie sich eventl. den Gemeinden zur Durchführung der Aktion zur Verfügung stellen. Es müssen jedoch alle Kreise, auch diejenigen, die praktisch nicht Schabbos halten, für die Unterschrift gewonnen werden. Das Züricher Komitee stellt direkt oder durch unsere Vermittlung Formulare für die Petition und ebenso eine aufklärenöe Broschüre zur Verfügung. Im „Israelit" Nr. 23 ist zur ganzen Frage nochmals ein instruierender Artikel erschienen, worauf wir Sie hiermit ausdrücklich-Hinweisen. Wir erwarten, daß Sie die Angelegenheit sofort energisch, ihrer hohen Bedeutung entsprechend, in die Hand nehmen werden und begrüßen Sie inzwischen in vorzüglicher Hochachtung Landesorganifation der Agudas Jisroel in Deutschland Oberrabbiner Dr. Spitzer. Zur Einweihung der Lubliner Zeschiwah. Am 23. Siwan soll in Lublin mit G'ttes Hilfe die Jeschiwah eingeweiht werden, und der geniale Schöpfer dieses großen Werkes hofft und erwartet, daß Agudistsnaus allen Ländern, trotz Wirtschaftsnot und Paßschwierigkeit, trotz der weiten Entfernungen in der heiligen Stunde der Eröffnung mit ihm gemeinsam singen werden: wan N212N t»v töt» das Festlied zur Einweihung des Hauses. Beth-Jacob-ZeHlrale-Wien Die Beth Jacob Zentrale in Wien hat beschlossen, in Wien für Mitteleuropa, vor allem für Österreich und die Nachfolgestaaten eine Lehrerinnenbildungsas&stalt für Beth Jacob Schulen zu errichten. Die Ausbildung der Lehrerin ist auf zwei Jahre festgesetzt. Zum Eintritt zugelassen sind Mädchen, die das sechzehnte Lebensjahr vollendet haben und das Abgangszeugnis einer achtklassigen Volksschule besitzen. In den V orbereitungskurs können auch jüngere Mädchen aufgenommen werden. Die Lehrerinnenbildungsanstalt wird in dem Dr. Krüger-Heim untergebracht und für die Zöglinge von auswärts ist ein Internat im Heim eingerichtet. Die näheren Aufnahmebedingungen sind bei der Betli-iacoli-ZenIrale (Wien II., Leopoldsgasse 26) zu erfahren. Aufnahmegesuche sind bis längstens den 15. August d. J. einzureichen. Dr. Leo Deutschländer. Sommerkurse der Zentrale von Keren Hathora und Beth Jacob. Die Zentrale von Beth-Jacob und Keren - Hathora veranstaltet in diesem Sommer folgende Kurse für Lehrer und Lehrerinnen: I. Rabka, (Hohe Tatra) a) Kurse für Kandidatinnen des Beth Jacobseminares. Leitung : Fr. Schenierer — vom 6. Mai bis 10. September. b) Fortbildungskurse für amtierende Lehrerinnen, vom 8 Juli bis 10. September. Leitung: Frl. Dr. Rosenbaum. c) Fröbelkurs vom 10. Juli bis 15. August. II. Fortbildungskurse für Lehrer und Lehrerinnen Litauen und Lettland inPalangen (Ostsee) vom vom 10. Juli bis 15, August. Leitung: Gymnasialdirektor Dr. Holzberg, Telschi. Dozenten: Oberrabb. Carlebach, Altona, Dr. Deutschländer, Wien, Doz. Schmulowicz, Telschi, Direktor Wittenb e rg, Riga- III. Fortbildungskurse für Melamdim in Grodno: Leitung: Rabbiner Skob, Dr. Niemcewicz. Ferner veranstaltet die Beth-Jacob-Zentrale Sommer erholungskurse für schwache Schulkinder in: St. Georgen (Slovakei), Leitung: Lehrer Eisenberg, Otvock (bei Warschau) für Mittelpolen, Leitung: Frl. Rosen, Lodz, Rabka, Leitung: Frl. Subotica, Lodz. Gesuche wegen Teilnahme an den Kursen und Aufnahmen in den Kolonien können noch entgegengenommen werden und sind mit tunlichster Beschleunigung an die Zentrale von Beth-Jacob und Keren-Hathora, Wien II., Leopoldgasse 26 zu richten. Dr. Leo