Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 71 (1930)
- Issue
- Heft 24 (12.6.1930)
- Date
- 1930-06-12
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 2. Nr. 24 Der Israelit 12. Juni 1930 Dauerwellen und Haararheites ist Vertrauenssache!E(IGEItf OCHS Spezialist dafür Moselstr.16 «Taunus 1593 Unverbindlicher Besuch erbeten mmbbmmmü wovon sich jeder überzeugen kann, der IM Besitze eines Tillirnchens ist, das ist bei der Methode des Verfassers weiter kein Novum. Aber wie kommt Herr Torczyner dazu, zu behaupten, daß in diesem Psalm „bekanntlich" für den Gottesnamen I. regelmäßig Elokim eingesetzt sei? Ich stelle unter Beweis, daß dies den Mitgliedern des Zentralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens völlig unbekannt ist. Ich sitze selber im Vorstand einer größeren Ortsgruppe des C. V., aber weder mir noch meinen Vorstandskollegen ist etwas derartiges bekannt. Und ich behaupte, daß es auch den Vorstandsmitgliedern des oberschlesischen Landesverbandes mit dem Sitz in Beuchen, ja sogar den Mitgliedern des Hauptvorstandes in Berlin unbekannt ist. Mir welchem Rechte ruft Herr T. ahnungslose Menschen zu Zeugen einer falschen Tatsache auf, die ihnen völlig unbekannt ist? Der C. V. hat sehr unüberlegt gehandelt, als er das Buch im Philo-Verlag erscheinen ließ. Wochenrundschau. „Nicht mitzulieben, sondern mitzuhassen . . . Ueber die inneren und tieferen Motive der tierschützlerischen Schächtverbotsanträge hier zu sprechen, hieße, weitgeöffnete Türen einrennen. Aber so deutlich wie die Herren im gesegneten Thüringen hat noch kein Schächtgegner Farbe bekannt. „Wenn," so sagte der nationalsozialistische Abgeordnete Sa u k e l im Landtage zu Weimar, „das Schächtverbot bewirken sollte, daß die Juden nicht mehr die Kurorte Thüringens besuchen, dann hätten wir damit das erreicht, was wir eigentlich erreichen wollten." Das ist deutlich und ehrlich. Mag das Land, mag der Mittelstand darüber zugrunde gehen, wenn nur das erreicht wird, was nach der Parole eines Hitler und Frick erreicht werden soll. Thüringen lebt von der Fremdenindustrie, und nicht zuletzt von den Juden, die, als Kaufleute den Krisen der Zeit am meisten ausgesetzt, für ein In Wüstenei geboren. Schwuausnachklänge. Von A. Mannheimer in Dettelbach. In einer Wüste, der Heimat von Löwen, Tigern, Schlangen und anderem unheimlichem Raubgetier, in gemiedener, ja, gefürchteter unwirtlicher Einöde, fand das größte Ereignis der Menschheitsgeschichte statt, die Offenbarung. Kann es für uns auf das äußerlich Wirkungsvolle gerichtete Menschen einen größeren Kontrast geben als eine Wüstenei und die göttliche Offenbarung? Gerade dort sollten die Stimmen der Schechina ertönen an ein ganzen Volk, unsere Vorfahren? Gerade dort sollte die Wiege des ewigen Thoragesetzes ihre Stätte finden? Kein anderes Milieu sollte des gewaltigen Ereignisses würdig befunden werden? Es liegt beinahe etwas Unfaßbares, vom menschlichen Standpunkte aus fast Deprimierendes in dem Gedanken an diese grandiose Gegensätzlichkeit von Ort und Tat. Selbstredend ist schon den alten Weisen dieser Kontrast Gegenstand ernsten Nachdenkens gewesen, K’oms oiwi mm mm nanna nwi nn5> px o^isrn nivixicruanx vn i-xnv' pxa nana -Hxv »npsn aipna Vap’i 83-> i>3pi> nxY-in i>3i npsn mp»a x’oms owi runa “p’sV »na pVn „Und sie lagerten in der Wüste. Es wurde die Lehre auf einem öffentlichen, freien Platze gegeben. Hätte man sie im Heiligen Lande gegeben, so könnte der Vorwurf paar Wochen Erholung in den heimatlichen Bergen suchen und damit den Kommunen, den Hotels und dem Kleinhandel im Lande wirtschaftliche Erholung bringen. Sie sollen aber draußen bleiben. Wirtschaftlichs Verelendung wird die unausbleibliche Folge sein, aber es würde ein j u d e n r e i n e s Elend fein. Das ist das Ziel, sehnlich zu erwünschen, alles andere ist nur Mittel und Weg. Man täuscht, und nicht einmal gut, Trerliebe vor, um H a ß g e l ü st e n zu fröhnen. „Der Betrunkene dichtet nicht, er sagt es nur heraus." Was unter dem Eindrücke des antisemitischen Rauschgiftes die in Thüringen heraussagten, gilt leider für das ganze Land. Einiges aus der Verhandlung in Weimar ist aber überaus lehrreich. Die „Wirtschaftspartei" und die „Volkspartei" hüllten sich bei der Verhandlung in tiefstes Schweigen. Sie wollen erst bei den Ausschußberatungen mit ihrer Meinung Herausrücken. (Wohin diese geht, zeigten diese beiden Parteien im Ausschuß des Berliner Stadtrates, wo sie mit den Nationalsozialisten für ein Schächtverbot stimmten.) Die wenigen Demokraten fürchten aus einem Schächtverbot ruinöse Folgen für die Wirtschaft. Höchst erfreulich ist die Stellungnahme der Sozialdemokraten, die im Gegensätze zu ihren bayrischen Gesinnungsgenossen in einem derartigen Vorgehen Thüringens einen Verstoß gegen die Reichskompetenzen sehen. Bedenklich und bezeichnend ist die Haltung der R e - g i e r u n g , die von einem anderen Gesetzentwurf des Wirtschaftsministeriums spricht, der aber, wie sich inzwischen gezeigt hat, gar kein „anderer" ist, sondern sich im wesentlichen mü dem der Nationalsozialisten deckt. Ganz unerhört ist es aber, wenn Regierung und Regierungsparteien über eine Eingabe derer, die es am meisten angeht und es am besten wissen müssen, die daher allein befugt und in der Lage sind, die Folgen eines Schächtverbotes zu übersehen, nämlich des „Thüringischen Fleischerv e r b a n d e s " im Deutschen Reichsverbande der Fleischer einfach zur Tagesordnung übergehen. Wenn aber in der- Debatte ein Nationalsozialist das Argument von den wirtschaftlichen Auswirkungen mit dem Hinweis darauf abzuschwächen sucht, daß die wenigen Juden in Thüringen „nicht so religiös streng veranlagt seien, daß sie Schächtfleisch bevorzugten," so mag das unlogisch, vielleicht auch übertrieben sein, aber es sollte uns zur Selbstbesinnung und Einkehr aufrufen. Im Zerrspiegel des Hasses ist vielleicht hier die jüdische Schuld zu entdecken, die dieses Verhängnis über große unschuldige Teile der deutschen Judenheit herausbeschworen hat und noch rn hererhoben werden, als sollten die Weltenvölker von ihr ausgeschlossen fein. So aber wählte man zur Offenbarung den öffentlichen, vollständig herrenlosen Raum der Wüste. Wer die Lehre annehmen möchte, er komme herbei." (Mechilta.) Hier soll der Einwurf abgeschnitten werden, als fei uns durch die Offenbarung je der Gedanke dünkelhafter Ueberhebung in den Kopf gestiegen. Der „Nimbus des auserwählten Volkes" war uns immer fremd; wir litten unter solch böswilligem Vorwurf bis in die lebendige Gegenwart. Es gab keine Schranken am Sinaiberge, nur jene für Israel selbst. Hinter dem Volke lag die Welt frei und offen. Am Fuße des Sinai stand auch nicht ein Volk, das anderen die ewige Seligkeit in schroffer Exklusivität absprach. Der so viel verlästerte und geschmähte Talmud enthält das weitherzige Wort: ,8an pbn onb v' vi-ivn n^nx H’on auch die Frommen unter den Nichtjuden haben Anteil am zukünftigen Leben. In der Tat weiß der Midrasch von einem friedlichen Echo zu melden, das der Akt der Offenbarung bei der damaligen Welt auslöste. Bileam, der große nichtjüdische Magier, klärte die aufgeregten Massen dahin aus, daß allerdings G'tt am. Offenbarungstage Seinem Volke eine Macht gegeben habe, trp riy 'n und im Chorus erscholl es ringsum als beruhigende Antwort: „ ai^va i»y ns *pa» '»n» Der Ewige segnet Sein Volk mit Frieden." So hat sich der Dekalog auch ohne äußere prunkvolle Aufmachung in weitester Ferne ideal ausgewirkt, kraft der sittlichen Idee, die er zum Heile der Allmenschheit verkörpert. Könnten wir nicht davon so manches auch für unsere Zeit lernen? Denkt man an die Wiege unserer Thora : in einer Wüste? Man möchte daran zweifeln. Millionen werden aufgewendet zu luxuriösen Synagogenbauten, die an den meisten Tagen leer stehen. Wir sind einem Neuhellenismus verfallen. Ganz im Geiste und Baustil nichtjüdischer Andachtsstätten errichtet man Synagogen. aufbefchwören kann. Die Schächtfrage ist nicht allein eine außenjüdische, sondern vielleicht in noch höherem Maße eine i n n e r j ü d i s ch e A n geieg e n h e i t. Das wissen Viele auch unter unseren — wahren und vermeintlichen — Freunden noch nicht genügend. Wie könnte sonst aus der Hochburg