Deutschländer. Es ist das Fest Rabbi Meier Schapiras, und doch ist es das Fest der ganzen Agudas Jisroel, die in ihm, in der er lebendig ist. In der Seele des Sanoker Raw reifte der große, gewaltige Plan, die Tatkraft, die unglaubliche Tatkraft desPetrikowerRaw setzte ihm in Wirklichkeit um, und der Lubliner Raw, er weiht das Werk ein: sein Werk. Die Neunmalweisen in unserm Kreise warnten und unkten, die Feinde im gegnerischen Lager drohten und verleumdeten, die Wirtschastslage wurde von Monat zu Monat trüber: Rabbi Meier Schapira hörte nicht auf die Stimme der Ueberklugen, kümmerte sich nicht die Bösrede der Gegner, fürchtete sich nicht vor der Rot der Wirtschaft, ihm war das Wort eingebrannt in seine Seele, daß G'tt den segnet, welcher tut. Und so widmete er sechs Jahre seines Lebens einer Tat, dieser großen Tat, dem Bau der Lubliner Jeschiwah. Und heute kommen „die Weisen Lublins", deren Erinnerung der Name seiner Jeschiwah zu neuem heutigen Leben weckt, und segnen ihn, den Mann, in welchem Geist von ihrem Geist lebendig war: vnpn nn heiliger Geist restloser Bereitschaft, restloser Hingabe an G'tt und Seine Thora. Daß die Thora in den Winkel geworfen, ihre Stätten häßlich, ihre Lehrer in Not, ihre Jünger oft im Elend, dieses Wissen brannte als sine heiße Wunde im Herzen Meier Schapiras. Der Ruf von der „Betrübnis der Thora", der vom Sinai her durch alle Zeiten und Räume klingt, traf sein Ohr und weckte in seiner Seele als Echo einen tiefen Schmerz. Die brennende Wunde zu heilen', den tiefen Schmerz zu stillen: Nur eine Rettung sah Rabbi Meier Schapira vor Augen. Eine große, schöne, herrliche Jeschiwah, in der Menschen lehren, Menschen lernen, deren Hunger und Durst nicht nach Brot und Wasser geht, sondern „das Wort G'ttes zu hören". Und weil er nur diese eine Rettung sah, machte er sich cm> dieses Rettuugswerk, und vor uns steht die Jeschiwas Chachme Lublin. Gesegnet ist Polens Judenheit. Ihren Töchtern wuchs aus dem Herzen Sara Schenierers „das Haus Jakob", ihren Söhnen aus dem Herzen Meier Schapiras dieses „Zelt Sems". Hier wie dort war es ein Einzelner, ein „Einmaliger im Geschlecht", in dem das Licht aufflammte. Aber dann, „das Licht des Einzelnen wurde das Licht für die Hundert," dann griff die Liebe und das Verständnis den großen Plan auf, dann öffneten sich die Seelen aller, die noch nicht ganz abgestorben waren, dann strahlte und leuchtete es, „bis der ganze Osten in ein helles Licht getaucht war." Am 23. Siwan weiht Rabbi Meier Schapira seine Jeschiwah ein, und mit ihm ruft die ganze Agudas Jisroel lobpreisend aus: „Ich erhebe Dich, G'tt, denn Du hast mich aus der Tiefe herausgehoben, hast meine Feinde nicht zur Freude über mich kommen lasten." „Dann jubeln G'tt zu Seine Frommen, spenden Dank Ihm Seine Heiligen". Dieser Siwan^-Monat des Jahres 5690, er möge uns zurückführ-en um 3242 Jahre an den Fuß des Sinai. Damals empfing das jüdische Volk die Thora, nicht nur nems Erbbesitz, sondern auch nizmxa täglich neu zu umwerbendes, zu erringendes höchstes Gut. So auch soll die Orthodoxie die Jeschiwas Chachme Lublin entgegettnehmen; nicht als ein Geschenk, das ihr geworden ist, sondern als ein Gut, das sie nur besitzt, wenn sie es täglich neu erwirbt, wenn sie sich mit der Lubliner Jeschiwah und durch sie mit

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