des politischen Liberalismus in der Großen Eschenheilmerstraße zu Frankfurt a. M. in einem Leitartikel des Abendblattes bei Besprechung der thüringischen Schächtverbotsverhandlung gesagt werden, „über das Schächten selbst könne man wohl verschiedener Meinung sein," um dann die Abwehrkanone gegen den a n ti s e m i t i s ch e n Ton nur der Nationalsozialisten zu richten. Der Jnnenpolitiker eines Blattes - vom Range der „Frankfurter Zeitung" sollte sich wahrlich die Mühe nehmen, die reiche Gutachtensammlung zu Gunsten des Schächtens sich anzusehen, sollte sich auch sonst mit der Materie besser vertraut machen und die ganze Ungeheuerlichkeit und Lieblosigkeit eines Unternehmens aufzeiigen, das unter der Maske der Tierliebe darauf aus ist, das Judentum in seiner Seele und in vitalen Punkten seiner Existenz zu treffen, die jüdische Lehre zu verleumden und den jüdischen Mitbürgern das Stückchen Fleisch aus dem Munde zu reißen. Es scheint aber dem von keiner Blässe einer jüdischen Idee angekränkelten Herrn Redakteur bequemer zu sein, in grundlegenden jüdischen Dingen im Flächwasfer, das ein Herr Dr. Gottfchalk für die Thüringer Staatsmühlen liefert, herumzu-! plätschern. Solche in Parenthese hingeworfenen Sätze der großen liberalen Presse müssen, mit Hinblick auf ihre Wirkungen, von uns genau so entschieden zurückgewiesen werden, wie die Anfeindungen unserer uns übel wollenden Gegner. Jüdische Siedlung in Deutschland. Um die jüdischen S i e d l u n g s p l ä n e in Deutschland, mit dem der R e i ch s b u n d jüdischer Frontsoldaten vor etwa zwei Jahren an die Oeffenttichkeit trat, war es bald danach merklich stille geworden, was an Umständen außerhalb des Machtbereiches des R. j. F. llegen kann. Letzthin aber schritten die Siedlungspolitiker zu einer Tat. Franz Oppenh e i m e r hielt vor interessiertem Kreise in Berlin eine Rede und er sagte ungefähr folgendes: „Das Arbeitsziel ist ein jüdisches und deutsches zugleich: jüdische Menschen ins (nicht aufs) deutsche Land zu verpflanzen, nicht als Werk der Phi'lantropie, sondern als Gestaltung der Volkswirtschaft. Das Kennzeichen der Gegenwgrt ist Urbanisierung, Vergroßstadtlichung des Volkes Durch Farbe, Lichtreflexe, mystisches Halbdunkel, feierliche Stille, auch Choral und — Orgel sucht man eine sogen. „Sakralwirkung" zu erzielen. Liest man-die Beschreibung solcher Synagogen, so glaubt man oft, ein Pfarrer habe die architektonische Bauform seiner Kirche geschildert. Ist denn das Judentum wirklich auf solches eingestellt? Ist es Kirchenreligion, Gebetsreligion, feierliche Gefühlsreligion, Sinnenreligion durch Farbe, Form und Ton? Hört fein „Gottesdienst" um halb Zehn odev zehn Uhr auf, wenn die „Synagoge aus" ist? Als Salomo das erste große Nationalheiligtum Israels weihte, kam ihm beim Anblick des goldstrotzenden Innern sofort die Gegensätzlichkeit zwischen wahrem Thorageist und menschlicher Sinnengebundenheit zu Bewußtsein und impulsiv und instinktiv leitete er die großangelegte Weiherede mit den Worten ein: Mag wohl G'tt eine Wohnung haben auf Erden? Siehe, die Himmel und des Himmels Himmel vermögen dich nicht zu fasten, gar nun dieses Haus, das ich erbaut habe? — Solche Worte waren die echte und rechte Gedankenbrücke, die unmittelbar zum Sinai in der Wüste hinüberführten. Blitz, Donner und flammendes Feuer dienten bei der Offenbarung nicht zu Jlluminationszwecken, sie sollten die Ehrfurcht vor dem Höchsten wecken, ^nn mayai a'p^xy, xa aanx niva *nava‘> »r »ixvnn mVaV aa'w by mxv denn nur um euch zu prüfen ist G'tt so gekommen und damit die Ehrfurcht vor Ihm auf eurem Angesichte sei." Das Sinüi-Milieu, abhold allem blendenden Schein und bestechender äußerer Aufmachung, hat Jahrtausende hindurch sich wirksam erwiesen und segensreich erhalten. Ginge es wirklich nach massigen Prachttempeln, nie hätte ein Weltkrieg entstehen dürfen. Die Synagogen früherer Zeit waren in ihrer Einrichtung recht nüchtern, die einschlägigen halachischen Vorschriften ebenso und in ihrem Ausmaße recht dürftig. Sinaigeist beherrschte sie, Sinaigeist mit dem starren, doch nicht kalten „du sollst", „dm